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Bogatýr bis Bogen (Bd. 3, Sp. 136 bis 140)
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Artikelverweis Bogatýr, russisch, vom mongolischen bahadur (»Held, tapfer«), Bezeichnung der in den russischen Volksliedern (Bylinen, s. d.) besungenen Helden.
 
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Bogatzky, Karl Heinrich von, Erbauungsschriftsteller und Liederdichter aus der pietistischen Schule, geb. 1690 zu Jankowe in Niederschlesien, wurde 1729 Kammerjunker des Herzogs Christian Ernst von Sachsen-Saalfeld, privatisierte seit 1746 im Waisenhaus zu Halle und starb daselbst 15. Juni 1774. Unter seinen Erbauungsschriften ist das »Güldne Schatzkästlein der Kinder Gottes« (64. Aufl., Halle 1900), unter seinen »Geistlichen Gedichten« (das. 1749) und »Liedern« (das. 1756) das »Wach' auf, du Geist der ersten Zeugen« am bekanntesten. Vgl. seinen »Lebenslauf, von ihm selbst beschrieben« (neue Ausg., Berl. 1872); Kelly, C. H. v. B., life and work (Lond. 1889). Eine Auswahl aus Bogatzkys »Geistlichen Liedern« gab Claassen (Stuttg. 1888) heraus.
 
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Bogdanovich, Georg, Pseudonym, s. Meyers Beksics.
 
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Bogdanówitsch, Ippolit Fjodorowitsch, russ. Dichter und Schriftsteller, geb. 3. Jan. 1744 (23. Dez. 1743) zu Perewolotschna im Gouv. Poltawa, gest. 18. (6.) Jan. 1803 auf einem Gut bei Kursk, machte seine Studien in Moskau, wo er bei dem Dichter Cheraskow Aufnahme und Unterstützung fand, wurde 1761 als Klassenaufseher an der Universität und 1763 als Übersetzer im Auswärtigen Amt bei dem Grafen Panin angestellt, siedelte später nach Petersburg über und ging 1766 als Legationssekretär

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nach Dresden, wo er seine reizende Dichtung »Dušeńka« entwarf (gedruckt erst 1775). 1768 nach Petersburg zurückgekehrt, wurde er hier Mitglied und 1788 Präsident des Reichsarchivs, in welcher Stellung er bis 1795 verblieb. B. hatte schon 1763 ein schönwissenschaftliches Journal in Petersburg: »Unschuldiger Zeitvertreib«, gegründet, später veröffentlichte er mehrere Übersetzungen, unternahm, von Katharina II. veranlaßt, eine »Sammlung russischer Sprichwörter« (Petersb. 1785, 3 Bde.) und schrieb mehrere kleine Dramen, die lyrische Komödie »Duschenkas Freude« und kleine Lustspiele nach russischen Sprichwörtern. Den ersten Rang unter seinen Werken nimmt das erwähnte komische Heldengedicht »Dušeńka« ein, eine freie Nachbildung der Lafontaineschen »Psyché«. Gesammelt erschienen seine Werke zuerst in 6 Bänden (Mosk. 180910), dann in 4 Bänden (das. 1848), zuletzt in der Smirdinschen Ausgabe russischer Klassiker; seine Autobiographie in den »Vaterländischen Annalen« (1853, Nr. 4).
 
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Bogdo-Kuren, Stadt, s. Meyers Urga.
 
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Bógdo-Olá (»heiliger Berg«), 1) Großer und Kleiner, zwei den Kalmücken heilige Berge im russ. Gouv. Astrachan, 50 km östlich von Tschernyjjar, der Große B. 176, der Kleine B. 28 m hoch. Man hat ai der Umgegend viele Altertümer gefunden und nimmt an, daß der Berg einst den Kalmücken zum Begräbnisort gedient habe. Am Fuß des Berges liegt der Baskuntschaksee (s. d.). 2) Mächtiger Gebirgsstock im östlichen Tiënschan in Zentralasien, zwischen Urumtschi und Turfan unter 433/4° nördl. Br., im höchsten seiner drei Gipfel 4300 m erreichend.
 
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Bogen, in der Geometrie ein Teil einer krummen Linie. Der B. ist stets größer als die seine Endpunkte verbindende gerade Linie oder Sehne. Über den Kreisbogen vgl. Kreis.
   In der Baukunst bezeichnet B. meist die krumme Linie, nach der die eine Öffnung überspannende Konstruktion ausgeführt wird, und weiter diese Konstruktion in ihrer Körperlichkeit selbst. Man unterscheidet den Bogenscheitel als den höchsten, den Bogenfuß als den tiefsten Punkt und den Bogenschenkel als den zwischen beiden gelegenen Teil des Bogens. Die vordere und hintere Fläche des körperlichen Bogens heißen die Bogenstirnen (Häupter), die obere und untere Fläche die Bogenleibungen. Steinerne B. werden durch Auskragung hergestellt (ältere Art) oder gewölbt, hölzerne meist aus einzelnen Bohlstücken zusammengesetzt, seltener aus gebogenen Bohlen oder Balken oder aus krumm behauenen Balken gebildet. B. aus Gußeisen werden meist aus einzelnen unter sich verschraubten Platten, solche aus Walzeisen meist aus einzelnen unter sich vernieteten Blechplatten und Profileisen zusammengesetzt. Bei den gewölbten B. (Mauerbogen) nennt man den im Bogenscheitel sitzenden Stein den Schlußstein, den unter dem Bogenfuße befindlichen obersten Teil des den schrägen, nach außen gerichteten Druck des Bogens aufnehmenden Widerlagers den Kämpfer.

Die Entfernung von Kämpfer zu Kämpfer nennt man die Spannweite, die Höhe des Scheitels über der Fußlinie (Kämpferlinie) den Stich (Pfeil) des Bogens. Tragbogen dienen unmittelbar zur Unterstützung einer aufliegenden Last; Entlastungsbogen vermindern den Druck einer Auflast, z. B. auf einem Fenstersturz, liegen also ganz im Mauerwerk; Gurtbogen teilen und verstärken Gewölbe oder übertragen deren Schub, treten also an Stelle der Widerlagsmauern. sobald zwei gewölbte Räume frei miteinander verbunden werden sollen; Schild-, Stirn- oder Wandbogen liegen gurtbogenartig vor geschlossener Wand; Strebebogen steigen, wie in der gotischen Baukunst (s. Tafel Meyers »Kölner Dom III«, Fig. 2 u. 3), einseitig an und übertragen den auf höhere Pfeiler

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ausgeübten Gewölbeschub auf niedriger liegende Widerlager (Strebepfeiler); Erd- oder Grundbogen verbinden, den Scheitel nach unten gekehrt, einzelne Grundpfeiler und verteilen dadurch deren Belastung auf eine größere Fläche des Baugrundes. Als Hauptbogenformen unterscheidet man: den Rund- oder Halbkreisbogen (Fig. 1, S. 137); den Flach- oder Stichbogen (Fig. 2 u. 3); den Ellipsenbogen, der ebenso aus einer halben Ellipse besteht wie der Rundbogen aus einem Halbkreis; den Korbbogen, der der bequemern Zeichnung wegen in der Praxis häufig an Stelle des Ellipsenbogens tritt und sich aus 3, 5, 7 etc. aus ebensoviel verschiedenen Mittelpunkten geschlagenen Kreisbogenstücken zusammensetzt (Fig. 6 u. 7 mit Andeutung der Konstruktion). Ein Spitzbogen entsteht durch Brechen der Kreisbogenlinie nach Fig. 4 und 5, wobei man den gedrückten (Fig. 4, mit ef >, höchstens = eh) und den schlanken Spitzbogen (Lanzettbogen, Fig. 5, mit ef < eh) unterscheidet. Ein gerader, aber gewölbter Sturz (Fig. 14) heißt ein scheitrechter B. Andre B. zeigen die Figuren 822. Bei dem verschobenen B. bildet die innere Leibung mit der einen Bogenstirn einen schiefen Winkel. Bei Brückengewölben mit gerade abgeglichener, entweder von beiden Seiten nach der Mitte steigender oder wagerechter Brückenbahn entsteht als Gleichgewichtskurve, also als ideeller B., der Klinoidenbogen, der am Scheitel flach abgerundet ist, und dessen Schenkel nach dem Bogenfuß hin eine fast gerade Form und eine stets mehr oder minder geneigte, aber nie lotrechte Lage annehmen. Für die äußere Erscheinung der Bogenstirn sind zwei grundsätzlich verschiedene Auffassungen zu unterscheiden: der Faszien- oder Archivoltenbogen und der B. mit ausgesprochener Wölbfuge. Die erstere Art ist gewissermaßen nur gebogener Balken, sie gehört der Antike und den von ihr abgeleiteten Bauweisen an und besteht aus einem bogenförmig bearbeiteten Stein (Bogensturz), oder sie ist nur ausgekragt (Bogenstellung der Wasserleitung in Athen). Später wird diese Bogenform zwar auch durch Wölbung hergestellt, die Wölbfuge spricht aber dem Archivoltenprofil gegenüber formal wenig mit (Fig. 23). Der B. mit ausgesprochener Wölbfuge ist, wenn er auch schon früher vorkommt, die eigentlich mittelalterliche Bogenart. Die Bogenstirn wird bei ihm entweder nach oben durch die Leibungslinie begrenzt (Fig. 24), oder sie hat, so besonders in der Renaissance, eine in den Fugenverband der anschließenden Übermauerung überleitende Begrenzung (Fig. 25). Bei den spätern Stilperioden angehörigen, reichern, zusammengesetzten Bogenformen (Fig. 1522) tritt dieser grundsätzliche Unterschied mehr zurück. Diese B., z. T. Spielereien von untergeordneter konstruktiver Bedeutung, werden überhaupt mehr durch der Form irgendwie angepaßten Steinschnitt als durch eigentliche Wölbung hergestellt.
 
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Bogen, als musikalisches Instrument (ital. Arco, franz. Archet) 1) dasjenige Werkzeug, mit dem die Saiten der Geigeninstrumente gespielt werden; dasselbe ist aus sehr hartem Holz (Schlangenholz, Brasilienholz, Pernambukholz) gefertigt, mit Pferdehaaren bezogen, die mittels eines Gewindes am Griffende (Frosch) straffer gezogen werden können und vor dem Spiel mit Kolophonium bestrichen werden. Die Bogenführung (Bogenstrich, Strich, franz. Coup d'archet), d. h. die Handhabung des Bogens der Streichinstrumente (gewöhnlich mit der rechten Hand), ist für das Spiel von ebenso großer Bedeutung wie die Applikatur, die Tätigkeit der andern Hand, welche die Saiten verkürzt (greift). Die Reinheit des Tones, bez. die Tonhöhe hängt von der Applikatur ab, alles andre aber von der Bogenführung, nämlich Weichheit oder Härte des Tones, Ausdruck, Vortragsart (Staccato, Legato). Solange der B. die Saiten nicht verläßt, erscheint das Spiel gebunden (legato), auch beim Bogenwechsel (s. unten); verschiedene Arten des nicht gebundenen Vortrags sind das durch selbständiges An- und Absetzen jedes Tones bei bleibender oder stets wechselnder Bogenführung entstehende eigentliche Staccato, ferner das Spiel mit springendem B. (saltato) und das durch loseste Bogenführung bewirkte Virtuosenstaccato (spiccato, piqué). Die Vorschriften »a punto d'arco« (mit der Bogenspitze) und »au talon« (am Frosch) fordern jene ein besonders leichtes, diese ein hartes Spiel. Man unterscheidet bei der Bogenführung den Herunterstrich (Herstrich) und den Hinaufstrich (Hinstrich). In Violinschulen und Etüden wird die Streichart genau vorgeschrieben, und dann bezeichnet oder (das Bild des Griffendes) den Herunterstrich und oder (das Bild der Bogenspitze) den Hinaufstrich. In einzelnen Orchestern wird darauf gehalten, daß auch bei Konzertaufführungen sämtliche Geiger derselben Partie (erste, bez. zweite Violinen) mit gleichen Strichen spielen; dann müssen natürlich die Bogenstriche genau in die Stimmen eingezeichnet sein. Gewöhnlich wird der Wechsel der Bogenführung nur durch über die Noten gezeichnete B. angedeutet (s. unten). 2) Die Einsatzstücke für die Schallröhre der Wald- und Ventilhörner. die den Stimmungston verändern, so daß aus einem F-Horn ein E-Horn gemacht werden kann etc.
   In der Notenschrift unterscheidet man zunächst den zwei auf derselben Stufe stehende Noten verbindenden B., der die beiden Noten zu einer einzigen, entsprechend längern Dauer vereint (Haltebogen). Ein B. über oder unter den Noten auf verschiedenen Stufen zeigt an, daß diese Noten legato vorgetragen, d. h. streng miteinander verbunden (geschleift) werden sollen (Schleifbogen, Legatobogen). Ein B. über oder unter Noten, die zugleich das Zeichen des Staccato haben, bedeutet, daß diese Töne nicht völlig gebunden, aber auch nicht kurz abgestoßen, sondern nur eben deutlich voneinander geschieden werden sollen (non legato, Halbstaccato, Portament). Die Notierung für Streichinstrumente überspannt die Noten mit einem B., die mit demselben Bogenstrich gespielt werden sollen (s. oben); diese B. enden meist mit dem Taktstrich oder der Takthälfte, und es ist anzunehmen, daß die große Zahl sinnwidriger B. der Klaviermusik darauf zurückzuführen ist, daß die Komponisten gewohnheitsmäßig die B. setzten wie für Streichinstrumente, für die sie zuerst aufkamen (im 17. Jahrh.). Neuerdings ist man bestrebt, den B. zugleich als Zeichen der motivischen Gliederung anzuwenden (Phrasenbogen).
 
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Bogen, eine Waffe zum Schießen von Pfeilen oder Kugeln. Der einfache Pfeilbogen (Fig. 1) ist ein elastischer, fester, in der Regel aus Holz oder Bambus, sehr selten aus Horn bestehender, 0,83 m

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langer Bügel, dessen beide Enden mittels einer aus tierischer Sehne, Pflanzenfaser, Rottang etc. gefertigten Sehne straff miteinander verbunden sind. Er ist der ursprünglichste und auch heute noch am weitesten verbreitete B.; er war die einzige in Europa gebräuchliche Form, herrschte ursprünglich, mit je einer Ausnahme, in Afrika und Ozeanien und kam auch für den bei weitem größten Teil Amerikas allein in Betracht. In der Regel aus vollem Holze derart hergestellt, daß beide Bogenhälften von gleicher Stärke sind, gibt es in Afrika, Neuguinea, auf den Andamanen und den Neuen Hebriden B., die einfach aus einem Baumzweige bestehen, so daß das obere, dünnere Ende schwächer und biegsamer ist als das andre. Der B. der südlichen Andamanen (Fig. 2) besitzt die Gestalt eines zweiblätterigen Ruders. Ähnliche Formen kommen bei den Oregonindianern, am Schirefluß und am Nyassasee vor. Der zusammengesetzte B. (Fig. 3) ist ursprünglich auf Asien beschränkt; von Vorderasien ist er dann auch nach den Mittelmeerländern und Nordafrika übertragen worden. Seinem Bau nach besteht er in jedem Fall aus einem Holzkern, der in der Gegend des Griffes rund, sehr dick und nahezu vollig starr ist, aber sich nach der Seite rasch abflacht und sehr dünn wird. An diesen Holzkern legen sich dann als andre, durch geeignete Manipulationen mit jenem innig verbundene Bestandteile: Sehnenfasern, Hornplatten oder -Stäbe, Holzplatten andrer Art, Bambus etc. Das Ganze wird mit Leder, bei den arktischen Völkern mit Birkenrinde umwickelt; die Japaner überziehen ihren zusammengesetzten B. aus drei Holzlängenstreifen, von denen der innerste hartes Holz, die beiden andern, äußern, Bambus sind, außerdem noch mit einem vortrefflichen Lacküberzug. Bemerkenswert ist, daß die Größe des zusammengesetzten Bogens in Asien von Westen nach Osten zunimmt; am kleinsten ist der türkische, gleichzeitig ist er auch der wirksamste. Der größte ist der mächtige B. der Chinesen. Von den einfachen B. hat die geringste, nur etwa 80 cm betragende Länge der B. der Waldvölker des zentralafrikanischen Iturigebietes; dagegen erreichen die B. der Indianer am Rio Negro eine Länge von 3 m. Eine Ab- oder Unterart des zusammengesetzten Bogens ist der verstärkte B. In der Hauptsache aus einem langen Stabe bestehend, wird er durch Anfügen von dünnen Holzleisten, durch Anwickeln von Sehnen, Ausziehen von Ringen, Umwickeln mit Sehnen etc. elastischer und kräftiger gemacht. Solche verstärkte B. gibt es in Alaska, in Westpolynesien, auf Neuguinea und bei den Pygmäen am Kivusee in Afrika.
   Eine in Hinsicht auf das Geschoß merkwürdige Abart des Bogens ist der Kugelbogen (Fig. 4 u. 5). Statt der Pfeile schleudert er taubeneigroße Tonkugeln nach dem Ziele (Vögeln und andern kleinen Tieren). Er kommt in Hinterindien und dem nordöstlichen Südamerika vor und besteht entweder aus zwei, durch Stege verbundene Einzelbogen, zwischen denen das Geschoß dann durchfliegt (Fig. 4), oder einem einfachen B., dessen Enden so gebogen sind, daß die Geschoßebene seitlich zu der Handhabe vorbeiführt (Fig. 5).
   Verschieden wie die Gestalt, der Bau und das Material der B. ist ihre Spannweise. Meist ist sie so straff, daß beim Schuß die vorschnellende Sehne die linke Hand nicht berührt; in andern Fällen würde sie diese indes empfindlich treffen, wenn nicht Schutzmaßregeln getroffen würden. Derartige Hand- und Armschutzapparate haben die Form von Platten, Riegeln, Ringspiralen, Kissen, Binden etc. Platten aus Stein, Knochen oder gebranntem Ton sind schon aus vorgeschichtlicher Zeit bekannt; von heutigen Naturvölkern führen derartige Schutzapparate verschiedene Völker Afrikas (Warundi, Obernilvölker, Waldvölker am Ituri, die Wute in Kamerun, die Salomoninsulaner u. a.).
   Fast alle alten Völker, Assyrer, Indier, Kreter, Numidier, Skythen (Fig. 6), führten den B. In den Heeren der Perser und Karthager gab es viele Bogenschützen. Bei den Griechen, die kunstvoll gearbeitete B. aus Antilopengehörn besaßen (Fig. 7), waren, wie bei den Römern, die Schützen nicht besonders geachtet, sondern man überließ diese Kampfweise gern geworbenen Hilfsvölkern. Später machte Mohammed den Gebrauch des Bogens zur Religionspflicht, und Türken, Perser, Araber stellten vorzügliche Schützen; auch Hunnen und Mongolen (russisch-tscherkessische Truppen noch 1813) führten den B., dagegen benutzten die Germanen ihn fast nur zur Jagd und ungern im Kriege, wo sie lieber das Wurfbeil und den Wurfspieß brauchten. Erst im Mittelalter kommt er hier mehr in Gebrauch, besonders die englischen »Bogner«, die Flanderer, Burgunder etc. (vgl. Archers) waren sehr berühmt. Der englische B. war 1,8, der deutsche 1,2, der italienische 1,5 m lang, erstere beiden meist von Eibenholz, letzterer von Stahl gefertigt. Zur Aufnahme der bis 1 m langen Pfeile (vgl. Pfeil und Pfeilgift) diente der an der rechten Schulter oder

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am Gürtel getragene Köcher (Fig. 8 u. 9, S. 139). Als Sport wird das Bogenschießen heute noch in England, Frankreich, Belgien und besonders in der Schweiz betrieben. Als höchste Schußweite werden für den B. angegeben aus dem Altertum 500 m, aus Sportkreisen der Neuzeit 800 m. Vgl. Hansard, The book of archery (Lond. 1845); Longman und Walrond, Archery (das. 1894); v. Luschan, Über den antiken B. (Benndorf-Festschrift 1898); Derselbe, Zusammengesetzte und verstärkte Bögen (»Zeitschrift für Ethnologie«, 1899); Boeheim, B. und Armbrust (»Zeitschrift für historische Waffenkunde«, Bd. 1, 1898); Ratzel, Die afrikanischen B., ihre Verbreitung und Verwandtschaft (»Abhandlungen der Königlich Sächsischen Gesellschaft der Wissenschaften«, Leipz. 1891); Herrm. Meyer, B. und Pfeil in Zentralbrasilien (das. 1895); B. Adler, Die B. Nordasiens (»Internationales Archiv für Ethnographie«, Bd. 15, 1902); Demmin, Die Kriegswaffen in ihrer geschichtlichen Entwickelung (Leipz. 1893); Mason, North American bowsReports Smithsonian Institution«, 1894); Jähns, Entwickelungsgeschichte der alten Trutzwaffen (Berl. 1899).
 
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Bogen, elektrischer, s. Meyers Elektrisches Licht.
 
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Bogen, Flecken und Bezirksamtshauptort im bayr. Regbez. Niederbayern, links an der Donau und an der Staatsbahnlinie Straubing-Konzell, 320 m ü. M., hat eine kath. Kirche mit steinernem Marienbild, zu dem gewallfahrtet wird, Amtsgericht und (1900) 1360 Einw. B. war Sitz der Grafen von B., die 1242 ausstarben, worauf die Grafschaft an Bayern fiel.

 

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