Wörterbuchnetz
Meyers Großes Konversationslexikon Bibliographische AngabenLogo textgrid zeno bmbf · Logo textgrid zeno bmbf · Logo textgrid zeno bmbf
 
Boë bis Boerhaave (Bd. 3, Sp. 134 bis 135)
Abschnitt zurück Abschnitt vor
Artikelverweis Boë, Franz de la (Sylvius), Mediziner, geb. 1641 in Hanau, gest. 1672, war seit 1658 Professor der Medizin zu Leiden. Er begründete das chemiatrische System, indem er lehrte, daß Verdauung und Blutbildung lediglich durch Fermentwirkung in der Lymphe, Galle und dem Blut zu stande kämen, und daß die meisten Krankheiten gleichen Ursprung hätten; auf irgend ein vitales Moment teate er kein Gewichi. Er schrieb: »Disputationum medicarum decas« (Amsterd. 1663 u. ö., Frankf. 1676); »Praxeos medicae idea nova« (Leid. 1667, Amsterd. 1674). Seine sämtlichen Werke erschienen Amsterdam 1671, zuletzt Genf 1739.
 
Artikelverweis 
Boëdromios (griech., »der unter Schlachtruf helfend Herbeieilende«), ein Beiname des Apollon, unter dem er an vielen Orten verehrt wurde, so in Athen wegen der Hilfe im Kampf gegen Eumolpos und die Eleusinier oder die Amazonen. Am 7. Tage des nach ihm benannten attischen Monats Boëdromion (Mitte September bis Mitte Oktober) wurde ihm dort mit militärischem Auszug das Fest der Boëdromien gefeiert, das nach 490 v. Chr. in ein Gedenkfest der Schlacht bei Marathon überging. Vgl. Stephani, Apollon B. (Petersb. 1860).
 
Artikelverweis 
Boëllmann, Léon, franz. Komponist, geb. 25. Sept. 1862 in Ensisheim (Elsaß), Schüler von E. Gigout, gest. 11. Okt. 1897 als Oraamst von St.-Vincent de Paul zu Paris; schrieb geschätzte Werke für Orgel (Suite gothique, Fantaisie dialoguée mit Orchester), auch Kammermusikwerke u. a.
 
Artikelverweis 
Boemel, Stadt, s. Meyers Bommel.
 
Artikelverweis 
Boëmund, s. Meyers Bohemund.
 
Artikelverweis 
Boendale (spr. būn-), Jan, niederländ. Dichter, geb. zwischen 1280 und 1290 in Tervueren, gest. 1365, war Kanzleischreiber der Stadt Antwerpen und bemühte sich, als der wirksamste von Maerlants Schülern, mit seinen in vorzüglicher Sprache geschriebenen

[Bd. 3, Sp. 135]


Gedichten Bildung und Aufklärung in den Niederlanden zu verbreiten. Er schrieb die brabantische Geschichte in den zwei Teilen seiner »Brabantsche Geesten« (1316 u. 1347; hrsg. von J. F. Willems, Brüss. 1839) und in dem fragmentarisch überlieferten Gedicht »Van den derden Edewaert« (hrsg. von Willems im »Belgischen Museum«, Bd. 4, Gent 1840). Boendales Hauptwerk ist das zwischen 1325 und 1330 verfaßte Lehrgedicht »Der Lekenspiegel« (Ausg. von M. de Vries, Leiden 184448, 4 Bde.). Seine Werke haben einen bleibenden Wert als soziale Spiegelbilder ihrer Zeit.
 
Artikelverweis 
Boer (russ.), Eissegelschiff auf Schlittenkufen.
 
Artikelverweis 
Boeren, Boerenkrieg (spr. bū-), s. Meyers Buren und Meyers Südafrikanische Republik (Geschichte).
 
Artikelverweis 
Boeresco, Basil, rumän. Staatsmann, geb. 1. Jan. 1830 in Bukarest, gest. 1. Dez. 1883 in Paris, beteiligte sich seit 1848 als Journalist an der revolutionären Bewegung in den Donaufürstentümern, vollendete (bis 1857) seine Rechtsstudien in Paris und richtete 1856 an den dortigen Kongreß eine »Mémoire sur la question politique et économique de la Moldo-Valachie«. Auch veröffentlichte er damals: »La Roumanie après le traité de Paris du 30 mars 1856« (Par. 1866) und »Traité comparatif des délits et des peines« (das. 1857). 1858 ließ er sich in Bukarest als Advokat nieder, gründete daselbst den liberalen »Nationalul« und bekleidete zwei Jahrzehnte lang die Professur des Handelsrechts an der Universität. 1859 in die Gesetzgebende Versammlung gewählt, betrieb er eifrig die Vereinigung der Donaufürstentümer zu einem Staat. Von November 1868 bis Februar 1870 war er Justizminister und begründete die gemäßigt-konservative »Pressa«; von Mai 1873 bis November 1875 war er sogar Mitglied des hochkonservativen Ministeriums Catargiu als Minister des Auswärtigen. Doch der russisch-türkische Krieg 1877/78 ließ ihn zur nationalliberalen Anschauung zurückkehren: von Juli 1879 bis April 1881 war er Minister des Auswärtigen im Kabinett I. Bratianu, führte die Anerkennung der Mächte und die Judenemanzipation durch, mußte aber, in der Donaufrage zu nachgiebig gegen Österreich, zurücktreten. Außer einem Kommentar des walachischen Handelsgesetzbuchs (1859) schrieb er: »Examen de la convention du 19 août relative à l'organisation des Principautés danubiennes« (1858) und »Mémoire sur la juridiction consulaire dans les Principautés unies roumaines« (1865 u. 1869) und gab eine Sammlung aller neuern Gesetze und Verordnungen Rumäniens heraus.
 
Artikelverweis 
Boerh., bei Pflanzennamen Abkürzung für: s. Meyers Boerhaave.
 
Artikelverweis 
Boerhaave (spr bur-), Hermann, Mediziner, geb. 31 Dez. 1668 in Voorhout bei Leiden, gest. 23. Sept. 1788, studierte seit 1682 Theologie, dann Mathematik und seit 1690 Medizin, ward 1701 Lektor und Repeten und 1709 Professor der Medizin und Botanik zu Leiden. 1714 erhielt er die klinische Professur sowie die Aussicht über das Krankenhaus, 1718 auch den Lehrstuhl der Chemie. Seit 1729 behielt er nur die prattische Lehrstelle. B. war von Hippokrates ausgegangen (»De commendando studio Hippocratico«, 1701), wendete sich aber bald den Jatromathematikern zu (»De usu ratiocinii mechanici in medicina«, Leiden 1700). Er suchte mit großer wissenschaftlicher Überlegenheit alle Resultate der Naturwissenschaften in der Medizin zu verwerten und fand in der »Faser« den allgemeinen Organbestandteil, der durch seine Spannung und Erschlaffung die meisten Krankheitszustände verursacht. Die wichtigsten seiner Schriften sind die »Institutiones medicae in usum annuae exercitationis« (Leiden 1708, zuletzt Wien 1775), in die meisten lebenden Sprachen übersetzt, ein systematischer Abriß der theoretischen Lehrsätze in der Medizin, und die »Aphorismi de cognoscendis et curandis morbis« (Leiden 1709 u. ö.), worin er von einer höchst genialen Klassifikation der Krankheiten ausgeht. Seine »Elementa chemiae« (Par. 1724 u. ö., 2 Bde.) sind namentlich wegen der Genauigkeit der Versuche von Wert. B. hielt zuerst in den Niederlanden Vorträge über Augenheilkunde (»Praelectiones de morbis oculorum«, hrsg. von Haller, Götting. 1750; deutsch, Nürnb. 1771). Die Stadt Leiden hat ihm in der Peterskirche ein Denkmal errichtet mit seinem Lieblingsspruch: »Simplex sigillum veri«. Vgl. Burton, Account of the life and writings of B. (Lond. 1743, 2 Bde.); Johnson, Life of H. B. (das. 1834; holländ., Amsterd. 1837); Kesteloot, Lofrede op H. B. (Leiden 1825).

 

Eingabe
Wörterbuchtext:
Stichwort: