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Bodenzinsen bis Bodmer (Bd. 3, Sp. 131 bis 133)
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Artikelverweis Bodenzinsen, s. Meyers Grundzinsen.
 
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Bodesches Gesetz, s. Planeten.
 
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Bodfeld (Bothfeld), vorzeiten eine kaiserliche Burg im Harz, wo sich König Heinrich I. öfters der Jagd wegen aufhielt und Kaiser Heinrich III. in Gegenwart des Papstes Viktor II. 1056 starb. Die Burg lag am Zusammenfluß der Kalten und Warmen Bode, war aber schon 1258 eine Ruine; jetzt breitet sich dort eine Wiese aus.
 
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Bödiker, Tonio, der erste Präsident des Reichsversicherungsamtes, geb. 5. Juni 1843 zu Haselünne in

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Hannover, studierte in Heidelberg, Berlin und Göttingen, war hierauf im hannöverschen Justizdienst beschäftigt, wurde 1869 Regierungsassessor in Hannover, verwaltete dann die Landratsämter in Schlochau und Lötzen, war hierauf Hilfsarbeiter bei der Regierung in Stettin und 187173 im Ministerium des Innern in Berlin. Hierauf Landrat des Kreises Gladbach, wurde er 1881 vortragender Rat im Reichsamte des Innern, in welcher Eigenschaft er die Gesetze über Arbeiterversicherung im Reichstag zu vertreten hatte. 1884 wurde ihm die Oberleitung der zu schaffenden Organisationen übertragen und B. zum Präsidenten des Reichsversicherungsamtes ernannt. Seine großen Verdienste wurden unter anderm dadurch anerkannt, daß ihn die philosophische Fakultät zu Leipzig, die juristische zu Breslau und die medizinische zu Göttingen zum Ehrendoktor ernannten. Im Juni 1897 schied er wegen Meinungsverschiedenheit mit dem Staatssekretär v. Bötticher aus dem Reichsdienst und trat als Generaldirektor in die Firma Siemens u. Halske in Berlin ein; seit 1903 gehört er dem Aufsichtsrat derselben an. Er schrieb: »Die Zulässigkeit des Rechtswegs und die Kompetenzkonflikte in der Provinz Hannover« (Berl. 1870); »Die Kommunalbesteuerung (local taxation) in England und Wales« (das. 1873); »Die Unfallgesetzgebung der europäischen Staaten« (Leipz. 1884); »Die gesetzliche Regelung des Feingehalts der Gold- und Silberwaren« (das. 1886); »Die Gewerbe- und Versicherungsgesetzgebung des Deutschen Reiches« (2. Aufl., Berl. 1887; Nachtrag 1889); »Die Arbeiterversicherung in den europäischen Staaten« (Leipz. 1895).
 
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Bodin (spr. -däng), Jean, franz. Publizist, geb. um 1530 in Angers, gest. 1596 an der Pest in Laon, debütierte in Toulouse als Rechtslehrer mit glänzendem Erfolg, ging 1551 nach Paris und zeichnete sich hier als Schriftsteller (weniger als Advokat am Parlament) so sehr aus, daß er sich das Vertrauen des Königs Karl IX. in hohem Grad erwarb. Trotzdem entging er 1572 nur mit Mühe dem Gemetzel der Bartholomäusnacht, weil er sich sowohl in Schriften als in mündlichen Äußerungen den Reformierten günstig gezeigt und die fanatische Wut der Katholiken gegen dieselben getadelt hatte. Bei Heinrich III. stand B. bald nachher wieder in höchstem Ansehen und spielte in den Angelegenheiten der gegen den französischen Hof ausgestandenen Ligue als Rat des Gerichtshofs zu Laon besonders auf der allgemeinen Ständeversammlung zu Blois eine wichtige Rolle. B. bewirkte, daß 1577 den Reformierten durch einen Waffenstillstand Friede und Gewissensfreiheit gewährt wurden, zog sich aber dadurch den Haß der Fanatiker zu. In dieser Zeit schrieb er das Aufsehen erregende Werk: »De la république« (Par. 1577; lat. von ihm selbst, das. 1586), worin er eine Kritik der verschiedenen Staatsverfassungen aufstellte. Merkwürdig genug legte aber dieser klare und tiefe Denker in demselben Werk und mehr noch in seiner »Démonomanie« (Par. 1581) eine auffallende Hinneigung zur Annahme einer allgebietenden Gewalt des Teufels und der Dämonen, zum Glauben an Hexerei und an den Einfluß der Gestirne auf die menschlichen Schicksale an den Tag. Der nach dem Tode des Herzogs von Ateneon 1584 wieder ausgebrochene Bürgerkrieg trieb B. infolge der meuchlerischen Hinrichtung des Herzogs von Guise durch Heinrich III. zur Partei der Ligue. Da er aber auf die Absichten derselben nicht unbedingt eingehen wollte, wurde er bald von ihr ausgestoßen und als Ketzer angeklagt. Später unterwarf er sich Heinrich IV. Bemerkenswert ist seine erst in neuerer Zeit vollständig im Druck erschienene Schrift: »Heptaplomeres (oder Colloquium Heptaplomeres) de rerum sublimium arcanis abditis« (hrsg. von L. Noack, Schwerin 1857; vorher nur im Auszug von Guhrauer, Berl. 1841), ein unter sieben Disputanten verteilter Dialog über die bestehenden Religionsparteien, worin er seinen Standpunkt über allen Religionsparteien nahm und zeigte, daß jede auf Anerkennung ein Recht habe, sofern sie nicht gegen Staat, Sittlichkeit und Gottesfurcht streite. Von geringerer Bedeutung sind die übrigen Schriften Bodins: »Methodus ad facilem historiarum cognitionem« (Par. 1566); »Universae naturae theatrum« (Lyon 1596; franz., das. 1597); »Paradoxes, doctes et excellents discours de la vertu« (Par. 1604). Vgl. Baudrillart, Jean B. et son temps (Par. 1853); E. de Barthélemy, Etude sur Jean B. (das. 1876); Hancke, B. Studie über den Begriff der Souveränität (Bresl. 1894); Fournol, B., prédécesseur de Montesquieu (Par. 1896).
 
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Bodĭo, Dorf im schweizer. Kanton Tessin, Bezirk Leventina, links am Tessin, Station der Gotthardbahn, 5 km nordwestlich von Biasca, 331 m ü. M., mit Gneisbrüchen und (1900) 353 Einw.
 
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Bodĭo, Luigi, ital. Statistiker, geb. 12. Okt. 1840 in Mailand, studierte in Pavia und Pisa und bereiste dann mit einer Unterstützung der Regierung das Ausland, ward 1864 Professor der Nationalökonomie am königlichen Technikum zu Livorno, 186768 Professor in Mailand und darauf Professor an der höhern Handelsschule zu Venedig. Als Maestri, der Schöpfer des königlich italienischen Statistischen Bureaus, 1872 starb, ward B. an seine Stelle als Direktor dieses Bureaus nach Rom berufen. Von der großen internationalen Statistik hat B. 1876 die »Statistique internationale des caisses d'épargne« herausgegeben. Von seinen zahlreichen übrigen Arbeiten sind zu nennen: »Saggio sul commercio esterno terrestre e marittimo del regno d'Italia« (Flor. 1865); »Sui documenti statistici del regno d'Italia« (das. 1867); »Dei rapporti della statistica coll' economia politica e colle altre scienze affini« (das. 1869); »Saggio di bibliografia statistica italiana« (2. Aufl., Rom 1885). Seit 1886 gibt B. das »Bulletin de l'Institut International de Statistique«, seit 1873 das »Annuario statistico italiano« heraus.
 
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Bodjánskij, Oßip Maximowitsch, Slawist, geb. 1808 im Gouv. Poltawa, gest. im September 1877, studierte in Moskau, bereiste Ende der 30er Jahre im Auftrag der russischen Regierung die slawischen Länder, um die Sprachen, die Literatur und Ethnographie derselben zu studieren, und wurde nach seiner Rückkehr Professor in Moskau. Seine Hauptarbeit war die Herausgabe der inhaltreichen Abhandlungen (»Čtenija«) der Moskauer »Gesellschaft der Freunde der russischen Geschichte und Altertümer« (184649 u. 185877). Von seinen eignen Schriften sind hervorzuheben: »Über die Volkspoesie der slawischen Stämme« (Mosk. 1837) und »Über die Zeit des Ursprungs der slawischen Schrift« (das. 1855).
 
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Bodley (spr. boddlĭ), Sir Thomas, engl. Staatsmann und Gelehrter, geb. 2. März 1545 in Exeter, gest. 28. Jan. 1613, floh mit seinen Eltern unter Königin Maria nach Deutschland und von da nach Genf, kehrte unter Elisabeth nach England zurück, studierte, machte Reisen und ward von Elisabeth zu diplomatischen Missionen besonders nach Dänemark, Frankreich und Holland verwendet. 1596 aus dem Staatsdienst

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ausgetreten, widmete er in Oxford der Erweiterung der Universitätsbibliothek (nach ihm die Bodleianische genannt) Zeit und Vermögen. Auf den Ankauf seltener und wertvoller Werke in allen Ländern soll er gegen 200,000 Pfd. Sterl. verwendet haben; in seinem Testament setzte er ein Kapital zur Besoldung der Bibliotheksbeamten aus. Vgl. Macray, Annals of the Bodleian library (Oxford 1868). Bodleys Autobiographie, Briefe etc. hat Hearne herausgegeben u. d. T.: »Reliquiae Bodleianae« (Lond. 1703).
 
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Bodman, Dorf im bad. Kreis Konstanz, Amtsbezirk Stockach, am Überlinger See, hat 2 kath. Kirchen, ein Schloß, eine Burgruine, Weinbau, Ziegelbrennerei, Dampfschiffahrt und (1900) 892 Einw. Dabei Pfahlbauten. Nach B. ward im Mittelalter der Bodensee benannt. B. war in der Karolingerzeit eine Kaiserpfalz.
 
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Bodmer, 1) Johann Jakob, schweizer. Dichter und Schriftsteller, geb. 19. Juli 1698 in Greifensee bei Zürich, gest. 2. Jan. 1783 auf seinem Gute bei Zürich, Sohn eines Predigers, begann Theologie zu studieren, widmete sich vorübergehend (zu Bergamo) der Kaufmannschaft, kehrte 1719 nach Zürich zurück, erhielt 1725 den Lehrstuhl der helvetischen Geschichte daselbst und ward 1735 Mitglied des Großen Rates. Mit Breitinger, Zellweger, Zollikofer und Heinrich Meister begründete B. 1721 die »Diskurse der Maler«, eine moralische Wochenschrift nach dem Vorbild (einer französischen Übersetzung) von Addisons »Spectator« (vgl. H. Bodmer, Die Gesellschaft der Maler in Zürich und ihre »Diskurse«, Zürich 1895). Durch seine ästhetisch-kritischen Studien über Milton sowie durch seine Übersetzung des »Verlornen Paradieses« (Zürich 1732, neue verbesserte Aufl. 1742 u. 1754) gab er der deutschen Literatur eine wichtige Anregung. Bei seinen kunsttheoretischen Studien fand er in Breitinger einen mitstrebenden Freund. In dieses Gebiet gehören seine Schriften: »Von dem Einfluß und Gebrauche der Einbildungskraft zur Ausbesserung des Geschmacks« (Frankf. u. Leipz. 1727), »Von dem Wunderbaren in der Poesie« (Zürich 1740) und die »Kritischen Betrachtungen über die poetischen Gemälde der Dichter« (das. 1741), deren Hauptverdienst darin besteht, daß B. das Wesen der dichterischen Phantasie zu erschließen versuchte. Durch diese Studien gerieten er und Breitinger in eine erbitterte literarische Fehde mit Gottsched, die sich seit 1741 durch mehrere Jahre hindurchzog. Als 1748 Klopstock mit den drei ersten Gesängen des »Messias« auftrat, begrüßte ihn B. als einen Nachfolger Miltons und ergriff für ihn entschieden und begeistert Partei, ja er suchte sich in dessen Sinne zum Dichter aufzuschwingen und ward durch das persönliche Mißverhältnis, das bei Klopstocks Anwesenheit in Zürich (Sommer 1750) eintrat, in seinem Enthusiasmus für die »heilige« Dichtung des »Messias« nicht irre gemacht. Seine epischen Dichtungen: »Noah« (Frankf. u. Leipz. 1750, später »Noachide« genannt), »Jakob und Joseph« (1751) u. die »Sündflut« (1755), waren freilich nur schwache Nachklänge des »Messias«, und seine dramatischen Produkte: »Marcus Brutus« (1768), »Wilhelm Tell« (1775) etc., erwiesen den Mangel aller dramatischen Begabung. Als Kritiker hatte er sich einen schroffen und polemischen Ton angewöhnt, der immer entschiedener hervortrat, je weniger er der neuen glänzenden Entwickelung der deutschen Literatur zu folgen vermochte. Noch in seinem 80. Jahr gab er eine Übersetzung der »Ilias« und der »Odyssee« heraus, der bald die der »Argonauten« des Apollonios nachfolgte. Unbestreitbares Verdienst erwarb er sich außer seinen kritischen Schriften, von denen noch die »Kritischen Briefe« (Zürich 1746) und »Neuen Kritischen Briefe« (das. 1749) zu erwähnen sind, durch die Herausgabe älterer vaterländischer Dichtungen, als: »Proben der alten schwäbischen Poesie des 13. Jahrhunderts« (das. 1748), »Fabeln aus den Zeiten der Minnesinger« (das. 1757), »Kriemhildens Rache« (2. Teil des Nibelungenliedes) und »Die Klage« (das. 1757), der sogen. Manesseschen »Sammlung von Minnesingern« (das. 1758, 2 Bde.) u. a. Vgl. Mörikofer, Die schweizerische Literatur des 18. Jahrhunderts (Leipz. 1861); Braitmaier, Die poetische Theorie Gottscheds und der Schweizer (Tübing. 1879); Bächtold, Geschichte der deutschen Literatur in der Schweiz (Frauenfeld 1892, mit zahlreichen Mitteilungen aus ungedruckten Briefen Bodmers) und die gehaltvolle Festschrift zu Bodmers 200. Geburtstag: »Johann Jakob B.« (Zürich 1898).
   2) Georg, Mechaniker, geb. 6. Dez. 1786 in Zürich, gest. daselbst 29. Mai 1864, erfand in Hauptweil im Kanton Thurgau 1803 die Schrauben- oder Kreuzräder, vervollkommte 1805 die Baumwollspinnmaschinen und legte bald darauf zu Küßnacht im Kanton Zürich eine mechanische Werkstätte an, in der 1808 ein Hinterladungsgeschütz für einpfündige Granaten mit Perkussionszünder hergestellt wurde. 1806 siedelte er nach St. Blasien über, ward 1816 Kapitän der Artillerie und mit der technischen Leitung der großherzoglich badischen Eisenwerke beauftragt, während er zugleich der Gewehrfabrik zu St. Blasien sowie einer Spinnerei und mechanischen Werkstätte vorstand. 1824 gründete er in Manchester eine Werkstätte für Maschinenbau. Seit 1847 lebte er in Wien, um sich an den österreichischen Eisenbahnbauten zu beteiligen, und seit 1850 verwaltete er mehrere Jahre in Lanzendorf bei Wien eine Maschinenbauwerkstatt.

 

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