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Bodenmüdigkeit bis Bodensee (Bd. 3, Sp. 127 bis 129)
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Artikelverweis Bodenmüdigkeit (Pflanzenmüdigkeit, Pflanzenschwindsucht), Versagen eines Bodens für bestimmte Pflanzenarten infolge chemischer oder physikalischer Verhältnisse des Bodens, klimatischer Ungunst oder Auftreten pflanzlicher und tierischer Schädlinge. Wird der Boden zu bald wieder mit derselben Pflanze bestellt, so wird derselbe infolge übermäßiger Verminderung der erforderlichen Nährstoffe oder infolge eines Mißverhältnisses zwischen dem Düngerbedürfnis der Pflanze (s. Meyers Dünger und Düngung) und dem Nährstoffvorrat u. Düngungszustand des Bodens (Düngerbedürfnis des Bodens) für das Wachstum der Kulturpflanze ungeeignet, pflanzenmüde. Bei der Mannigfaltigkeit der Ursachen der B. muß sich die Abhilfe durch Düngung, Bodenbearbeitung, Impfen des Bodens oder sonstige Kulturmaßregeln und organisatorische Vorkehrungen (Ausscheidung der nicht bodenmüden Parzellen für besondere Rotationen, Springschläge etc.) sowie Schutzmaßregeln gegen pflanzliche und tierische Schmarotzer und Parasiten stets nach dem besondern Falle richten. Erbsenmüdigkeit tritt auf Böden mit unter 0,10 Proz. Kalkgehalt auf; dieses Versagen der Erbsen kann am wirksamsten durch Kalkdüngung behoben werden. Ähnliches gilt für die Esparsettemüdigkeit. Die Lupinenmüdigkeit, die am häufigsten auf frisch gemergeltem Boden (Mergelkrankheit) zu beobachten ist, hat ihre Ursache in der Kalkfeindlichkeit dieser Leguminosenart; sie wird am wirksamsten durch Kainitdüngung (45 dz auf 1 Hektar) bekämpft. Auf sehr stickstoffarmem Boden liegt die Ursache der Müdigkeit für Erbsen, Lupinen, Serradella, Rotklee etc. im Fehlen bestimmter Mikroorganismen, mit denen im Zusammenleben (Symbiose) die Wurzeln befähigt werden, durch Knöllchenbildungen den freien Stickstoff der Luft für die Pflanze nutzbar zu machen. Derartig für die Hülsenfruchtkultur ungeeigneter Boden kann durch Bodenimpfung, d. h. Ausstreuen und Eineggen von in Leguminosenkultur befindlichem Boden (1020 kg Impferde auf 1 Hektar), oder durch Verwendung von Reinkulturen von Bakterien (s. Alinit, Nitragin) für Getreidepflanzen geeignet gemacht werden. Luzernemüdigkeit tritt ein, wenn durch Verfaulen der Wurzeln in stauendem Wasser oder Auftreffen auf Sand, Schotter oder festem, undurchlassendem Untergrunde die Luzernestöcke eingehen; solche Lagen sind von der Luzernekultur auszuschließen. Luzernemüdigkeit wird auch hervorgebracht durch Bodenerschöpfung, Stockälchen an den Wurzeln oder Luzerneälchen an den jungen Trieben. Bei Rotkleemüdigkeit gehen die jungen Pflanzen im zweiten Vegetationsjahr ein, nachdem sie im ersten sich kräftig unter der Überfrucht ausgebildet und reichlichen Stoppelkleeschnitt getragen haben. Sie entsteht wohl bei Erschöpfung des Ober- und Untergrundes an

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assimilierbarem Kali auf üppigem Boden bei zu weit getriebener Lockerung des Untergrundes, durch tierische oder pflanzliche Parasiten. Über Rübenmüdigkeit s. Meyers Rübenbau.
 
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Bodenmüller, Friedrich, Maler, geb. 11. Aug. 1845 in München, widmete sich auf der dortigen Akademie der Malerei und bildete sich dann durch eignes Studium weiter. Nachdem er mit Genre- und Altarbildern begonnen hatte, wurde er durch den Krieg von 1870/71, den er als Offizier in der bayrischen Armee mitmachte, zur Darstellung des Kriegslebens geführt, worin er es bald zu ausgezeichneten Leistungen brachte. Dahin gehören außer kleinen Genreszenen die Bilder aus den Jahren 187275, insbes.: Straßenkampf in Bazeilles, Biwak bei Ingolsheim vor der Schlacht bei Wörth, die Schlacht bei Sedan (Neue Pinakothek zu München) und die Erstürmung der Höhe von Fröschweiler in der Schlacht bei Wörth. In neuerer Zeit wendete er sich dem Kostümgenre und der Allegorie in phantastischen Gemälden großen Stils (Zyklus von Phantasien zu Beethovens Cismoll-Sonate) zu.
 
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Bodenplanken, die den Boden des (Holz-)Schiffes bildenden Teile der Außenhaut.
 
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Bodenpontons, s. Meyers Dock.
 
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Bodenreform und Bodenreformer, s. Meyers Bodenbesitzreform.
 
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Bodenrenke, s. Meyers Renke.
 
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Bodenrente (Grund-, Landrente), der Unterschied zwischen dem Rohertrag des Bodens und denjenigen Produktionskosten einschließlich der Zinsen, die zur Darstellung desselben auf die Bewirtschaftung des Bodens verwendet werden. Die Kosten sind bei Berechnung derselben als durchschnittlich normale, die Bewirtschaftung ist als übliche zu veranschlagen. Etwaige durch besondere Tüchtigkeit oder Ungeschicklichkeit erzielte Mehr- oder Mindererträge sind als Unternehmergewinn (oder -Verlust), bez. als Unternehmerverdienst zu betrachten. Zinsen des Ankaufskapitals sind zur Ermittelung der Rente nicht in Abzug zu bringen, sondern nur, wenn es sich darum handelt, den Gewinn zu berechnen, der durch den Kauf gemacht wurde. Zinsen von Meliorationskapitalien sind in Rechnung zu ziehen, solange es sich um die Neuaufwendung handelt. Ist die Melioration einmal ausgeführt, so gehört das, was der Boden jetzt mehr abwirft, zu dessen Rente. Die so berechnete B. ist gleich der Summe, die ein Pachter als Pachtschilling für den von Lasten freien Boden zahlen kann. Abzüge durch Lasten, Servituten, Steuern sind Teile der Rente. Der Bodenwert oder das Kapital, das der Boden darstellt, ergibt sich durch Kapitalisierung dieser Rente oder durch Diskontierung aller in Zukunft zu erwartenden Reinerträge. Hierbei wird gewöhnlich der Berechnung ein niedriger Prozentsatz unterstellt, weil man in dem Bodenbesitz eine sichere Vermögensanlage erblickt und auf eine zukünftige Steigerung des Reinertrags hofft. Die Entstehung der B. hat man durch die folgenden Theorien zu begründen versucht:
   1) Fertilitätstheorie. Die Physiokraten führten die Rente auf die natürliche Fruchtbarkeit des Bodens zurück, seine Eigenschaft, mehr an Erträgen zu gewähren, als zur Ernährung der mit der Bebauung beschäftigten Arbeiter erforderlich sei. Sie übersahen hierbei, daß die Arbeitsteilung in andern Wirtschaftszweigen die gleichen Folgen haben kann, daß die Höhe der Rente auch durch den Preis der Arbeit und der Produkte sowie durch Umfang und Art der Bewirtschauung bedingt wird. Die Fertilität ist nur eine Ursache neben andern, weshalb auch geringerer Boden unter Umständen eine höhere Rente abwerfen kann als sehr fruchtbarer. 2) Monopoltheorie. Nach andern ist das Eigentum die Ursache der Rente, die eine Ausnahme von der Regel bilde, daß der Preis den Kosten nahekomme. Ohne das Eigentum werde der Preis der Bodenprodukte niedriger stehen und die Rente verschwinden. Die Anhänger dieser Theorie rechtfertigen das Privilegium des Grundeigentümers als auch dem Gesamtinteresse entsprechend damit, daß die Rente einen Reiz zur guten Wirtschaft bilde. Allerdings kann die Machtstellung des Eigentümers die Quelle größerer Einnahmen sein (Grundherrschaft, billige Sklavenarbeit), auch trägt besserer Boden insofern einen Monopolcharakter, als er in beschränkter Menge vorhanden ist; doch würde mit dem Eigentum nicht auch die Tatsache beseitigt werden, daß nicht jeder Boden gleiche Bewirtschaftungskosten erfordert und gleichen Ertrag abwirft.
   3) Ricardo-Thünensche Theorie. Eng verknüpft mit der Lehre von der B. ist der Name Ricardo, der übrigens für seine Theorie schon mehrere Vorläufer gehabt hatte, wie den schottischen Pachter Anderson (»Drei Schriften über Korngesetze und Grundrente«, hrsg. von L. Brentano, Leipz. 1893), ferner West und Malthus. Zur Veranschaulichung seiner Lehre führt uns Ricardo die Entwickelung eines Landes von seiner ersten Besiedelung an vor Augen. »Bei der ersten Ansiedelung auf einem Landstrich, auf welchem sich ein Überfluß an reichem und fruchtbarem Boden findet, wovon nur ein kleiner Teil zum Bau der Lebensmittel für die dermalige Bevölkerung erforderlich ist, wird es keine Rente geben.« Der Preis der Bodenprodukte wird nur so hoch stehen, daß gerade die Bebauungskosten gedeckt werden. Mit zunehmender Bevölkerung reicht bald der beste Boden zur Deckung des Bedarfs nicht mehr aus. Der Produktenpreis wird steigen, und zwar so hoch, daß auch die zweite Qualität bebaut werden kann. So wird jeweilig der schlechteste, gerade noch zur Deckung der Nachfrage erforderliche Boden nur die auf ihn verwendeten Kosten vergüten, während die bessern Überschüsse über die letztern, d. h. Renten, abwerfen. Nach dieser Theorie ist die Rente ein Ergebnis der Verteilungsverhältnisse und der relativen Verschiedenheit in der Qualität der Grundstücke. Gegen dieselbe sind mancherlei Einwendungen erhoben worden, die z. T. hinfällig, z. T. als Verbesserungen zu betrachten sind. Ricardo nannte Rente denjenigen Teil der Erzeugnisse der Erde, der dem Grundherrn für die Benutzung des ursprünglichen und unzerstörbaren Bodens bezahlt werde. Die Bezeichnung »unzerstörbar« ist nicht zutreffend. Auch ist es für die Frage der Rente gleichgültig, ob die jetzige Ergiebigkeit des Bodens eine rein natürliche oder z. T. menschlicher Kultur zu verdanken ist. Eine Erweiterung und exaktere Gestaltung hat die Rententheorie durch Thünen (s. d.) erfahren, der den Einfluß der Lage und der Nähe des Absatzgebietes sowie den der Preise und Kosten auf die Intensität der Bewirtschaftung untersuchte. Ricardo hat den Einfluß von Verbesserungen, und zwar nicht allein derjenigen des Ackerbaues, sondern auch derjenigen der Industrie, nicht genügend beachtet. Auch ist die Annahme nicht zutreffend, als ob früher derjenige Boden zuerst bebaut worden sei, den wir heute nach Maßgabe unsrer jetzigen wirtschaftlichen Kräfte als den besten veranschlagen. Nachdem schon Hagen hierauf hingewiesen, hat später Carey dargelegt, daß in vielen Fällen der fruchtbarere Boden erst mit steigendem Reichtum in Angriff genommen worden sei. Hiermit ist ebensowenig die Ricardosche

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Theorie widerlegt wie durch 4) die von Carey, Bastiat und M. Wirth vertretene Ansicht, nach welcher der Ertrag des Bodens nur eine mäßige Vergütung für den Arbeitslohn und den Zins des auf Urbarmachung, Erwerb, Anbau des Bodens etc. verwendeten Kapitals sei. Wäre die Behauptung auch richtig, die frühern Aufwendungen seien bei jedem Boden so hoch, daß sie durch die heutigen Überschüsse über die jetzigen Bebauungskosten nicht gedeckt würden, so läßt sich doch das Vorhandensein dieser Überschüsse, d. h. eben der Renten, nicht in Abrede stellen. Carey, noch mehr aber Bastiat haben die Tatsache keiner Beachtung gewürdigt, daß der bessere oder dem Markt näher gelegene Boden größere Überschüsse über Bebauungs- und Transportkosten gewährt als der schlechtere oder weiter entlegene. Vgl. außer den Lehrbüchern der Nationalökonomie: Berens, Versuch einer kritischen Dogmengeschichte der Grundrente (Leipz. 1868); Schullern-Schrattenhofen, Untersuchungen über Begriff und Wesen der Grundrente (das. 1889).
 
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Bodenrentenbanken, s. Meyers Rentenbanken.
 
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Bodenschutzholz, Schatten vertragende Gehölze, wie Buche, Weißbuche, Schwarzdorn, Hasel, Stechpalme, auch Wacholder, Fichte und Kiefer, die man in alten Beständen von Eichen, Kiefern, Lärchen anpflanzt oder, wenn sie sich von selbst eingefunden haben, schont, um den Boden vor Austrocknung durch Sonne und Wind, vor Verwehung und Abschwemmung zu schützen. Die Nutzung des Bodenschutzholzes ist im allgemeinen gering. Im Hochgebirge, auf Dünen, zur Befestigung des Flugsandes, tritt das B. in selbständiger Bedeutung auf.
 
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Bodenschwankungen, den täglichen und jährlichen Änderungen der Erwärmung der Erdoberfläche (s. Meyers Erde) entsprechende tägliche und deutlicher ausgeprägte jährliche Bewegungen des Erdbodens, die mit Niveaus oder mit Horizontalpendeln gemessen werden können. Plantamour beobachtete zu Sécheron bei Genf außer den täglichen und jährlichen periodischen Schwankungen auch noch Bewegungen von scheinbar nicht periodischem Charakter, die auf große, weit ausgedehnte, säkulare Bewegungen der Erdrinde, die mit der Gebirgsbildung in Verbindung stehen, hindeuten (s. Meyers Gebirge). Auch wurden an den beiden Meridianpfeilern der Sternwarte zu Neuchâtel kleine Drehbewegungen beobachtet, die, wenigstens in ihrer Hauptsache und soweit sie sich als periodisch erwiesen, durch die im Sommer und Winter ungleiche Erwärmung des Hügels, auf dessen Kalkfelsen die Pfeiler ausruhen, veranlaßt sind. Der kleine unperiodische Teil dagegen sowie die kontinuierlich zunehmende Neigung der Pfeiler von O. nach W. kann nur der zunehmenden Gebirgsfaltung des Jura oder dem Absinken einer Scholle des Gebirges gegen benachbarte zugeschrieben werden. An den Hauptpfeilern der Berliner Sternwarte wurden nur Drehungsbewegungen beobachtet, die durch jährliche oder nahezu elfjährige Perioden dargestellt werden, wobei ihre Wendepunkte den Wendepunkten der jährlichen Temperaturperiode und der elfjährigen Sonnenperiode sich, wenn auch etwas verspätet, anschließen. Diese fast erschöpfende Abhängigkeit von der thermischen Periode schließt einen erheblichen Anteil von Bewegungen der Bodenschichten aus.
 
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Bodensee (in röm. Zeit Lacus Brigantinus, später Schwäbisches Meer oder nach der alten Kaiserpfalz Bodman an seinem Nordwestrand Bodmansee genannt, franz. Lac de Constance), großer See zwischen der Schweiz u. Deutschland (s. Karte »Schweiz«), vom Rhein gebildet und gekreuzt. Von SO. nach NW. sich erstreckend, ist er der größte deutsche und nächst dem Genfer See auch der größte Schweizer See, mit 196,5 km Umfang, 69 km größter Länge, 13,5 km größter Breite und bei mittlerm Wasserstand (399 m ü. M.) 539 qkm (9,79 QM.) Flächenraum. Zwischen Konstanz und Meersburg teilt er sich in zwei Arme, in den Untern oder Zeller See (von Konstanz bis Radolfzell, 18 km lang und eigentlich ein besonderer See), mit der Insel Reichenau, und in den Obern oder Überlinger See (auch Bodmersee genannt, 21 km lang), mit der Insel Mainau; Obersee pflegt man auch den ganzen B. mit Ausnahme des Zeller Sees zu nennen. Im SO. liegt auf drei Inseln, durch eine Brücke mit dem Festland verbunden, die Stadt Lindau. Der B. liegt innerhalb der tertiären Formation, die den Nordrand der Alpen begleitet. In der Eiszeit war er vom Rheingletscher erfüllt. Die größte Tiefe ist zwischen Friedrichshafen und Konstanz gefunden worden und beträgt 252 m. Besonders an der Einmündung des Rheins verliert der See durch den Schlamm, den der Fluß mit sich führt, immer mehr an Tiefe und wird das Seebecken ausgefüllt. Noch im 4. Jahrh. reichte der See bis Rheineck, jetzt aber liegt zwischen ihm und diesem Ort eine fast stundenbreite Zone Landes. Außer dem Rhein, der dem B. bei niedrigem Wasserstand in der Sekunde 50, bei Hochwasserstand 2000 cbm Wasser zuführt, münden in den See die Dornbirner und Bregenzer Ach, Argen, Schussen, Urnauer, Seefelder, Gold-, Stein-, Stock- und Radolfzeller Ach etc. Die Wasserzufuhr durch diese Flüsse, bei starken Niederschlägen, ist in der Sekunde auf 1800 cbm berechnet. Der ganze Wasserinhalt des Bodensees wird auf 41,470 Mill. cbm geschätzt. Außer bei Hochwasser und nach Verlauf desselben wird der See auch noch durch nicht sichtliche äußere Ursache zu plötzlichem Steigen und Fallen (bis 2 m), Ruhß genannt, gebracht. Beim Föhn (Südwind), bei Nordwest- und Ostwind wird das Wasser nicht selten zu hohen Wellen aufgewühlt. Die Temperatur des Wassers erleidet weniger Veränderungen als die der umgebenden Luft. Nur in sehr strengen Wintern friert der See von einem zum andern Ufer zu (seit 895 nur 30mal), zuletzt 1880, und gewährt dann eine Passage auf fester Eisdecke. Reich ist der B. an Fischen (nach Hartmann 26 Arten), darunter große Welse, die Seeforelle (Salmo lacustris), Rotforelle (Salmo salvelinus), die Treische (Lota vulgaris), der Aal, der Felchen (Coregonus), dessen Fleisch als Blaufelchen sehr geschätzt, als Gangfisch in geräuchertem oder mariniertem Zustande versendet wird.
   Der Verkehr auf dem B., an dem acht Eisenbahnlinien münden, und der von einer Gürtelbahn umgeben ist, ist lebhafter als sonst auf einem Binnengewässer des Kontinents. Eine Flotte von 34 Dampfern vermittelt die Verbindung der ansehnlichsten Uferorte und mit Schaffhausen. Zwischen Romanshorn einer- und Lindau-Friedrichshafen anderseits, desgleichen zwischen Bregenz und Rorschach verkehren Trajektanstalten, die ganze Eisenbahnzüge von Ufer zu Ufer bringen. Die Dampfer befördern jährlich mehr als 400,000 Personen und 10 Mill. dz Frachtgüter. Die verkehrsreichsten deutschen Häfen sind Lindau und Friedrichshafen. Die nur stellenweise (gegen NO.) schroff hineinragende Umgebung des Bodensees wird überall von Berg- und Hügelland, an den Mündungen des Rheins, der Schussen und der Stockach sogar von kleinen Tiefebenen gebildet. Obsthaine und Weingärten (Seewein), üppige Getreidefelder und Wiesenfluren und kräftige Waldungen umgürten die

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Ufer; am südlichen und südöstlichen Horizont türmt sich die Alpenwelt in prachtvoller Szenerie bis zur Schneehöhe auf, im NW. thronen auf felsigen Höhen des Hegaus alte Burgen; reinliche Dörfer, gewerbreiche Städte und zahlreiche schloßartige Landsitze (namentlich auf der Schweizer Seite), Kirchen und Klöster beleben seine Ufer. Außer dem bayrischen Lindau sind die wichtigsten Orte am B.: Bregenz in Vorarlberg, Rorschach im Kanton St. Gallen, Arbon und Romanshorn im Kanton Thurgau, Konstanz, Radolfzell, Überlingen und Meersburg in Baden und Friedrichshafen und Langenargen in Württemberg. Die Ufer des Bodensees bieten auch eine reiche Ausbeute keltischer Pfahlbauten, besonders bei Sipplingen (zwischen Ludwigshafen und Überlingen), bei Immenstaad (zwischen Meersburg und Friedrichshafen) und zwischen Konstanz und Stein. Weniger zahlreich finden sich römische Altertümer, obgleich Konstanz eine römische Kolonie und Bregenz (Brigantium) römisches Kastell war und dem See seinen römischen Namen gab. Vgl. Schnars, Der B. und seine Umgebungen (2. Ausg., Stuttg. 1859); Grünewald, Wanderungen um den B. (Rorschach 1874); Zingeler, Rund um den B. (Würzb. 1879); »Der B. und seine Umgebungen«, Führer (8. Aufl., Lindau 1902); Weismann, Das Tierleben im B. (das. 1877); Klunzinger, Bodenseefische (Stuttg. 1892); Schröter und Kirchner, Die Vegetation des Bodensees (Lindau 18971902, 2 Hefte der »Schriften des 1868 gegründeten Vereins für die Geschichte des Bodensees«); Honsell, Der B. und die Tieferlegung seiner Hochwasserstände (Stuttg. 1879); Rettich, Die völker- und staatsrechtlichen Verhältnisse des Bodensees (Tübing. 1885); Graf Zeppelin, Geschichte der Dampfschiffahrt auf dem B. (Lindau 1885); Schlatterer, Die Ansiedelungen am B. in ihren natürlichen Voraussetzungen (Stuttg. 1891); »Bodenseekarte«, 1:50,000 (Kommission der fünf Uferstaaten, Münch. 1896, 2 Blatt).

 

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