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Bodenmais bis Bodenschutzholz (Bd. 3, Sp. 125 bis 129)
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Artikelverweis Bodenmais, Dorf im bayr. Regbez. Niederbayern, Bezirksamt Regen, im Bayrischen Wald, 662 m ü. M., hat eine katholische Kirche, ein Forst- und ein Berg- und Hüttenamt, Schwefel- und Magnetkiesgruben, Hüttenwerk für Eisenvitriol und Polierrot und (1900) 1371 Einw. Vgl. Gruber, Der Schwefel- und Magnetkiesbergbau am Silberberge bei B. (Münch. 1901).
 
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Bodenmelioration, landwirtschaftliche, Umwandlung des natürlichen Gras- und Waldlandes im Kulturland (Urbarmachung) und dauernde Verbesserung des Kulturlandes (Standortsverbesserung, B. im engern Sinne, Amelioration). Die Urbarmachung umfaßt die Umwandlung von Unland in landwirtschaftlich benutzbares Kulturland und die Umwandlung von Wald oder Wiese zu Ackerland (Gartenland). Das urbar gemachte Land heißt Neubruch (Novalacker), Neureude, Rode, Rodland, Rottland, Reutfeld, Reute. Waldboden macht man urbar durch Abräumen des Holzwuchses, und zwar 1) durch Niederbrennen (Abbrennen), Verteilen der Asche und Ebnen des Bodens, wobei man die Wurzelstöcke abfaulen läßt; 2) durch Schwenden, d. h. Abschälen der Rinde am Fuß der Bäume, um sie zum Absterben zu bringen, wobei alles Unterholz und Gestrüpp entfernt, der Stockausschlag immer wieder vernichtet und der Zeit das Niederwerfen der Bäume überlassen wird; 3) durch kahlen Abtrieb, d. h. Fällen der Baumstämme mit Belassung der Wurzelstöcke im Boden; 4) durch Baumroden, wobei die Wurzelstöcke mit Stockrodemaschinen (Waldteufel) oder durch Sprengen mit Pulver,

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Dynamit oder durch Ausgraben und Abhacken des Holzes (Abschmatzen) aus dem Boden entfernt werden. Das abgeholzte Land wird mit Rodehauen oder kräftigen Rigolpflügen (Wurzelreißern, Waldpflügen) vor Winter aufgelockert, damit der Frost die weitere Krümelung besorge, und im nächsten Frühjahr mit Hafer bestellt, dem weiterhin eine Hackfrucht, Kartoffeln, Mais, folgt. Die Überführung des rohen Bodens in Artland wird durch Düngung mit Stallmist, Kalk, Mergel u. dgl. wesentlich befördert.
   Bei Umwandlung von Weide- und Wiesenland in Ackerland ist die Grasnarbe zu zerstören, am besten mit einem flachwendenden Pflug aufzubrechen. Bei dicht geschlossener Narbe muß der Umbruch mit Schälpflug, Spaten oder durch Brennen erfolgen. Der Boden wird hierauf mit Stallmist, eventuell auch mit Kalk gedüngt, um die Humifizierung der Graswurzeln zu beschleunigen, und mit Roggen, Hafer, Futterrüben bestellt. Heideboden wird, wie Wiesenboden, durch tüchtiges Bearbeiten vor Winter mit Skarifikatoren, Pflügen und Eggen urbar gemacht, oder dadurch, daß man die Narbe in Streifen oder Quadraten mittels besonderer Werkzeuge (Plaggenhauen, Plaggenschaufeln) abschält, den Boden dann tüchtig durcharbeitet und die abgeschälte Narbe, Plaggen (s. d.) entweder mit Stallmist kompostiert oder zum Trocknen aufstellt und dann verbrennt (Rasenbrennen), um mit der Asche das Feld zu düngen. In Hannover, Holstein, Jütland, wo Heidekulturen von großem Umfang auszuführen sind, nehmen Genossenschaften auf gemeinsame Kosten, zuweilen mit staatlicher Beihilfe, die Kultivierung in die Hand und benutzen meist Fowlersche Dampfheidekultivatoren.
   Die Standortsverbesserung bezieht sich auf dauernde Verbesserung der nachteiligen chemischen oder physikalischen Bodeneigenschaften oder auf Behebung der ungünstigen Lage oder Abschwächung der ungünstigen Einwirkung des Klimas auf die Vegetation. Die häufigsten Standortsverbesserungen bezwecken Ableitung schädlicher Wassermengen (s. Meyers Drainage, Meyers Entwässerung) oder die Zuführung von Wasser (s. Meyers Bewässerung). Fels-, Kies- und Geröllboden wird durch Entfernung der größern Steine (mittels Versenkung, d. h. Untergrabens, oder Sprengens mit Pulver oder Ausgrabens) und durch Rigolen (s. d.) urbar gemacht. Sandboden kann durch Ton, Bauschutt, Mergel und torfigen Boden, Niederlegen zur Weide, Anpflanzung mit Holz-, Baum- und Strauchwerk, Belegen mit Rasen, wenn Wässerung gegeben werden kann, am besten urbar gemacht werden. Bei Flugsand wird die Beweglichkeit vermindert durch Bedecken mit Rasen- oder Torfstücken, mit Strauch- oder Reisholz, durch Einflechten von Strohzöpfen, durch Aufpflügen oder durch 11,25 m hohe Coupier-, Deckzäune und Schutzwälle; ist der Sand zum Stehen gebracht, so ist er durch geeigneten Pflanzenwuchs weiter zu befestigen. Billiger ist liegende Bodenbedeckung mit Kieferngesträuch oder besser mit Hackreisig aus 2030 cm langen Kiefernaststücken. Auch Wacholder, Heidestroh, Besenpfriemen, Seetang, Seegras sind mehrfach benutzt worden. Am Seestrand, wo es sich wesentlich um Bildung von Schutzdünen handelt, beschränkt man sich meist auf die Pflanzung von Sandgräsern, wie Sandroggen (Arundo arenaria) und Sandhaargras (Elymus arenarius) und im Binnenland auf die Deckung mit Moos-, Heide- oder Grasplaggen. Das Ziel der Flugsandkultur ist in den meisten Fällen Bewaldung, da der Boden zunächst für den Ackerbau zu arm ist. In Norddeutschland wird fast überall die Kiefer angepflanzt, im Banat mit großem Vorteil auch die kanadische Pappel und die Akazie (Robinia). Die Kultur des binnenländischen Flugsandes unterscheidet sich vom Stranddünenbau (vgl. Dünen) stets dadurch sehr wesentlich, daß sie einen Ertrag zu erzielen sucht, während jener nur auf den Schutz des Hinterlandes bedacht ist und auf Ertrag verzichtet. Strenger Tonboden wird wesentlich verbessert durch Bodenbrennen, er verliert dadurch das Hydratwasser und daher seine große Bindigkeit, wasserfassende und wasserhaltende Kraft sowie Wärmekapazität, während die unlöslichen Mineralbestandteile ausgeschlossen und für die Pflanzenwurzeln leichter zugänglich gemacht werden. Ein Nachteil des Bodenbrennens liegt in der Zerstörung der Humuskörper und Stickstoffverbindungen. Das Brennen erfolgt in dach- oder kegelförmigen Haufen oder in Feldöfen, indem die vom ganzen Feld (Schollenbrennen) oder nur von den Feldrändern (Ränderbrennen) abgeschälten Tonschollen mit Reisig, Nadelholzästen, Moos, Torf durchschichtet und angezündet werden. Das gebrannte Tonpulver wird dann gleichmäßig ausgestreut und untergepflügt. Diese B. wird alle 68 oder bei schwächern Bränden alle 34 Jahre wiederholt. Über die Melioration der Moore s. d., über Urbarmachung des Sumpfbodens s. Meyers Entwässerung. Weitere Standortsverbesserungen sind die An- und Ausschlämmung der Erde (Limonage, Kolmation, s. d.), die Erdmischung und das Ebnen des Bodens. Die Erdmischung bezweckt die Verbesserung der gegebenen Bodenzustände, ist aber besonders dann sehr kostspielig, wenn das entsprechende Material weit hergeholt und durch Zugvieh und Menschenarbeit aufgebracht werden muß, minder kostspielig, wenn es sich im Untergrunde findet oder durch Wasser aufgeschwemmt werden kann. Auf hügeligem Lande, das die Bestellung hindert, trägt man die kleinen Erhöhungen ab und füllt die Vertiefungen unter Beobachtung gleicher Vorsicht wie beim Tiefpflügen in Bezug auf die Krume aus. Dann ist mehrmals tüchtig zu pflügen und zu eggen, ehe Dünger aufgebracht und der Boden bestellt werden kann. Gegenüber den Erfolgen, die mit den vorgenannten Bodenmeliorationen erreicht werden können, gelingt es oft erst nach langjährigem Bemühen, gegen ungünstiges Klima oder gegen ungünstige Lage anzukämpfen. Am wirksamsten in dieser Richtung erweist sich die Anpflanzung von Gehölzen zur Abschwächung der Luftströmungen. Die Gehölzpflanzungen werden entweder als Stutz-, Busch- oder Baumhecken an den Gutsgrenzen oder als Alleen, Schutzbaumwände längs der Feldgrenzen, gewöhnlich zur Begrenzung der Schlagabteilungen angelegt. Vgl. Dünkelberg, Enzyklopädie und Methodologie der Kulturtechnik (Braunschw. 1883, 2 Bde.); Krafft, Ackerbaulehre (7. Aufl., Berl. 1899); Bürstenbinder, Urbarmachung und Verbesserung des Bodens (das. 1886); Vogler, Grundlehren der Kulturtechnik (2. Aufl., das. 1898, 2 Bde.); Fraissinet, Landwirtschaftliches Meliorationswesen und Wasserwirtschaft (Dresd. 1890); Markus, Das landwirtschaftliche Meliorationswesen Italiens (Wien 1881); Kerner, Aufforstung des Flugsandes im ungarischen Tiefland (in der »Österreichischen Monatsschrift für Forstwesen«, 1865); Wessely, Der europäische Flugsand und seine Kultur (Wien 1873).
   [Volkswirtschaftliches.] Die Ausführung von Bodenmeliorationen, die je nur für den einzelnen Grundbesitzer von Vorteil sind, ist diesem zu überlassen; nur ausnahmsweise wäre Gewährung von Vorschüssen,

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bez. Zuschüssen gerechtfertigt, soz. B. wenn nur auf diesem Wege durch das Beispiel einer gelungenen B. zur Nachahmung angereizt werden könnte. Die Erlangung der nötigen Kapitalien kann durch Errichtung von auch aus andern Gründen zweckmäßigen Landeskulturrentenbanken (s. d.) erleichtert werden. Im übrigen ist es Aufgabe der landwirtschaftlichen Vereine, dahin zu wirken, daß Meliorationen dieser Art, wo sie wünschenswert sind, zu stande kommen. Dagegen sind größere Meliorationen, an denen gleichzeitig mehrere Grundbesitzer beteiligt sind, und die in der Regel einen größern Kostenaufwand erfordern, wie Entwässerung einer Gemeindemarkung oder größerer Teile derselben, Kultivierung gemeinsamer Hochmoore etc., nur in der Weise ausführbar, daß die Grundbesitzer eine besondere Genossenschaft (Meliorationsgenossenschaft) bilden, um die B. gemeinsam nach einheitlichem Plane vorzunehmen und die zu ihrer Sicherung nötigen Anstalten dauernd zu erhalten. Solche Genossenschaften kommen aber durch freies Übereinkommen der Beteiligten selten zu stande. Demnach ist, wenn solche Meliorationen als auch im Interesse der Gesamtheit liegend ausgeführt werden sollen, die Ausübung gesetzlichen Zwanges unumgänglich, der dahin geht, daß Grundeigentümer sich an einer B. beteiligen, oder daß sie die für solche auf ihren Grundstücken notwendigen Anlagen dulden. Doch sollte der Zwang zur Bildung von Meliorationsgenossenschaften kein absoluter, sondern Voraussetzung für ihn sein, daß eine Mehrheit der Interessenten sich für die B. erklärt und dabei die Interessen der Minderheit genügend gewahrt werden. Ein solcher Zwang besteht fast in allen Staaten Deutschlands, ebenso in Österreich, wo das Reichsgesetz vom 30. Mai 1869 die Grundlage der 187075 für die einzelnen Kronländer erlassenen Landesgesetze bildet, nicht aber in Frankreich (Gesetz vom 21. Juni 1865), England und Belgien. (Näheres s. unter »Wasserrecht«, vgl. auch Deich.)
   Bodenmeliorationen auf staatlichem Grund und Boden sind ohne weiteres Staatssache. Der Staat muß aber auch Bodenmeliorationen anordnen und selber ausführen, die entweder wegen ihres großen Umfanges die Kräfte der Einzelnen übersteigen, oder die im Interesse nicht bloß der betreffenden Grundbesitzer, sondern auch der gesamten Bevölkerung größerer Bezirke geboten sind, und die daher nicht mehr von dem Willen einer Majorität der Grundbesitzer abhängig gemacht werden dürfen. Die Kosten solcher Bodenmeliorationen wären auf Private, Gemeinden und Staat nach Maßgabe des Vorteils zu verteilen. Hierher gehören große Flußkorrektionen (wie z. B. die Rheinstromkorrektion, für die in Baden von 18171900: 51,4 Mill. Mk., in Frankreich, bez. Elsaß-Lothringen von 17911888: 48,8 Mill. Mk. verausgabt, und durch die, abgesehen von den sonstigen bedeutsamen volkswirtschaftlichen Wirkungen, allein auf badischer Seite 8000 Hektar wertvolles Land und ein Wertzuwachs von 3439 Mill. Mk. infolge Sicherung des Besitzes und der Ernten, Entwässerung, Entsumpfung etc. gewonnen wurde; die Theißregulierung in Ungarn 185660, durch die 715,000 Hektar Land unter Deichschutz gebracht wurden; die Linthkorrektion in der Schweiz 180722, etc.), große Entwässerungsunternehmungen (wie z. B. die Austrocknung des Haarlemer Meeres in Holland 18401853, die Entwässerung Irlands 184655, aus früherer Zeit die Melioration des Rhin- und Havelländischen Luches in Preußen 171825, wodurch 22 QMeilen sumpfige Moorwiesen in kulturfähiges Land umgewandelt wurden; die großen Entwässerungen in Preußen unter Friedrich II. in den Brüchen des Döllefließes, der Silge, des Rhins, der Jäglitz, der Dosse, der Oder, der Netze, der Warthe etc.), größere Deichanlagen, durch welche die gemeinsame Wassersgefahr von ganzen Ortsfluren und größern Distrikten abgewendet wird. Über die Meliorationspolitik vgl. die Lehrbücher von Roscher und Rau, dann Meitzens Artikel »Agrarpolitik« in »Schönbergs Handbuch der politischen Ökonomie«, Bd. 2 (4. Aufl., Tübing. 1896); Derselbe, Der Boden und die landwirtschaftlichen Verhältnisse des preußischen Staates (Berl. 18681873, 4 Bde.; Bd. 5, 1895); Buchenberger, Agrarwesen und Agrarpolitik (Leipz. 189293, 2 Bde.).
 
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Bodenmüdigkeit (Pflanzenmüdigkeit, Pflanzenschwindsucht), Versagen eines Bodens für bestimmte Pflanzenarten infolge chemischer oder physikalischer Verhältnisse des Bodens, klimatischer Ungunst oder Auftreten pflanzlicher und tierischer Schädlinge. Wird der Boden zu bald wieder mit derselben Pflanze bestellt, so wird derselbe infolge übermäßiger Verminderung der erforderlichen Nährstoffe oder infolge eines Mißverhältnisses zwischen dem Düngerbedürfnis der Pflanze (s. Meyers Dünger und Düngung) und dem Nährstoffvorrat u. Düngungszustand des Bodens (Düngerbedürfnis des Bodens) für das Wachstum der Kulturpflanze ungeeignet, pflanzenmüde. Bei der Mannigfaltigkeit der Ursachen der B. muß sich die Abhilfe durch Düngung, Bodenbearbeitung, Impfen des Bodens oder sonstige Kulturmaßregeln und organisatorische Vorkehrungen (Ausscheidung der nicht bodenmüden Parzellen für besondere Rotationen, Springschläge etc.) sowie Schutzmaßregeln gegen pflanzliche und tierische Schmarotzer und Parasiten stets nach dem besondern Falle richten. Erbsenmüdigkeit tritt auf Böden mit unter 0,10 Proz. Kalkgehalt auf; dieses Versagen der Erbsen kann am wirksamsten durch Kalkdüngung behoben werden. Ähnliches gilt für die Esparsettemüdigkeit. Die Lupinenmüdigkeit, die am häufigsten auf frisch gemergeltem Boden (Mergelkrankheit) zu beobachten ist, hat ihre Ursache in der Kalkfeindlichkeit dieser Leguminosenart; sie wird am wirksamsten durch Kainitdüngung (45 dz auf 1 Hektar) bekämpft. Auf sehr stickstoffarmem Boden liegt die Ursache der Müdigkeit für Erbsen, Lupinen, Serradella, Rotklee etc. im Fehlen bestimmter Mikroorganismen, mit denen im Zusammenleben (Symbiose) die Wurzeln befähigt werden, durch Knöllchenbildungen den freien Stickstoff der Luft für die Pflanze nutzbar zu machen. Derartig für die Hülsenfruchtkultur ungeeigneter Boden kann durch Bodenimpfung, d. h. Ausstreuen und Eineggen von in Leguminosenkultur befindlichem Boden (1020 kg Impferde auf 1 Hektar), oder durch Verwendung von Reinkulturen von Bakterien (s. Alinit, Nitragin) für Getreidepflanzen geeignet gemacht werden. Luzernemüdigkeit tritt ein, wenn durch Verfaulen der Wurzeln in stauendem Wasser oder Auftreffen auf Sand, Schotter oder festem, undurchlassendem Untergrunde die Luzernestöcke eingehen; solche Lagen sind von der Luzernekultur auszuschließen. Luzernemüdigkeit wird auch hervorgebracht durch Bodenerschöpfung, Stockälchen an den Wurzeln oder Luzerneälchen an den jungen Trieben. Bei Rotkleemüdigkeit gehen die jungen Pflanzen im zweiten Vegetationsjahr ein, nachdem sie im ersten sich kräftig unter der Überfrucht ausgebildet und reichlichen Stoppelkleeschnitt getragen haben. Sie entsteht wohl bei Erschöpfung des Ober- und Untergrundes an

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assimilierbarem Kali auf üppigem Boden bei zu weit getriebener Lockerung des Untergrundes, durch tierische oder pflanzliche Parasiten. Über Rübenmüdigkeit s. Meyers Rübenbau.
 
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Bodenmüller, Friedrich, Maler, geb. 11. Aug. 1845 in München, widmete sich auf der dortigen Akademie der Malerei und bildete sich dann durch eignes Studium weiter. Nachdem er mit Genre- und Altarbildern begonnen hatte, wurde er durch den Krieg von 1870/71, den er als Offizier in der bayrischen Armee mitmachte, zur Darstellung des Kriegslebens geführt, worin er es bald zu ausgezeichneten Leistungen brachte. Dahin gehören außer kleinen Genreszenen die Bilder aus den Jahren 187275, insbes.: Straßenkampf in Bazeilles, Biwak bei Ingolsheim vor der Schlacht bei Wörth, die Schlacht bei Sedan (Neue Pinakothek zu München) und die Erstürmung der Höhe von Fröschweiler in der Schlacht bei Wörth. In neuerer Zeit wendete er sich dem Kostümgenre und der Allegorie in phantastischen Gemälden großen Stils (Zyklus von Phantasien zu Beethovens Cismoll-Sonate) zu.
 
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Bodenplanken, die den Boden des (Holz-)Schiffes bildenden Teile der Außenhaut.
 
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Bodenpontons, s. Meyers Dock.
 
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Bodenreform und Bodenreformer, s. Meyers Bodenbesitzreform.
 
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Bodenrenke, s. Meyers Renke.
 
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Bodenrente (Grund-, Landrente), der Unterschied zwischen dem Rohertrag des Bodens und denjenigen Produktionskosten einschließlich der Zinsen, die zur Darstellung desselben auf die Bewirtschaftung des Bodens verwendet werden. Die Kosten sind bei Berechnung derselben als durchschnittlich normale, die Bewirtschaftung ist als übliche zu veranschlagen. Etwaige durch besondere Tüchtigkeit oder Ungeschicklichkeit erzielte Mehr- oder Mindererträge sind als Unternehmergewinn (oder -Verlust), bez. als Unternehmerverdienst zu betrachten. Zinsen des Ankaufskapitals sind zur Ermittelung der Rente nicht in Abzug zu bringen, sondern nur, wenn es sich darum handelt, den Gewinn zu berechnen, der durch den Kauf gemacht wurde. Zinsen von Meliorationskapitalien sind in Rechnung zu ziehen, solange es sich um die Neuaufwendung handelt. Ist die Melioration einmal ausgeführt, so gehört das, was der Boden jetzt mehr abwirft, zu dessen Rente. Die so berechnete B. ist gleich der Summe, die ein Pachter als Pachtschilling für den von Lasten freien Boden zahlen kann. Abzüge durch Lasten, Servituten, Steuern sind Teile der Rente. Der Bodenwert oder das Kapital, das der Boden darstellt, ergibt sich durch Kapitalisierung dieser Rente oder durch Diskontierung aller in Zukunft zu erwartenden Reinerträge. Hierbei wird gewöhnlich der Berechnung ein niedriger Prozentsatz unterstellt, weil man in dem Bodenbesitz eine sichere Vermögensanlage erblickt und auf eine zukünftige Steigerung des Reinertrags hofft. Die Entstehung der B. hat man durch die folgenden Theorien zu begründen versucht:
   1) Fertilitätstheorie. Die Physiokraten führten die Rente auf die natürliche Fruchtbarkeit des Bodens zurück, seine Eigenschaft, mehr an Erträgen zu gewähren, als zur Ernährung der mit der Bebauung beschäftigten Arbeiter erforderlich sei. Sie übersahen hierbei, daß die Arbeitsteilung in andern Wirtschaftszweigen die gleichen Folgen haben kann, daß die Höhe der Rente auch durch den Preis der Arbeit und der Produkte sowie durch Umfang und Art der Bewirtschauung bedingt wird. Die Fertilität ist nur eine Ursache neben andern, weshalb auch geringerer Boden unter Umständen eine höhere Rente abwerfen kann als sehr fruchtbarer. 2) Monopoltheorie. Nach andern ist das Eigentum die Ursache der Rente, die eine Ausnahme von der Regel bilde, daß der Preis den Kosten nahekomme. Ohne das Eigentum werde der Preis der Bodenprodukte niedriger stehen und die Rente verschwinden. Die Anhänger dieser Theorie rechtfertigen das Privilegium des Grundeigentümers als auch dem Gesamtinteresse entsprechend damit, daß die Rente einen Reiz zur guten Wirtschaft bilde. Allerdings kann die Machtstellung des Eigentümers die Quelle größerer Einnahmen sein (Grundherrschaft, billige Sklavenarbeit), auch trägt besserer Boden insofern einen Monopolcharakter, als er in beschränkter Menge vorhanden ist; doch würde mit dem Eigentum nicht auch die Tatsache beseitigt werden, daß nicht jeder Boden gleiche Bewirtschaftungskosten erfordert und gleichen Ertrag abwirft.
   3) Ricardo-Thünensche Theorie. Eng verknüpft mit der Lehre von der B. ist der Name Ricardo, der übrigens für seine Theorie schon mehrere Vorläufer gehabt hatte, wie den schottischen Pachter Anderson (»Drei Schriften über Korngesetze und Grundrente«, hrsg. von L. Brentano, Leipz. 1893), ferner West und Malthus. Zur Veranschaulichung seiner Lehre führt uns Ricardo die Entwickelung eines Landes von seiner ersten Besiedelung an vor Augen. »Bei der ersten Ansiedelung auf einem Landstrich, auf welchem sich ein Überfluß an reichem und fruchtbarem Boden findet, wovon nur ein kleiner Teil zum Bau der Lebensmittel für die dermalige Bevölkerung erforderlich ist, wird es keine Rente geben.« Der Preis der Bodenprodukte wird nur so hoch stehen, daß gerade die Bebauungskosten gedeckt werden. Mit zunehmender Bevölkerung reicht bald der beste Boden zur Deckung des Bedarfs nicht mehr aus. Der Produktenpreis wird steigen, und zwar so hoch, daß auch die zweite Qualität bebaut werden kann. So wird jeweilig der schlechteste, gerade noch zur Deckung der Nachfrage erforderliche Boden nur die auf ihn verwendeten Kosten vergüten, während die bessern Überschüsse über die letztern, d. h. Renten, abwerfen. Nach dieser Theorie ist die Rente ein Ergebnis der Verteilungsverhältnisse und der relativen Verschiedenheit in der Qualität der Grundstücke. Gegen dieselbe sind mancherlei Einwendungen erhoben worden, die z. T. hinfällig, z. T. als Verbesserungen zu betrachten sind. Ricardo nannte Rente denjenigen Teil der Erzeugnisse der Erde, der dem Grundherrn für die Benutzung des ursprünglichen und unzerstörbaren Bodens bezahlt werde. Die Bezeichnung »unzerstörbar« ist nicht zutreffend. Auch ist es für die Frage der Rente gleichgültig, ob die jetzige Ergiebigkeit des Bodens eine rein natürliche oder z. T. menschlicher Kultur zu verdanken ist. Eine Erweiterung und exaktere Gestaltung hat die Rententheorie durch Thünen (s. d.) erfahren, der den Einfluß der Lage und der Nähe des Absatzgebietes sowie den der Preise und Kosten auf die Intensität der Bewirtschaftung untersuchte. Ricardo hat den Einfluß von Verbesserungen, und zwar nicht allein derjenigen des Ackerbaues, sondern auch derjenigen der Industrie, nicht genügend beachtet. Auch ist die Annahme nicht zutreffend, als ob früher derjenige Boden zuerst bebaut worden sei, den wir heute nach Maßgabe unsrer jetzigen wirtschaftlichen Kräfte als den besten veranschlagen. Nachdem schon Hagen hierauf hingewiesen, hat später Carey dargelegt, daß in vielen Fällen der fruchtbarere Boden erst mit steigendem Reichtum in Angriff genommen worden sei. Hiermit ist ebensowenig die Ricardosche

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Theorie widerlegt wie durch 4) die von Carey, Bastiat und M. Wirth vertretene Ansicht, nach welcher der Ertrag des Bodens nur eine mäßige Vergütung für den Arbeitslohn und den Zins des auf Urbarmachung, Erwerb, Anbau des Bodens etc. verwendeten Kapitals sei. Wäre die Behauptung auch richtig, die frühern Aufwendungen seien bei jedem Boden so hoch, daß sie durch die heutigen Überschüsse über die jetzigen Bebauungskosten nicht gedeckt würden, so läßt sich doch das Vorhandensein dieser Überschüsse, d. h. eben der Renten, nicht in Abrede stellen. Carey, noch mehr aber Bastiat haben die Tatsache keiner Beachtung gewürdigt, daß der bessere oder dem Markt näher gelegene Boden größere Überschüsse über Bebauungs- und Transportkosten gewährt als der schlechtere oder weiter entlegene. Vgl. außer den Lehrbüchern der Nationalökonomie: Berens, Versuch einer kritischen Dogmengeschichte der Grundrente (Leipz. 1868); Schullern-Schrattenhofen, Untersuchungen über Begriff und Wesen der Grundrente (das. 1889).
 
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Bodenrentenbanken, s. Meyers Rentenbanken.
 
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Bodenschutzholz, Schatten vertragende Gehölze, wie Buche, Weißbuche, Schwarzdorn, Hasel, Stechpalme, auch Wacholder, Fichte und Kiefer, die man in alten Beständen von Eichen, Kiefern, Lärchen anpflanzt oder, wenn sie sich von selbst eingefunden haben, schont, um den Boden vor Austrocknung durch Sonne und Wind, vor Verwehung und Abschwemmung zu schützen. Die Nutzung des Bodenschutzholzes ist im allgemeinen gering. Im Hochgebirge, auf Dünen, zur Befestigung des Flugsandes, tritt das B. in selbständiger Bedeutung auf.

 

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