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Bode bis Bodenbonitierung (Bd. 3, Sp. 115 bis 124)
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Artikelverweis Bode, 1) Johann Joachim Christoph, Übersetzer, geb. 16. Jan. 1730 in Braunschweig, gest. 13. Dez. 1793 in Weimar, war der Sohn eines Tagelöhners, bildete sich zum Musikus aus, erwarb sich Sprachkenntnisse und begann früh zu schriftstellern. In Hamburg war er 176263 Redakteur des »Hamburgischen Korrespondenten« und begründete Ende der 1760er Jahre daselbst mit Lessing eine Buchhandlung, die jedoch bald scheiterte; 1778 folgte er der Gräfin von Bernstorff, der Witwe des berühmten dänischen Ministers, als deren Geschäftsführer nach Weimar. Unter Bodes Übersetzungen, durch die er einen großen Einfluß auf die deutsche Literatur übte, sind Sternes »Empfindsame Reise« (Hamb. 1768, 5. Aufl. 1804; die Übersetzung des englischen sentimental durch das neugeschaffene Wort »empfindsam« rührt von Lessing her), »Tristram Shandys Leben« (das. 1774, 9 Bde.), Goldsmiths »Dorfprediger von Wakefield« (Leipz. 1776 u. ö.) und Fieldings »Tom Jones« (das. 17861788, 6 Bde.) als die besten hervorzuheben. Auch von Montaignes »Gedanken und Meinungen« (Berl. 1793 bis 1797, 7 Bde.) gab er eine treffliche Übersetzung. Vgl. Böttiger, Bodes literarisches Leben (Berl. 1796).
   2) Johann Elert, Astronom, geb. 19. Jan. 1747 in Hamburg, gest. 23. Nov. 1826 in Berlin, widmete sich früh mathematischen und astronomischen Studien, wurde 1772 als Astronom der Akademie der Wissenschaften nach Berlin berufen, wo er 1774 das »Berliner Astronomische Jahrbuch« begründete, von dem er selbst 54 Jahrgänge (17761829) herausgab. 1786 wurde B. Direktor der Berliner Sternwarte. Sehr wichtig ist sein Sternatlas »Uranographia, sive astrorum descriptio« (das. 1802, 2. Aufl. 1819), der 17,240 Sterne verzeichnet. Ferner schrieb er mehrere populär-astronomische Werke, von denen seine »Anleitung zur Kenntnis des gestirnten Himmels« (Hamb. 1768; 11. Aufl. von Bremiker, Berl. 1858) weite Verbreitung fand.
   3) Leopold, Maler, geb. 11. März 1831 in Offenbach, wurde anfangs durch seinen Vater, später im Städelschen Institut zu Frankfurt unter der Leitung von Jakob Becker und von 1850 an besonders durch Steinle ausgebildet. An den letztern schlossen sich seine Erstlingsarbeiten, ein Bild aus dem Buche Ruth (1856), eine Heimsuchung Mariä für eine Dorfkirche in Baden und einige Bilder nach Brentanos Erzählungen, an. Dann bereiste er Bayern und Tirol, war mehrere Jahre bei Steinles Fresken im Kölner Museum tätig, führte zwölf Zeichnungen zu Schillers

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»Glocke« aus und bereiste die Schweiz, um Illustrationen zu Scheffels »Ekkehard« zu zeichnen. Unter seinen neuern Bildern, die den Einfluß Schwinds und Steinles zeigen, sind die Alpenbraut (Schacksche Galerie in München), die Aquarelle: Alpenrose und Edelweiß, der Graf von Habsburg, das für die Schacksche Galerie gemalte Triptychon aus der Sage von der Geburt Karls d. Gr. in der Karlsmühle und der Aquarellenzyklus zu Fouqués »Undine« hervorzuheben.
   4) Emil, Artillerist, geb. 28. April 1835 in Rotenburg a. d. Fulda, gest. 17. Mai 1885 in Berlin, trat, nachdem er 1854 in Kurhessen Offizier geworden, 1866 in die preußische Armee und gehörte seit 1868 zuletzt als Abteilungschef der Artillerieprüfungskommission an. Er erfand die Kupfer-(jetzigen Stahl-)Mantelgeschosse und förderte besonders die Fragen der Pulvertechnik und der innern Ballistik.
   5) Wilhelm, Kunstschriftsteller, geb. 10. Dez. 1845 zu Kalvörde im Herzogtum Braunschweig, studierte seit 1864 die Rechte und arbeitete 2 Jahre lang als Auditor im braunschweigischen Staatsdienst, gab aber die juristische Laufbahn auf, um 186971 in Berlin und Wien Archäologie und Kunstgeschichte zu studieren und daneben seine Kenntnisse auf Reisen zu erweitern. Die erste Frucht seiner Galeriestudien war 1870 seine Doktordissertation »Frans Hals und seine Schule«. 1872 wurde er als Assistent an den königlichen Museen in Berlin und als Leiter der Abteilung für christliche Plastik angestellt. Es gelang ihm, die letztere durch eine Reihe glücklicher Ankäufe zu einer Sammlung ersten Ranges zu erheben und zugleich die Gemäldegalerie um eine Reihe von Meisterwerken zu vermehren. 1880 wurde er in dieser Stellung zum Direktor und später zum Geheimen Regierungsrat und 1890 zum Direktor der Gemäldegalerie ernannt. Er hat sich um die Erforschung der Geschichte der italienischen Plastik des Mittelalters und der Renaissance sowie der niederländischen Malerei durch seine schneidige Kritik, sein feines Stilgefühl und durch sichere Beherrschung des Materials große Verdienste erworben. Die Resultate seiner Forschungen auf letzterm Gebiete faßte er zusammen in den »Studien zur Geschichte der holländischen Malerei« (Braunschw. 1883). Er bearbeitete die 4.8. Auflage von Burckhardts »Cicerone« und schrieb ferner: »Donatello in Padua« (Par. 1883); »Italienische Porträtskulpturen des 15. Jahrhunderts in den Berliner Museen« (Berl. 1883); »Die Ausstellung von Gemälden älterer Meister im Berliner Privatbesitz« (das. 1883, mit Dohme); »Adriaen Brouwer« (Wien 1884); »Italienische Bildhauer der Renaissance« (Berl. 1887); »Beschreibung der Bildwerke der christlichen Epoche im Berliner Museum« (das. 1888, mit H. v. Tschudi; 2. Aufl. von Vöge, 1900ff.); »Geschichte der deutschen Plastik« (das. 1887); »Rembrandt. Beschreibendes Verzeichnis seiner Gemälde, Geschichte seines Lebens und seiner Kunst« (mit Hofstede de Groot, Par. 18971900, Bd. 16); »Kunst und Kunstgewerbe am Ende des 19. Jahrhunderts« (Berl. 1901); »Vorderasiatische Knüpfteppiche aus älterer Zeit« (Leipz. 1901); »Florentiner Bildhauer der Renaissance« (Berl. 1902). In den Veröffentlichungen der Wiener Gesellschaft für vervielfältigende Kunst gab er mehrere Galeriewerke (Schwerin, Oldenburg, Galerie Liechtenstein in Wien u. a.) und mit J. Meyer u. a. gibt er ein Werk über die Berliner Gemäldegalerie (Berl. 1886ff.) heraus. Auch leitet er die von F. Bruckmann herausgegebenen »Denkmäler der Renaissanceskulptur Toskanas« (Münch. 1892ff.).
 
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Bodēga (span.), Keller, Weinkeller, Weinschenke. Weinstube; in Seehäfen ein Warenmagazin.
 
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Bodel (spr. -dell), Jean, altfranz. Dichter aus Arras, wo er 1210 starb, verfaßte ein Gedicht auf Karls d. Gr. Sachsenkriege: »Guiteclin (d. h. Wittekind) oder la Chanson des Saxons« (hrsg. von Michel, Par. 1839); ein Drama: »Le jeu de St.-Nicolas«, mit sehr realistischer Auffassung (in einer Szene wird Argot gesprochen; hrsg. von Michel und Monmerqué im »Théâtre-Français au moyen-âge«, 1839), und lyrische Gedichte, unter denen der »Congé« zu nennen ist, vom Jahre 1202, worin er, am Aussatz erkrankt, sich von seinen Freunden verabschiedet (hrsg. in der »Romania«, Bd. 9). Ob neun unter dem Namen Jean Bedel überlieferte Fabliaux von ihm herrühren, ist ungewiß. Vgl. Rohnström, Étude sur J. B. (Upsala 1900).
 
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Bödeli, s. Meyers Interlaken.
 
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Bodelschwingh, 1) Ernst von B.-Velmede, preuß. Staatsmann, geb. 26. Nov. 1794 in Velmede bei Hamm, gest. 18. Mai 1854, studierte die Rechte, machte die Freiheitskriege mit, erwarb sich bei Leipzig das Eiserne Kreuz erster Klasse und ward bei Freyburg a. d. U. 21. Okt. 1813 verwundet. 1817 trat er in den Staatsdienst, ward 1822 Landrat des Kreises Tecklenburg in Westfalen, 1831 Präsident der Regierung zu Trier, im November 1834 Oberpräsident der Rheinprovinz, übernahm 1842 das Finanzministerium und 1845 das Ministerium des Innern. 1847 leitete er als Regierungskommissar den Vereinigten Landtag, nahm aber nach Ausbruch der Revolution 19. März 1848 seine Entlassung und wurde in die preußische Zweite Kammer, zuerst im Januar 1849 und wiederum nach dem oktroyierten Wahlgesetz von 1849, später auch ins Erfurter Volkshaus, wo er die Unionspolitik unterstützte, gewählt. Im September 1849 ward er zum Vorsitzenden des Verwaltungsrats der Union ernannt. In der Kammersitzung von 185051 war er Führer der Zentrumspartei, welche die Politik der Regierung zwar mißbilligte, ihr aber doch die Mittel zur Fortsetzung derselben gewährte. 1852 zum Regierungspräsidenten in Arnsberg ernannt, starb er auf einer Dienstreise in Medebach. Vgl. v. Diest, Meine Erlebnisse im Jahre 1848 und die Stellung des Staatsministers v. B. vor und an dem 18. März 1848 (Berl. 1898).
   2) Karl von, preuß. Minister, Bruder des vorigen, geb. 10. Dez. 1800 in Velmede bei Hamm, gest. 12. Mai 1873, studierte die Rechte, war 183745 Landrat in Hamm, dann Oberregierungsrat in Minden, Regierungsvizepräsident in Münster, Regierungspräsident in Arnsberg, seit 1849 konservatives Mitglied des Abgeordnetenhauses sowie 185158 unter Manteuffel und 186266 unter Bismarck Finanzminister, bis er die Verantwortung für die Beschaffung der Geldmittel für den Krieg mit Österreich nicht übernehmen wollte.
   3) Friedrich von, evang. Geistlicher, Sohn von B. 1), geb. 6. März 1831 in Haus Mark bei Tecklenburg (Westfalen), wurde Bergmann, dann Landwirt, studierte seit 1854 in Basel, Erlangen und Berlin Theologie, wurde 1858 Pfarrer an der deutschen Gemeinde zu Paris und 1864 zu Dellwig bei Unna (Westfalen), von wo aus er die Kriege von 1866 und 1870/71 als Felddivisionspfarrer mitmachte. Seit 1872 widmet er sich in und um Bielefeld mit großartigem Erfolg den Werken der innern Mission. Der gegenwärtige Bestand der Stiftungen ist folgender: 1) Anstalt für Epileptische (Bethel) mit (1902)1800 Kranken;

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2) Diakonissenhaus (Sarepta) mit 980 Schwestern auf 326 Arbeitsplätzen, wovon 11 im Ausland; 3) Erziehungsstätte für männliche Krankenpfleger (Haus Nazareth) mit 350 Diakonen auf 120 Stationen, wovon 6 außer Europa und andre 6 außer Deutschland; 4) Arbeiterkolonie Wilhelmsdorf, die erste ihrer Art, mit 5 Filialen und etwa 400 Insassen (s. Meyers Arbeiterkolonien, Bd. 1, S. 681); 5) Arbeiterheim, Kolonie von 164 Häusern mit 400 Wohnungen; 6) Missionsseminar für (jetzt 13) Kandidaten der Theologie; 7) Schriftenniederlage Bethel zu Gadderbaum bei Bielefeld. 1884 ernannte ihn die theologische Fakultät zu Halle zum Doktor. Vgl. Siebold, Geschichte und Beschreibung der Anstalten Bethel, Sarepta etc. (3. Aufl. 1898), und die jährlichen Berichte.
 
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Bodemann, Eduard, Historiker, geb. 8. Aug. 1828 zu Ohrum in Hannover, studierte in Göttingen erst Theologie, dann Philologie und Geschichte und wurde 1863 Sekretär, 1867 Direktor der königlichen Bibliothek zu Hannover. Von seinen Schriften sind zu nennen: »Xylographische und typographische Inkunabeln der königlichen Bibliothek zu Hannover« (Hannov. 1865), »Die Handschriften der königlichen Bibliothek zu Hannover« (das. 1867), »Julie v. Bondeli und ihr Freundeskreis« (das. 1874), »J. G. Zimmermann, sein Leben und bisher ungedruckte Briefe an denselben« (das. 1878), »J. H. v. Ilten. Ein hannoverscher Staatsmann des 17. Jahrhunderts« (das. 1879), »Die ältern Zunfturkunden der Stadt Lüneburg« (das. 1883), »Von und über Albrecht v. Haller« (das. 1885). Auch gab er den Briefwechsel der Herzogin Sophie von Hannover mit dem Kurfürsten Karl Ludwig von der Pfalz (Leipz. 1885), ihre Briefe an dessen Kinder, die Raugräfinnen und Raugrafen (das. 1888), Briefe der Herzogin Elisabeth Charlotte von Orléans an die Kurfürstin Sophie (Hannov. 1891, 2 Bde.), Briefe derselben an ihre frühere Hofmeisterin v. Harling und deren Gemahl (das. 1895) sowie Briefe von Leibniz (das. 1889) heraus.
 
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Boden (Erdboden), die äußerste Schicht der festen Erdrinde, ein erdiger Überzug über dem festen Gestein (Grund und Boden), aus dem der B. durch die Verwitterung entstanden ist. Mechanische und chemische Energien sowie lebende und abgestorbene Organismen sind unablässig tätig, die Felsgesteine zu verwittern, d. h. zu zertrümmern, zu lösen und das Vorhandene in andre Verbindungen überzuführen, neues Bodenmaterial zu bilden. Unter dem Einfluß des Temperaturwechsels werden die Einzelbestandteile des Gesteins ungleich ausgedehnt; es entstehen zahllose Risse und Sprünge, in denen sich der wässerige Niederschlag ansammeln kann, und die ausdehnende Gewalt des frierenden Wassers erweitert die Risse. Die chemische Wirkung des Wassers, des Sauerstoffs, der Kohlensäure, des Ammoniak und der Salpetersäure der Atmosphäre vollenden den Verwitterungsprozeß, sie ergibt mit einzelnen Bestandteilen des Gesteins lösliche Verbindungen und hinterläßt ein loses Haufwerk pulverig-erdiger Substanz, das entweder auf der ursprünglichen Bildungsstätte liegen bleibt (primitiver, angestammter, sedentärer B., Grundschutt) oder durch das Wasser, auch den Wind anderwärts abgelagert wird (sekundärer, angeschwemmter, sedimentärer B., Flutschutt).
   Im zertrümmerten Gestein, dem rohen oder Verwitterungsboden, siedeln sich anfangs nur solche Pflanzen an, die ihre Nahrung vorzugsweise der Atmosphäre und dem Wasser entnehmen (Bakterien, Algen, Flechten, Moose etc.). Absterbend bilden sie die ersten Pflanzenreste, die dem B. die Fähigkeit geben, höher organisierte Pflanzen zu tragen. Zahllose Tiere leben im B. oder durchwühlen denselben, wie besonders die Regenwürmer, Insektenlarven etc.; ihre Exkremente und ihre Kadaver vermehren den organischen Bestand des Bodens. Mikroorganismen stehen in Zusammenhang mit den Oxydations- und Reduktionsprozessen und der Vermehrung des Stickstoffs im B. Schließlich wird der Naturboden, der sich mit einer Wald- oder Grasvegetation bedeckt, durch die Urbarmachung (Melioration) in Kulturboden, Ackererde, umgestaltet. Im Kulturboden geht der Verwitterungsprozeß ungehindert fort, überdies erfährt seine chemische und physikalische Beschaffenheit mannigfache Veränderungen durch die Bearbeitung, Düngung, die Kultur- und Unkrautpflanzen etc.
   Je nach der Tiefe (Mächtigkeit) des durch die Kultur aufgeschlossenen Bodens des Obergrundes unterscheidet man flachgründigen und tiefgründigen B. Die Bodenschichten unter dem Obergrunde heißen Untergrund, der Teil des Obergrundes, der von den Bodenbearbeitungsgeräten erreicht (beackert) wird, Ackerkrume. Mit Bezug auf die Entstehung des Bodens und das endliche Resultat der Verwitterung lassen sich nach Krafft im Kulturboden unterscheiden: Gesteinstrümmer, Bodengerüst und Bodensalze. In den Bodenzwischenräumen kommen überdies vor: Wasser, die Bodenflüssigkeit, Bodenluft, unzählige Mikroorganismen (nitrifizierende und denitrifizierende Bakterien und Sproßpilze), lebende (besonders Regenwürmer, Insektenlarven etc.) und abgestorbene höhere Pflanzen und Tiere, die an den chemischen und physikalischen Veränderungen im B. hervorragend beteiligt sind. Die Gesteinstrümmer bilden den Vorrat an unaufgeschlossenen Nährstoffen für die Zukunft, sie zerfallen bei der Verwitterung in einen unzersetzbaren Teil, das Bodengerüst (Ton, Quarzsand, Kalk), der für die Pflanze keine Nährstoffe bietet, demungeachtet wegen seiner physikalischen Eigenschaften für den Wert des Bodens für die Pflanzenkultur von ausschlaggebender Bedeutung ist, und in einen veränderlichen Teil, die Bodensalze, die den Vorrat an zur Zeit aufnehmbaren Bodennährstoffen bilden. Dem Bodengerüst anzureihen ist der gleichfalls keinen Bodennährstoff bildende Humus, der aus Pflanzen- und Tierresten in verschiedenen Zersetzungsstufen (Ulmin, Humin, Ulmin- und Huminsäure, Quellsäure etc.) besteht. Zur Zeit gibt es kein Mittel, um die stoffliche Trennung der Gesteinstrümmer, des Bodengerüstes und der Bodennährstoffe vorzunehmen, man muß sich daher auf die Scheidung der Bodenbestandteile durch die mechanische Bodenanalyse beschränken. Diese trennt ohne Rücksicht auf die stoffliche Beschaffenheit und Veränderlichkeit die Bestandteile des Bodens in Bodenskelett, die gröbern Teile, und in Feinerde, nachdem der B. vorher durch Trocknen von seinem Wasser- und durch Glühen von seinem Humusgehalt befreit wurde. Das Bodenskelett wird durch Absieben mit Sieben von verschiedener Maschenweite von der Feinerde abgesondert, und zwar als Geröll, Grus, dann als Grob- und Feinkies mit 35, bez. 23 mm Korngröße, als Perl- und grober Sand (12, bez. 0,51 mm Korngröße). Der Rückstand, die Feinerde (unter 0,3 mm Korngröße), oder das feinere verwitterte Gestein wird mit Wasser in Schlämmapparaten (von Nöbel, Kühn, Schulze, Benningsen, Sikorski etc.) in die abschlämmbaren Bodenteile und in den unabschlämmbaren

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Teil, den Sand (Quarz-, Kalk-, Gesteinssand), geschieden. Diese Trennung ist im Hinblick auf die verschiedenen physikalischen Eigenschaften der Bodengemengteile von größter Bedeutung, indem der Wert des Bodens viel mehr von letztern als von dem Gehalt an Bodennährstoffen bestimmt wird, wenn, wie gewöhnlich, dieser Gehalt nicht unter ein bestimmtes Minimum herabgeht. Die chemische Bodenanalyse, die mit viel kräftigern Lösungsmitteln als die Natur arbeitet, vermag noch weniger den Gehalt an unaufgeschlossenen und aufnahmefähigen Bodennährstoffen nachzuweisen. Chemische Bodenanalysen haben daher nur bedingten Wert. In neuester Zeit strebt man an, diese Unterscheidung durch die Ermittelung des Aschengehaltes der Pflanzenwurzeln zu ermöglichen oder durch den Düngungsversuch das Fehlen oder die Unzulänglichkeit eines Nährstoffes (das Düngebedürfnis des Bodens) festzustellen.
   Die chemischen Eigenschaften des Bodens hängen ab: vom Verwitterungszustande der Bodenbestandteile, dem Vorrat und Löslichkeitszustande der Pflanzennährstoffe und von deren Verhalten im B. oder dem Absorptionsvermögen des Bodens. Dies letztere äußert sich in dem Vermögen des Bodens, aus wässerigen Lösungen die wichtigsten Pflanzennährstoffe, bis auf eine gewisse geringe Menge, derart festzuhalten, daß sie von dem abfließenden Wasser nicht fortgeführt werden können. In größter Menge werden die wichtigsten Bodennährstoffe: Phosphorsäure, Kalium und Ammoniak, in geringerer Natrium, noch schwächer Calcium und Magnesium, gar nicht Chlor, Schwefelsäure und Salpetersäure absorbiert. Für die Fruchtbarkeit des Bodens ist jener Bodennährstoff entscheidend, der in geringster Menge im B. enthalten ist; denn fehlt nur einer der zur Pflanzenentwickelung nötigen Nährstoffe oder das unentbehrliche Minimum (Gesetz des Minimums), so kann sich keine Pflanzenvegetation erhalten, wenn auch die übrigen Nährstoffe in noch so großen Mengen vorhanden sind.
   Die physikalischen Eigenschaften des Bodens oder das Verhalten des Bodens gegen Gase, Wasser, Licht und Wärme, das zuerst von Schuebler, in neuester Zeit besonders von Wollny u. a. studiert wurde, hängt vielfach ab von dem Mengenverhältnis, in dem ein gegebener B. die Bodengemengteile: Quarzsand, Ton, Kalksand und Humus, enthält. Diese physikalischen Eigenschaften sind: 1) Das Volumen- und spezifische Gewicht, das wenig Unterschiede aufweist. 2) Die Luftkapazität oder das Verhältnis der festen Bodenteile zu den mit Luft erfüllten Bodenzwischenräumen. Trockner B. ist um so lufthaltiger, je feinkörniger derselbe ist. 3) Kontraktion und Quellungsfähigkeit. 4) Kohäsion, Adhäsion und Struktur. B. mit geringem Zusammenhalt, wie Sandboden, wird als loser, lockerer, mürber und mit Bezug auf die Adhäsion als leichter, solcher mit der entgegengesetzten Eigenschaft, wie Tonboden, als gebundener, strenger, zäher und wegen der starken Adhäsion an die Ackergeräte etc. als schwerer bezeichnet. Die Einzelkorn-(Dichte-)struktur (Verschlämmung) wird durch Bearbeitung, Düngung, Kleebau in die für die Kulturpflanzen geeignetere Krümel-(Flocken-)struktur übergeführt. 5) Hygroskopizität, von geringerm Belang. 6) Wasserfassende Kraft oder das Vermögen hoher (kleinste oder absolute Wasserkapizität) oder niederer (größte oder volle Wasserkapizität) Bodenschichten, Wasser aufzunehmen. Je mehr Humus, Ton und feinverteilten Kalk ein B. enthält, um so mehr, je höher der Sandgehalt ist, um so weniger Wasser nimmt er auf. 7) Kapillarität (Aufsaugungsvermögen). 8) Wasseranhaltende Kraft, d. h. die Fähigkeit, mehr oder weniger rasch auszutrocknen, meßbar an der Zeit, die vollkommen gesättigter B. bis zum Trockenwerden braucht; hitziger, kalter, trockener und nasser B. Damit im Zusammenhang steht die Durchlässigkeit oder die Fähigkeit, das aufgenommene Wasser wieder durchsickern zu lassen; Tonböden sind undurchlässig, naß, Sandböden durchlässig, trocken. 9) Färbung. 10) Wärmekapazität. Kalk-, Sandböden besitzen geringe Wärmekapazität, sind heiße, hitzige, tätige Böden, Ton- und nasse Humusböden kalte, untätige Böden, Lehm- und humushaltige Böden milde, warme Böden. 11) Wärmeleitungsfähigkeit. 12) Wärmeabsorption und Emission. 13) Benetzungswärme des Bodens. Der Land- und Forstwirt unterscheidet den B. je nach dem Anteil der in demselben vorkommenden Bodengemengteile und benennt nach dem vorherrschenden Bodengemengteil die Bodenart. Je nach dem Vorherrschen von Ton, Sand, Kalk und Humus entstehen die verschiedensten Bodenarten, wie aus folgender Übersicht hervorgeht:

Der Sandboden besitzt mindestens 80 Proz. Gesteinstrümmer in Form von Sand, der aus quarzführenden Gesteinen und Sandsteinen entstanden ist. Der Sand lockert und erwärmt den B. Leicht heißt der Sandboden deshalb, weil er der Bearbeitung, dem Eindringen der Wurzeln, der Luft und des Wassers keinen Widerstand entgegensetzt. Der Sandboden ist vorzugsweise trocken, weil durchlassend für das Wasser;

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der Sand vermag das Wasser nicht zurückzuhalten und begünstigt die rasche Verdunstung. Die Wärme nimmt er rasch auf und strahlt sie langsam wieder aus. Er entbehrt des Zusammenhalts und bildet also keine Schollen. Organische Dünger zersetzen sich rasch im Sandboden, Gründünger, Kompost, Poudrette, flüssige Dünger und geringere, dafür aber öfter ausgeführte Stallmistmengen sind am geeignetsten. Die Walze muß hier fleißig zum Zusammendrücken gebraucht werden; der Futterbau ist unsicher, am sichersten Wintergetreide, besonders Roggen. Der reine Sandgehalt wechselt von 60 bis selbst 90 Proz. Ohne abschlämmbare Teile ist der Sand (Flugsand) absolut unfruchtbar, ebenso wie der Kies (Kies-Geröllboden).
   Im Gegensatze zum Sand steht der Tonboden; der Ton wirkt bindend, kältend im B. Er zieht mit Begierde das Wasser an (zungenklebend), hält es mit großer Kraft zurück und hindert durch seinen festen Zusammenhalt dessen Verdunstung. Er erwärmt sich nur langsam und erkaltet rasch. Beim Regen schwillt er an, und beim Austrocknen zieht er sich zusammen, Risse und Sprünge bildend, wird hart und zäh. Seine Teilchen halten fest aneinander, daher Bearbeitung und Eindringen von Luft und Wurzeln schwierig sind (schwerer B.). In feuchtem Zustand formbar, haftet er an Werkzeugen und ackert sich in zusammenhängenden Schollen und Stücken, die nicht von selbst auseinander fallen. Durch den Frost wird er mürbe, durch Gluthitze zerfällt er zu Pulver und wird nicht wieder fest (Bodenbrennen). Die tonige Feinerde hat hohe Absorptionsfähigkeit für Kali, Phosphorsäure und Stickstoff. Tüchtige Bearbeitung, unausgesetztes Lockern, Eggen und Walzen, Zerstören der krustierenden Decke nach Regen, Entwässerung, Anwendung von strohigem Mist in großen Mengen, Tiefpflügen in rauher Furche oder Aufwerfen von tiefen Gräben vor Winter, Kalken, Mischen mit lockernden Substanzen (Mergel, Sand u. dgl.) sind bei der Kultur zu beachten. Reihenkultur und Hackfruchtbau, mit Ausschluß der Kartoffel, finden hier lohnendste Verwendung. Kleiboden ist ein an Ton sehr reicher, kalkarmer B. Der Lehmboden, der in seinen Eigenschaften zwischen dem Sand- und Tonboden steht und daher Mittelboden heißt, besteht aus einem Gemenge von Lehm (Ton mit mehr als 10 Proz. nicht ausschlämmbarem Quarzmehl), 3050 Proz. abschlämmbarem Sand und einigen Prozenten Kalk. Milder Lehmboden besitzt die günstigsten physikalischen Eigenschaften und ist für alle Pflanzen geeignet.
   Der Kalkboden entsteht als Verwitterungsprodukt kalkhaltiger Gebirge, kalkhaltiger Feldspate oder der Sandsteine mit kalkigem Bindemittel, er besitzt in reinster Form als an der Grenze der Kulturfähigkeit stehender Kreideboden bis 75 und mehr Prozent Calciumkarbonat. Der Mergelboden bildet ein Gemenge von wenigstens 15 Proz. Kalk und höchstens 75 Proz. Ton; in den Talsohlen findet er sich als fruchtbarer Aueboden von gleichmäßiger Mischung. Kalk nimmt nur wenig Wasserdampf, aber viel tropfbarflüssiges Wasser auf und läßt es ziemlich rasch wieder verdunsten. Mergelböden erwärmen sich rasch und strahlen die Wärme rasch aus. Angenäßt, werden sie breiartig, zusammenhängend, krustenbildend. Lehmmergelböden gehören in mäßig feuchten Lagen zu den fruchtbarsten Bodenarten. Bei Sandmergelböden sinkt die Ertragsfähigkeit mit der Zunahme des Kalkgehalts. Ein sehr fruchtbarer Sandmergelboden ist der Lößboden, besonders in frischern Lagen.
   Der Humus, der aus den abgestorbenen zerfallenden Pflanzen und Tieren im B. entsteht, ist kein Pflanzennährstoff, jedoch durch die Absorption, Verbreitung und Ausschließung der Bodennährstoffe sowie durch seine verbessernde Einwirkung auf die physikalischen Bodeneigenschaften für die Bodenfruchtbarkeit von größter Bedeutung. Er lockert den bindigen Tonboden und gibt dem lockern Sandboden größere Bindung. Wasser nimmt er unter starkem Aufquellen zum 125190fachen seines Gewichts auf. An Ton saugt sich sein verteilter Humus an und bildet dann die Dammerde (Ackerkrume). Ist dabei jedes Bodenteilchen von Humus eingehüllt, so gelangt, unterstützt durch die Bearbeitung und Düngung, der B. in den günstigsten physikalischen und chemischen krümeligen Zustand, der als gar, Ackergare (Bodengare) bezeichnet wird. Erfolgt die Zersetzung des Humus, dessen Aschenbestandteile dann in feinster Verteilung zurückbleiben, so entsteht milder, gutartiger Humus, ist dagegen durch Luftabschluß und zeitweiliges oder dauerndes Unterwassersetzen die Zersetzung gehemmt, so bilden sich Waldhumus, saurer, adstringierender (aus gerbstoffhaltigen Substanzen entstehende Geïnsubstanz), dann torsiger, kohliger Humus, desgleichen Torf und trockner Heidehumus.
   Als tiefgründige Fluß- oder Meeresanschwemmungen heißen die humushaltigen Bodenarten Alluvial-, Au-, Niederungs- oder Marschboden; sie zählen, wie die ungarischen, russischen (Tschernosem mit 620 Proz. Humus) Schwarzerden und amerikanischen »Jungfernböden«, meist Ton- oder Lehmmergelböden, zu den fruchtbarsten Bodenarten. Die eigentlichen Humusböden mit über 20 Proz. Humus sind die Torf-, Moor-, Heidehumus- und Waldhumusböden. Besondere Bodenvorkommnisse erklären sich schon mit den Namen: Salz-, Gipsmergel-, Eisen-, eisenschüssiger, Letten- etc. B.
   Von großer Bedeutung für die Brauchbarkeit des Bodens sind noch Lage und Umgebung, nachdem ungünstige, natürliche Lage viel schwieriger abzuändern ist als ungünstige Bodenbeschaffenheit. Die allgemeine klimatische und die besondere örtliche Lage entscheiden daher über den Charakter der Landwirtschaft weit mehr als die Bodenverschiedenheiten. Bei 15° Neigung ist z. B. die Grenze der Spannarbeit, bei 20° die Grenze der Hackarbeit, bei 30° die Grenze der Bearbeitung überhaupt und die des geschlossenen Graswuchses und bei 45° die für Weinreben und Wald, überhaupt für bleibende Vegetation gegeben. Je nördlicher, um so willkommner ist eine der Sonne zugekehrte Neigung; feuchter, bindiger B. ist erwünschter da, wo trockene Winde vorherrschen, umgekehrt Sandböden bei feuchtem Klima vorteilhafter für die Kultur. Die Umgebung schützt vor rauhen Winden, hindert aber auch oft die Durchlüftung und die Erwärmung durch die Sonne. Felder in der Nähe von großen Wiesenkomplexen leiden stärker von den Frösten im Frühjahr, solche in oder am Wald haben kürzere Vegetationszeit.
   Vgl. Fallou, Anfangsgründe der Bodenkunde (2. Aufl., Dresd. 1862); Derselbe, Pedologie oder allgemeine und besondere Bodenkunde (das. 1862); Detmer, Die naturwissenschaftlichen Grundlagen der allgemeinen landwirtschaftlichen Bodenkunde (Leipz. 1876); Oemler, Bodenkunde (das. 1874); Wollny, Der Einfluß der Pflanzendecke und Beschattung auf die physikalischen Eigenschaften des Bodens (Berl. 1877); Heinrich, Grundlagen zur Beurteilung der Ackerkrume (Wismar 1882); Grebe, Gebirgskunde,

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Bodenkunde und Klimalehre (4. Aufl., Berl. 1886); Hosaeus und Weidenhammer, Grundriß der landwirtschaftlichen Mineralogie und Bodenkunde (5. Aufl., Leipz 1900); Nowacki, Praktische Bodenkunde (3. Aufl., Berl. 1899); Schmied, Bodenlehre (Prag 1886); Wahnschaffe, Anleitung zur wissenschaftlichen Bodenuntersuchung (Berl. 1887); Steinriede, Anleitung zur mineralogischen Bodenanalyse (Leipz. 1889); Wollny, Die Zersetzung der organischen Stoffe und die Humusbildungen (Heidelb. 1897); Gruner, Grundriß der Gesteins- und Bodenkunde (Berl. 1896). Von großer Bedeutung ist das Volumen der Poren, der Zwischenräume zwischen den einzelnen Partikelchen, aus denen der B. besteht, und der Hohlräume in diesen Partikelchen. Das Porenvolumen beträgt in Sandboden 3543, in Gartenerde 46, in Lehmerde 45, in Tonerde 53, in Moorboden 84 Proz. Die Durchlässigkeit des Bodens für Flüssigkeiten und Gase hängt aber nicht allein von der Größe des Porenvolumens, sondern auch von der Größe und Anordnung der einzelnen Poren ab. Sättigt man eine gut getrocknete und gewogene Bodenprobe mit Wasser, so gibt die Gewichtszunahme die Menge des Wassers an, die der B. in seinen Poren zurückhält, die wasserhaltende Kraft (Wasserkapazität) des Bodens. Diese ist um so größer, je kleiner die Poren sind, niemals aber ist sie gleich dem Porenvolumen, sondern entspricht stets nur einem Bruchteil desselben. Sie beträgt bei Feinsand 65, Mittelsand 47, Grobsand 23, Mittelkies 7 Proz. des Porenvolumens. In grobporigem B. steigt Wasser sehr schnell, aber nur auf geringe Höhe (in Kies 2 cm), während es in feinporigem langsam bis zu bedeutender Höhe gehoben wird (in Löß bis 2 m). Das Absorptionsvermögen des Bodens erstreckt sich nicht nur auf anorganische Stoffe, sondern auch auf organische, wie die Zersetzung abgestorbener Pflanzen und Tiere sie liefert. Viele flüchtige Stoffe, Alkaloide, ungeformte Fermente, Eiweißkörper, Riech- und Farbstoffe werden vom B. absorbiert. Doch besteht auch hier eine Absorptionsgrenze, und wenn der B. bis zu dieser gesättigt ist, dann gehen die betreffenden Stoffe durch ihn hindurch, bis zu einer tiefern Schicht. Die im B. durch Filtration oder Absorption zurückgehaltenen Stoffe unterliegen einer Zersetzung, die besonders bei Temperaturen über 5° und bei genügender Feuchtigkeit zu einer vollständigen Oxydation der organischen Substanzen führen kann (Selbstreinigung des Bodens). Hierbei wirken Bakterien mit, die namentlich auch salpeterige Säure und Salpetersäure bilden. Zellulose und verwandte Körper bilden Humussubstanzen, die dann der Zersetzung länger widerstehen. Bei der Oxydation der organischen Stoffe durch die im B. enthaltene Luft entsteht Kohlensäure, die teils entweicht, teils im Wasser sich löst und die Verwitterung begünstigt. Neben Kohlensäure entstehen bisweilen Methan und andre Kohlenwasserstoffe, auch Schwefelwasserstoff. Sandboden von 1 qm Oberfläche und 1 m Mächtigkeit vermag täglich 2533 Lit. Kanalwasser aufzunehmen und ein ganz reines Filtrat zu liefern, alle organischen Substanzen des Wassers vollständig zu oxydieren. Über die Temperatur des Bodens s. Meyers Bodentemperatur.
   Die in den B. eingeschlossene Luft, die Bodenluft (Grundluft), weicht in ihrer Zusammensetzung von der atmosphärischen Luft erheblich ab. Bis zur Tiefe von etwa 0,5 m ist der Feuchtigkeitsgehalt der Bodenluft bis zu einem gewissen Grad abhängig von der Feuchtigkeit der Luft, in größerer Tiefe ist die Bodenluft mit Feuchtigkeit gesättigt. Der Sauerstoffgehalt der Bodenluft ist viel geringer als der der atmosphärischen Luft; er beträgt in einer Tiefe von 2 m 19,39, in 4 m 16,79, in 6 m 14,85 Volumprozent, er sinkt auch auf 7,4 Proz. Umgekehrt steigt der Gehalt an Kohlensäure mit der Tiefe und beträgt in 21 m Tiefe 2,91, bei 4 m 5,56, bei 6 m 7,96 Volumprozent. In Berlin fand man bei 1 m Tiefe 0,758, bei 2 m 0,921, bei 3 m 1,16 Volumprozent. Als mittlern Kohlensäuregehalt der Bodenluft kann man 2,54 Proz. annehmen, doch wurde selbst bis 20 Proz. beobachtet. Dieser Gehalt unterliegt sehr geringen Tages- und recht erheblichen Jahresschwankungen, er steigt von Ende Februar bis zum Hochsommer und sinkt wieder bis Ausgang des Winters. Von Ammoniak fand Fodor 0,00890,0471 mg in 1 cbm, Renck 0,1090,12 Volumprozent. Gewöhnlich wird dies Ammoniak vom B. schnell absorbiert und zu salpeteriger und Salpetersäure oxydiert. Nur wenn dem B. zu reichlich zersetzungsfähige organische Substanzen zugeführt werden, tritt eine Übersättigung ein, das Ammoniak entgeht dann teilweise der Oxydation und wird vom Grundwasser aufgenommen. Die Beschaffenheit der Bodenluft bildet keinen Maßstab für die Verunreinigung des Bodens, weil sie abhängig ist von der Lüftung des Bodens, Luftdruck, Wind, Regenfall, Temperatur und Wassergehalt des Bodens.
   Die Bodenluft befindet sich in beständiger Bewegung, die wenig durch die Schwankungen des Luftdrucks, stärker durch Temperaturunterschiede beeinflußt wird. Der B. wird am Tage stärker erwärmt als die Luft, und so tritt abends sehr bald ein Zeitpunkt ein, wo die Luft im B. wärmer ist als die über demselben lagernde Luft. Alsdann tritt Grundluft aus dem B. aus. Steht ein Haus nackt im B. und wird im Winter die Luft im Hause durch Heizung erheblich wärmer als im Freien, so drückt die Außenluft die Bodenluft ins Haus hinein. Daher sollte die Sohle jedes Hauses durch Fliesen oder Isolierschichten gut gedichtet, gegen die Bodenluft abgeschlossen werden. Daß die Grundluft aus dem Keller auch in die obern Teile des Hauses gelangt, konnte direkt nachgewiesen werden. Wind wirkt saugend auf die Grundluft und treibt sie in die Häuser, endlich wird auch die Grundluft durch Steigen des Grundwassers aus dem B. verdrängt.
   Die Bodenfeuchtigkeit nimmt nach der Tiefe hin ab, sie beträgt im Mittel bei 1 m Tiefe 14,6, bei 2 m 14,1, bei 3 m 11,3, bei 4 m 8,6 Proz. Die Bodenfeuchtigkeit nimmt in unserm Klima im Frühjahr zu, erreicht ihre größte Höhe im Mai und sinkt wieder während des Sommers bis zum Spätherbst. Die Verdunstung an der Oberfläche des Bodens ist von der Luftbeschaffenheit, aber auch von der Beschaffenheit des Bodens abhängig. Am größten ist sie bei Torf, geringer bei humosem Kalksand, Lehm, Kalksand, am geringsten bei Quarzsand. Eine Decke von Laub, Nadeln scheint die Wasserabgabe zu vermindern, lebende Pflanzen dagegen vermehren die Wasserabgabe. Die obere Bodenschicht, die Verdunstungszone, zeigt die größten Schwankungen, dann folgt die Durchgangszone, die durch eindringendes Wasser durchnäßt wird, dann die Zone kapillaren Wassers, endlich die eigentliche Grundwasserzone.
   Je mehr organische Substanzen der B. enthält, um so besser gedeihen in ihm die Mikroorganismen, deren Menge sich auf Hunderttausende in 1 ccm

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belaufen kann. Mit der Tiefe nimmt aber die Zahl der Mikroorganismen im B. sehr schnell ab und wird unter 1,5 m minimal, zumal in jungfräulichem B., während in dem vielfach durchwühlten Untergrund großer Städte, in Böden mit sehr großen Poren oder wenn Spalträume im B. sich finden, auch noch in größerer Tiefe Mikroorganismen vorkommen. In 4 m Tiefe werden indes nur ganz vereinzelte gefunden, und im Bereich des Grundwassers fehlen sie gänzlich. Aus den obersten Bodenschichten können Bakterien mit dem Staub emporgehoben und verbreitet werden, aus feuchtem B. gelangen keine Bakterien in die Luft, nur bei starkem Regen kann allenfalls bakterienhaltige Flüssigkeit zerstäubt werden. Aus tiefern Bodenschichten gehen niemals Bakterien in die Luft über, wohl aber können im B. lebende Tiere wesentlich zum Transport von Bakterien beitragen. Von pathogenen Bakterien sind der Bazillus des malignen Odems, des Rauschbrandes, des Tetanus und vielleicht auch des Typhus im B. nachgewiesen worden. Ausgiebige Vermehrung pathogener Bakterien scheint im B. nur stattzufinden, wenn er sehr stark verunreinigt ist, doch erhalten sich manche Bakterien (s. d.) längere Zeit im B. fortpflanzungsfähig. Schon vor diesen Nachweisungen hat man den B. mit den Infektionskrankheiten in Zusammenhang gebracht und von Bodenkrankheiten gesprochen, die, wie Milzbrand, Typhus, Cholera, nicht immer und an allen Orten epidemisch auftreten, sondern gewisse Jahreszeiten und bestimmte Orte bevorzugen oder meiden (Pettenkofers zeitliche und örtliche Disposition, Nägelis siechhafter und siechfreier B.). Diese Ansichten haben sich z. T. als irrig erwiesen, z. T. sind die Verhältnisse wohl noch nicht hinreichend aufgeklärt, bei der Malaria aber hat sich gezeigt, daß nicht dem B. entsteigende Krankheitskeime die Malaria erzeugen, sondern daß der B. nur insofern in Betracht kommt, als er die Bedingungen für die Fortpflanzung gewisser Insekten begünstigt oder nicht. Als gesunder B. gilt im allgemeinen Felsgrund oder ein für Luft und Wasser durchgängiger B. mit tiefstehendem Grundwasser, als ungesund namentlich sumpfiger B., der B. an Niederungen, Flußmündungen mit zeitweise brackigem Wasser und Kulturboden mit einer nahe unter der Oberfläche befindlichen, für Wasser undurchgängigen Schicht, namentlich auch stark verunreinigter B. Die Verbesserung der Gesundheitsverhältnisse in einem Sumpfgebiet wird am einfachsten und sichersten durch Entwässerung erreicht, auch hat man vielfach mit großem Erfolg Eucalyptus globulus, Sonnenblume etc. angepflanzt. Vgl. Fodor, Hygienische Untersuchungen über Luft, B. und Wasser, 2. Abt. (Braunschw. 1881); Derselbe, Hygiene des Bodens (Jena 1893); Soyka, Der B. (in Ziemssens »Handbuch der Hygiene und der Gewerbekrankheiten«, 3. Aufl., Leipz. 1887); K. B. Lehmann, Methoden der praktischen Hygiene (2. Aufl., Wiesbad. 1901).
 
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Bodenbach, Stadt in Böhmen, Bezirksh. Tetschen, nahe der sächsischen Grenze, an der Mündung des Eulenbaches in die Elbe, mit dem gegenüberliegenden Tetschen durch eine Ketten- und eine Eisenbahnbrücke verbunden, Knotenpunkt der Österreichisch-Ungarischen Staatseisenbahn, der Sächsischen Staatsbahn, der k. k. Staatsbahnen und der Böhmischen Nordbahn, Station der Elbdampfschiffahrt mit Umschlagplatz und Winterhafen, hat eine katholische und eine prot. Kirche, eine Bierbrauerei, Baumwollspinnerei, Fabrikation von Schokolade und Kanditen, Siderolithwaren, Knöpfen, Porzellan, Zementröhren, Öfen, Buntpapier, Lack, Tinte, Odol, Teer und Dachpappe, ätherischen Ölen und Essenzen, Fahrrädern etc., ein österreichisches und sächsisches Zollamt, starke Braunkohlenausfuhr nach Deutschland, einen Schlachthof und (1900) 10,782 deutsche Einwohner. B. ist eine beliebte Sommerfrische (mit Stahlbad). Dabei die steil zur Elbe abfallende Schäferwand (270 m ü. M.) mit schöner Aussicht.
 
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Bodenbearbeitung, Verbesserung des ungünstigen physikalischen und chemischen Zustandes, in den der Boden durch Benutzung zur Pflanzenkultur gelangt, um ihn für weitern Anbau einer Kulturpflanze wieder in stand zu setzen. Durch mechanische Lockerung wird der Boden der Luft und den Niederschlägen wieder zugänglich gemacht und damit die Aufschließung der Bodennährstoffe durch Verwitterung befördert sowie ein günstiger physikalischer Zustand herbeigeführt, so zwar, daß eine neue Saat sicherer die Bedingungen zum Keimen und Gedeihen findet, als wenn der Boden unbearbeitet geblieben wäre. Außerdem dient die B. dazu, die Bodenoberfläche in Beete, Kämme zu formen, den Dünger unterzubringen und das Land von Unkräutern und Ungeziefer zu reinigen. Sie wird mit Hand-, Spann-, Dampf- oder elektrischen Kulturgeräten ausgeführt, die den Boden lockern, wenden, mischen oder auch verdichten, formen und klären. Am vollkommensten, aber kostspieligsten erfolgt die B. mit dem Spaten, sie wird daher nur bei Kleinkultur oder gartenmäßigem Betrieb angewendet. Leistungsfähiger erweisen sich Spanngeräte, die ihrerseits von den Dampfkulturgeräten übertroffen werden. Letztere können jedoch nur bei einer gewissen Größe der zu bearbeitenden Flächen in Anwendung kommen.
   Mit Ausnahme der mehrjährigen Futterschläge wird jedes Feld jährlich mindestens einmal mit dem Pfluge bearbeitet. Wie oft ein Feld gepflügt werden soll, hängt von dem Zustand ab, in dem es sich nach der Aberntung und je nach der Düngung und Kultur befindet, sowie von den Feuchtigkeitsverhältnissen, die von der Bodenbeschaffenheit und der jeweiligen Witterung beeinflußt werden. Praktische Erfahrung allein vermag den richtigen Feuchtigkeitszustand des Bodens zu erkennen, bei dem das Pflügen am leichtesten und wirkungsvollsten zur Ausführung gelangt. Besonders im Frühjahr und auf bindigem Ton- und Lehmboden muß man sich vor Feucht- und Trockenpflügen hüten, weil sonst der Boden Schollen bildet, die nur schwer zu zerkleinern sind. Über Winter soll der Boden in rauher Furche, d. h. nicht geeggt, liegen bleiben, weil dann der Frost am billigsten die Krümmelung besorgt. Die gewöhnliche Furchentiefe beim Pflügen beträgt 1518 cm. Flach, auf 915 cm Tiefe, wird gepflügt, wenn Stoppeln, Dünger, Saat u. dgl. in den Boden untergebracht werden sollen. Für tiefwurzelnde Pflanzen wird dagegen mit dem Pflug, Untergrundpflug, Pflugspaten (Verbindung von Pflügen und Handspaten) oder dem Wühler der Boden auf 2050 cm Tiefe bearbeitet. Durch solche Tiefkultur werden das der Pflanzenwurzel zur Verfügung stehende Bodenvolumen und die Menge der ausgeschlossenen Bodennährstoffe vermehrt sowie die Feuchtigkeitsverhältnisse günstig geregelt, so zwar, daß erfahrungsgemäß die Ernteerträge, besonders von tiefwurzelnden Zuckerrüben, Kartoffeln, Hopfen, Kleepflanzen etc., wesentlich erhöht werden. Bei unverständiger Anwendung der Tiefkultur, besonders bei unvermittelter Heraufschaffung und Vermengung des »toten« rohen Untergrundes mit der Ackerkrume und

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Unterlassung der Verwendung größerer Stallmistmengen können jedoch anfänglich auch empfindliche Rückschläge in den Ernteerträgen eintreten. Läßt die Beschaffenheit des Untergrundes sein Heraufholen nicht zu, so muß man sich mit seiner Lockerung in der Tiefe mittels des Grubbers oder Wühlers begnügen. Am wirksamsten wird die Tiefkultur durch Dampfpflügen und Dampfgrubber ausgeführt.
   Das Pflügen kann als Ebenpflügen (Ebenbau), Beetpflügen (Beetbau) oder Kammformen (Kammbau) ausgeführt werden. Ebengepflügt wird am vollkommensten mit Dampfpflug und Gespannwechselpflug. Mit den Beetpflügen läßt sich annähernd ebenpflügen, wenn in mehr als 4 bis zu 30 cm breite Abteilungen, Gewende, gepflügt wird, oder wenn, in der Mitte oder an der Seite beginnend, Furche an Furche gelegt wird, wie bei dem Karree- oder Figurenpflügen. Beim Beetpflügen werden unter 4 m breite, 48 Furchen schmale (Bifänge) oder 1020 Furchen breite Rücken, Beete (Ackerbeete) gebildet, indem das Pflügen auf den bisherigen Beetrücken (Zusammenpflügen) oder in der bisherigen Beetfurche (Auseinanderpflügen) begonnen wird. Am wenigsten verbreitet ist der Kammbau (Bilon, Billonkultur), bei dem der Boden mit dem Kaminformer, mit dem Pflug oder Anhäusler in Kämme oder Dämme gelegt wird. Er eignet sich am besten für feuchte Ländereien und erfordert besondere Kammwalzen, Kammsäe- und Hackmaschinen. Eine besondere Art des Pflügens ist das Balken (Bälken, Halbpflügen, Riggen), bei dem zwischen je zwei Furchen ein Stück Land in der Breite der gepflügten Furche stehen bleibt, um bei der Herbstfurche Zeit zu sparen.
   Die regelmäßige Ackerbestellung umfaßt die Wiederherstellung der Wachstumsbedingungen nach der Ernte und die Vorbereitung des Bodens für eine neue Saat: Herbst- und Frühjahrsbestellzeit. Die einjährige Vorbereitung geschieht durch die reine oder schwarze Brache (s. d.), die halbjährige durch die halbe oder Hegebrache. Im Herbst wird nach der Ernte das Feld (die Stoppel) mit dem Pflug (Schälpflug) geschält, um die Unkräuter zu zerstören. Man schält so seicht wie irgend möglich (34 cm), am besten mit dem mehrscharigen Schälpflug, der die kleinen Furchen nicht wenden, sondern behufs besserer Abtrocknung und schnellern Absterbens des Unkrautes tunlichst auf die hohe Kante stellen soll. Nach wenigen Tagen mit trocknen Winden folgt die Egge, um die Unkräuter bodenfrei zu machen; nach einigen weitern trocknen Tagen wird die eigentliche Pflugfurche zur vollen Tiefe gegeben. Je nach der Frucht, die der Boden tragen soll, und der Art des Bodens ist diese Furche die letzte vor der Saat (Saatfurche), wie bei nachfolgender Winterhalmfrucht, während auf tiefgründigem und schwerem Boden, falls Mistdüngung gegeben werden soll, noch eine Saatfurche zu folgen hat, weil auf diesen Boden der Dünger nie zur vollen Tiefe untergebracht werden darf, in der seine Zersetzung verlangsamt oder verhindert werden würde. Besserm Boden, der durch Trockenheit im Frühjahr nicht zu leiden hat, und schwerem Boden pflegt man im Frühjahr die Saatfurche für Sommerfrüchte zu geben. In den meisten Fällen wird, besonders für Hackfrüchte, Lockerung des Bodens durch Grubber, Exstirpator, statt einer Pflugfurche genügen. Abgesehen von der schnellern Arbeit, wird hierdurch häufig bei vollkommener Vernichtung der keimenden Samenunkräuter ein bei weitem wünschenswerteres Saatbett hergestellt als durch den Pflug. Die eigentliche Furche bedarf längerer Zeit, sich »zu setzen«, d. h. in den Grad der Bindigkeit zurückzukommen, den die junge Pflanze verlangt, um »festen Fuß fassen« zu können. Ferner werden sich die Feuchtigkeitsverhältnisse des leichtern Bodens durch eine Grubber-Saatfurche im Frühjahr günstiger gestalten, weil die Kapillarität der untern Bodenschicht in keiner Weise beeinflußt wird und die flache gegrubberte Schicht sich leichter in diesen Zustand der wünschenswerten Kapillarität zurückbegibt und so im stande ist, die von unten, selbst aus tiefen Bodenschichten heraufsteigende Feuchtigkeit der jungen Pflanze jederzeit zur Disposition zu stellen. Der Empiriker nennt dies »die Erhaltung der Winterfeuchtigkeit«. Dem Pflügen folgt das Eggen (s. Meyers Egge) und diesem bei leicht austrocknenden, sandigen Bodenarten erforderlichen Falls die Walze. Die Bestellung eines Ackers wird einfurchig, bez. zweifurchig genannt, wenn er vor der Saat nur einmal, bez. zweimal gepflügt wird. Zum Schluß der Ackerung werden nach dem Gefälle Wasserfurchen zur Ableitung des Wassers gezogen, damit das Wasser allerorts leicht vom Feld abgeführt wird. Reihensaaten werden behackt mit besonders dazu geeigneten Hand- u. Spannwerkzeugen (Pferdehacken, s. d.) und behäufelt mit dem Häufelpflug, um die Erde an die Pflanzen dichter heranzubringen. Diese Arbeiten werden öfters wiederholt. Vgl. Blomeyer, Die mechanische Bearbeitung des Bodens (Leipz. 1879); Krafft, Ackerbaulehre (7. Aufl., Berl. 1899); v. Rosenberg-Lipinsky, Der praktische Ackerbau in Bezug auf rationelle Bodenkultur (7. Aufl., Bresl. 1890, 2 Bde.).
 
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Bodenbesitzreform (Bodenreform). Unter diesem Namen werden im weitern Sinn alle auf eine Reform des geltenden Bodenbesitzrechts abzielenden Bestrebungen, im engern und gewöhnlichen Sinn wird darunter diejenige Reformbestrebung verstanden, die eine Überführung der Grundrente, bez. des Grundeigentums in die öffentliche Hand (Gemeinde oder Staat) anstrebt. Die Anfänge solcher Lehren reichen in das 18. Jahrh. zurück. Thomas Spence hat 1775 in einem Vortrag: »The meridian sun of liberty«, die Übertragung des Grund und Bodens an die Gemeinde oder das Kirchspiel (parish) zu unveräußerlichem Eigentum verlangt. Der Schotte William Ogilvie hat in einem 1782 erschienenen »Essay on the right of property in land etc.«, anschließend an die Lehren der Physiokraten, die Grundsteuer als einzige Staatssteuer gefordert und Grundprinzipien einer Bodenreform entwickelt. Auch bei Herbert Spencer findet sich in der 1851 veröffentlichten Schrift »Social statics« der Gedanke, daß das Privateigentum am Boden verschwinden müsse, weil es nicht durch Arbeit, sondern durch Raub und Bedrückung entstanden sei. Die gleiche Meinung hat J. St. Mill; auf seine Veranlassung wurde sogar 1870 eine Landbesitzreformgesellschaft gegründet, in deren Programm sich der Satz findet, daß der Staat durch eine Steuer den steigenden Mehrwert des Bodens ganz oder teilweise zurückfordern, daß es aber den Eigentümern vorbehalten bleiben solle, ihre Ländereien dem Staate gegen den zur Zeit der Erlassung des Gesetzes geltenden Marktpreis zu überlassen. Die Bewegung ist aber neuerdings besonders in Fluß gebracht worden durch den Amerikaner Henry George (s. d.). In seinem Werke »Progress and poverty« (1879) vertritt er die Ansicht, daß der Grund für die Verschärfung des Gegensatzes zwischen arm und reich in dem Monopolcharakter des privaten Grundbesitzes gelegen

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sei. Da jede Beschäftigung der Arbeit und des Kapitals die Benutzung von Grund und Boden erfordere, so verleihe dieser die Macht, sich einen Teil von deren Ertrag anzueignen. Weil der Boden unvermehrbar, sein Besitz Monopolbesitz sei, so steige mit der Produktivität der Arbeit der an die Grundbesitzer zu entrichtende Tribut. Dies Monopol sei aber durch nichts gerechtfertigt; das Recht aller Menschen auf den Gebrauch des Landes sei vielmehr so klar wie das Recht, die Luft zu atmen. Deshalb müsse auch die Gesamtheit selbst Eigentümerin und Nutznießerin des Grundwertes sein. Allein das Heilmittel liegt nach George nicht in der Auskaufung oder Expropriierung der bisherigen Besitzer, sondern in der Einziehung der Grundrente durch den Staat auf dem Weg einer einzigen Steuer (single tax, daher die Anhänger Georges als single tax men bezeichnet werden), durch die alle andern Steuern ersetzt würden.
   Die Lehre H. Georges hat besonders in England und in Nordamerika eine zahlreiche und überzeugte Anhängerschaft gewonnen. In England hat namentlich A. R. Wallace für die B. gewirkt und ihr ein Buch: »Land Nationalisation, its necessity and its aims« (1882) gewidmet. Von H. George und andern Bodenreformern unterscheidet sich Wallace vor allem dadurch, daß er dem Eigentümer und seinen Erben, die am Leben sind oder vor seinem Tode geboren werden, ein Jahresgeld in der Höhe des von ihm bisher aus dem Grundbesitze bezogenen Einkommens zubilligt. Unter Wallaces Vorsitz hat sich eine Bodenverstaatlichungsgesellschaft gebildet, aus der jedoch einige der eifrigsten Mitglieder, die mehr den Georgeschen Ansichten zuneigen, ausgetreten sind und 1883 die Bodenreformvereinigung (Land Reform Union) gegründet haben, die später den Namen Landrestaurationsbund (Land Restoration League) angenommen hat. Die Mitglieder dieses Bundes weisen die Entschädigungspflicht des Staates ab und fordern in Übereinstimmung mit George die Übertragung der Grundrente in Form einer Grundsteuer auf den Staat. Auf demselben Boden steht ein 1884 in Schottland gegründeter Bund für die Landzurückerstattung, der namentlich in Glasgow große Erfolge erzielt hat und eine angesehene Monatsschrift: »Land Values«, herausgibt.
   In Deutschland ist zuerst H. H. Gossen für B. eingetreten in seiner Schrift: »Entwickelung der Gesetze des menschlichen Verkehrs und der daraus fließenden Regeln für menschliches Handeln« (Braunschw. 1853). Später hat Theodor Stamm und besonders Michael Flürscheim (s. d.) in zahlreichen Schriften (insbes. Flürscheim, »Der einzige Rettungsweg«, 1890) sowie durch den von ihm gegründeten »Bund für B.« (s. unten) und seine Zeitschrift »Deutsch Land«, später »Frei Land«, für B. gewirkt und Anhänger gewonnen. Flürscheim, der ursprünglich von George ausgegangen ist, unterscheidet sich in seinen spätern Schriften wesentlich von ihm, indem er nicht nur gegen die Grundrente, sondern auch gegen die Ausbeutung der Arbeit durch das Kapital auftritt. Das Hauptübel besteht nach ihm darin, daß der wachsende Reichtum der Minderheit nicht vorwiegend in produktiven Unternehmungen, sondern in Hypotheken, Staatspapieren oder mit Monopolen ausgestatteten sichern gewerblichen Unternehmungen angelegt werde, so daß er sich direkt oder indirekt dem Grundeigentum zuwende. In der Möglichkeit, die der Kapitalbesitzer hat, sein Einkommen in dieser sichern Weise anzulegen, erblickt Flürscheim auch die Ursache der Krisen; sobald diese Möglichkeit nicht mehr vorhanden sei, werde sich das Kapital wieder völlig der Industrie zuwenden, das Mehrprodukt würde Absatz finden, die Überproduktion und damit die Absatzstockung verschwinden. Was die praktische Durchführung seiner Theorie anlangt, so will Flürscheim, daß die Bodenbebauung frei bleibe; der Staat soll aber die reine Grundrente im Sinne Ricardos, d. h. den Teil des Bodenertrags, der nicht auf der Arbeit des Bebauers, sondern auf den Naturkräften und der Gesellschaftsentwickelung beruht, erhalten. Die Ausführung wäre verschieden: in England und Amerika müßte der Staat nach Flürscheim die Grundrente teils »wegsteuern«, teils abkaufen, in Deutschland dagegen »wegpachten«, letzteres in der Weise, daß der Staat allmählich allen Boden nach dem gegenwärtigen Preisstand aufkaufen und dann in der Art verpachten soll, daß dem einzelnen Pachter nur die Vergütung für seine Arbeit und die Verfügung über die vom Boden trennbaren Objekte zusteht, die eigentliche Grundrente aber an den Staat fällt.
   Auf Anregung Flürscheims wurde 1888 der Deutsche Bund für B. gegründet, der den Ideen des Gründers zum Durchbruch verhelfen sollte. Dieser Bund, dessen bisheriger Vorsitzender Fabrikbesitzer Freese war, hat 1898 den Namen Bund der deutschen Bodenreformer angenommen und das Programm umgestaltet. Das neue Programm ist von dem jetzigen Vorsitzenden Adolf Damaschke (s. d.) entworfen. Danach stellt der Bund zunächst folgende Forderungen auf: 1) Organische Überführung des Realkredits in öffentliche Hand; 2) Verhinderung der gemeinschädlichen Ausnutzung der Naturkräfte und monopolistischen Gewerbe und Betriebe; 3) Erhaltung und Erweiterung des Gemeindegrundbesitzes; 4) Erlaß eines Wohnungsgesetzes, das die spekulative und übermäßige Ausnutzung des Bodens verhindert und Wohnräume ausschließt, die in gesundheitlicher und sittlicher Beziehung gerechten Anforderungen nicht entsprechen; 5) Besteuerung des unbebauten städtischen Bodens nach dem Werte, der durch Selbsteinschätzung zu bestimmen ist; Enteignungsrecht der Gemeinde zu dem durch Selbsteinschätzung bestimmten Wert; 6) bei allen Wertsteigerungen, die durch Verbesserung auf öffentliche Kosten geschehen (Brücken-, Schul- etc. Bauten), Heranziehung der Bodenbesitzer, deren Eigentum im Werte dadurch steigt, im Verhältnis zu dieser Wertsteigerung; 7) bei ländlichen Zwangsverkäufen ein Vorkaufsrecht für die Gemeinde, bez. für den Staat; 8) planmäßige Kolonisation durch den Staat, und zwar in einer Form, die eine spekulative Verwendung und eine Überschuldung des neugeschaffenen Besitzes ausschließt; 9) Sicherstellung der Forderungen der Bauhandwerker; 10) Unterstützung von solchen Baugenossenschaften, die am gemeinschaftlichen Eigentum festhalten, namentlich auch durch pachtweise Überlassung von Gemeindegrundbesitz. Neben dem Bund steht mit gleichem Programm eine »Frauengruppe für Bodenreform«. Der Bund zählt z. Z. ca. 102,000 Mitglieder. Die Aufnahme des Erbbaurechts in das Bürgerliche Gesetzbuch und die Umgestaltung der bisherigen Grundsteuer in eine solche nach dem Verkaufswert in zahlreichen Städten sowie die »Landordnung« in Kiautschou sind auf seine Anregung zurückzuführen. Organ des Bundes ist die Halbmonatschrift »Deutsche Volksstimme«.
   Ähnliche Vereine bestehen in der Schweiz (Freiland, schweizerische Gesellschaft für B.) mit dem Vorort Basel, einer in Holland, der »Nederlandsche Bond voor Landnationalisatie«, der die Zeitschrift »Der

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Grond van Allen« herausgibt. Im wesentlichen auf gleichem Boden steht der Allwohlsbund, der an Stelle des privaten Grundeigentums die Zuwendung der Grundrente an die Gesamtheit erstrebt. Der Allwohlsbund (konstituiert am 4. Juli 1888) war aus der 1886 gegründeten »Landliga« und diese aus dem von Th. Stamm (gest. 7. Juni 1892) in Berlin gegründeten Verein für Humanismus hervorgegangen. In Australien haben die Ideen Georges zahlreiche Anhänger gefunden und in Neuseeland, wo diese seit 1892 die Majorität im Parlament haben, sogar Versuche zu ihrer gesetzgeberischen Verwirklichung (Grundwertsteuer) gezeitigt. In Rußland vertritt Graf Leo Tolstoi (s. d.) eifrig die B. In Frankreich und Belgien sind namentlich die Schüler von Colins und Laveleye, die sogen. Socialistes rationels, Vertreter der B.
   Wieder in andrer Weise sucht Th. Hertzka (s. d.) die Bodenfrage zu lösen, indem er die Forderung der Aufhebung des privaten Grundeigentums mit vollständigem wirtschaftlichen Liberalismus verbindet. Träger des Wirtschaftslebens sollen nach ihm Produktionsassoziationen sein, zu denen jeder jederzeit freien Zutritt haben soll. Dadurch würde Lohnarbeit und Unternehmergewinn unmöglich; damit würde aber auch die Differenz der Grundrente, die sich aus der verschiedenen Fruchtbarkeit und Lage der Grundstücke ergibt, verschwinden, weil Genossenschaften, die einen besonders ertragreichen Boden bewirtschaften und deshalb die meisten Teilnehmer finden, den Ertrag unter eine größere Anzahl von Mitgliedern verteilen müssen, als es bei weniger günstig gestellten Genossenschaften der Fall ist. Ein Versuch Hertzkas, sein »Freiland« auf afrikanischem Boden in Wirklichkeit zu übertragen, ist gescheitert. Vgl. Stamm, Die Erlösung der darbenden Menschheit (Zür. 1870); Laveleye-Bücher, Das Ureigentum (Leipz. 1879); Samter, Das Eigentum in seiner sozialen Bedeutung (Jena 1879); George: Progress and proverty etc. (deutsch von Gütschow, 5. Aufl., Berl. 1892, auch in Reclams Universal-Bibliothek), Social Problems (deutsch von Stöpel, 3. Aufl., Berl. 1890), The condition of labor (deutsch: »Zur Erlösung aus sozialer Not«, von Eulenstein, das. 1893); die Schriften von Flürscheim: Der einzige Rettungsweg (Dresd. 1891), Auf friedlichem Wege (Baden-Baden 1884), Deutschland in 100 Jahren (das. 1891), Das Staatsmonopol des Grundpfandrechts (Minden 1885); v. Helldorf-Baumersrode, Verstaatlichung des Grund und Bodens (Berl. 1885); Derselbe, Das Recht der Arbeit und die Landfrage (das. 1886); Th. Hertzka, Freiland, ein soziales Zukunftsbild (10. Aufl., Dresd. 1893); Frankl, Verstaatlichung der Grundrente (Wien 1891); Fuld, Verstaatlichung des Grund und Bodens (Hamb. 1892); Schärz, Frei Land, die B. (Bern 1890); O. Beta, Deutschlands Verjüngung. Zur Theorie und Geschichte der Reform des Boden- und Kreditrechts (Berl. 1900); Damaschke, Die Bodenreform (2. Aufl., das. 1903); Diehl, Artikel »B.« im »Handwörterbuch der Staatswissenschaften«, Bd. 2 (2. Aufl., Jena 1899).
 
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Bodenbonitierung, Feststellung der Beschaffenheit oder Güte (Bonität) der Grundstücke, zur Ermittelung ihres Wertes für die Güterabschätzung (s. d.), Grundsteuereinschätzung, Grundzusammenlegung, Grundteilung, Enteignung für Grundtausche, Belehnungen etc., sowie der Ermittelung der Kultur- und Ertragsfähigkeit zum Zwecke der Betriebsorganisation (s. Meyers Landwirtschaftliche Betriebseinrichtung). Die Bonität der Grundstücke hängt ab von der Beschaffenheit von Boden, Lage und Klima oder der Standortsbeschaffenheit. Sie wird je nach dem beabsichtigten Zweck ermittelt durch eine vollständige Reinertragsberechnung (s. Meyers Landwirtschaftlicher Wirtschaftsertrag) oder durch Einschätzung in ein aufzustellendes Bonitierungs- (Wertschätzungs-) oder Klassifikationssystem, aus dem die Abstufungen und das gegenseitige Wertverhältnis der Grundstücksbonitäten zu entnehmen sind. Im letztern Falle wird jedes Grundstück einzeln abgeschätzt, oder man begnügt sich entsprechend den vorkommenden Bonitäten mit der Ausstellung von Mustergrundstücken, deren Wert genau erhoben wird, während die große Masse der Grundparzellen nur dem entsprechenden Mustergrundstück zugezählt wird. Bonitierungssysteme wurden für die einzelnen Kulturarten, Acker, Wiese, Weide etc., gesondert aufgestellt. Für Ackerland wurden solche Klassifikationssysteme nach der Bodenbeschaffenheit (physikalische), dem Bodenertrag (ökonomische) oder nach beiden Momenten (allgemeine Klassifikation) aufgestellt. Von der physikalischen Klassifikation entspricht für praktische Zwecke jene nach der mineralogisch-geognostischen Beschaffenheit (Fallou, Hundeshagen, Orth etc.) sowie nach den chemischen und physiologischen Eigenschaften des Bodens (Fraas, Knop) am wenigsten, am verbreitetsten ist jene nach der Zusammensetzung der Bodengemengteile (Thaer, v. Schwerz, Trommer, Sprengel, Detmer).
   Von den Methoden der ökonomischen Klassifikation ist am gebräuchlichsten jene von Thaer nach den Hauptfrüchten mit den Bezeichnungen: Weizen-, Gerste-, Roggen-, Haferboden mit je zwei Unterabteilungen, so daß acht Klassen entstehen, an die man in Preußen noch heute gewöhnt ist. Dort umfaßt ungefähr: die 1. Klasse die besten Weizenböden, d. h. tiefgründige, humushaltige Ton- oder Lehmböden mit gleichartigem Untergrunde; die 2. Klasse weniger humose und weniger tiefgründige Weizenböden; die 3. Klasse Gerstenböden, d. h. tiefgründige, milde Lehmböden bis lehmige Tonböden mit gleichem oder mergeligem Untergrunde; die 4. Klasse leichtere Gerstenböden, die sandigen Lehm- oder lehmigen Sandböden; die 5. Klasse Haferböden, d. h. magere Lehm- und Sandböden; die 6. Klasse flachgründige, arme Lehm- und Sandhaferböden auf undurchlässigem Untergrund oder sehr strenge Tonböden; die 7. Klasse Roggenböden, d. h. kiesige, humusarme, flachgründige Sandböden oder torfigen Boden mit wenig Sand gemischt, Unterlage Torf oder Sand; die 8. Klasse an der Grenze der Kulturfähigkeit stehende arme, lose Sand- bis Flugsandböden, bringt nur spärliche Roggenerträge. Sehr einfach ist die Charakterisierung der Bodenklassen, nicht nach dem Gedeihen der verschiedenen Getreidearten, sondern allein nach dem Körnergewichtsertrag. Hecke stellt in dieser Beziehung 15 Ertragsklassen auf, von denen Klasse I: 32 und mehr Doppelzentner Körner auf 1 Hektar trägt und die weitern Klassen um je 2 dz weniger, so daß auf Klasse XV ein Körnerertrag von 4 dz entfällt. Schönleutner unterschied kleefähigen und nichtkleefähigen Boden, bei ersterm Luzerne-, Rotklee-, Esparsetteboden mit Unterabteilungen. Andre meinten die Graswüchsigkeit (den natürlichen Grasertrag beim Liegenlassen zur Wiese) gebrauchen zu können. Obige Bezeichnungen sagen natürlich nicht, daß nur die gewählten Pflanzen, z. B. Weizen oder Rotklee, wachsen können, sondern daß diese hier ihren besten Standort haben, und damit hat der Landwirt einen ihm verständlichen Maßstab zur Beurteilung. Auch

[Bd. 3, Sp. 125]


die wildwachsenden Pflanzen suchte man zu verwerten und teilte sie in bodenstete, bodenholde und bodenvage (den Boden fliehende, nicht hier wachsende) Pflanzen oder in Kalkpflanzen etc. Da die physikalische und die ökonomische Klassifikation nicht ausreichen, wurde in neuerer Zeit der allgemeinen Klassifikation nach Bodenbeschaffenheit und Bodenertrag erhöhte Aufmerksamkeit zugewendet. In dieser Richtung sind hervorzuheben die kombinierten Bonitierungssysteme von Settegast, Heinrich und insbes. die Geschäftsanweisung zur Abschätzung des Grundeigentums im Königreich Sachsen, dann die synthetischen Bonitierungssysteme von Birnbaum und Krafft. Vgl. außer der Literatur unter »Güterabschätzung«: Birnbaum, Taschenbuch zum Bonitieren (Leipz. 1885); Block und Birnbaum, Die wichtigsten Klassenbeschreibungen (4. Aufl., Bresl. 1886); Knop, Bonitierung der Ackererde (2. Aufl., Leipz. 1872); Machts, Klassifikation des Acker- und Wiesenlandes (Wien 1875); Settegast, System der Ackerklassifikation, Tabelle (Bresl. 1885); Eichholtz, Die Bodeneinschätzung (Berl. 1900). Das bedeutendste Werk auf dem Gebiete der Bonitierung bildet die geologisch-agronomische Bodenkarte von Preußen und den Thüringischen Staaten, samt Erläuterungsheften und Bohrkarten (Berl.).

 

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