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Bodd bis Bodenbach (Bd. 3, Sp. 115 bis 121)
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Artikelverweis Bodd., bei Tiernamen Abkürzung für Peter Boddaert, holländ. Naturforscher des 18. Jahrh.
 
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Bodden, Name mehrerer Strandseen und Meerbusen der Ostsee: der Rügensche B., zwischen der Insel Rügen und dem Festland, südlich auch Greifswalder B. genannt, 440 qkm (8 QM.) groß, meist jedoch nur 4 m tief; der Große und Kleine Jasmunder B., im nordöstlichen Teil von Rügen, gegen 110 qkm (2 QM.) groß; der Kubitzer B., an der Westküste Rugens; der Saaler, Bodstedter und Barther B., im westlichen Teil der pommerschen Küste, alle drei untereinander sowie mit dem Grabow zusammenhängend, mit diesem die Halbinsel Darß und die Insel Zingst vom Festlande trennend; der Kamminer B., zwischem dem Festlande und der Insel Wollin, 4 km lang, wird von der Dievenow gebildet und hängt nördlich mit dem Fritzower See zusammen. S. Karte »Pommern«.
 
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Bode, 1) linker Nebenfluß der Saale, entsteht bei Königshof aus der Kalten und Warmen B., die am Brockengebirge, jene oberhalb Schierke, diese oberhalb Braunlage entspringen und sich unterhalb Rübeland noch rechts durch die von Benneckenstein kommende Rappbode verstärken. Bei Treseburg tritt die B. in ein wildromantisches, enges Felsental, das sie zwischen Roßtrappe und Hexentanzplatz oberhalb Thale verläßt, um in das Tiefland einzutreten. Sie mündet nach einem 160 km langem Lauf bei Nienburg. Ihre wichtigsten Zuflüsse sind links die Holzemme, rechts die Selke. Durch den Großen Bruchgraben steht die B. von Oschersleben ab mit der Ilse in Verbindung, wodurch das Elb- und Wesergebiet miteinander verbunden werden. 2) Fluß im preuß. Regbez. Erfurt, entspringt auf dem Ohmgebirge und mündet unterhalb Bleicherode links in die Wipper.
 
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Bode, 1) Johann Joachim Christoph, Übersetzer, geb. 16. Jan. 1730 in Braunschweig, gest. 13. Dez. 1793 in Weimar, war der Sohn eines Tagelöhners, bildete sich zum Musikus aus, erwarb sich Sprachkenntnisse und begann früh zu schriftstellern. In Hamburg war er 176263 Redakteur des »Hamburgischen Korrespondenten« und begründete Ende der 1760er Jahre daselbst mit Lessing eine Buchhandlung, die jedoch bald scheiterte; 1778 folgte er der Gräfin von Bernstorff, der Witwe des berühmten dänischen Ministers, als deren Geschäftsführer nach Weimar. Unter Bodes Übersetzungen, durch die er einen großen Einfluß auf die deutsche Literatur übte, sind Sternes »Empfindsame Reise« (Hamb. 1768, 5. Aufl. 1804; die Übersetzung des englischen sentimental durch das neugeschaffene Wort »empfindsam« rührt von Lessing her), »Tristram Shandys Leben« (das. 1774, 9 Bde.), Goldsmiths »Dorfprediger von Wakefield« (Leipz. 1776 u. ö.) und Fieldings »Tom Jones« (das. 17861788, 6 Bde.) als die besten hervorzuheben. Auch von Montaignes »Gedanken und Meinungen« (Berl. 1793 bis 1797, 7 Bde.) gab er eine treffliche Übersetzung. Vgl. Böttiger, Bodes literarisches Leben (Berl. 1796).
   2) Johann Elert, Astronom, geb. 19. Jan. 1747 in Hamburg, gest. 23. Nov. 1826 in Berlin, widmete sich früh mathematischen und astronomischen Studien, wurde 1772 als Astronom der Akademie der Wissenschaften nach Berlin berufen, wo er 1774 das »Berliner Astronomische Jahrbuch« begründete, von dem er selbst 54 Jahrgänge (17761829) herausgab. 1786 wurde B. Direktor der Berliner Sternwarte. Sehr wichtig ist sein Sternatlas »Uranographia, sive astrorum descriptio« (das. 1802, 2. Aufl. 1819), der 17,240 Sterne verzeichnet. Ferner schrieb er mehrere populär-astronomische Werke, von denen seine »Anleitung zur Kenntnis des gestirnten Himmels« (Hamb. 1768; 11. Aufl. von Bremiker, Berl. 1858) weite Verbreitung fand.
   3) Leopold, Maler, geb. 11. März 1831 in Offenbach, wurde anfangs durch seinen Vater, später im Städelschen Institut zu Frankfurt unter der Leitung von Jakob Becker und von 1850 an besonders durch Steinle ausgebildet. An den letztern schlossen sich seine Erstlingsarbeiten, ein Bild aus dem Buche Ruth (1856), eine Heimsuchung Mariä für eine Dorfkirche in Baden und einige Bilder nach Brentanos Erzählungen, an. Dann bereiste er Bayern und Tirol, war mehrere Jahre bei Steinles Fresken im Kölner Museum tätig, führte zwölf Zeichnungen zu Schillers

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»Glocke« aus und bereiste die Schweiz, um Illustrationen zu Scheffels »Ekkehard« zu zeichnen. Unter seinen neuern Bildern, die den Einfluß Schwinds und Steinles zeigen, sind die Alpenbraut (Schacksche Galerie in München), die Aquarelle: Alpenrose und Edelweiß, der Graf von Habsburg, das für die Schacksche Galerie gemalte Triptychon aus der Sage von der Geburt Karls d. Gr. in der Karlsmühle und der Aquarellenzyklus zu Fouqués »Undine« hervorzuheben.
   4) Emil, Artillerist, geb. 28. April 1835 in Rotenburg a. d. Fulda, gest. 17. Mai 1885 in Berlin, trat, nachdem er 1854 in Kurhessen Offizier geworden, 1866 in die preußische Armee und gehörte seit 1868 zuletzt als Abteilungschef der Artillerieprüfungskommission an. Er erfand die Kupfer-(jetzigen Stahl-)Mantelgeschosse und förderte besonders die Fragen der Pulvertechnik und der innern Ballistik.
   5) Wilhelm, Kunstschriftsteller, geb. 10. Dez. 1845 zu Kalvörde im Herzogtum Braunschweig, studierte seit 1864 die Rechte und arbeitete 2 Jahre lang als Auditor im braunschweigischen Staatsdienst, gab aber die juristische Laufbahn auf, um 186971 in Berlin und Wien Archäologie und Kunstgeschichte zu studieren und daneben seine Kenntnisse auf Reisen zu erweitern. Die erste Frucht seiner Galeriestudien war 1870 seine Doktordissertation »Frans Hals und seine Schule«. 1872 wurde er als Assistent an den königlichen Museen in Berlin und als Leiter der Abteilung für christliche Plastik angestellt. Es gelang ihm, die letztere durch eine Reihe glücklicher Ankäufe zu einer Sammlung ersten Ranges zu erheben und zugleich die Gemäldegalerie um eine Reihe von Meisterwerken zu vermehren. 1880 wurde er in dieser Stellung zum Direktor und später zum Geheimen Regierungsrat und 1890 zum Direktor der Gemäldegalerie ernannt. Er hat sich um die Erforschung der Geschichte der italienischen Plastik des Mittelalters und der Renaissance sowie der niederländischen Malerei durch seine schneidige Kritik, sein feines Stilgefühl und durch sichere Beherrschung des Materials große Verdienste erworben. Die Resultate seiner Forschungen auf letzterm Gebiete faßte er zusammen in den »Studien zur Geschichte der holländischen Malerei« (Braunschw. 1883). Er bearbeitete die 4.8. Auflage von Burckhardts »Cicerone« und schrieb ferner: »Donatello in Padua« (Par. 1883); »Italienische Porträtskulpturen des 15. Jahrhunderts in den Berliner Museen« (Berl. 1883); »Die Ausstellung von Gemälden älterer Meister im Berliner Privatbesitz« (das. 1883, mit Dohme); »Adriaen Brouwer« (Wien 1884); »Italienische Bildhauer der Renaissance« (Berl. 1887); »Beschreibung der Bildwerke der christlichen Epoche im Berliner Museum« (das. 1888, mit H. v. Tschudi; 2. Aufl. von Vöge, 1900ff.); »Geschichte der deutschen Plastik« (das. 1887); »Rembrandt. Beschreibendes Verzeichnis seiner Gemälde, Geschichte seines Lebens und seiner Kunst« (mit Hofstede de Groot, Par. 18971900, Bd. 16); »Kunst und Kunstgewerbe am Ende des 19. Jahrhunderts« (Berl. 1901); »Vorderasiatische Knüpfteppiche aus älterer Zeit« (Leipz. 1901); »Florentiner Bildhauer der Renaissance« (Berl. 1902). In den Veröffentlichungen der Wiener Gesellschaft für vervielfältigende Kunst gab er mehrere Galeriewerke (Schwerin, Oldenburg, Galerie Liechtenstein in Wien u. a.) und mit J. Meyer u. a. gibt er ein Werk über die Berliner Gemäldegalerie (Berl. 1886ff.) heraus. Auch leitet er die von F. Bruckmann herausgegebenen »Denkmäler der Renaissanceskulptur Toskanas« (Münch. 1892ff.).
 
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Bodēga (span.), Keller, Weinkeller, Weinschenke. Weinstube; in Seehäfen ein Warenmagazin.
 
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Bodel (spr. -dell), Jean, altfranz. Dichter aus Arras, wo er 1210 starb, verfaßte ein Gedicht auf Karls d. Gr. Sachsenkriege: »Guiteclin (d. h. Wittekind) oder la Chanson des Saxons« (hrsg. von Michel, Par. 1839); ein Drama: »Le jeu de St.-Nicolas«, mit sehr realistischer Auffassung (in einer Szene wird Argot gesprochen; hrsg. von Michel und Monmerqué im »Théâtre-Français au moyen-âge«, 1839), und lyrische Gedichte, unter denen der »Congé« zu nennen ist, vom Jahre 1202, worin er, am Aussatz erkrankt, sich von seinen Freunden verabschiedet (hrsg. in der »Romania«, Bd. 9). Ob neun unter dem Namen Jean Bedel überlieferte Fabliaux von ihm herrühren, ist ungewiß. Vgl. Rohnström, Étude sur J. B. (Upsala 1900).
 
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Bödeli, s. Meyers Interlaken.
 
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Bodelschwingh, 1) Ernst von B.-Velmede, preuß. Staatsmann, geb. 26. Nov. 1794 in Velmede bei Hamm, gest. 18. Mai 1854, studierte die Rechte, machte die Freiheitskriege mit, erwarb sich bei Leipzig das Eiserne Kreuz erster Klasse und ward bei Freyburg a. d. U. 21. Okt. 1813 verwundet. 1817 trat er in den Staatsdienst, ward 1822 Landrat des Kreises Tecklenburg in Westfalen, 1831 Präsident der Regierung zu Trier, im November 1834 Oberpräsident der Rheinprovinz, übernahm 1842 das Finanzministerium und 1845 das Ministerium des Innern. 1847 leitete er als Regierungskommissar den Vereinigten Landtag, nahm aber nach Ausbruch der Revolution 19. März 1848 seine Entlassung und wurde in die preußische Zweite Kammer, zuerst im Januar 1849 und wiederum nach dem oktroyierten Wahlgesetz von 1849, später auch ins Erfurter Volkshaus, wo er die Unionspolitik unterstützte, gewählt. Im September 1849 ward er zum Vorsitzenden des Verwaltungsrats der Union ernannt. In der Kammersitzung von 185051 war er Führer der Zentrumspartei, welche die Politik der Regierung zwar mißbilligte, ihr aber doch die Mittel zur Fortsetzung derselben gewährte. 1852 zum Regierungspräsidenten in Arnsberg ernannt, starb er auf einer Dienstreise in Medebach. Vgl. v. Diest, Meine Erlebnisse im Jahre 1848 und die Stellung des Staatsministers v. B. vor und an dem 18. März 1848 (Berl. 1898).
   2) Karl von, preuß. Minister, Bruder des vorigen, geb. 10. Dez. 1800 in Velmede bei Hamm, gest. 12. Mai 1873, studierte die Rechte, war 183745 Landrat in Hamm, dann Oberregierungsrat in Minden, Regierungsvizepräsident in Münster, Regierungspräsident in Arnsberg, seit 1849 konservatives Mitglied des Abgeordnetenhauses sowie 185158 unter Manteuffel und 186266 unter Bismarck Finanzminister, bis er die Verantwortung für die Beschaffung der Geldmittel für den Krieg mit Österreich nicht übernehmen wollte.
   3) Friedrich von, evang. Geistlicher, Sohn von B. 1), geb. 6. März 1831 in Haus Mark bei Tecklenburg (Westfalen), wurde Bergmann, dann Landwirt, studierte seit 1854 in Basel, Erlangen und Berlin Theologie, wurde 1858 Pfarrer an der deutschen Gemeinde zu Paris und 1864 zu Dellwig bei Unna (Westfalen), von wo aus er die Kriege von 1866 und 1870/71 als Felddivisionspfarrer mitmachte. Seit 1872 widmet er sich in und um Bielefeld mit großartigem Erfolg den Werken der innern Mission. Der gegenwärtige Bestand der Stiftungen ist folgender: 1) Anstalt für Epileptische (Bethel) mit (1902)1800 Kranken;

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2) Diakonissenhaus (Sarepta) mit 980 Schwestern auf 326 Arbeitsplätzen, wovon 11 im Ausland; 3) Erziehungsstätte für männliche Krankenpfleger (Haus Nazareth) mit 350 Diakonen auf 120 Stationen, wovon 6 außer Europa und andre 6 außer Deutschland; 4) Arbeiterkolonie Wilhelmsdorf, die erste ihrer Art, mit 5 Filialen und etwa 400 Insassen (s. Meyers Arbeiterkolonien, Bd. 1, S. 681); 5) Arbeiterheim, Kolonie von 164 Häusern mit 400 Wohnungen; 6) Missionsseminar für (jetzt 13) Kandidaten der Theologie; 7) Schriftenniederlage Bethel zu Gadderbaum bei Bielefeld. 1884 ernannte ihn die theologische Fakultät zu Halle zum Doktor. Vgl. Siebold, Geschichte und Beschreibung der Anstalten Bethel, Sarepta etc. (3. Aufl. 1898), und die jährlichen Berichte.
 
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Bodemann, Eduard, Historiker, geb. 8. Aug. 1828 zu Ohrum in Hannover, studierte in Göttingen erst Theologie, dann Philologie und Geschichte und wurde 1863 Sekretär, 1867 Direktor der königlichen Bibliothek zu Hannover. Von seinen Schriften sind zu nennen: »Xylographische und typographische Inkunabeln der königlichen Bibliothek zu Hannover« (Hannov. 1865), »Die Handschriften der königlichen Bibliothek zu Hannover« (das. 1867), »Julie v. Bondeli und ihr Freundeskreis« (das. 1874), »J. G. Zimmermann, sein Leben und bisher ungedruckte Briefe an denselben« (das. 1878), »J. H. v. Ilten. Ein hannoverscher Staatsmann des 17. Jahrhunderts« (das. 1879), »Die ältern Zunfturkunden der Stadt Lüneburg« (das. 1883), »Von und über Albrecht v. Haller« (das. 1885). Auch gab er den Briefwechsel der Herzogin Sophie von Hannover mit dem Kurfürsten Karl Ludwig von der Pfalz (Leipz. 1885), ihre Briefe an dessen Kinder, die Raugräfinnen und Raugrafen (das. 1888), Briefe der Herzogin Elisabeth Charlotte von Orléans an die Kurfürstin Sophie (Hannov. 1891, 2 Bde.), Briefe derselben an ihre frühere Hofmeisterin v. Harling und deren Gemahl (das. 1895) sowie Briefe von Leibniz (das. 1889) heraus.
 
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Boden (Erdboden), die äußerste Schicht der festen Erdrinde, ein erdiger Überzug über dem festen Gestein (Grund und Boden), aus dem der B. durch die Verwitterung entstanden ist. Mechanische und chemische Energien sowie lebende und abgestorbene Organismen sind unablässig tätig, die Felsgesteine zu verwittern, d. h. zu zertrümmern, zu lösen und das Vorhandene in andre Verbindungen überzuführen, neues Bodenmaterial zu bilden. Unter dem Einfluß des Temperaturwechsels werden die Einzelbestandteile des Gesteins ungleich ausgedehnt; es entstehen zahllose Risse und Sprünge, in denen sich der wässerige Niederschlag ansammeln kann, und die ausdehnende Gewalt des frierenden Wassers erweitert die Risse. Die chemische Wirkung des Wassers, des Sauerstoffs, der Kohlensäure, des Ammoniak und der Salpetersäure der Atmosphäre vollenden den Verwitterungsprozeß, sie ergibt mit einzelnen Bestandteilen des Gesteins lösliche Verbindungen und hinterläßt ein loses Haufwerk pulverig-erdiger Substanz, das entweder auf der ursprünglichen Bildungsstätte liegen bleibt (primitiver, angestammter, sedentärer B., Grundschutt) oder durch das Wasser, auch den Wind anderwärts abgelagert wird (sekundärer, angeschwemmter, sedimentärer B., Flutschutt).
   Im zertrümmerten Gestein, dem rohen oder Verwitterungsboden, siedeln sich anfangs nur solche Pflanzen an, die ihre Nahrung vorzugsweise der Atmosphäre und dem Wasser entnehmen (Bakterien, Algen, Flechten, Moose etc.). Absterbend bilden sie die ersten Pflanzenreste, die dem B. die Fähigkeit geben, höher organisierte Pflanzen zu tragen. Zahllose Tiere leben im B. oder durchwühlen denselben, wie besonders die Regenwürmer, Insektenlarven etc.; ihre Exkremente und ihre Kadaver vermehren den organischen Bestand des Bodens. Mikroorganismen stehen in Zusammenhang mit den Oxydations- und Reduktionsprozessen und der Vermehrung des Stickstoffs im B. Schließlich wird der Naturboden, der sich mit einer Wald- oder Grasvegetation bedeckt, durch die Urbarmachung (Melioration) in Kulturboden, Ackererde, umgestaltet. Im Kulturboden geht der Verwitterungsprozeß ungehindert fort, überdies erfährt seine chemische und physikalische Beschaffenheit mannigfache Veränderungen durch die Bearbeitung, Düngung, die Kultur- und Unkrautpflanzen etc.
   Je nach der Tiefe (Mächtigkeit) des durch die Kultur aufgeschlossenen Bodens des Obergrundes unterscheidet man flachgründigen und tiefgründigen B. Die Bodenschichten unter dem Obergrunde heißen Untergrund, der Teil des Obergrundes, der von den Bodenbearbeitungsgeräten erreicht (beackert) wird, Ackerkrume. Mit Bezug auf die Entstehung des Bodens und das endliche Resultat der Verwitterung lassen sich nach Krafft im Kulturboden unterscheiden: Gesteinstrümmer, Bodengerüst und Bodensalze. In den Bodenzwischenräumen kommen überdies vor: Wasser, die Bodenflüssigkeit, Bodenluft, unzählige Mikroorganismen (nitrifizierende und denitrifizierende Bakterien und Sproßpilze), lebende (besonders Regenwürmer, Insektenlarven etc.) und abgestorbene höhere Pflanzen und Tiere, die an den chemischen und physikalischen Veränderungen im B. hervorragend beteiligt sind. Die Gesteinstrümmer bilden den Vorrat an unaufgeschlossenen Nährstoffen für die Zukunft, sie zerfallen bei der Verwitterung in einen unzersetzbaren Teil, das Bodengerüst (Ton, Quarzsand, Kalk), der für die Pflanze keine Nährstoffe bietet, demungeachtet wegen seiner physikalischen Eigenschaften für den Wert des Bodens für die Pflanzenkultur von ausschlaggebender Bedeutung ist, und in einen veränderlichen Teil, die Bodensalze, die den Vorrat an zur Zeit aufnehmbaren Bodennährstoffen bilden. Dem Bodengerüst anzureihen ist der gleichfalls keinen Bodennährstoff bildende Humus, der aus Pflanzen- und Tierresten in verschiedenen Zersetzungsstufen (Ulmin, Humin, Ulmin- und Huminsäure, Quellsäure etc.) besteht. Zur Zeit gibt es kein Mittel, um die stoffliche Trennung der Gesteinstrümmer, des Bodengerüstes und der Bodennährstoffe vorzunehmen, man muß sich daher auf die Scheidung der Bodenbestandteile durch die mechanische Bodenanalyse beschränken. Diese trennt ohne Rücksicht auf die stoffliche Beschaffenheit und Veränderlichkeit die Bestandteile des Bodens in Bodenskelett, die gröbern Teile, und in Feinerde, nachdem der B. vorher durch Trocknen von seinem Wasser- und durch Glühen von seinem Humusgehalt befreit wurde. Das Bodenskelett wird durch Absieben mit Sieben von verschiedener Maschenweite von der Feinerde abgesondert, und zwar als Geröll, Grus, dann als Grob- und Feinkies mit 35, bez. 23 mm Korngröße, als Perl- und grober Sand (12, bez. 0,51 mm Korngröße). Der Rückstand, die Feinerde (unter 0,3 mm Korngröße), oder das feinere verwitterte Gestein wird mit Wasser in Schlämmapparaten (von Nöbel, Kühn, Schulze, Benningsen, Sikorski etc.) in die abschlämmbaren Bodenteile und in den unabschlämmbaren

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Teil, den Sand (Quarz-, Kalk-, Gesteinssand), geschieden. Diese Trennung ist im Hinblick auf die verschiedenen physikalischen Eigenschaften der Bodengemengteile von größter Bedeutung, indem der Wert des Bodens viel mehr von letztern als von dem Gehalt an Bodennährstoffen bestimmt wird, wenn, wie gewöhnlich, dieser Gehalt nicht unter ein bestimmtes Minimum herabgeht. Die chemische Bodenanalyse, die mit viel kräftigern Lösungsmitteln als die Natur arbeitet, vermag noch weniger den Gehalt an unaufgeschlossenen und aufnahmefähigen Bodennährstoffen nachzuweisen. Chemische Bodenanalysen haben daher nur bedingten Wert. In neuester Zeit strebt man an, diese Unterscheidung durch die Ermittelung des Aschengehaltes der Pflanzenwurzeln zu ermöglichen oder durch den Düngungsversuch das Fehlen oder die Unzulänglichkeit eines Nährstoffes (das Düngebedürfnis des Bodens) festzustellen.
   Die chemischen Eigenschaften des Bodens hängen ab: vom Verwitterungszustande der Bodenbestandteile, dem Vorrat und Löslichkeitszustande der Pflanzennährstoffe und von deren Verhalten im B. oder dem Absorptionsvermögen des Bodens. Dies letztere äußert sich in dem Vermögen des Bodens, aus wässerigen Lösungen die wichtigsten Pflanzennährstoffe, bis auf eine gewisse geringe Menge, derart festzuhalten, daß sie von dem abfließenden Wasser nicht fortgeführt werden können. In größter Menge werden die wichtigsten Bodennährstoffe: Phosphorsäure, Kalium und Ammoniak, in geringerer Natrium, noch schwächer Calcium und Magnesium, gar nicht Chlor, Schwefelsäure und Salpetersäure absorbiert. Für die Fruchtbarkeit des Bodens ist jener Bodennährstoff entscheidend, der in geringster Menge im B. enthalten ist; denn fehlt nur einer der zur Pflanzenentwickelung nötigen Nährstoffe oder das unentbehrliche Minimum (Gesetz des Minimums), so kann sich keine Pflanzenvegetation erhalten, wenn auch die übrigen Nährstoffe in noch so großen Mengen vorhanden sind.
   Die physikalischen Eigenschaften des Bodens oder das Verhalten des Bodens gegen Gase, Wasser, Licht und Wärme, das zuerst von Schuebler, in neuester Zeit besonders von Wollny u. a. studiert wurde, hängt vielfach ab von dem Mengenverhältnis, in dem ein gegebener B. die Bodengemengteile: Quarzsand, Ton, Kalksand und Humus, enthält. Diese physikalischen Eigenschaften sind: 1) Das Volumen- und spezifische Gewicht, das wenig Unterschiede aufweist. 2) Die Luftkapazität oder das Verhältnis der festen Bodenteile zu den mit Luft erfüllten Bodenzwischenräumen. Trockner B. ist um so lufthaltiger, je feinkörniger derselbe ist. 3) Kontraktion und Quellungsfähigkeit. 4) Kohäsion, Adhäsion und Struktur. B. mit geringem Zusammenhalt, wie Sandboden, wird als loser, lockerer, mürber und mit Bezug auf die Adhäsion als leichter, solcher mit der entgegengesetzten Eigenschaft, wie Tonboden, als gebundener, strenger, zäher und wegen der starken Adhäsion an die Ackergeräte etc. als schwerer bezeichnet. Die Einzelkorn-(Dichte-)struktur (Verschlämmung) wird durch Bearbeitung, Düngung, Kleebau in die für die Kulturpflanzen geeignetere Krümel-(Flocken-)struktur übergeführt. 5) Hygroskopizität, von geringerm Belang. 6) Wasserfassende Kraft oder das Vermögen hoher (kleinste oder absolute Wasserkapizität) oder niederer (größte oder volle Wasserkapizität) Bodenschichten, Wasser aufzunehmen. Je mehr Humus, Ton und feinverteilten Kalk ein B. enthält, um so mehr, je höher der Sandgehalt ist, um so weniger Wasser nimmt er auf. 7) Kapillarität (Aufsaugungsvermögen). 8) Wasseranhaltende Kraft, d. h. die Fähigkeit, mehr oder weniger rasch auszutrocknen, meßbar an der Zeit, die vollkommen gesättigter B. bis zum Trockenwerden braucht; hitziger, kalter, trockener und nasser B. Damit im Zusammenhang steht die Durchlässigkeit oder die Fähigkeit, das aufgenommene Wasser wieder durchsickern zu lassen; Tonböden sind undurchlässig, naß, Sandböden durchlässig, trocken. 9) Färbung. 10) Wärmekapazität. Kalk-, Sandböden besitzen geringe Wärmekapazität, sind heiße, hitzige, tätige Böden, Ton- und nasse Humusböden kalte, untätige Böden, Lehm- und humushaltige Böden milde, warme Böden. 11) Wärmeleitungsfähigkeit. 12) Wärmeabsorption und Emission. 13) Benetzungswärme des Bodens. Der Land- und Forstwirt unterscheidet den B. je nach dem Anteil der in demselben vorkommenden Bodengemengteile und benennt nach dem vorherrschenden Bodengemengteil die Bodenart. Je nach dem Vorherrschen von Ton, Sand, Kalk und Humus entstehen die verschiedensten Bodenarten, wie aus folgender Übersicht hervorgeht:

Der Sandboden besitzt mindestens 80 Proz. Gesteinstrümmer in Form von Sand, der aus quarzführenden Gesteinen und Sandsteinen entstanden ist. Der Sand lockert und erwärmt den B. Leicht heißt der Sandboden deshalb, weil er der Bearbeitung, dem Eindringen der Wurzeln, der Luft und des Wassers keinen Widerstand entgegensetzt. Der Sandboden ist vorzugsweise trocken, weil durchlassend für das Wasser;

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der Sand vermag das Wasser nicht zurückzuhalten und begünstigt die rasche Verdunstung. Die Wärme nimmt er rasch auf und strahlt sie langsam wieder aus. Er entbehrt des Zusammenhalts und bildet also keine Schollen. Organische Dünger zersetzen sich rasch im Sandboden, Gründünger, Kompost, Poudrette, flüssige Dünger und geringere, dafür aber öfter ausgeführte Stallmistmengen sind am geeignetsten. Die Walze muß hier fleißig zum Zusammendrücken gebraucht werden; der Futterbau ist unsicher, am sichersten Wintergetreide, besonders Roggen. Der reine Sandgehalt wechselt von 60 bis selbst 90 Proz. Ohne abschlämmbare Teile ist der Sand (Flugsand) absolut unfruchtbar, ebenso wie der Kies (Kies-Geröllboden).
   Im Gegensatze zum Sand steht der Tonboden; der Ton wirkt bindend, kältend im B. Er zieht mit Begierde das Wasser an (zungenklebend), hält es mit großer Kraft zurück und hindert durch seinen festen Zusammenhalt dessen Verdunstung. Er erwärmt sich nur langsam und erkaltet rasch. Beim Regen schwillt er an, und beim Austrocknen zieht er sich zusammen, Risse und Sprünge bildend, wird hart und zäh. Seine Teilchen halten fest aneinander, daher Bearbeitung und Eindringen von Luft und Wurzeln schwierig sind (schwerer B.). In feuchtem Zustand formbar, haftet er an Werkzeugen und ackert sich in zusammenhängenden Schollen und Stücken, die nicht von selbst auseinander fallen. Durch den Frost wird er mürbe, durch Gluthitze zerfällt er zu Pulver und wird nicht wieder fest (Bodenbrennen). Die tonige Feinerde hat hohe Absorptionsfähigkeit für Kali, Phosphorsäure und Stickstoff. Tüchtige Bearbeitung, unausgesetztes Lockern, Eggen und Walzen, Zerstören der krustierenden Decke nach Regen, Entwässerung, Anwendung von strohigem Mist in großen Mengen, Tiefpflügen in rauher Furche oder Aufwerfen von tiefen Gräben vor Winter, Kalken, Mischen mit lockernden Substanzen (Mergel, Sand u. dgl.) sind bei der Kultur zu beachten. Reihenkultur und Hackfruchtbau, mit Ausschluß der Kartoffel, finden hier lohnendste Verwendung. Kleiboden ist ein an Ton sehr reicher, kalkarmer B. Der Lehmboden, der in seinen Eigenschaften zwischen dem Sand- und Tonboden steht und daher Mittelboden heißt, besteht aus einem Gemenge von Lehm (Ton mit mehr als 10 Proz. nicht ausschlämmbarem Quarzmehl), 3050 Proz. abschlämmbarem Sand und einigen Prozenten Kalk. Milder Lehmboden besitzt die günstigsten physikalischen Eigenschaften und ist für alle Pflanzen geeignet.
   Der Kalkboden entsteht als Verwitterungsprodukt kalkhaltiger Gebirge, kalkhaltiger Feldspate oder der Sandsteine mit kalkigem Bindemittel, er besitzt in reinster Form als an der Grenze der Kulturfähigkeit stehender Kreideboden bis 75 und mehr Prozent Calciumkarbonat. Der Mergelboden bildet ein Gemenge von wenigstens 15 Proz. Kalk und höchstens 75 Proz. Ton; in den Talsohlen findet er sich als fruchtbarer Aueboden von gleichmäßiger Mischung. Kalk nimmt nur wenig Wasserdampf, aber viel tropfbarflüssiges Wasser auf und läßt es ziemlich rasch wieder verdunsten. Mergelböden erwärmen sich rasch und strahlen die Wärme rasch aus. Angenäßt, werden sie breiartig, zusammenhängend, krustenbildend. Lehmmergelböden gehören in mäßig feuchten Lagen zu den fruchtbarsten Bodenarten. Bei Sandmergelböden sinkt die Ertragsfähigkeit mit der Zunahme des Kalkgehalts. Ein sehr fruchtbarer Sandmergelboden ist der Lößboden, besonders in frischern Lagen.
   Der Humus, der aus den abgestorbenen zerfallenden Pflanzen und Tieren im B. entsteht, ist kein Pflanzennährstoff, jedoch durch die Absorption, Verbreitung und Ausschließung der Bodennährstoffe sowie durch seine verbessernde Einwirkung auf die physikalischen Bodeneigenschaften für die Bodenfruchtbarkeit von größter Bedeutung. Er lockert den bindigen Tonboden und gibt dem lockern Sandboden größere Bindung. Wasser nimmt er unter starkem Aufquellen zum 125190fachen seines Gewichts auf. An Ton saugt sich sein verteilter Humus an und bildet dann die Dammerde (Ackerkrume). Ist dabei jedes Bodenteilchen von Humus eingehüllt, so gelangt, unterstützt durch die Bearbeitung und Düngung, der B. in den günstigsten physikalischen und chemischen krümeligen Zustand, der als gar, Ackergare (Bodengare) bezeichnet wird. Erfolgt die Zersetzung des Humus, dessen Aschenbestandteile dann in feinster Verteilung zurückbleiben, so entsteht milder, gutartiger Humus, ist dagegen durch Luftabschluß und zeitweiliges oder dauerndes Unterwassersetzen die Zersetzung gehemmt, so bilden sich Waldhumus, saurer, adstringierender (aus gerbstoffhaltigen Substanzen entstehende Geïnsubstanz), dann torsiger, kohliger Humus, desgleichen Torf und trockner Heidehumus.
   Als tiefgründige Fluß- oder Meeresanschwemmungen heißen die humushaltigen Bodenarten Alluvial-, Au-, Niederungs- oder Marschboden; sie zählen, wie die ungarischen, russischen (Tschernosem mit 620 Proz. Humus) Schwarzerden und amerikanischen »Jungfernböden«, meist Ton- oder Lehmmergelböden, zu den fruchtbarsten Bodenarten. Die eigentlichen Humusböden mit über 20 Proz. Humus sind die Torf-, Moor-, Heidehumus- und Waldhumusböden. Besondere Bodenvorkommnisse erklären sich schon mit den Namen: Salz-, Gipsmergel-, Eisen-, eisenschüssiger, Letten- etc. B.
   Von großer Bedeutung für die Brauchbarkeit des Bodens sind noch Lage und Umgebung, nachdem ungünstige, natürliche Lage viel schwieriger abzuändern ist als ungünstige Bodenbeschaffenheit. Die allgemeine klimatische und die besondere örtliche Lage entscheiden daher über den Charakter der Landwirtschaft weit mehr als die Bodenverschiedenheiten. Bei 15° Neigung ist z. B. die Grenze der Spannarbeit, bei 20° die Grenze der Hackarbeit, bei 30° die Grenze der Bearbeitung überhaupt und die des geschlossenen Graswuchses und bei 45° die für Weinreben und Wald, überhaupt für bleibende Vegetation gegeben. Je nördlicher, um so willkommner ist eine der Sonne zugekehrte Neigung; feuchter, bindiger B. ist erwünschter da, wo trockene Winde vorherrschen, umgekehrt Sandböden bei feuchtem Klima vorteilhafter für die Kultur. Die Umgebung schützt vor rauhen Winden, hindert aber auch oft die Durchlüftung und die Erwärmung durch die Sonne. Felder in der Nähe von großen Wiesenkomplexen leiden stärker von den Frösten im Frühjahr, solche in oder am Wald haben kürzere Vegetationszeit.
   Vgl. Fallou, Anfangsgründe der Bodenkunde (2. Aufl., Dresd. 1862); Derselbe, Pedologie oder allgemeine und besondere Bodenkunde (das. 1862); Detmer, Die naturwissenschaftlichen Grundlagen der allgemeinen landwirtschaftlichen Bodenkunde (Leipz. 1876); Oemler, Bodenkunde (das. 1874); Wollny, Der Einfluß der Pflanzendecke und Beschattung auf die physikalischen Eigenschaften des Bodens (Berl. 1877); Heinrich, Grundlagen zur Beurteilung der Ackerkrume (Wismar 1882); Grebe, Gebirgskunde,

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Bodenkunde und Klimalehre (4. Aufl., Berl. 1886); Hosaeus und Weidenhammer, Grundriß der landwirtschaftlichen Mineralogie und Bodenkunde (5. Aufl., Leipz 1900); Nowacki, Praktische Bodenkunde (3. Aufl., Berl. 1899); Schmied, Bodenlehre (Prag 1886); Wahnschaffe, Anleitung zur wissenschaftlichen Bodenuntersuchung (Berl. 1887); Steinriede, Anleitung zur mineralogischen Bodenanalyse (Leipz. 1889); Wollny, Die Zersetzung der organischen Stoffe und die Humusbildungen (Heidelb. 1897); Gruner, Grundriß der Gesteins- und Bodenkunde (Berl. 1896). Von großer Bedeutung ist das Volumen der Poren, der Zwischenräume zwischen den einzelnen Partikelchen, aus denen der B. besteht, und der Hohlräume in diesen Partikelchen. Das Porenvolumen beträgt in Sandboden 3543, in Gartenerde 46, in Lehmerde 45, in Tonerde 53, in Moorboden 84 Proz. Die Durchlässigkeit des Bodens für Flüssigkeiten und Gase hängt aber nicht allein von der Größe des Porenvolumens, sondern auch von der Größe und Anordnung der einzelnen Poren ab. Sättigt man eine gut getrocknete und gewogene Bodenprobe mit Wasser, so gibt die Gewichtszunahme die Menge des Wassers an, die der B. in seinen Poren zurückhält, die wasserhaltende Kraft (Wasserkapazität) des Bodens. Diese ist um so größer, je kleiner die Poren sind, niemals aber ist sie gleich dem Porenvolumen, sondern entspricht stets nur einem Bruchteil desselben. Sie beträgt bei Feinsand 65, Mittelsand 47, Grobsand 23, Mittelkies 7 Proz. des Porenvolumens. In grobporigem B. steigt Wasser sehr schnell, aber nur auf geringe Höhe (in Kies 2 cm), während es in feinporigem langsam bis zu bedeutender Höhe gehoben wird (in Löß bis 2 m). Das Absorptionsvermögen des Bodens erstreckt sich nicht nur auf anorganische Stoffe, sondern auch auf organische, wie die Zersetzung abgestorbener Pflanzen und Tiere sie liefert. Viele flüchtige Stoffe, Alkaloide, ungeformte Fermente, Eiweißkörper, Riech- und Farbstoffe werden vom B. absorbiert. Doch besteht auch hier eine Absorptionsgrenze, und wenn der B. bis zu dieser gesättigt ist, dann gehen die betreffenden Stoffe durch ihn hindurch, bis zu einer tiefern Schicht. Die im B. durch Filtration oder Absorption zurückgehaltenen Stoffe unterliegen einer Zersetzung, die besonders bei Temperaturen über 5° und bei genügender Feuchtigkeit zu einer vollständigen Oxydation der organischen Substanzen führen kann (Selbstreinigung des Bodens). Hierbei wirken Bakterien mit, die namentlich auch salpeterige Säure und Salpetersäure bilden. Zellulose und verwandte Körper bilden Humussubstanzen, die dann der Zersetzung länger widerstehen. Bei der Oxydation der organischen Stoffe durch die im B. enthaltene Luft entsteht Kohlensäure, die teils entweicht, teils im Wasser sich löst und die Verwitterung begünstigt. Neben Kohlensäure entstehen bisweilen Methan und andre Kohlenwasserstoffe, auch Schwefelwasserstoff. Sandboden von 1 qm Oberfläche und 1 m Mächtigkeit vermag täglich 2533 Lit. Kanalwasser aufzunehmen und ein ganz reines Filtrat zu liefern, alle organischen Substanzen des Wassers vollständig zu oxydieren. Über die Temperatur des Bodens s. Meyers Bodentemperatur.
   Die in den B. eingeschlossene Luft, die Bodenluft (Grundluft), weicht in ihrer Zusammensetzung von der atmosphärischen Luft erheblich ab. Bis zur Tiefe von etwa 0,5 m ist der Feuchtigkeitsgehalt der Bodenluft bis zu einem gewissen Grad abhängig von der Feuchtigkeit der Luft, in größerer Tiefe ist die Bodenluft mit Feuchtigkeit gesättigt. Der Sauerstoffgehalt der Bodenluft ist viel geringer als der der atmosphärischen Luft; er beträgt in einer Tiefe von 2 m 19,39, in 4 m 16,79, in 6 m 14,85 Volumprozent, er sinkt auch auf 7,4 Proz. Umgekehrt steigt der Gehalt an Kohlensäure mit der Tiefe und beträgt in 21 m Tiefe 2,91, bei 4 m 5,56, bei 6 m 7,96 Volumprozent. In Berlin fand man bei 1 m Tiefe 0,758, bei 2 m 0,921, bei 3 m 1,16 Volumprozent. Als mittlern Kohlensäuregehalt der Bodenluft kann man 2,54 Proz. annehmen, doch wurde selbst bis 20 Proz. beobachtet. Dieser Gehalt unterliegt sehr geringen Tages- und recht erheblichen Jahresschwankungen, er steigt von Ende Februar bis zum Hochsommer und sinkt wieder bis Ausgang des Winters. Von Ammoniak fand Fodor 0,00890,0471 mg in 1 cbm, Renck 0,1090,12 Volumprozent. Gewöhnlich wird dies Ammoniak vom B. schnell absorbiert und zu salpeteriger und Salpetersäure oxydiert. Nur wenn dem B. zu reichlich zersetzungsfähige organische Substanzen zugeführt werden, tritt eine Übersättigung ein, das Ammoniak entgeht dann teilweise der Oxydation und wird vom Grundwasser aufgenommen. Die Beschaffenheit der Bodenluft bildet keinen Maßstab für die Verunreinigung des Bodens, weil sie abhängig ist von der Lüftung des Bodens, Luftdruck, Wind, Regenfall, Temperatur und Wassergehalt des Bodens.
   Die Bodenluft befindet sich in beständiger Bewegung, die wenig durch die Schwankungen des Luftdrucks, stärker durch Temperaturunterschiede beeinflußt wird. Der B. wird am Tage stärker erwärmt als die Luft, und so tritt abends sehr bald ein Zeitpunkt ein, wo die Luft im B. wärmer ist als die über demselben lagernde Luft. Alsdann tritt Grundluft aus dem B. aus. Steht ein Haus nackt im B. und wird im Winter die Luft im Hause durch Heizung erheblich wärmer als im Freien, so drückt die Außenluft die Bodenluft ins Haus hinein. Daher sollte die Sohle jedes Hauses durch Fliesen oder Isolierschichten gut gedichtet, gegen die Bodenluft abgeschlossen werden. Daß die Grundluft aus dem Keller auch in die obern Teile des Hauses gelangt, konnte direkt nachgewiesen werden. Wind wirkt saugend auf die Grundluft und treibt sie in die Häuser, endlich wird auch die Grundluft durch Steigen des Grundwassers aus dem B. verdrängt.
   Die Bodenfeuchtigkeit nimmt nach der Tiefe hin ab, sie beträgt im Mittel bei 1 m Tiefe 14,6, bei 2 m 14,1, bei 3 m 11,3, bei 4 m 8,6 Proz. Die Bodenfeuchtigkeit nimmt in unserm Klima im Frühjahr zu, erreicht ihre größte Höhe im Mai und sinkt wieder während des Sommers bis zum Spätherbst. Die Verdunstung an der Oberfläche des Bodens ist von der Luftbeschaffenheit, aber auch von der Beschaffenheit des Bodens abhängig. Am größten ist sie bei Torf, geringer bei humosem Kalksand, Lehm, Kalksand, am geringsten bei Quarzsand. Eine Decke von Laub, Nadeln scheint die Wasserabgabe zu vermindern, lebende Pflanzen dagegen vermehren die Wasserabgabe. Die obere Bodenschicht, die Verdunstungszone, zeigt die größten Schwankungen, dann folgt die Durchgangszone, die durch eindringendes Wasser durchnäßt wird, dann die Zone kapillaren Wassers, endlich die eigentliche Grundwasserzone.
   Je mehr organische Substanzen der B. enthält, um so besser gedeihen in ihm die Mikroorganismen, deren Menge sich auf Hunderttausende in 1 ccm

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belaufen kann. Mit der Tiefe nimmt aber die Zahl der Mikroorganismen im B. sehr schnell ab und wird unter 1,5 m minimal, zumal in jungfräulichem B., während in dem vielfach durchwühlten Untergrund großer Städte, in Böden mit sehr großen Poren oder wenn Spalträume im B. sich finden, auch noch in größerer Tiefe Mikroorganismen vorkommen. In 4 m Tiefe werden indes nur ganz vereinzelte gefunden, und im Bereich des Grundwassers fehlen sie gänzlich. Aus den obersten Bodenschichten können Bakterien mit dem Staub emporgehoben und verbreitet werden, aus feuchtem B. gelangen keine Bakterien in die Luft, nur bei starkem Regen kann allenfalls bakterienhaltige Flüssigkeit zerstäubt werden. Aus tiefern Bodenschichten gehen niemals Bakterien in die Luft über, wohl aber können im B. lebende Tiere wesentlich zum Transport von Bakterien beitragen. Von pathogenen Bakterien sind der Bazillus des malignen Odems, des Rauschbrandes, des Tetanus und vielleicht auch des Typhus im B. nachgewiesen worden. Ausgiebige Vermehrung pathogener Bakterien scheint im B. nur stattzufinden, wenn er sehr stark verunreinigt ist, doch erhalten sich manche Bakterien (s. d.) längere Zeit im B. fortpflanzungsfähig. Schon vor diesen Nachweisungen hat man den B. mit den Infektionskrankheiten in Zusammenhang gebracht und von Bodenkrankheiten gesprochen, die, wie Milzbrand, Typhus, Cholera, nicht immer und an allen Orten epidemisch auftreten, sondern gewisse Jahreszeiten und bestimmte Orte bevorzugen oder meiden (Pettenkofers zeitliche und örtliche Disposition, Nägelis siechhafter und siechfreier B.). Diese Ansichten haben sich z. T. als irrig erwiesen, z. T. sind die Verhältnisse wohl noch nicht hinreichend aufgeklärt, bei der Malaria aber hat sich gezeigt, daß nicht dem B. entsteigende Krankheitskeime die Malaria erzeugen, sondern daß der B. nur insofern in Betracht kommt, als er die Bedingungen für die Fortpflanzung gewisser Insekten begünstigt oder nicht. Als gesunder B. gilt im allgemeinen Felsgrund oder ein für Luft und Wasser durchgängiger B. mit tiefstehendem Grundwasser, als ungesund namentlich sumpfiger B., der B. an Niederungen, Flußmündungen mit zeitweise brackigem Wasser und Kulturboden mit einer nahe unter der Oberfläche befindlichen, für Wasser undurchgängigen Schicht, namentlich auch stark verunreinigter B. Die Verbesserung der Gesundheitsverhältnisse in einem Sumpfgebiet wird am einfachsten und sichersten durch Entwässerung erreicht, auch hat man vielfach mit großem Erfolg Eucalyptus globulus, Sonnenblume etc. angepflanzt. Vgl. Fodor, Hygienische Untersuchungen über Luft, B. und Wasser, 2. Abt. (Braunschw. 1881); Derselbe, Hygiene des Bodens (Jena 1893); Soyka, Der B. (in Ziemssens »Handbuch der Hygiene und der Gewerbekrankheiten«, 3. Aufl., Leipz. 1887); K. B. Lehmann, Methoden der praktischen Hygiene (2. Aufl., Wiesbad. 1901).
 
Artikelverweis 
Bodenbach, Stadt in Böhmen, Bezirksh. Tetschen, nahe der sächsischen Grenze, an der Mündung des Eulenbaches in die Elbe, mit dem gegenüberliegenden Tetschen durch eine Ketten- und eine Eisenbahnbrücke verbunden, Knotenpunkt der Österreichisch-Ungarischen Staatseisenbahn, der Sächsischen Staatsbahn, der k. k. Staatsbahnen und der Böhmischen Nordbahn, Station der Elbdampfschiffahrt mit Umschlagplatz und Winterhafen, hat eine katholische und eine prot. Kirche, eine Bierbrauerei, Baumwollspinnerei, Fabrikation von Schokolade und Kanditen, Siderolithwaren, Knöpfen, Porzellan, Zementröhren, Öfen, Buntpapier, Lack, Tinte, Odol, Teer und Dachpappe, ätherischen Ölen und Essenzen, Fahrrädern etc., ein österreichisches und sächsisches Zollamt, starke Braunkohlenausfuhr nach Deutschland, einen Schlachthof und (1900) 10,782 deutsche Einwohner. B. ist eine beliebte Sommerfrische (mit Stahlbad). Dabei die steil zur Elbe abfallende Schäferwand (270 m ü. M.) mit schöner Aussicht.

 

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