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Böckel bis Bockkäfer (Bd. 3, Sp. 111 bis 112)
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Artikelverweis Böckel, Otto, antisemit. Agitator, geb. 2. Juli 1859 in Frankfurt a. M., studierte die Rechte, dann neuere Sprachen, war 188387 Bibliotheksassistent zu Marburg in Hessen, dann Buchdruckereibesitzer daselbst und lebt jetzt in Berlin-Friedenau. Die Ausbeutung der hessischen Bauern durch jüdische Wucherer veranlaßte ihn zu einer antisemitischen Agitation; seit 1887 ist er Reichstagsabgeordneter. Er veröffentlichte: »Deutsche Volkslieder aus Oberhessen« (Marb. 1885) und zahlreiche Flugschriften, wie »Die Juden die Könige unserer Zeit« (123. Aufl., das. 1892), »Die Quintessenz der Judenfrage«, »Die europäische Judengefahr« u. a.; auch gab er 188795 die Wochenschrift »Der Reichsherold« heraus.
 
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Bocken, eine Unart der Pferde, die darin besteht, daß sie beim Besteigen den Rücken aufkrümmen, den Kopf tief herunternehmen und kurze Sprünge machen oder hinten ausschlagen. Starkes B. ist der Stetigkeit (s. d.) gleich zu achten.
 
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Bockenem, Stadt im preuß. Regbez. Hildesheim, Kreis Marienburg in Hannover, an der Neue und der Sekundärbahn Braunschweig-Seesen, hat eine evangelische und eine kath. Kirche, Amtsgericht, Turmuhren-, Zucker-, Konserven-, Holzwaren- und Wurstfabrikation und (1900) 2238 Einw.
 
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Bockenheim, früher selbständige Stadt, seit 1. April 1895 mit Frankfurt a. M. (s. d.) vereinigt.
 
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Bockeram, s. Meyers Barragan.
 
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Böckh, 1) Christian Friedrich von, bad. Staatsmann, geb. 13. Aug. 1777 in Karlsruhe, gest. daselbst 21. Dez. 1855, studierte, nachdem er sich 1792 bis 1798 als Schreiber seinen Unterhalt erworben und dann noch das Gymnasium besucht hatte, 17991802 Cameralia und trat in den badischen Staatsdienst. Vom Direktor der Oberrechnungskammer (1820) ward er 1821 Staatsrat und provisorisch, 1824 endgültig Chef des Finanzministeriums und 14. Mai 1828 Finanzminister. Als solcher brachte er den Staatshaushalt in beste Ordnung, machte sich durch das Gesetz über die Zehntablösung volkstümlich, zerfiel aber schließlich doch mit den Liberalen. Nachdem er 1844 das Departement der Finanzen aufgegeben, übernahm er als Nachfolger Blittersdorfss (s. d. 2) die Leitung des Ministeriums, wurde aber schon im März 1846 pensioniert.
   2) Philipp August, Philolog, Bruder des vorigen, geb. 24. Nov. 1785 in Karlsruhe, gest. 3. Aug. 1867 in Berlin, vorgebildet in seiner Vaterstadt, studierte seit 1803 unter Wolf in Halle, trat 1806 durch Schleiermachers Vermittelung ins pädagogische Seminar zu Berlin und wurde 1807 außerordentlicher, 1809 ordentlicher Professor der Philologie in Heidelberg, 1811 in Berlin, daneben 1812 Direktor des

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philologischen und 1819 auch des pädagogischen Seminars. B. suchte einer höhern Auffassung der Philologie Geltung zu verschaffen, nach der diese in der umfassenden Kenntnis des Altertums in seiner Gesamtheit besteht, und betonte der mehr formalen G. Hermannschen Schule gegenüber die materielle Seite seiner Wissenschaft. Seine Hauptwerke sind: »Die Staatshaushaltung der Athener« (Berl. 1817, 2 Bde., mehrfach übersetzt; 2. Aufl. 1851, erweitert durch Bd. 3: »Urkunden über das Seewesen des attischen Staats«, 1840; 3. Ausg. von Fränkel, 1886, 2 Bde.); »Metrologische Untersuchungen über Gewichte, Münzfüße und Maße des Altertums« (das. 1838); »Die Ausgabe des Pindar« (Leipz. 181121, 4 Tle.), durch die mit der im 2. Teil enthaltenen Abhandlung »De metris Pindari libri III« die heutige wissenschaftliche Metrik begründet wurde; das »Corpus inscriptionum graecarum« (Berl. 182877, 4 Bde.; Bd. 3 und 4 von Franz, E. Curtius, Kirchhoff und Röhl). Sonst heben wir seine Arbeiten zu Plato hervor, so die Erstlingsschrift »Commentatio in Platonis qui vulgo fertur Minoem« (Halle 1806), mehrfache aus der Heidelberger Zeit, zuletzt »Untersuchungen über das kosmische System des Platon« (Berl. 1852); sodann »Philolaos' des Pythagoreers Lehren nebst den Bruchstücken« (das. 1819) und die astronomischen Abhandlungen: »Manetho und die Hundssternperiode« (das. 1845), »Zur Geschichte der Mondzyklen der Hellenen« (Leipz. 1855), »Epigraphischchronologische Studien« (2. Beitrag zur Geschichte der Mondzyklen, das. 1856), »Über die vierjährigen Sonnenkreise der Alten« (Berl. 1863). Zu den griechischen Tragikern verdanken wir ihm besonders: »Graecae tragoediae principum, Aeschyli, Sophoclis, Euripidis, num ea quae supersunt et genuina omnia sint et forma primitiva servata« (Heidelb. 1808) und die Abhandlung »Über die Antigone des Sophokles« (2 Abt., Berl. 182428), die später mit einer Ausgabe der Antigone vereinigt wurde (das. 1843, 2. Ausg. 1884). Auch an der neuen Ausgabe der Werke Friedrichs d. Gr. hat er wesentlichen Anteil. Die von ihm selbst begonnene Sammlung seiner »Kleinen Schriften« wurde von Ascherson, Bratuscheck und Eichholtz vollendet (Leipz. 185874, 7 Bde.). Aus den Originalheften seiner 180965 gehaltenen Vorlesungen veröffentlichte Bratuscheck die »Enzyklopädie und Methodologie der philologischen Wissenschaften« (Leipz. 1877; 2. Aufl. von Klußmann, 1886). Der »Briefwechsel zwischen August B. und Karl Otfried Müller« erschien in Leipzig 1883. Vgl. Sachse, Erinnerungen an B. (Berl. 1868); M. Hoffmann, August B., Lebensbeschreibung und Auswahl aus seinem wissenschaftlichen Briefwechsel (Leipz. 1901).
   3) Richard, Statistiker, Sohn des vorigen, geb. 28. März 1824 in Berlin, trat 1845 nach Vollendung seiner staatswissenschaftlichen Studien in den preußischen Staatsdienst, wurde 1852 Regierungsassessor, 1864 Regierungsrat, 1875 Direktor des Statistischen Bureaus der Stadt Berlin und trat Ende 1902 in den Ruhestand. 1881 wurde er zum außerordentlichen Professor, 1885 zum Geheimen Regierungsrat, 1895 zum ordentlichen Honorarprofessor ernannt. Von seinen Arbeiten beziehen sich einige auf die Feststellung und genaue Abgrenzung der Sprachgebiete, so die »Sprachkarte vom preußischen Staat« (Berl. 1864), »Die statistische Bedeutung der Volkssprache als Kennzeichen der Nationalität« (das. 1866), »Der Deutschen Volkszahl und Sprachgebiet« (das. 1869) und die im Verein mit H. Kiepert herausgegebene »Historische Karte von Elsaß-Lothringen« (das. 1871). Von seinen andern Schriften sind hervorzuheben: »Ortschaftsstatistik und historisch-geographische Übersicht des Regierungsbezirks Potsdam« (Berl. 1861); »Die geschichtliche Entwickelung der amtlichen Statistik des preußischen Staats« (das. 1863); »Sterblichkeitstafel für den preußischen Staat im Umfang von 1865« (Jena 1875); »Die Bevölkerungs-, Gewerbe- und Wohnungsaufnahme vom 1. Dez. 1875 in der Stadt Berlin« (Berl. 1878), ebenso die von 1880, 1885, 1890, 1895; »Die Bewegung der Bevölkerung der Stadt Berlin in den Jahren 18691878« (das. 1884). Seit 1877 gab er das »Statistische Jahrbuch der Stadt Berlin« (zuletzt für 1899, Berl. 1902) heraus.
 
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Bockhorn, Gemeinde im oldenburg. Amt Varel, an der Staatsbahnlinie Elleuferdamm-Grabstede, hat eine evang. Kirche, Fabrikation von Trottoir- und Straßenklinkern und (1900) 3386 Einw.
 
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Bockhuf, fehlerhafte Hufform, s. Meyers Huf.
 
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Böcking, Eduard, Rechtsgelehrter, geb. 20. Mai 1802 in Trarbach an der Mosel, gest. 3. Mai 1870 in Bonn, habilitierte sich 1826 in Berlin, ward daselbst 1829 zum außerordentlichen Professor ernannt, in demselben Jahre nach Bonn versetzt, wo er seit 1835 als ordentlicher Professor der Rechte wirkte. B. hat sich besonders durch treffliche Ausgaben juristischer Klassiker (Ulpian-Fragmente, 4. Aufl., Leipz. 1855; Gaius, 5. Ausg., das. 1866), des »Brachylogus« (Berl. 1829) und durch die große kritische Ausgabe der »Notitia dignitatum« (Bonn 183950, 5 Hefte; Index 1853) Verdienste erworben. Auch gab B. eine Rezension und Übersetzung der »Mosella« des Ausonius (Berl. 1828), die später umgearbeitet nebst den Moselgedichten des Venantius Fortunatus (Bonn 1845) erschien. Seine »Institutionen« (das. 1843, Bd. 1; 2. Aufl. als »Pandekten des römischen Privatrechts«, das. 1853, Bd. 1, und Leipz. 1855, Bd. 2, Lfg. 1) sind unvollendet geblieben. Außerdem besorgte er (184648) eine Ausgabe von A. W. v. Schlegels sämtlichen deutschen, französischen und lateinischen Werken; sein letztes größeres Werk war die Ausgabe der gesammelten Werke Ulrichs v. Hutten (Leipz. 1859 bis 1862, 5 Bde.), nebst 2 Supplementbänden, die »Epistolae obscurorum virorum« enthaltend (das. 186470); voraus ging ein »Index bibliographicus Huttenianus« (das. 1858).
 
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Böckingen, Dorf im württemberg. Neckarkreis, Oberamt Heilbronn, am Neckar, hat eine evangelische und eine kath. Kirche, Bierbrauerei, Eisfabrik, Dampfziegelei, Wein- und Obstbau und (1900) 6617 Einw.
 
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Bockkäfer (Holzböcke, Longicornia Latr., Cerambycidae Leach), Käferfamilie, Insekten mit langem Körper, oft sehr langen, borstenförmigen Fühlern und Endsporen an den Schienen aller Beine. Die Familie umfaßt über 7500 Arten, meist große, farbenprächtige Käfer, die am reichlichsten in den Tropen vertreten und häufig mit Haarbüscheln, Zahnfortsätzen etc. geschmückt sind. Bei der Berührung erzeugen die meisten Arten durch Reiben des Kopfes und Prothorax ein deutlich vernehmbares Geräusch (Geigen). Die lebhaft gefärbten B. findet man an warmen Tagen auf Blumen, an fastspendenden Stellen von Baumstämmen und an in Wäldern aufgespeichertem Klafterholz. Manche düster gefärbte Arten verlassen erst bei der Dämmerung ihre Schlupfwinkel. Die Larven sind langgestreckt, niedergedrückt, mit undeutlichen oder fehlenden Augen und sehr kleinen, dreigliederigen Fühlern, ohne oder mit sehr kleinen Beinen; sie leben in angegangenem Holz, die kleinern auch in

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Stengeln und Wurzelstöcken krautartiger Gewächse. Zu den plumpern, mehr kurzbeinigen Prioniden (Prionidae Leach) gehört der auf Eichen und Buchen lebende, 34 cm lange, oberseits pechbraune, dicht gerunzelte, unterseits gelb, filzig behaarte Gerber (Prionus coriarius L.); seine Larve lebt mehrere Jahre in mulmigem Holz. Höchst seltsam ist Hypocephalus armatus Desm. in Brasilien (s. Tafel Meyers »Käfer I«, Fig. 21), einer Maulwurfsgrille ähnlich, mit sehr großem Prothorax, abgestutztem Hinterleib und kolossal entwickelten Hinterbeinen. Ferner gehört hierher Macrodontia cervicornis L. (Fig. 22) in Brasilien, bis 14 cm lang; zu den Cerambyciden (Cerambycidae Leach) der glänzend schwarze Spießbock (Eichenbock, Cerambyx Heros L.), fast 5 cm lang, mit mehr als körperlangen Fühlern, höckerig gerunzeltem Thorax, glänzend schwarz, unterseits fein seidenhaarig, auf den Flügeldecken pechbraun. Er ist überall in Europa häufig, seine Larve lebt 34 Jahre im Holz alter Eichen und frißt sehr weite Gänge; der Käfer erscheint nur nach Sonnenuntergang und schwärmt sehr kurze Zeit. Der Weidenbock (Moschusbock, Aromia moschata L., s. Tafel Meyers »Käfer II«, Fig. 30), 2,63 cm lang, mit sehr höckerigem Halsschild, metallisch grün, verbreitet einen intensiven, moschusartig aromatischen Geruch; seine Larve lebt in Weiden. Hierher gehört auch der Alpenbock (Rosalia alpina L., s. Tafel Meyers »Käfer II«, Fig. 28), Purpuricenus Koehleri Fabr. (Fig. 32), der Widderbock (Clytus arietis L., Fig. 34), und von außereuropäischen Sternotomis lactator in Ostafrika (Fig. 23), Clymatostoma lactoguttata auf Madagaskar (Fig. 24). Zur Gruppe der Molorchini mit stark geneigter Stirn, meist abgekürzten oder klaffenden Flügeldecken gehört der Wespenbock (Molorchus major L., s. Tafel Meyers »Käfer I«, Fig. 33). Zu den Lamiarien (Lamiariae Leach), deren Stirn senkrecht abfällt, und deren Taster in ein zugespitztes Endglied auslaufen, gehört der rötlich aschgraue, 1,7 cm lange Zimmerbock (Astynomus aedilis L.), mit 8 cm langen, dunkel geringelten Fühlern und querem Halsschild mit Seitendornen und vier gelben Punkten, der sich im Frühjahr an frisch gefällten Kiefernstämmen zeigt und häufig in die Häuser verschleppt wird. Seine Larve lebt hinter der Rinde abgestandener Kiefern. Der Pappelbock (Saperda carcharias L.), 3 cm lang, mit walzigem, querem Halsschild ohne Buckel und Dornen, graugelb, filzig behaart, legt seine Eier in Rindenrisse von Pappeln und Weiden; seine Larve durchwühlt das Holz bis auf den Kern und wird oft sehr schädlich. Der bedeutend kleinere, grünlichgrau, filzig behaarte, auf dem Halsschild gelbgestreifte, auf den Flügeln gelbgefleckte Espenbock (S. populnea L.) lebt als Larve in der Zitterpappel. Hierher gehört auch Astathes splendida F. (s. Tafel Meyers »Käfer I«, Fig. 25) auf Sumatra. Zu den Lepturiden (Lepturidae) mit halsartig eingeschnürtem, meist schnauzenartig verlängertem Kopf gehören der Schmalbock (Strangalia armata Herb., s. Tafel Meyers »Käfer I«, Fig. 29), Pachyta quadrimaculata L. (Fig. 31), Rhagium inquisitor Fabr. (Fig. 41 u. 42).

 

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