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Bock bis Böckel (Bd. 3, Sp. 110 bis 111)
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Artikelverweis Bock, Männchen der Ziege, des Schafes, Rehes, Stein- und Damwildes, auch des Kaninchens.
 
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Bock (polnischer B., in den B. spannen), einst Strafe, wobei die Hände zusammengebunden, über die Kniee gezogen und ein Stock über den Armen und unter den Kniekehlen so durchgesteckt wurde, daß die Hände nicht wieder über die Kniee zurückgezogen werden konnten. Spanischer B., s. Tortur.
 
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Bock (Bockbier), s. Meyers Bier, S. 846 und 848. In Frankreich versteht man seit 1870 unter bock ein Seidel bayrisches Bier.
 
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Bock (Hängebock, Sprengbock), s. Meyers Hängewerk, Meyers Sprengwerk. Auch heißt B. ein hölzernes Gestell, wie es z. B. die Maurer, Zimmerleute, Maler etc. zum Rüsten brauchen (Rüstbock), bei Wölbungen das Gerüst, worauf die Lehrbogen aussitzen; dann ein diesen ähnliches Turngerät zu Springübungen (s. Meyers Pferd und Meyers Voltigieren).
 
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Bock, 1) (Tragus) Hieronymus, Botaniker, geb. um 1498 zu Heidersbach im Zweibrückenschen, gest. 21. Febr. 1554 in Hornbach, studierte Theologie, Humaniora und Medizin, wurde 1523 in Zweibrücken Lehrer, dann Aufseher des fürstlichen Gartens, den er mit vielen Pflanzen bereicherte, und 1532 Prediger in Hornbach, wo er gleichzeitig als Arzt praktizierte. Als Protestant aus seinem Amt vertrieben, fand er beim Grafen Philipp von Nassau Zuflucht, bis er nach Hornbach zurückkehren konnte. B. gehört zu den »Vätern der Botanik«. Sein Hauptwerk ist das »New Kreutterbuch« (Straßb. 1539, 8. Aufl. 1630), in dem er sehr treue Beschreibungen und in den spätern Auflagen meist aus Fuchs entlehnte Abbildungen der Pflanzen gab, auch Versuche machte, die Pflanzen nach ihrer Verwandtschaft zu ordnen.
   2) Karl Ernst, Mediziner, geb. 21. Febr. 1809 in Leipzig, gest. 19. Febr. 1874 in Wiesbaden. studierte in Leipzig, habilitierte sich daselbst 1832 als Privatdozent und ward 1839 außerordentlicher Professor der pathologischen Anatomie. Er veröffentlichte: »Handbuch der Anatomie des Menschen, mit Berücksichtigung der Physiologie und chirurgischen Anatomie« (Leipz. 1838, 2 Bde.; 4. Aufl. 1849), »Anatomisches Taschenbuch« (das. 1830, 5. Aufl. 1864), »Handatlas der Anatomie des Menschen« (das. 1843, 7. Aufl. von Braß, das. 1890), »Lehrbuch der pathologischen Anatomie und Diagnostik« (das. 1848, 4. Aufl. in 2 Bdn., 1861 u. 1864), »Atlas der pathologischen Anatomie« (das. 1855), »Gerichtliche Sektionen des menschlichen Körpers« (das. 1843, 4. Aufl. 1852). Durch seine Aufsätze in der »Gartenlaube« u. seine populären Bücher: »Das Buch vom gesunden und kranken Menschen« (Leipz. 1855, 16. Aufl. von Camerer, 1897), »Volksgesundheitslehrer« (das. 1865, 7. Aufl. 1890), »Bau, Leben und Pflege des menschlichen Körpers« (das. 1868, 17. Aufl. 1900), »Die Pflege des Schulkindes« (das. 1871) gewann er großen Einfluß auf die Volksgesundheitspflege.
   3) Eduard, Volksschulmann und pädagog. Schriftsteller, geb. 10. Dez. 1816 in Groß-Jena (Provinz Sachsen), gest. 15. Okt. 1893 in Liegnitz, studierte 183741 in Halle Theologie, wurde 1844 Seminarlehrer in Weißenfels, 1847 Leiter des Lehrerseminars zu Löwen (Schlesien), 1849 Direktor zu Münsterberg, 1864 Regierungs- und Schulrat in Königsberg i. Pr.,

[Bd. 3, Sp. 111]


1873 in Liegnitz und trat 1891 in den Ruhestand. B. gab 185164 mit Jungklaaß das »Schulblatt der evangelischen Seminare Schlesiens« (Bresl. bis 1882), 186573 den »Volksschulfreund« (Königsberg) heraus. Weite Verbreitung fanden seine Lesebücher für Volksschulen in verschiedenen Ausgaben. Ferner veröffentlichte er: »Wegweiser für Volksschullehrer« (Bresl. 1858, 5. Bearbeitung 1871); »Der Volksschulunterricht« (2. Aufl., das. 1879); »Schulkunde« (das. 1884; katholische Ausgabe von Bürgel); »Lehrbuch des Schulunterrichts« (das. 1892); »Stimmen hervorragender Schulmänner« (Leipz. 1893) u. a. und war Mitarbeiter an der Schmid-Schraderschen »Enzyklopädie des gesamten Erziehungs- und Unterrichtswesens«.
   4) Franz, Kunstschriftsteller, geb. 1823 in Burtscheid, gest 3. Mai 1899 in Aachen, wurde Kaplan in Krefeld und erhielt später die Pfarrstelle zu St. Alban in Köln und ein Ehrenkanonikat an der Stiftskirche zu Aachen. In Krefeld, wo er 1852 die erste größere deutsche Ausstellung von alten Meisterwerken christlicher Kunst veranstaltete, gründete er eine Fabrik kirchlicher Seidenstoffe nach mittelalterlichen Mustern. Sein Werk ist auch die Gründung des erzbischöflichen Museums und des Diözesankunstvereins zu Köln. Er gab heraus: »Das heilige Köln. Beschreibung der mittelalterlichen Kunstschätze in seinen Kirchen« (Leipz. 185861); »Die Musterzeichner des Mittelalters« (das. 185961); »Die Kleinodien des heiligen römischen Reichs deutscher Nation nebst den Kroninsignien Böhmens, Ungarns und der Lombardei« (mit 48 Tafeln, Wien 1864); »Geschichte der liturgischen Gewänder des Mittelalters« (Bonn 185671, 3 Bde.); »Karls d. Gr. Pfalzkapelle und ihre Kunstschätze« (Köln 186667, 2 Bde.); »Das Liebfrauenmünster zu Aachen« (Aachen 1866); »Die mittelalterlichen Kunst- und Reliquienschätze zu Maastricht« (mit Willemsen, Köln 1872); »Kyllburg und seine kirchlichen Bauwerke des Mittelalters« (Kyllburg 1895); »Memlingstudien« (Düsseld. 1900) u. a.
   5) Karl, dänisch-norweg. Reisender, geb. 17. Sept. 1849 in Kopenhagen, kam 1868 als Kaufmann nach England und bereiste 1878 zu zoologischen Zwecken das Innere von Westsumatra, dann im Auftrage des Generalgouverneurs von Niederländisch-Indien auch Südostborneo, wo er besonders ethnologische Sammlungen machte. Auf einer neuen Reise nach Ostasien besuchte B. Siam und zog den Menam aufwärts bis in das Gebiet der unabhängigen Laostämme. Seit 1886 im schwedisch-norwegischen Konsulatsdienst beschäftigt, war B. eine Zeitlang Generalkonsulatsverweser in Schanghai. Er veröffentlichte: »Reis in Oosten Zuid-Borneo« (Haag 188187, 2 Tle. mit Atlas); »Headhunters of Borneo« (Lond. 1881; deutsch von Springer: »Unter den Kannibalen auf Borneo«, Jena 1882); »Temples and elephants, through Upper Siam and Lao« (Lond. 1884, deutsch von Schröter: »Im Reiche des weißen Elefanten«, Leipz. 1885); »En Nordmands opdagelsesreiser« (Christiania 1884); »Orientalske Eventyr« (das. 1885).
 
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Böck, Johann Michael, Schauspieler, geb. 1743 in Wien, gest. 18. Juli 1793 in Mannheim, war anfangs Barbier, kam 1762 in Mainz zu der Ackermannschen Gesellschaft, mit der er nach Hamburg ging, und nahm dann an den Wanderzügen der Seylerschen Gesellschaft teil, bis er 1775 beim Hoftheater zu Gotha eine feste Anstellung fand. 1777 unternahm er die erste Rundreise zu Gastspielen in Deutschland, führte nach Ekhofs Tode die Direktion des Gothaer Hoftheaters und ging nach dessen Auflösung 1779 zu dem kurfürstlichen Nationaltheater nach Mannheim, wo er als der erste Schillers Karl Moor und Fiesco spielte. B. zeichnete sich durch routiniertes, auf den Effekt berechnetes Spiel aus und ist der eigentliche Erfinder des auf Beifall berechneten Abganges.
 
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Bockau, Dorf in der sächs. Kreish. Zwickau, Amtsh. Schwarzenberg, an der Zwickauer Mulde und der Staatsbahnlinie Chemnitz-Adorf, hat eine evang. Kirche, Oberförsterei, Fabrikation von Spankörben, Holzstoff, Pappe, Papier und Apothekerwaren, ein Emaillier- und Stanzwerk, Handel mit Arzneikräutern und (1900) 3181 Einw.
 
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Bockbier, s. Meyers Bier, S. 846 und 848.
 
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Bockbrücke, s. Meyers Feldbrücke.
 
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Bockbüchse, s. Meyers Falke.
 
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Böckel, Otto, antisemit. Agitator, geb. 2. Juli 1859 in Frankfurt a. M., studierte die Rechte, dann neuere Sprachen, war 188387 Bibliotheksassistent zu Marburg in Hessen, dann Buchdruckereibesitzer daselbst und lebt jetzt in Berlin-Friedenau. Die Ausbeutung der hessischen Bauern durch jüdische Wucherer veranlaßte ihn zu einer antisemitischen Agitation; seit 1887 ist er Reichstagsabgeordneter. Er veröffentlichte: »Deutsche Volkslieder aus Oberhessen« (Marb. 1885) und zahlreiche Flugschriften, wie »Die Juden die Könige unserer Zeit« (123. Aufl., das. 1892), »Die Quintessenz der Judenfrage«, »Die europäische Judengefahr« u. a.; auch gab er 188795 die Wochenschrift »Der Reichsherold« heraus.

 

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