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Boccherīni bis Bocher (Bd. 3, Sp. 106 bis 109)
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Artikelverweis Boccherīni (spr. bŏke-), Luigi, Komponist, geb. 19. Febr. 1743 in Lucca, gest. 28. Mai 1805 in Madrid, war der Sohn eines Kontrabassisten und wurde durch den Abt Vanucci zum Violoncellvirtuosen ausgebildet. Nach längerm Studienaufenthalt in Rom trat er mit dem Violinisten Manfredo eine Konzertreise an, die sie 1768 nach Paris führte, wo er seine ersten Kompositionen (Streichquartette und Streichtrios) veröffentlichte, die sogleich das größte Aussehen machten. 1769 wandte sich B. nach Madrid, trat hier zuerst in die Kapelle des Infanten Don Luiz ein und wurde nach dessen Tode 1785 als königlicher Hofkomponist angestellt. 1787 ernannte ihn König Friedrich Wilhelm II. von Preußen zum Hofkomponisten und setzte ihm einen Jahrgehalt aus, dessen Zahlung aber mit dem Tode des Königs (1797) aufhörte; um dieselbe Zeit soll er durch Intrigen des Violinisten Gaetano Brunetti seine Stellung am spanischen Hofe verloren haben, so daß er in den dürftigsten Verhältnissen starb. B. ist als Komponist eine höchst merkwürdige, noch keineswegs in ihrer historischen Bedeutung genügend gewürdigte Erscheinung. Er schließt mit einem durchaus selbständigen, zwar manchmal etwas weichen, aber äußerst durchgebildeten Stile direkt an den ersten Schöpfer des modernen Kammermusikstils, Johann Stamitz, an und zeigt sogleich in seinen ersten Werken eine Glätte und Gewandtheit, die z. B. Haydn erst viel später erlangte. 91 Streichquartette, 125 Streichquintette (teils mit zwei Bratschen, teils mit zwei Celli, mit sehr schwerem ersten Cellopart), 54 Streichtrios sowie 18 Quintette mit Flöte oder Oboe, 16 Sextette, 2 Oktette und eine Anzahl das Klavier mit heranziehender Werke (Quintette, Cellosonaten, Violinsonaten) bilden eine förmliche kleine Bibliothek von Kammermusik gediegener Haltung. Viele seiner Werke erschienen in mehrfachen Nachdruckausgaben, doch sind viele überhaupt noch nicht gedruckt. Nur in zweiter Linie zu nennen sind seine (20) Symphonien, eine Orchestersuite, ein Cellokonzert und seine Kirchenkompositionen (»Stabat mater«, Messe u. a.). Vgl. Picquot, Notice sur la vie et les ouvrages de L. B. (Par. 1851); Schletterer, Luigi B. (Leipz. 1882; ein Auszug aus vorgenannter Schrift).
 
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Bocchetta, La (spr. bŏketta), 780 m hoher Paß des Ligurischen Apennin, der von der Straße zwischen Novi und Genua überschritten wird und als Schlüssel von Genua bei einem Angriff von NO. her oft Gegenstand des Kampfes sowohl in dem Österreichischen Erbfolgekrieg 1746 und 1747 als auch in den Revolutionskriegen war. Die Eisenbahn von Novi nach Genua durchschneidet den Apennin östlich vom Passe B. mittels des 8,3 km langen Tunnels von Ronco.
 
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Bocchus, 1) König von Mauretanien, stand seinem Schwiegersohn Jugurtha von Numidien, der ihm dafür einen Teil des Reiches abtrat, gegen die Römer 107 v. Chr. bei, wurde aber zweimal von Marius besiegt und ließ sich von Sulla zur Auslieferung Jugurthas, der sich zu ihm geflüchtet hatte, bewegen (106), wofür er einen Teil des numidischen Reiches bekam und Bundesgenosse Roms wurde.
   2) Sohn des vorigen, mit seinem jüngern Bruder, Bogud, König von Mauretanien und wie dieser ein Feind der Pompejanischen Partei; daher wurde er 49 v. Chr. von Julius Cäsar als König anerkannt und wegen seiner Erfolge in dem Kampfe gegen Juba von Numidien und Masinissa (46) durch einen Teil von Masinissas Lande belohnt, den er indes nach Cäsars Tode wieder verlor. Danach hielt er sich zu Oktavian und entthronte seinen Bruder als Anhänger des Antonius. B. starb 33 v. Chr.
 
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Boccia (ital., spr. botscha, »Kugel«), identisch mit dem franz. Cochonnet, Spiel mit Kugeln, von denen eine als Ziel ausgeworfen wird, der man dann die übrigen möglichst nahe zu bringen sucht.
 
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Bocconĭa cordāta, s. Meyers Macleya.
 
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Bocedisation, s. Meyers Solmisation.
 
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Boch, Eugen von, Industrieller, geb. 22. Mai 1809 in Septfontaines in Luxemburg, gest. 11. Nov. 1898 in Mettlach, wurde in Hofwil (Schweiz) erzogen, studierte in Paris, trat als Ingenieur in die 1767 von Pierre Joseph B. (geb. 1737, gest. 1818) gegründete Steingutfabrik seines Vaters Jean François B. (geb. 1782, gest. 1858) in Septfontaines ein, bereiste England, übernahm 1832 die von seinem Vater 1809 gegründete Steingutfabrik in Mettlach, die zuerst auf dem Kontinent Steinkohlen zum Brennen ihrer Erzeugnisse benutzte, und verband sich 1841 gemeinschaftlich mit Vater und Geschwistern mit der Firma Villeroy, die in Wallerfangen bei Saarlouis eine 1789 von Nicolas Villeroy (geb. 1759, gest.

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1843) gegründete Steingutfabrik betrieb. In Mettlach wurde anfangs weiches kalkhaltiges Steingut (terre de pipe), seit 1832 feldspathaltiges Hartsteingut und bald darauf das noch heute gebräuchliche Porzellansteingut hergestellt. In Mettlach wurde auch zuerst die Drehscheibe mit Wasserkraft betrieben und Kupferdruck unter Glasur in größerm Umfang angewendet. Seit 1842 lieferte Mettlach das erste seine Steinzeug für kunstgewerbliche Gegenstände und Chromolith mit eingelegten farbigen Massen, bald darauf Terrakotten (Bauornamente und Figuren), 1851 Parianfiguren und seit 1852 mittels hydraulischer Pressen hergestellte Mosaiksteinchen für Fußböden. 1853 wurde eine neue Steingutfabrik in Dresden erbaut und 1869 in Mettlach eine zweite Fabrik zur Herstellung trocken gepreßter und bis zur Sinterung gebrannter Fußbodenplatten. Die Leitung dieser Fabrik übernahm Bochs Sohn René B. (geb. 1843), die der Steingutfabrik Edmund B. (geb. 1845). Erstere hat einen außerordentlichen Aufschwung genommen, sie fertigt täglich über 1000 qm »Mettlacher Platten«, die Weltruf besitzen. Außerdem liefert sie glasierte Wandfliesen und kleine Mosaikwürfel. Wallerfangen lieferte seit 1853 auch englisches Knochenporzellan. In Wadgassen an der Saar hatte Nicolas Villeroy durch Wasserkraft betriebene Schleppemühlen zum Mahlen des in Wallerfangen erforderlichen Quarzes aufgestellt. Nachdem sein Enkel Alfred zum Verarbeiten dieses Materials eine mit Dampf betriebene Mühlenanlage in Wallerfangen errichtet hatte, wurde 1843 in Wadgassen eine Glashütte errichtet, die 1880 in den alleinigen Besitz der Firma überging. 1879 erwarb die Firma von Fellenberg u. Komp. in Merzig eine Fabrik für Tonröhren, Dachziegel und Terrakotten, die seitdem auch Fußbodenplatten liefert, und 1883 kaufte die Firma gemeinschaftlich mit Utzschneider u. Komp. in Saargemünd eine keramische Fabrik in Schramberg (Württemberg), die leichteres Steingut und Majolika herstellt. Für die etwa 6500 Arbeiter und 200 Beamten dieser Fabriken schuf B. ausgedehnte Wohlfahrtseinrichtungen. Neben seinen industriellen Anlagen aber widmete er sich mit großem Erfolg der Land- und Forstwirtschaft. Er gründete 1856 in Mettlach-Keuchingen das einzige Privatgestüt der Rheinprovinz und bemühte sich eifrig um die Hebung der Viehzucht, des Ackerbaues, des Obstbaues und der wirtschaftlichen Verhältnisse des Kreises. Als Kreisdeputierter, Mitglied des Provinzialausschusses und Direktor der Lokalabteilung suchte er die öffentlichen Angelegenheiten der Provinz energisch zu fördern, namentlich seitdem er 1880 die Generaldirektion der Firma, die ihm in erster Linie ihren Aufschwung und ihre heutige Stellung verdankt, seinem Sohn René übertragen hatte. 1892 wurde ihm der erbliche Adel verliehen.
 
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Bochāra (Bokhara, Buchara), einst der berühmteste Staat in Zentralasien (s. die Karten »Zentralasien« und »Persien«), vom Kaspischen Meer bis zum Bolor Tagh und zwischen 36 und 42° nördl. Br., jetzt auf 220,000 qkm zusammengeschrumpft zwischen 4137° nördl. Br. und 6272° östl. L., im S. von Afghanistan, sonst rings von Russisch-Zentralasien begrenzt. Der nordwestliche Teil wird erfüllt von Wüsten und Steppen, die Osthälfte ist gebirgig (Periochtau-, Darwas-, Serafschangebirge). Der Amu Darja bildet zuerst die Südgrenze, läuft dann der Südwestgrenzeparallel und nimmt den Wachsch (Surehab), Kasirnagan und Surchan auf, der Serafschan verliert sich in den Dengissee. Die Bevölkerung wird auf 1,250,000 Seelen geschätzt und bildet ein buntes Völkergemisch aus 200,000 Uzbeken (s. d.), denen der Herrscher angehört, 160,000 nomadisierenden Turkmenen, 600,000 Tadschik (s. d.), Ackerbauer, Handwerker und Händler und angesehene Beamte, denen auch die Galtschi im O. angehören, 45,000 Kirgisen (s. d.) nebst einigen Karakalpaken, 50,000 Arabern, meist Viehzüchter und Pferdehändler, 500 Hindu, einflußreich durch ihren Reichtum, 4000 Afghanen, Händler in den Städten, 4000 Juden, meist Handwerker, 40,000 Persern, meist von den Tekke-Turkmenen als Sklaven eingeschleppt, und 2000 Russen in den Garnisonen von Tschardschui und Kerki. Die Oasen Serafschan (mit der Hauptstadt B.), Schaar, Karschi und Gusar haben 90 Einw. auf 1 qkm, die westlichen Oasen am Amu Darja 63, Hissar 44, der Rest nur 2. Die Landesreligion ist der sunnitische Islam; die höchste Würde bekleidet ein Oberpriester (Achund); die fanatischen Mollas (Priester) haben große Macht. Kulturlich stehen die Bocharen den Bewohnern andrer zentralasiatischer Länder voran, doch ist die Stellung der Frauen noch schlechter als sonst in mohammedanischen Staaten. Die Sklaverei wurde durch russische Einwirkung abgeschafft. Der durch künstliche Bewässerung ermöglichte Ackerbau erzeugt Getreide, Tabak, Baumwolle, Hanf, Melonen, Wein und Obst, die Viehzucht Fettschwanzschafe, die ein beliebtes Pelzwerk liefern, gute Pferde, Esel, feinhaarige Ziegen und zweihöckerige Kamele als Lasttiere. Von Mineralien finden sich Gold, Salz, Alaun und Schwefel. Der Gewerbfleiß beschränkt sich auf Hausindustrie für eignen Bedarf und erzeugt Seiden- und Baumwollenstoffe, Teppiche, Lederwaren, Holzarbeiten, Messer und Waffen, Metallgefäße, Töpferwaren etc. Der Handel hat sich in den letzten Jahren sehr gehoben. Die Haupthandelsstraßen gehen über Fort Perowsk am Sir Darja und Kasalinsk nach Orenburg; östlich über Samarkand nach Taschkent, Tschimkent und Fort Perowsk, Semipalatinsk oder Chokand; den Amu Darja aufwärts nach Kaschgar, über Schehrisebz und Balch nach Indien. Seit 1888 besteht die Strecke Tschardschui-B.-Samarkand der Transkaspischen Eisenbahn, seit 1885 eine Telegraphenlinie von Kattykurgan nach B., 190 km lang, jetzt beide bis Taschkent verlängert. Baumwolle (über 200,000 Ton. jährlich), rohe Seide, getrocknete Früchte, Häute sind Hauptgegenstände der Ausfuhr; Waffen, eiserne Geschirre, Kalikos, Tuche, Zucker, Arzneien, Baumwollenwaren kommen aus Rußland; Kalikos, Schale, Tee (über 1000 Ton.), Indigo und Drogen aus Indien; Wolle, Edelsteine, Leder aus Ostturkistan. Der Handel mit Afghanistan betrug in Ein- und Ausfuhr 1900 je 4 Mill. Rubel. Russische Waren genießen besondere Vergünstigungen. Münzen, Maße und Gewichte. Die Goldmünze Tilla zu 21 Tenge (Tangas) gilt gewöhnlich 11,9 Mk., die Tenga in Silber hat 44 Pul. Russische Papierrubel sind in regelmäßigem Umlauf, zu veränderlichen Kursen auch holländische Dukaten und persische Silbermünzen. 1 Kar von 3 Haseh. = 3,3 m. Die halbe Kamellast oder Batman zu 8 Ser von 8 Tscharik = 127,77 kg, 1 Nemetsche zu 107 Mitskâl = 499,09 g. Die Regierungsform ist eine unumschränkte Monarchie, seit 1784 erblich in dem im 13. Jahrh. nach dem Oxus verpflanzten mongolischen Stamm der Manguten; der Fürst nennt sich Emir (jetzt Sayid Abdul Ahad). An der Spitze der Verwaltung steht ein Minister; die bedeutendsten der zahlreichen Begschaften sind die von Schaar, Hissar und Karschi, jede zerfällt in mehrere

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Gemeindeverbände unter einem Amljakdar, den einzelnen Gemeinden stehen Arakaly (Weißbärte) vor. Rußland unterhält einen diplomatischen Agenten in der Hauptstadt. Das Heer zählt (1906) 11,000 Mann, teilweise mit russischen Gewehren und russischem Drill. Außerdem können im Kriegsfall 30,000 irreguläre Reiter aufgeboten werden. Auf dem Amu Darja verkehren zwei russische Dampfer.
   Die Hauptstadt B., in der Oase Serafschan, ist von einer Mauer mit 11 von Türmen flankierten Toren umgeben, hat über 360 z. T. prächtige Moscheen, darunter die Moschee Mirgharab mit 32 m hoher Kuppel, über 100 Medressen, die einmal von 10,000 Studierenden besucht worden sein sollen, 50 Basare innerhalb und 20 außerhalb der Mauern, 40 Karawanseraien, 16 öffentliche Bäder, einen Palast des Emirs, an dessen Eingang zwei hohe befestigte Türme als Zitadelle der Stadt, und etwa 75,000 Einw., worunter viele Juden und Hindu. Sie ist Mittelpunkt des Handels und war früher auch ein Hauptsklavenmarkt. Als Hauptsitz des Islam wird B. Scherif »Die heilige Stadt« genannt und von allen Muslims als die Quelle des wahren Lichtes betrachtet. Etwa 3,5 km von der Stadt liegt hinter einer 10 m hohen Mauer der große Palast Scher-Bodin. Nächstwichtige Orte sind Karschi (25,000 Einw.), Hissar (10,000 Einw.), Tschardschui.
   [Geschichte.] Die Grenzen Transoxaniens, das erst mit dem Auftreten Mohammed Schaibanis (1500) B. genannt wurde, umfaßten ungefähr die Ufergegenden des Serafschan zusammen mit den südlich bis zum Oxus und den nördlich bis zur Kisilkumwüste sich erstreckenden Landstrichen. In der vorislamischen Zeit gehörte die Bevölkerung einem iranischen Volksstamm an; schon damals waren die Bodenbebauung und die Industrie entwickelt (vgl. Baktrien). Im 6. und 7. Jahrh. n. Chr. rissen die Türken in vielen Orten die Herrschaft an sich. Gleich nach Begründung des Islam begannen die Araber in Transoxanien einzufallen. Dreimal hatte es deren Joch abgeworfen und den alten Glauben wieder angenommen, bis es 709 endgültig zum Islam bekehrt wurde. Während der arabischen Herrschaft (714874) war Transoxanien ein Teil der Provinz Chorasan; die Emire von B. und Samarkand waren abhängig. Ein neues Zeitalter brach mit den Samaniden (s. d.) für das Land an, das von nun ab den Namen Mawara'l-nahr führte. Nach dem Tode des ersten Samaniden, Nasr bin Ahmed (892), ward sein Bruder Ismail Alleinherrscher und dessen Residenz B. Mittelpunkt Hochasiens. Im N. erstreckte sich Ismails Reich bis an den Rand der Großen Steppe, im O. bis an die Täler des Tiënschangebirges, im S. bis zum Persischen Golf, an den Nordrand Indiens, und im W. schieden es nur wenige Tagereisen von der Residenz der Kalifen. Nach dem Tode Ismails (907) waren die Samaniden meist hilflose Puppen in den Händen ihrer Beamten. Die Uiguren, ein türkischer Volksstamm im Tiënschan, versuchten unter Boghra-Chan an den Trümmern des Samanidenreichs sich zu bereichern. Der Tod Boghras (994) rettete Transoxanien, bis Ilek-Chan von Kaschgar 999 in B. einzog; seine Herrschaft wurde in den Bezirken von Kesch, Samarkand und Chokand nicht anerkannt. 1004 traten die Seldschukiden (s. d.) auf; nach Melik-Chans Tode (1092) brachen Fehden zwischen den Familiengliedern aus. B. und Samarkand wurden nun der Zankapfel zwischen den Uiguren im O. und Chwaresm (Chiwa) im W., bis der Mongole Temudschin, der Dschengis-Chan (s. d.), 121820 sich ganz Transoxanien unterwarf, auch Chwaresm. Noch bei Lebzeiten verteilte er das große Reich unter seine Söhne: Dschagatai erhielt das Reich von den uigurischen Pässen bis Chwaresm, Turkistan und Transoxanien inbegriffen; Batu wurde Herr von Chwaresm. Die Dynastie der Dschengisiden endigte 1358, als sich die Türken unabhängig machten. 1363 trat Timur (s. d.) gegen die Dschagataiden auf und ward 8. April 1369 in Balch zum Cha-Kan (Großchan) ausgerufen. Seine Residenz verlegte er nach Samarkand, machte sich zum Herrn des gesamten islamischen Ostens und war bis zu seinem Tode (18. Febr. 1405) unumschränkter Herrscher von Transoxanien. Danach herrschten bis 1468 unter wechselvollen Schicksalen Timuriden. 1500 machte Mohammed Schaibek-Chan (Schaibani), ein Dschengiside, mit seinen uzbekischen Reiterscharen ihrer Herrschaft ein Ende und ward Herr von Turan und Endidschan im O., von Scharuchie und Taschkent im N., von Hissar, Badachschan und Balch im S. und von Chwaresm im W. Nunmehr sank Transoxanien zu dem unbedeutenden Chanat B. herab. Die Regierung der Schaibaniden (151099) trug den Stempel einer machtlosen Uneinigkeit. Nur unter Abdallah II. (1556 bis 1598) gewann Transoxanien, als dessen unumschränkter Herrscher er sich 1578 huldigen ließ, wiederum seinen alten Glanz. Handel, Ackerbau und Wissenschaft fanden in ihm einen Gönner. Auf die Dynastie der Aschtarchaniden (s. d., 15991785) folgte das ebenfalls von Dschengis-Chan in weiblicher Linie abstammende Haus Mangit (s. d., 17851868). Erst mit dem Auftreten des Emirs Nasrullah (1826 bis 1860) gewann B. wieder neues Interesse. Seine Kriege mit Schehrisebz, Chokand und Chiwa, mit Persien und Afghanistan ließen ihn glauben, auch den Europäern trotzen zu können. Anstatt dem bereits mit Rußland im Krieg begriffenen Chokand (s. d.) beizustehen, schwächte er es noch durch stete Einfälle. Schon früher hatte Rußland mit B. Verbindungen angeknüpft, nachdem der Bochare Ir-Nazar zweimal (177476 und 177980) als (kaufmännischer) Gesandter nach Rußland gekommen u. von Katharina II. reich beschenkt worden war. Die erste politische Mission Rußlands leitete Negri 1820; infolge der nach B. abgesandten englischen Mission unter Burnes erschienen 1834 der Russe Demaison und 1835 Witkowitsch am Hofe Nasrullahs. Ebensowenig wie diese richtete 1840 Buteniew aus. Der zur Anknüpfung eines Freundschaftsbündnisses im Hinblick auf die Ereignisse in Afghanistan entsandte englische Oberst Stoddart wurde sogar nebst dem späternachfolgenden Kapitän Arthur Conolly 17. Juni 1842 hingerichtet. Mozaffer ed-din, der Sohn Nasrullahs, nahm den Kampf mit Schehrisebz und Chokand wieder auf. Die über Chudojar-Chan den Kiptschaken gegenüber übernommene Protektorrolle brachte ihn mit den bereits bis an den Sir Darjavorgeschrittenen Russen in Streit. Schon waren die Städte Turkistan, Tschimkant (1864) und Taschkent (1865) in russischem Besitz, als Mozaffer gegen die Kiptschaken zog, diese schlug und Chudojar auf den Thron Chokands setzte. Als er den russischen Obersten Struwe gefangen nahm, überschritten die Russen unter Tschernajew im Februar 1866 den Sir Darja, wurden zwar anfangs zurückgedrängt, siegten aber unter Romanowski 20. Mai 1866 bei Iirdschar und eroberten 14. Okt. Dschizak, 30. Okt. Uraljube, die beiden letzten Stützpunkte des Emirs am Sir Darja. Die Bocharen drängten den Emir zum Gaza (Religionskrieg), ohne indessen das Vorschreiten der Russen

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aufhalten zu können. 1867 nahm General v. Kaufmann Jengikurgan; 14. Mai 1868 zog er in Samarkand ein. Die Schlacht auf den Serabulakschen Höhen 14. Juli zertrümmerte die letzte bocharische Armee und machte den Emir zu einem Vasallen Rußlands. Der Friede wurde geschlossen: Zahlung von 125,000 Tillas (11/2 Mill. Mk.), verschiedene handelspolitische Abmachungen und Einverleibung des eroberten Gebiets in Rußland waren die Bedingungen. Die Unruhen in seinem eignen Lande, durch den Kronprinzen Abd ul Melik (später in Chiwa gestorben), Dschura Bay und Baba Bay aus Schehrisebz angezettelt, konnte der Emir nur mit Hilfe der Russen niederwerfen. Seitdem bestehen zwischen B. und Rußland freundschaftliche Beziehungen. Der Emir leistete sogar in dem Kriege Rußlands mit Chiwa in der Verpflegung werktätige Hilfe; dafür wurde ihm in dem mit Chiwa (s. d.) abgeschlossenen Frieden von letzterm ein am rechten Ufer des Amu Darja gelegenes Stück Land abgetreten. Nach Mozaffer ed-dins Tode (12. Nov. 1885) folgte dessen Sohn Seyyid Abd ul-Ahad, der 1893 und 1902 dem russischen Hof Besuche abstattete und seinen Sohn Seyyid Mir Alim Chan, dem Nikolaus II. im März 1902 den Titel »Durchlaucht« verlieh, in Rußland erziehen ließ. Vgl. Chanikow, Bochara (Petersb. 1841; engl., Lond. 1845); Derselbe, Mémoires sur la partie méridionale de l'Asie centrale (Par. 1863); Vambéry: Reisen in Mittelasien (2. Aufl., Leipz. 1873), Skizzen aus Mittelasien (das. 1868) und Geschichte Bocharas (Stuttg. 1872); Wenjukow, Die russisch-asiatischen Grenzlande (deutsch, Leipz. 1874); Jaworskij, In Afghanistan und dem Chanat Buchara. Reise der russischen Gesandtschaft 18781879 (deutsch, Jena 1885); Bonvalot, En Asie centrale (Par. 1884); Lansdell, Russisch-Zentralasien (deutsch, Leipz. 1885, 3 Bde.); Moser, A travers l'Asie centrale (Par. 1885; deutsch, Leipz. 1888); Proskowetz, Vom Newastrand nach Samarkand (Wien 1889); Capus, A travers le royaume de Tamerlan (Par. 1892); Moh. Nerschaky, Description topographique et historique de Boukhara (hrsg. von Schefer, das. 1892ff.); Albrecht, Russisch-Zentralasien (Hamb. 1896); Krahmer, Rußland in Mittelasien (Leipz. 1898); v. Schwarz, Turkestan (Freib. i. B. 1900); Schurtz im 2. Bande von Helmolts »Weltgeschichte« (Leipz. 1902); Lidsky, Materialien zur Bibliographie Mittelasiens etc. 1892 bis 1895 (in Bd. 1 des russischen Sammelwerks »Russisch-Turkestan«, 1899).
 
Artikelverweis 
Bocharaklee, s. Melilotus.
 
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Bochari (eigentlich Mohammed ibn Isma'îl), berühmter arab. Traditionsgelehrter, geb. 810 in Bochara (daher sein Beiname B.), iranischer Abkunft, gest. 870 in der Nähe von Samarkand. Er verließ, 16 Jahre alt, seine Heimat, um zunächst in Mekka und Medina, dann in Ägypten und weiter in ganz Asien die berühmtesten Traditionslehrer zu hören. Nach etwa 16jähriger Abwesenheit kehrte er im Besitz von ca. 600,000 religiös-juridischen Überlieferungen nach Bochara zurück. Hier sichtete er dieses ungeheure Material und vereinigte einen kleinen Bruchteil davon, 7275 Traditionen, die ihm allein echt schienen, in seinem »ed Dschami' es Ssahîh« (»Authentische Sammlung«), einem Werke, das kanonisches Ansehen erlangt (s. Meyers Arabische Literatur, S. 661) und eine umfassende eigne Literatur erzeugt hat (hrsg. von Krehl, Leiden 186268, 3 Bde., unvollständig; gedruckt oft im Orient); der bekannteste Kommentar dazu von Kastallani (gest. 1517; gedruckt Kairo 1876 u. ö. im Orient).
 
Artikelverweis 
Bocher, s. Meyers Bachur.

 

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