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Boccárdo bis Boch (Bd. 3, Sp. 105 bis 106)
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Artikelverweis Boccárdo, Gerolamo, ital. Nationalökonom, geb. 16. März 1829 in Genua, lenkte schon frühzeitig durch seine Arbeiten die Aufmerksamkeit Cavours auf sich, wurde Professor der Nationalökonomie an der Universität zu Genua, 1877 Senator des Königreichs

[Bd. 3, Sp. 106]


und 1888 Staatsrat in Rom. Außer seinem Hauptwerk, dem »Trattato teorico-pratico di economia politica« (7. Aufl., Tur. 1885, 3 Bde.), veröffentlichte er eine »Storia del commercio«, ein »Dizionario dell' economia politica e del commercio« (3. Aufl., Mail. 1881, 2 Bde.), »Dell' applicazione dei metodi quantitativi alle scienze economiche« (1875), »Le banche ed il corso forzato« (1879), »Sul riordinamento delle banche in Italia« (1881), »I principii della science e dell' arte delle finanze« (1887), schrieb über Handelsrecht, auch mehrere Geschichtswerke (»Antichità romane e greche«; »Corso di storia universale«, 5 Bde.; »Feste, giuochi e spettacoli«) und Naturwissenschaftliches (»La natura e l'uomo«, »Fisica del globo«, »La terra e la sua progressiva conquista«). B. leitete auch die neue Ausgabe der »Nuova Enciclopedia italiana« und gab die 3. Serie der »Biblioteca dell' economista« (14 Bde.) heraus.
 
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Bocca Tigris (chines. Humen, »Tigerrachen«), Name der 4 km breiten Mündung des Kantonflusses in China. Sie führt zwischen der Insel Taikoklau und den Inseln Tschuenpi und Anunghoi (daher englisch Chuenpee-Channel) hindurch, vorbei an der Tigerinsel in den eigentlichen Strom, an dem die Stadt Kanton liegt, und wird durch mehrere Befestigungen (Bogue Forts) beherrscht. Nach S. führt die B. in ein breites Ästuar mit den Inseln Lintin mitten im Fahrwasser, Macao im W., Lantao im O.
 
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Bocche (ital., spr. bocke), s. Meyers Bocca.
 
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Bocche di Cattaro, tief einschneidender fjordartiger Golf des Adriatischen Meeres im südlichsten Teil von Dalmatien, der aus den vier Baien von Topla, Teodo, Risano und Cattaro besteht, und in dessen Hintergrund die Stadt Cattaro (s. d.) liegt. Die Einfahrt befindet sich zwischen den Vorgebirgen Punta d'Ostro (mit Leuchtturm und meteorologischer Station) und Punta d'Arza. Die einzelnen Baien sind durch Meerengen verbunden, deren eine (zwischen den Baien Teodo und Risano) vorzeiten mittels einer Kette gesperrt wurde und daher den Namen Le Catene führt. Der Golf hat eine Tiefe bis 42 m, enthält mehrere gute Häfen, ist durch zahlreiche Forts geschützt und gehört mit seinen seeartigen Becken, den hohen Bergen (bis 1800 m) und der südlichen Vegetation seiner Ufer zu den schönsten Landschaften Europas. Die Bewohner der Gegend werden Bocchesen genannt. Vgl. de Laforeste, Die B. (Spalato 1898).
 
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Boccherīni (spr. bŏke-), Luigi, Komponist, geb. 19. Febr. 1743 in Lucca, gest. 28. Mai 1805 in Madrid, war der Sohn eines Kontrabassisten und wurde durch den Abt Vanucci zum Violoncellvirtuosen ausgebildet. Nach längerm Studienaufenthalt in Rom trat er mit dem Violinisten Manfredo eine Konzertreise an, die sie 1768 nach Paris führte, wo er seine ersten Kompositionen (Streichquartette und Streichtrios) veröffentlichte, die sogleich das größte Aussehen machten. 1769 wandte sich B. nach Madrid, trat hier zuerst in die Kapelle des Infanten Don Luiz ein und wurde nach dessen Tode 1785 als königlicher Hofkomponist angestellt. 1787 ernannte ihn König Friedrich Wilhelm II. von Preußen zum Hofkomponisten und setzte ihm einen Jahrgehalt aus, dessen Zahlung aber mit dem Tode des Königs (1797) aufhörte; um dieselbe Zeit soll er durch Intrigen des Violinisten Gaetano Brunetti seine Stellung am spanischen Hofe verloren haben, so daß er in den dürftigsten Verhältnissen starb. B. ist als Komponist eine höchst merkwürdige, noch keineswegs in ihrer historischen Bedeutung genügend gewürdigte Erscheinung. Er schließt mit einem durchaus selbständigen, zwar manchmal etwas weichen, aber äußerst durchgebildeten Stile direkt an den ersten Schöpfer des modernen Kammermusikstils, Johann Stamitz, an und zeigt sogleich in seinen ersten Werken eine Glätte und Gewandtheit, die z. B. Haydn erst viel später erlangte. 91 Streichquartette, 125 Streichquintette (teils mit zwei Bratschen, teils mit zwei Celli, mit sehr schwerem ersten Cellopart), 54 Streichtrios sowie 18 Quintette mit Flöte oder Oboe, 16 Sextette, 2 Oktette und eine Anzahl das Klavier mit heranziehender Werke (Quintette, Cellosonaten, Violinsonaten) bilden eine förmliche kleine Bibliothek von Kammermusik gediegener Haltung. Viele seiner Werke erschienen in mehrfachen Nachdruckausgaben, doch sind viele überhaupt noch nicht gedruckt. Nur in zweiter Linie zu nennen sind seine (20) Symphonien, eine Orchestersuite, ein Cellokonzert und seine Kirchenkompositionen (»Stabat mater«, Messe u. a.). Vgl. Picquot, Notice sur la vie et les ouvrages de L. B. (Par. 1851); Schletterer, Luigi B. (Leipz. 1882; ein Auszug aus vorgenannter Schrift).
 
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Bocchetta, La (spr. bŏketta), 780 m hoher Paß des Ligurischen Apennin, der von der Straße zwischen Novi und Genua überschritten wird und als Schlüssel von Genua bei einem Angriff von NO. her oft Gegenstand des Kampfes sowohl in dem Österreichischen Erbfolgekrieg 1746 und 1747 als auch in den Revolutionskriegen war. Die Eisenbahn von Novi nach Genua durchschneidet den Apennin östlich vom Passe B. mittels des 8,3 km langen Tunnels von Ronco.
 
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Bocchus, 1) König von Mauretanien, stand seinem Schwiegersohn Jugurtha von Numidien, der ihm dafür einen Teil des Reiches abtrat, gegen die Römer 107 v. Chr. bei, wurde aber zweimal von Marius besiegt und ließ sich von Sulla zur Auslieferung Jugurthas, der sich zu ihm geflüchtet hatte, bewegen (106), wofür er einen Teil des numidischen Reiches bekam und Bundesgenosse Roms wurde.
   2) Sohn des vorigen, mit seinem jüngern Bruder, Bogud, König von Mauretanien und wie dieser ein Feind der Pompejanischen Partei; daher wurde er 49 v. Chr. von Julius Cäsar als König anerkannt und wegen seiner Erfolge in dem Kampfe gegen Juba von Numidien und Masinissa (46) durch einen Teil von Masinissas Lande belohnt, den er indes nach Cäsars Tode wieder verlor. Danach hielt er sich zu Oktavian und entthronte seinen Bruder als Anhänger des Antonius. B. starb 33 v. Chr.
 
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Boccia (ital., spr. botscha, »Kugel«), identisch mit dem franz. Cochonnet, Spiel mit Kugeln, von denen eine als Ziel ausgeworfen wird, der man dann die übrigen möglichst nahe zu bringen sucht.
 
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Bocconĭa cordāta, s. Meyers Macleya.
 
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Bocedisation, s. Meyers Solmisation.
 
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Boch, Eugen von, Industrieller, geb. 22. Mai 1809 in Septfontaines in Luxemburg, gest. 11. Nov. 1898 in Mettlach, wurde in Hofwil (Schweiz) erzogen, studierte in Paris, trat als Ingenieur in die 1767 von Pierre Joseph B. (geb. 1737, gest. 1818) gegründete Steingutfabrik seines Vaters Jean François B. (geb. 1782, gest. 1858) in Septfontaines ein, bereiste England, übernahm 1832 die von seinem Vater 1809 gegründete Steingutfabrik in Mettlach, die zuerst auf dem Kontinent Steinkohlen zum Brennen ihrer Erzeugnisse benutzte, und verband sich 1841 gemeinschaftlich mit Vater und Geschwistern mit der Firma Villeroy, die in Wallerfangen bei Saarlouis eine 1789 von Nicolas Villeroy (geb. 1759, gest.

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1843) gegründete Steingutfabrik betrieb. In Mettlach wurde anfangs weiches kalkhaltiges Steingut (terre de pipe), seit 1832 feldspathaltiges Hartsteingut und bald darauf das noch heute gebräuchliche Porzellansteingut hergestellt. In Mettlach wurde auch zuerst die Drehscheibe mit Wasserkraft betrieben und Kupferdruck unter Glasur in größerm Umfang angewendet. Seit 1842 lieferte Mettlach das erste seine Steinzeug für kunstgewerbliche Gegenstände und Chromolith mit eingelegten farbigen Massen, bald darauf Terrakotten (Bauornamente und Figuren), 1851 Parianfiguren und seit 1852 mittels hydraulischer Pressen hergestellte Mosaiksteinchen für Fußböden. 1853 wurde eine neue Steingutfabrik in Dresden erbaut und 1869 in Mettlach eine zweite Fabrik zur Herstellung trocken gepreßter und bis zur Sinterung gebrannter Fußbodenplatten. Die Leitung dieser Fabrik übernahm Bochs Sohn René B. (geb. 1843), die der Steingutfabrik Edmund B. (geb. 1845). Erstere hat einen außerordentlichen Aufschwung genommen, sie fertigt täglich über 1000 qm »Mettlacher Platten«, die Weltruf besitzen. Außerdem liefert sie glasierte Wandfliesen und kleine Mosaikwürfel. Wallerfangen lieferte seit 1853 auch englisches Knochenporzellan. In Wadgassen an der Saar hatte Nicolas Villeroy durch Wasserkraft betriebene Schleppemühlen zum Mahlen des in Wallerfangen erforderlichen Quarzes aufgestellt. Nachdem sein Enkel Alfred zum Verarbeiten dieses Materials eine mit Dampf betriebene Mühlenanlage in Wallerfangen errichtet hatte, wurde 1843 in Wadgassen eine Glashütte errichtet, die 1880 in den alleinigen Besitz der Firma überging. 1879 erwarb die Firma von Fellenberg u. Komp. in Merzig eine Fabrik für Tonröhren, Dachziegel und Terrakotten, die seitdem auch Fußbodenplatten liefert, und 1883 kaufte die Firma gemeinschaftlich mit Utzschneider u. Komp. in Saargemünd eine keramische Fabrik in Schramberg (Württemberg), die leichteres Steingut und Majolika herstellt. Für die etwa 6500 Arbeiter und 200 Beamten dieser Fabriken schuf B. ausgedehnte Wohlfahrtseinrichtungen. Neben seinen industriellen Anlagen aber widmete er sich mit großem Erfolg der Land- und Forstwirtschaft. Er gründete 1856 in Mettlach-Keuchingen das einzige Privatgestüt der Rheinprovinz und bemühte sich eifrig um die Hebung der Viehzucht, des Ackerbaues, des Obstbaues und der wirtschaftlichen Verhältnisse des Kreises. Als Kreisdeputierter, Mitglied des Provinzialausschusses und Direktor der Lokalabteilung suchte er die öffentlichen Angelegenheiten der Provinz energisch zu fördern, namentlich seitdem er 1880 die Generaldirektion der Firma, die ihm in erster Linie ihren Aufschwung und ihre heutige Stellung verdankt, seinem Sohn René übertragen hatte. 1892 wurde ihm der erbliche Adel verliehen.

 

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