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Blutgeld bis Bluthirse (Bd. 3, Sp. 97)
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Artikelverweis Blutgeld, die Summe, die nach altdeutschem Recht von einem Totschläger dem gezahlt wurde, der eigentlich die Blutrache ausüben sollte (s. Meyers Wergeld); dann auch wohl Bezeichnung für das Geld, das vom Gericht für Entdeckung und Denunziation eines Verbrechers ausgesetzt wurde. Bei gewissen Diebstählen, z. B. Einbruch und Pferdediebstahl, wurde in England nach dem Gesetz von 1699 demjenigen, der den Verbrecher ergreifen und überführen würde, außer baren 40 Pfd. Sterl. noch ein Zertifikat erteilt, wodurch er von Kommunaldiensten, z. B. als Armenaufseher, Kirchenvorsteher u. dgl., befreit wurde. Diese Freischeine, auch Galgenscheine (Tyburn-tickets) genannt, konnten vererbt und verkauft werden und hatten in großen Städten oft einen Preis von 200300 Pfd. Sterl. Die entsittlichenden, die Unschuld gefährdenden Wirkungen dieses Systems blieben natürlich nicht aus; daher wurde durch Parlamentsakte 1818 das B., abgesehen von der auf die Entdeckung von Banknotenfälschung gesetzten Belohnung, aufgehoben.
 
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Blutgeräusche, s. Meyers Herztöne.
 
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Blutgerinnung, s. Meyers Blut, S. 81.
 
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Blutgerüst, s. Meyers Schafott.
 
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Blutgeschwulst, s. Meyers Blutung.
 
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Bluthals, s. Amadinen.
 
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Bluthänfling, s. Meyers Hänfling.
 
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Blutharnen (Blutnetzen, griech. Hämaturie, lat. Mictus cruentus), jede Entleerung von Blut oder mit Blut gemischtem Harn aus der Harnröhre, mag das Blut nun aus dieser selbst, aus der Blase, den Harnleitern oder Nieren stammen. Bei dem wahren B. ist Blut mit roten Blutkörperchen dem Harn beigemischt, bei falschem B. wird die rote oder braune Farbe des Harnes durch gelösten Blutfarbstoff hervorgerufen (Hämoglobinurie) infolge Zerfalls roter Blutkörper im Kreislauf selbst, besonders bei manchen Vergiftungen und aus manchen noch nicht aufgeklärten Gründen. Nierenblutungen werden hervorgerufen durch Verletzungen der Nierengegend, durch akute Entzündung der Nierensubstanz, durch Steine und Parasiten (Strongylus gigas, selten) im Nierenbecken, durch Verstopfung der Nierenvenen und durch verschiedene Geschwülste der Nieren. In manchen Fällen ist ein eigentümliches Gefühl von Druck, Spannung oder Schmerz am untern Teil des Rückens zu beiden Seiten der Wirbelsäule beim Eintritt von Nierenblutungen vorhanden. Die Blutungen aus der Blase beruhen am häufigsten auf Anwesenheit von Steinen in der Blase, ferner auf Neubildungen (Krebs), Entzündungen und Verletzungen, endlich auf Blasenhämorrhoiden, d. h. auf Blutungen aus übermäßig gefüllten u. erweiterten kleinen Venen der Blasenschleimhaut, die durch Blutstockung in den Unterleibsorganen, durch sitzende Lebensweise etc. entstehen. Die Menge des entleerten Blutes ist bald beträchtlich, bald gering; augenblicklich gefährlicher Blutverlust ist selten, jedoch kann durch lang anhaltendes B. bedrohliche Blutarmut entstehen. Bei B. ist bis zum Stehen der Blutung zunächst volle körperliche Ruhe notwendig. Dann ist der Sitz der Blutung festzustellen. Es gelingt das durch die Inspektion der Blase mittels Endoskopen und, falls die Niere Sitz der Blutung ist, durch Katheterisation der Harnleiter. Ist festgestellt, aus welcher Niere das Blut stammt, so muß man sich noch vom Zustande der andern Niere überzeugen, da nur, wenn diese gesund ist, eine Exstirpation der kranken Niere angezeigt ist. Bei allen Haustieren kommen Beimischungen von Blut oder Blutfarbstoff zum Harn aus verschiedenen Gründen vor. Verletzungen, Geschwülste, Steinbildung und Entzündungen (beim Hund auch Eustrongylus gigas) bedingen Blutung in die Harnwege. Blutfarbstoff findet sich im Harn bei zwei häufigen und selbständigen Krankheiten des Pferdes und Rindes, der Hämoglobinurie (s. d.).
 
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Blutheil, s. Hypericum.
 
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Blüthgen, Viktor, Dichter und Schriftsteller, geb. 4. Jan. 1844 in Zörbig bei Halle, studierte in Halle Theologie, ging später nach Marburg, führte 187677 die Redaktion der »Krefelder Zeitung« und trat nach E. Keils Tode vorübergehend (bis Herbst 1880) in die Redaktion der »Gartenlaube« in Leipzig, die schon vorher seinen Roman »Aus gärender Zeit« (Sonderausgabe 1884, 2 Bde.; 1901 auch in Reclams Universal-Bibliothek) veröffentlicht hatte, um sich dann ganz der freien literarischen Tätigkeit zu widmen. Seit 1881 lebt B. teils in Berlin, teils in Freienwalde a. O. Er hat besonders als anmutiger Jugendschriftsteller mit dem »Schelmenspiegel« (Leipz. 1876), »Froschmäusekrieg« (das. 1878), einem Band Märchen: »Hesperiden« (3. Aufl., Stuttg. 1900), und seinen Begleitversen zu Bilderbüchern von O. Pletsch rasch Anerkennung gefunden. In seinen »Bunten Novellen« (Leipz. 1879, 2 Bde.; 2. Aufl., Berl. 1887), den Romanen: »Ein Friedensstörer« (Berl. 1883), »Der Preuße« (1884), »Poirethouse« (1884), »Die Stiefschwester« (1887), »Frau Gräfin« (1892, 2 Bde.), »Die kleine Vorsehung« (1901); »Die Spiritisten« (1902) und seinen »Gedichten« (Leipz. 1880; vermehrte Ausg., Berl. 1901) bewährt er sich als lebendiger Erzähler und für Formschönheit empfänglicher Dichter.
 
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Bluthirse, s. Andropogon.

 

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