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Blutfennig bis Blutgeräusche (Bd. 3, Sp. 95 bis 97)
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Artikelverweis Blutfennig, Blutfingergras, s. Meyers Hirse.
 
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Blutfibrin, s. Fibrin.
 
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Blutfink, s. Meyers Astrilds; auch soviel wie Gimpel.
 
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Blutflecke. Die Erkennung von Blutflecken stützt sich auf die Eigenschaften der Blutbestandteile und auf die Nachweisung der Blutkörperchen. Letztere sind in frischen Blutflecken sehr leicht mikroskopisch nachweisbar. Aus einem Splitterchen ältern eingetrockneten Blutes löst ein Tropfen Wasser in 1/2 Stunde Eiweiß samt dem Inhalte der roten Blutkörperchen auf und läßt ein Fibrinkoagulum zurück, in dem die farblosen Blutkörperchen unter dem Mikroskop mit Sicherheit nachzuweisen sind. Den mittels der Pipette aufgehobenen roten Tropfen prüft man mit salpetersaurem Quecksilberoxyd auf gerinnbare Eiweißkörper, einen andern, ähnlichen Auszug der B. kocht man mit konzentrierter Essigsäure und stellt die Blutkristalle (Häminkristalle; s. Hämin) dar, deren Bildung große Sicherheit über die Anwesenheit des Blutes gewährt. Die Frage, ob die B. von dem Blut eines lebenden oder eines toten Körpers herrühren, erledigt sich mit einiger Gewißheit aus der An- oder Abwesenheit des Fibringerinnsels. Große Sicherheit gewährt die spektroskopische Untersuchung eines Auszuges der B., indem das Blut zwei höchst charakteristische Absorptionsstreifen liefert. Neuere Entdeckungen gestatten auch, in Blutflecken die Blutart zu bestimmen, doch erfordern diese Untersuchungen einen großen Apparat und können nur von sehr geübten Männern ausgeführt werden. Spritzt man einem Kaninchen 56mal in zweitägigen Zwischenräumen zellenfreies menschliches Blutserum unter die Haut, so erzeugt das 6 Tage nach der letzten Einspritzung aus diesen Tieren gewonnene Blutserum in mit physiologischer Kochsalzlösung verdünntem menschlichen Blutserum namentlich bei 37° einen starken wolkigen Niederschlag. Dieser Niederschlag entsteht im Blutserum keines Tieres (nur Affenblut gibt nach längerer Zeit einen schwächern Niederschlag) und gestattet also, Menschenblut mit großer Sicherheit von Tierblut zu unterscheiden. Auch alte, eingetrocknete B. geben die Reaktion, wenn sie mit physiologischer Kochsalzlösung aufgeweicht werden. Das Serum eines mit Hühnereiweiß vorbehandelten Kaninchens erzeugt in Hühnerblutlösung eine sehr viel schneller auftretende und sehr viel stärkere Trübung als in Hahnenblutlösung, wenn das Blut von geschlechtsreifen Tieren herrührt. Beide Blutarten lassen sich auf diese Weise unterscheiden.
 
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Blutfleckenkrankheit der Pferde (Morbus maculosus equorum, Petechialfieber, Pferdetyphus, Faulfieber), Krankheit der Pferde, ähnlich der Werlhoffschen B. des Menschen, im wesentlichen gekennzeichnet durch das Auftreten zahlreicher kleiner Blutungen und oft sehr starker Anschwellungen der verschiedenen Körperteile, entsteht jedenfalls durch einen (noch unbekannten) Infektionsstoff, ohne jedoch von Tier zu Tier übertragbar zu sein. Die B. kann für sich allein (idiopathisch) auftreten; oft aber entsteht sie im Verlauf andrer akuter Krankheiten, so bei eiterigen Katarrhen der Atmungswege, nach verschleppten Lungenentzündungen oder wenn sich im Gefolge der Druse etc. im Körper Eiterherde gebildet haben. Die Blutungen (Blutflecke, Petechien) zeigen sich besonders in der Nasen-, Maul- und Augenlidschleimhaut. Sie finden sich aber auch unter der Haut, in den Muskeln und gewissen Eingeweiden. Die außerdem stets bald auftretenden Anschwellungen bilden

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sich namentlich an Bauch, Brust, Beinen und Kopf und werden oft ganz unförmlich. Zuschwellung der Nasenlöcher bedingt oft jähe Erstickungsgefahr (weil Pferde wegen des langen weichen Gaumens nicht durch den Mund atmen können). Die Beingeschwülste bringen oft die Pferde zum Liegen, wobei sie sich rasch wundliegen. Alle Wunden haben Neigung zum brandigen Zerfall (daher Faulfieber); auch brandige Lungenentzündung etc. bildet sich nicht selten aus. Sterblichkeit 60 Proz., bei geeigneter Behandlung 20 Proz. Genesung meist erst nach längerer Rekonvaleszenz. Behandlung tierärztlich, bei Erstickungsgefahr Tracheotomie. Wunden und Geschwülste sind äußerlich zu behandeln. Innerlich wird Jod, bez. Collargol gegeben. Daneben kräftige Ernährung u. lustiger Stall, Hängegurt oder weicheste Streu und oftmaliges Umlegen.
 
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Blutfleckenkrankheit, Werlhoffsche (Purpura haemorrhagica, Morbus maculosus Werlhoffi), eine dem Skorbut in einzelnen Punkten ähnliche, aber durch das Fehlen von Zahnfleischerkrankungen von ihm unterschiedene Krankheit, bei der sich Blutaustretungen unter der Haut sowie auf den innern Häuten, letztere mit Blutungen, besonders aus dem Mund, zeigen. Die Krankheitsursache ist noch wenig geklärt, es scheinen infektiöse Ursachen eine Rolle zu spielen. Es tritt meist Heilung ein. Übrigens können Hautblutungen bei ganz verschiedenen Krankheiten auftreten (bei Blutvergiftung, schweren Ernährungsstörungen.)
 
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Blutfluß, s. Meyers Blutung.
 
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Blutgase, s. Meyers Blut, S. 81.
 
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Blutgefäße (Vasa sanguinis, hierzu Tafel Meyers »Blutgefäße des Menschen«), bei den Wirbeltieren die mit dem Herzen direkt verbundenen Gefäßbahnen im Gegensatze zu den Lymphgefäßen (s. d.). Es sind häutige, elastische Röhren, die alle Organe und Gewebe des Körpers, mit Ausnahme der Knorpel- und der Horngebilde, durchsetzen und Blut enthalten. Man unterscheidet Schlag- oder Pulsadern (Arterien, s. d.), Blutadern (Venen, s. d.) und Haargefäße (Kapillaren, s. d.). Die Arterien führen bei den höhern Wirbeltieren sauerstoffreiches Blut vom Herzen zu den Organen des Körpers hin und teilen sich dabei in immer feinere Zweige, die zuletzt in die nur mit dem Mikroskop erkennbaren Haargefäße und durch diese in die feinsten Anfänge der Venen übergehen. Von letztern wird das für die Ernährung der Gewebe benutzte, an Sauerstoff arme und an Kohlensäure reiche Blut wieder nach dem Herzen geführt. Diesem »geschlossenen« Kreislauf des Blutes von der linken Herzkammer durch die Arterien des Körpers in das Kapillarnetz der Gewebe und aus letzterm durch die Venen zurück nach der rechten Vorkammer (dem großen oder Körperkreislauf, Fig. 5) gegenübersteht der kleine oder Lungenkreislauf (Fig. 3), der das dunkle, venöse Blut von der rechten Herzkammer durch die Lungenschlagader in das Kapillarnetz der Lunge führt, wo es seine Kohlensäure an die Atemluft abgibt und Sauerstoff aufnimmt, um, hellrot geworden, durch die Lungenvenen zur linken Vorkammer zurückzukehren. Vgl. Blutbewegung.
   Im menschlichen Körper kommen sämtliche Arterienstämme aus der großen Körperschlagader oder Aorta (s. d. und Fig. 3 und 5). Die von der linken Herzkammer ausgehende Aorta gibt ganz nahe an ihrem Ursprung zwei Arterien ab, die sich im Herzfleisch verästeln (Kranzarterien, Fig. 1). Dann treten aus dem Aortenbogen drei große Arterienstämme nach oben zu ab, um Kopf, Hals und Arme mit Blut zu vetsorgen; es sind: 1) die Arteria anonyma (Fig. 5), die sofort in die rechte Kopfschlagader (Karotis) und in die rechte Schlüsselbeinarterie zerfällt, 2) die linke Kopfschlagader und 3) die linke Schlüsselbeinarterie. Die Schlüsselbeinschlagadern setzen sich in die Armschlagadern fort, deren Verzweigung in Fig. 5 dargestellt ist. Der absteigende Teil der Brustaorta entsendet zahlreiche kleinere Zweige für Brustkorb, Speiseröhre und Luftröhre (samt ihren Ästen) und gibt nach dem Durchtritte durch das Zwerchfell (Fig. 5) zunächst die beiden Zwerchfellarterien, dann die Eingeweidearterie (Arteria coeliaca) ab, die sofort in drei Äste für Magen, Milz, Leber, Bauchspeicheldrüse und Zwölffingerdarm zerfällt (Fig. 5). Gleich unterhalb der Arteria coeliaca entspringt die obere Gekrösarterie zur Ernährung des Darmkanals (Fig. 4); ein wenig tiefer treten die zwei Nierenschlagadern (Fig. 5) ab; weiter unten gehen noch Gefäße zu den Geschlechtsteilen, den Endpartien des Darms etc. ab, und schließlich (Fig. 5) löst sich die Aorta in ihre beiden Endäste, die Hüftarterien (Arteriae iliacae communes). Jede von diesen bildet zwei Äste, die Arteria iliaca (hypogastrica) interna für die Beckenorgane und die Arteria iliaca externa für das Bein, wo sie sich bis zu den Zehen verbreitet (Fig. 5). Die direkte Fortsetzung der Aorta an der obigen Teilungsstelle bildet die Arteria sacralis media, bei Wirbeltieren mit langem Schwanz als Schwanzarterie (Arteria caudalis) stark entwickelt. Die Arterien liegen zumeist tief und geschützt, an den Gliedmaßen halten sie sich an der Beugeseite der Gelenke. Venen. Das aus Kopf, Hals und Armen nach dem Herzen zurückfließende Blut sammelt sich jederseits in der Vena anonyma, die beide zusammen die obere Hohlvene (Vena cava superior) bilden und so in die rechte Herzkammer münden (Fig. 1 der Tafel stellt die rechte Herzkammer mit Vorkammer und Lungenarterie dar). Die Vena anonyma entsteht aus der (die Armvenen aufnehmenden) Schlüsselbeinvene und aus der Drosselader, in welche die Kopf- und Halsvenen einmünden. Die Venen der untern Körperhälfte (s. auch Tafel Meyers »Muskeln«) sammeln sich in der untern Hohlader (Vena cava inferior, Fig. 5, 3), die ebenfalls in die rechte Vorkammer des Herzens einmündet. Im allgemeinen verlaufen sie in nächster Nähe der Äste der Aorta und ähneln denselben in Anordnung und Verzweigung, bie Venen jedoch, die den Arterien der Eingeweide entsprechen und das Blut aus Magen, Milz, Pankreas und Darm abführen, verhalten sich insofern abweichend, als sie zur Pfortader (s. d.) zusammentreten. Diese führt das Blut in die Leber; hier fließt es durch ein zweites Kapillarsystem hindurch und tritt dann erst durch die Lebervenen in die untere Hohlader ein (sogen. Pfortaderkreislauf, Fig. 4). Zwischen das Gebiet der obern und untern Hohlader ist noch das System der Vena azygos und Vena hemiazygos eingeschaltet, die beide das Blut aus Brust- und Bauchwand in sich aufnehmen und in dem arteriellen System keine Vertreter haben. Auch in den Gliedmaßen gibt es Venen, die nicht von Arterien begleitet sind, da dies im ganzen nur für die tief liegenden Venen gilt, die von Ellbogen und Knie abwärts paarweise und vielfach durch Querstämmchen verbunden neben den gleichnamigen Arterien verlaufen. Die Venen des Halses, Kopfes und Gehirns verlaufen ganz anders als die Arterien. Die Bedeutung vieler größerer Venen erklärt sich aus ihrer Entwickelung beim Fötus, dessen Kreislauf in vielen Beziehungen stark abweicht (s. Meyers Embryo). Über den feinern Bau der B. s. Arterien, Meyers Kapillaren und Venen.

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Blutgeld, die Summe, die nach altdeutschem Recht von einem Totschläger dem gezahlt wurde, der eigentlich die Blutrache ausüben sollte (s. Meyers Wergeld); dann auch wohl Bezeichnung für das Geld, das vom Gericht für Entdeckung und Denunziation eines Verbrechers ausgesetzt wurde. Bei gewissen Diebstählen, z. B. Einbruch und Pferdediebstahl, wurde in England nach dem Gesetz von 1699 demjenigen, der den Verbrecher ergreifen und überführen würde, außer baren 40 Pfd. Sterl. noch ein Zertifikat erteilt, wodurch er von Kommunaldiensten, z. B. als Armenaufseher, Kirchenvorsteher u. dgl., befreit wurde. Diese Freischeine, auch Galgenscheine (Tyburn-tickets) genannt, konnten vererbt und verkauft werden und hatten in großen Städten oft einen Preis von 200300 Pfd. Sterl. Die entsittlichenden, die Unschuld gefährdenden Wirkungen dieses Systems blieben natürlich nicht aus; daher wurde durch Parlamentsakte 1818 das B., abgesehen von der auf die Entdeckung von Banknotenfälschung gesetzten Belohnung, aufgehoben.
 
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Blutgeräusche, s. Meyers Herztöne.

 

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