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Blütenwickler bis Blutfleckenkrankheit (Bd. 3, Sp. 94 bis 95)
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Artikelverweis Blütenwickler, s. Meyers Spanner.
 
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Bluterguß, s. Meyers Blutung.
 
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Bluterkrankheit (Blutsucht, Hämophilie), Krankheitsanlage, bei der auf die geringste Veranlassung Blutungen eintreten, die bis zur Lebensgefahr

[Bd. 3, Sp. 95]


andauern und fast allen Mitteln trotzen. Verletzungen am Kopf, an den Lippen und Fingerspitzen scheinen besonders gefährlich zu sein. Oft entstehen spontan Blutungen (Nasenbluten), und auch die Menstruation gibt zu heftigen Blutverlusten Veranlassung. Das Blut kann auch im Innern der Gewebe austreten, so daß durch alle Organe des Körpers zerstreute Blutflecke erscheinen. In der Regel sind solche Blutaustretungen Folge leichter äußerer Einwirkungen, ein längerer Druck eines Teiles, z. B. des Gefäßes beim Sitzen, kann blaue Flecke hinterlassen. Die Ursache dieser großen Neigung zur Zerreißung der Gefäße und der stets zugleich vorhandenen geringen Gerinnbarkeit des Blutes ist noch nicht aufgeklärt; zuweilen liegt mangelhafte Bildung des Gefäßapparats, zuweilen Klappenfehler des Herzens zu Grunde. In der Regel ist die B. angeboren und vererbt sich von Geschlecht zu Geschlecht, jedoch vorzugsweise auf die männlichen Personen. In der Entwickelungsperiode soll die Neigung zur B. sich steigern, im höhern Lebensalter sich allmählich verlieren, doch hat man Greise von 70 Jahren an B. sterben sehen. Die meisten Bluter sterben schon als Kinder an Verblutung. Am gefährlichsten sind immer die Blutungen bei Neugebornen aus den Nabelgefäßen und später aus der Nase. Die Behandlung eingetretener Blutungen besteht in sorgfältiger Stillung, neuerdings sind Gelatineeinspritzungen empfohlen worden. Selbstverständlich müssen bei der B. alle Blutentziehungen und auch kleinere Operationen womöglich vermieden werden. Blutern sollte das Heiraten verboten werden. Vgl. Grandidier, Die Hämophilie oder B. (2. Aufl., Leipz. 1877); Koch, Die B. (Stuttg. 1889).
 
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Blütezeit, die Zeit, in der die einzelnen Pflanzenarten ihre Blüten zeigen, fällt in der Regel mit bestimmten Monaten zusammen. Nur wenige ausdauernde Pflanzen treiben zu jeder Jahreszeit, sobald nur die Temperatur günstig ist, selbst im Winter, ihre Blüten hervor, wie das Maßliebchen (Bellis perennis). Bei vielen einjährigen Gewächsen tritt je nach der frühern oder spätern Aussaat die B. früh oder spät ein; so finden wir von manchen einjährigen Unkräutern während der ganzen wärmern Jahreszeit blühende Exemplare. Am strengsten ist die B. bei den ausdauernden Pflanzen an bestimmte Monate gebunden, und man unterscheidet hier Frühjahrs-, Sommer- und Herbstblumen. Vorläufige Blüten erscheinen wie die vieler Kätzchenbäume vor Entfaltung des Laubes; die Herbstzeitlose (Colchicum autumnale) blüht im Herbst, ihre junge Frucht erscheint zugleich mit den Blättern erst im folgenden Frühling. Obstbäume, Roßkastanie u. a. blühen im Herbst zum zweitenmal, wenn die für das nächstfolgende Frühjahr bestimmten Blütenknospen, die im Herbst schon vorhanden sind, infolge ungewöhnlich hoher Temperatur zum Austreiben veranlaßt werden. Stellt man die Pflanzen nach den Monaten, in denen sie zu blühen beginnen, zusammen, so erhält man einen Blütenkalender. Indes tritt die B. in warmen Jahren zeitiger ein als in kalten und verhält sich auch in verschiedenen Gegenden je nach deren klimatischen Verhältnissen ungleich. Ebenso hat die Erhebung über dem Meeresspiegel aus gleichem Grund Einfluß. Häufig ist ein Unterschied von 12 Wochen zwischen nicht fernen Gegenden, die mäßigen Unterschied in der Höhe über dem Meeresspiegel zeigen, zu bemerken. Viel größere Differenzen bestehen zwischen den Ebenen und den Alpenhöhen. Vgl. Phänologie.
 
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Blutfarbstoff, s. Meyers Blut (S. 80) und Hämoglobin.
 
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Blutfaserstoff, s. Fibrin.
 
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Blutfennig, Blutfingergras, s. Meyers Hirse.
 
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Blutfibrin, s. Fibrin.
 
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Blutfink, s. Meyers Astrilds; auch soviel wie Gimpel.
 
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Blutflecke. Die Erkennung von Blutflecken stützt sich auf die Eigenschaften der Blutbestandteile und auf die Nachweisung der Blutkörperchen. Letztere sind in frischen Blutflecken sehr leicht mikroskopisch nachweisbar. Aus einem Splitterchen ältern eingetrockneten Blutes löst ein Tropfen Wasser in 1/2 Stunde Eiweiß samt dem Inhalte der roten Blutkörperchen auf und läßt ein Fibrinkoagulum zurück, in dem die farblosen Blutkörperchen unter dem Mikroskop mit Sicherheit nachzuweisen sind. Den mittels der Pipette aufgehobenen roten Tropfen prüft man mit salpetersaurem Quecksilberoxyd auf gerinnbare Eiweißkörper, einen andern, ähnlichen Auszug der B. kocht man mit konzentrierter Essigsäure und stellt die Blutkristalle (Häminkristalle; s. Hämin) dar, deren Bildung große Sicherheit über die Anwesenheit des Blutes gewährt. Die Frage, ob die B. von dem Blut eines lebenden oder eines toten Körpers herrühren, erledigt sich mit einiger Gewißheit aus der An- oder Abwesenheit des Fibringerinnsels. Große Sicherheit gewährt die spektroskopische Untersuchung eines Auszuges der B., indem das Blut zwei höchst charakteristische Absorptionsstreifen liefert. Neuere Entdeckungen gestatten auch, in Blutflecken die Blutart zu bestimmen, doch erfordern diese Untersuchungen einen großen Apparat und können nur von sehr geübten Männern ausgeführt werden. Spritzt man einem Kaninchen 56mal in zweitägigen Zwischenräumen zellenfreies menschliches Blutserum unter die Haut, so erzeugt das 6 Tage nach der letzten Einspritzung aus diesen Tieren gewonnene Blutserum in mit physiologischer Kochsalzlösung verdünntem menschlichen Blutserum namentlich bei 37° einen starken wolkigen Niederschlag. Dieser Niederschlag entsteht im Blutserum keines Tieres (nur Affenblut gibt nach längerer Zeit einen schwächern Niederschlag) und gestattet also, Menschenblut mit großer Sicherheit von Tierblut zu unterscheiden. Auch alte, eingetrocknete B. geben die Reaktion, wenn sie mit physiologischer Kochsalzlösung aufgeweicht werden. Das Serum eines mit Hühnereiweiß vorbehandelten Kaninchens erzeugt in Hühnerblutlösung eine sehr viel schneller auftretende und sehr viel stärkere Trübung als in Hahnenblutlösung, wenn das Blut von geschlechtsreifen Tieren herrührt. Beide Blutarten lassen sich auf diese Weise unterscheiden.
 
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Blutfleckenkrankheit der Pferde (Morbus maculosus equorum, Petechialfieber, Pferdetyphus, Faulfieber), Krankheit der Pferde, ähnlich der Werlhoffschen B. des Menschen, im wesentlichen gekennzeichnet durch das Auftreten zahlreicher kleiner Blutungen und oft sehr starker Anschwellungen der verschiedenen Körperteile, entsteht jedenfalls durch einen (noch unbekannten) Infektionsstoff, ohne jedoch von Tier zu Tier übertragbar zu sein. Die B. kann für sich allein (idiopathisch) auftreten; oft aber entsteht sie im Verlauf andrer akuter Krankheiten, so bei eiterigen Katarrhen der Atmungswege, nach verschleppten Lungenentzündungen oder wenn sich im Gefolge der Druse etc. im Körper Eiterherde gebildet haben. Die Blutungen (Blutflecke, Petechien) zeigen sich besonders in der Nasen-, Maul- und Augenlidschleimhaut. Sie finden sich aber auch unter der Haut, in den Muskeln und gewissen Eingeweiden. Die außerdem stets bald auftretenden Anschwellungen bilden

[Bd. 3, Sp. 96]


sich namentlich an Bauch, Brust, Beinen und Kopf und werden oft ganz unförmlich. Zuschwellung der Nasenlöcher bedingt oft jähe Erstickungsgefahr (weil Pferde wegen des langen weichen Gaumens nicht durch den Mund atmen können). Die Beingeschwülste bringen oft die Pferde zum Liegen, wobei sie sich rasch wundliegen. Alle Wunden haben Neigung zum brandigen Zerfall (daher Faulfieber); auch brandige Lungenentzündung etc. bildet sich nicht selten aus. Sterblichkeit 60 Proz., bei geeigneter Behandlung 20 Proz. Genesung meist erst nach längerer Rekonvaleszenz. Behandlung tierärztlich, bei Erstickungsgefahr Tracheotomie. Wunden und Geschwülste sind äußerlich zu behandeln. Innerlich wird Jod, bez. Collargol gegeben. Daneben kräftige Ernährung u. lustiger Stall, Hängegurt oder weicheste Streu und oftmaliges Umlegen.

 

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