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Blütenspelzen bis Blütezeit (Bd. 3, Sp. 93 bis 95)
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Artikelverweis Blütenspelzen, zum Blütenstande der Gräser, dem sogen. Ährchen, gehörige Blätter (vgl. Gräser).
 
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Blütenstand (Inflorescentia; hierzu Tafel Meyers »Blütenstände«, S. 91), der blütentragende, gegen die Laubblattregion mehr oder weniger deutlich abgegrenzte und mit Hochblättern (s. Meyers Blatt, S. 28) versehene Teil der Pflanze. Die zum B. gehörigen Hochblätter erscheinen meistens als reduzierte Laubblätter, indem sie in der Regel ganze ungestielte Blätter, bisweilen nur scheiden- oder schuppenförmig sind; manchmal sind sie blumenblattartig gefärbt und erhöhen als Schauapparate die Sichtbarkeit der Blüten oder des ganzen Blütenstandes. Die Blätter, in deren Achseln die Blüten stehen, die Deck- oder Tragblätter (bracteae), haben längere Dauer, können sogar zur Fruchtzeit noch vorhanden sein, oder sie fallen frühzeitig ab; bisweilen schlagen sie ganz fehl, so daß die Blütenstiele nackt aus dem Stengel entspringen (z. B. bei den Kreuzblütlern). Außer den Deckblättern sind oft noch andre Hochblätter vorhanden, die kein Organ in ihrer Achsel erzeugen. Diese stehen als Vorblätter (bracteolae) einzeln oder zu zweien am Blütenstiel selbst unterhalb der Blüte und gehen dieser also voraus, oder sie bilden als Hüllblätter am Grunde des ganzen Blütenstandes eine Hülle (involucrum, Fig. 10 bei h) oder einen Hüllkelch unter der einzelnen Blüte. Bei Palmen und Arazeen (Fig. 1) bildet ein einziges, bisweilen blumenblattartig gefärbtes Hochblatt unterhalb des Blütenstandes eine Blütenscheide (spatha). Die aus verwachsenen Hochblättern gebildete Hülle der weiblichen Blüten der Kupuliferen entwickelt sich mit der reisenden Frucht zu einer Becherhülle (cupula).
   Man unterscheidet nach dem Aufbau des Verzweigungssystems racemöse (botrytische) Blütenstände, die an einer fortwachsenden Hauptachse eine unbestimmte Anzahl von Seitenachsen tragen, die ihre Blüten in der Reihenfolge ihrer Entstehung, d. h. von unten nach oben oder bei verkürzter Hauptachse von außen nach innen entfalten (zentripetale Aufblühfolge), und cymöse Blütenstände, bei denen die Hauptachse mit einer zuerst sich entfaltenden Blüte (zentrifugale Aufblühfolge) abschließt und nur eine bestimmte Anzahl von Seitenachsen erzeugt, die in gleicher Weise mit einer Blüte abschließen und sich mit einer bestimmten Anzahl von Seitenachsen höherer Ordnung weiter verzweigen können.
   Den Typus der racemösen Blütenstände repräsentiert die Traube (racemus, Fig. 2), deren verlängerte Hauptachse oder Spindel eine größere Anzahl von gestielten Einzelblüten trägt. Verzweigen sich die Seitenachsen einer Traube in gleicher Weise, so entsteht die zusammengesetzte Traube oder Rispe (panicula, Fig. 3). Sind die Äste einer Rispe ungleich lang in der Weise, daß alle Blüten annähernd in einer Ebene liegen, so wird der B. Doldentraube (Trugdolde, Afterdolde oder Spirre, anthella) genannt. Sind die Einzelblüten an der Spindel ungestielt, so ist der B. eine Ähre (spica, Fig. 4). Die Ähre der Gräser (s. d.) trägt statt der Einzelblüten kleine ährenartige Teilblütenstände, sogen. Ährchen (Fig. 5), deren Spindel außer mit Blüten auch mit spelzenartigen Hochblättern, Hüll- und Deckspelzen besetzt ist. Das Kätzchen (amentum, Fig. 6 u. 6 a) unterscheidet sich von Traube und Ähre dadurch, daß die Spindel schlaff ist und nach dem Verblühen oder nach der Samenreife mit den Blüten als Ganzes abgeworfen wird. Der Kolben (spadix, Fig. 1) trägt sitzende Blüten in unbestimmter Anzahl an einer fleischig verdickten Hauptachse. Bleibt bei einem racemösen B. die Hauptachse in dem blütentragenden Teile verkürzt, so daß die gestielten Blüten aus einem Punkt zu entspringen scheinen, so wird der B. als Dolde (umbella, Fig. 7) bezeichnet. Wenn statt der Einzelblüten an den Doldenstrahlen kleine, doldenartige Teilblütenstände stehen, so ist der B. eine zusammengesetzte Dolde (Fig. 8). Die Teilblütenstände heißen Döldchen (umbellula). Trägt die verkürzte Hauptachse sitzende oder kurzgestielte Blüten, so entsteht ein Köpfchen (Blütenköpfchen, capitulum, Fig. 9). Bei dem Köpfchen der Kompositen (Blütenkörbchen, calathium s. anthodium, Fig. 10) ist die verkürzte Hauptachse fleischig geschwollen und bildet ein meistens scheibenförmiges oder kreiselförmiges Blütenlager (receptaculum s. clinanthium), das auf der Oberseite dicht mit spiralig geordneten kleinen Blüten bedeckt ist und am Rand ein aus Hochblättern gebildetes Involukrum trägt. Auch bei dem Blütenkuchen (coenanthium) bildet die fleischige Hauptachse ein Rezeptakulum, das entweder, wie bei Dorstenia (Fig. 11), flach ausgebreitet ist oder, wie bei der Feige (Fig. 1214), einen birnenförmigen Körper darstellt, der an der Innenwand seiner urnenförmigen Höhlung zahlreiche kleine Blüten trägt.

[Bd. 3, Sp. 94]



   Unter den cymösen Blütenständen werden diejenigen, die unter der Gipfelblüte des Hauptsprosses jedesmal nur einen einzigen Seitensproß tragen, als Monochasium (Sympodium) bezeichnet. Sind jedesmal zwei Seitenäste vorhanden, so heißt der B. Dichasium (Fig. 15). Weist die Verzweigung am Hauptsproß drei oder mehr Seitenäste auf, so wird der B. als Pleiochasium bezeichnet. Am formenreichsten ist das Monochasium. Ein einfaches Beispiel bietet die Schraubel (bostryx), deren Aufbau in Textfig. 1 u. 2 schematisch dargestellt ist. Die aufeinanderfolgenden blütentragenden Zweiggenerationen, die in der Achsel der Brakteen a', a'' etc. entspringen, liegen alle nach derselben Seite hin. Die Basalteile der aufeinanderfolgenden Sprosse bilden zusammen eine Scheinachse, die sichelförmig gekrümmt und schraubig gedreht ist. Liegen alle Verzweigungen des Blütenstandes in einer Fläche, so wird die Schraubel zur Sichel (drepanium). Bei dem Wickel (cincinnus), dessen schematischen Auf- und Grundriß die Textfig. 3 und 4 geben, fallen die aufeinanderfolgenden Zweiggenerationen, deren Ursprungsstelle durch die Deckblätter a' a'' etc. angedeutet ist, nach entgegengesetzten Seiten. Auch hier wird von den Basalteilen der Sprosse eine Scheinachse gebildet. Im ausgewachsenen Zustande gleicht dadurch in manchen Fällen der Wickel einer Traube mit zweizeilig geordneten Blüten, und die Frage, ob der B. mancher Asperifoliazeen (z. B. Echium, Fig. 16) ein Wickel oder eine einseitswendige Traube sei, ist zweifelhaft. Liegen bei dem Wickel alle Verzweigungen in derselben Ebene, so bezeichnet man sie als Fächel (rhipidium). Ein eigenartiger B. ist das Cyathium der Wolfsmilcharten (Fig. 17), es besteht aus einer kelchartigen Hochblatthülle, innerhalb welcher eine gestielte weibliche und mehrere je aus einem einzigen Staubblatt gebildete männliche Blüten stehen. Das Cyathium, das den Bau einer Einzelblüte nachahmt, wird gewöhnlich als ein Pleiochasium gedeutet, dessen Hauptsproß allein eine weibliche Blüte trägt.
   Nicht selten sind Blütenstände aus ungleichartigen Verzweigungssystemen zusammengesetzt. Die Köpfchen der Kompositen stehen z. B. häufig in Rispen oder Trugdolden, die Rispengräser tragen an den Rispenästen Ährchen. Manche Autoren bezeichnen auch den Zapfen der Abietineen (Fig. 18) als B., indem sie die die Samenanlagen tragende Fruchtschuppe als eine rudimentäre Einzelblüte deuten. Der Zapfen würde dann als racemöser B. der Ähre nahestehen, indes kann man ganz wohl auch den Zapfen als eine Einzelblüte auffassen.
   Die Ausgestaltung der Blütenstände hängt oft mit der gesamten blütenbiologischen Ausrüstung der Pflanzen aufs engste zusammen, indem z. B. durch das Zusammendrängen zahlreicher kleiner Blüten zu Dolden, Köpfchen u. dgl. die Sichtbarkeit des Blütenstandes für die Blumenbesucher erhöht oder indem durch die Stellung der Blütenstiele die einzelne Blüte in eine für den Anflug der Bestäuber bequeme Lage gebracht wird (s. Meyers Blütenbestäubung).
 
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Blütenstaub, s. Meyers Pollen und Meyers Geschlechtsorgane der Pflanzen.
 
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Blütenstecher (Anthonomus Germ.), Gattung aus der Familie der Rüsselkäfer (Curculionidae), bunte, kleinere Käfer mit dünnem, zylindrischem, längsriesigem Rüssel, mit gebrochenen Fühlern, gestreiften Flügeldecken und verhältnismäßig großen Beinen. Der Apfelblütenstecher (Brenner, A. pomorum L., s. Tafel Meyers »Gartenschädlinge II«, Fig. 1) ist 3,5 mm lang, braun, unterseits schwärzlich, auf den Flügeldecken mit grauer Schrägbinde, mit weißem Schildchen und weißer Linie auf dem Halsschild, überwintert hinter Rindenschuppen der Obstbäume, unter Flechten oder in der Erde und legt im April seine Eier einzeln in Apfel- und Birnblütenknospen, die von der in 8 Tagen auskriechenden Larve (Kaiwurm) zerstört werden; die Larve verpuppt sich in den verkümmernden Knospen, und der Käfer benagt vom Juni an junge Blätter. Gegenmittel: Abklopfen der Käfer am frühen Morgen, Anlegen von Wellpappgürteln um den Stamm vor dem Laubfall, hinter denen die Käfer Zuflucht suchen. Der ähnliche Birnknospenstecher (A. piri Schönh.) lebt, wie der vorige, besonders auf Birnbäumen. Der Erdbeerstecher (Himbeerstecher, A. rubi Hbst.) legt seine Eier in angebohrte Blütenknospen, Erd- und Himbeeren, die Knospen fallen im Juni mit der Larve ab.
 
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Blütensträucher, durch zahlreiche und schöne Blüten ausgezeichnete Ziersträucher.
 
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Blütentange (Florideen), s. Meyers Algen, S. 317.
 
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Blutentziehung, die zu Heilzwecken vorgenommene, früher allgemeiner als jetzt angewandte künstliche Verminderung der Blutmenge des Körpers. Die direkte (örtliche) B., ihrem Zweck nach eine Ableitung, wird durch Ansetzen von Blutegeln, durch Schröpfköpfe, durch kleine Einschnitte (Skarifikationen) oder durch kompliziertere Instrumente (künstliche Blutsauger) vorgenommen. Bei den künstlichen Blutegeln von Heurteloup wird mittels eines Locheisens eine wenig schmerzhafte, stark blutende, ringförmige Wunde erzeugt, aus der man mittels eines Glaszylinders und eines in diesem auf und ab beweglichen Stempels leicht und schnell eine große, genau zu bemessende Blutmenge heraussaugen kann. Die allgemeine Blutentleerung wird durch Aderlaß vollzogen. B. wirkt zweifellos erleichternd und schmerzstillend, oft auch auf tiefer gelegenen Organen, ohne daß die Wissenschaft hierfür stets eine Erklärung geben könnte. Vgl. Schubert, Die Blutentziehungskuren. Geschichte, Theorie, Technik etc. (Stuttg. 1896).
 
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Blütenwickler, s. Meyers Spanner.
 
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Bluterguß, s. Meyers Blutung.
 
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Bluterkrankheit (Blutsucht, Hämophilie), Krankheitsanlage, bei der auf die geringste Veranlassung Blutungen eintreten, die bis zur Lebensgefahr

[Bd. 3, Sp. 95]


andauern und fast allen Mitteln trotzen. Verletzungen am Kopf, an den Lippen und Fingerspitzen scheinen besonders gefährlich zu sein. Oft entstehen spontan Blutungen (Nasenbluten), und auch die Menstruation gibt zu heftigen Blutverlusten Veranlassung. Das Blut kann auch im Innern der Gewebe austreten, so daß durch alle Organe des Körpers zerstreute Blutflecke erscheinen. In der Regel sind solche Blutaustretungen Folge leichter äußerer Einwirkungen, ein längerer Druck eines Teiles, z. B. des Gefäßes beim Sitzen, kann blaue Flecke hinterlassen. Die Ursache dieser großen Neigung zur Zerreißung der Gefäße und der stets zugleich vorhandenen geringen Gerinnbarkeit des Blutes ist noch nicht aufgeklärt; zuweilen liegt mangelhafte Bildung des Gefäßapparats, zuweilen Klappenfehler des Herzens zu Grunde. In der Regel ist die B. angeboren und vererbt sich von Geschlecht zu Geschlecht, jedoch vorzugsweise auf die männlichen Personen. In der Entwickelungsperiode soll die Neigung zur B. sich steigern, im höhern Lebensalter sich allmählich verlieren, doch hat man Greise von 70 Jahren an B. sterben sehen. Die meisten Bluter sterben schon als Kinder an Verblutung. Am gefährlichsten sind immer die Blutungen bei Neugebornen aus den Nabelgefäßen und später aus der Nase. Die Behandlung eingetretener Blutungen besteht in sorgfältiger Stillung, neuerdings sind Gelatineeinspritzungen empfohlen worden. Selbstverständlich müssen bei der B. alle Blutentziehungen und auch kleinere Operationen womöglich vermieden werden. Blutern sollte das Heiraten verboten werden. Vgl. Grandidier, Die Hämophilie oder B. (2. Aufl., Leipz. 1877); Koch, Die B. (Stuttg. 1889).
 
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Blütezeit, die Zeit, in der die einzelnen Pflanzenarten ihre Blüten zeigen, fällt in der Regel mit bestimmten Monaten zusammen. Nur wenige ausdauernde Pflanzen treiben zu jeder Jahreszeit, sobald nur die Temperatur günstig ist, selbst im Winter, ihre Blüten hervor, wie das Maßliebchen (Bellis perennis). Bei vielen einjährigen Gewächsen tritt je nach der frühern oder spätern Aussaat die B. früh oder spät ein; so finden wir von manchen einjährigen Unkräutern während der ganzen wärmern Jahreszeit blühende Exemplare. Am strengsten ist die B. bei den ausdauernden Pflanzen an bestimmte Monate gebunden, und man unterscheidet hier Frühjahrs-, Sommer- und Herbstblumen. Vorläufige Blüten erscheinen wie die vieler Kätzchenbäume vor Entfaltung des Laubes; die Herbstzeitlose (Colchicum autumnale) blüht im Herbst, ihre junge Frucht erscheint zugleich mit den Blättern erst im folgenden Frühling. Obstbäume, Roßkastanie u. a. blühen im Herbst zum zweitenmal, wenn die für das nächstfolgende Frühjahr bestimmten Blütenknospen, die im Herbst schon vorhanden sind, infolge ungewöhnlich hoher Temperatur zum Austreiben veranlaßt werden. Stellt man die Pflanzen nach den Monaten, in denen sie zu blühen beginnen, zusammen, so erhält man einen Blütenkalender. Indes tritt die B. in warmen Jahren zeitiger ein als in kalten und verhält sich auch in verschiedenen Gegenden je nach deren klimatischen Verhältnissen ungleich. Ebenso hat die Erhebung über dem Meeresspiegel aus gleichem Grund Einfluß. Häufig ist ein Unterschied von 12 Wochen zwischen nicht fernen Gegenden, die mäßigen Unterschied in der Höhe über dem Meeresspiegel zeigen, zu bemerken. Viel größere Differenzen bestehen zwischen den Ebenen und den Alpenhöhen. Vgl. Phänologie.

 

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