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Blüte bis Blütenfarben (Bd. 3, Sp. 86 bis 92)
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Artikelverweis Blüte (hierzu Tafel Meyers »Blütenformen I und II«), ein Sproß oder Sproßabschnitt bei den Samenpflanzen, der Geschlechtsorgane trägt und die geschlechtliche Fortpflanzung vermittelt. Die einfachste B. besitzen die Gymnospermen, sie besteht aus einem Sproßabschnitt mit meist schuppenförmigen Blättern, die weibliche (Samenanlagen) oder männliche Geschlechtsorgane (Pollensäcke) tragen, die B. ist also hier eingeschlechtig, weiblich oder männlich. Im einfachsten Fall enthält die weibliche B. wie bei der Eibe (Tafel II, Fig. 3 u. 4) nur eine einzige Samenanlage. Bei den Angiospermen sind häufig beiderlei Geschlechtsorgane in einer B. vereinigt (Zwitterblüten). Gewöhnlich stehen dann an der Achse dreierlei seitliche Organe, Blütenhüllblätter, Staubblätter und Fruchtblätter oder Karpelle, die in Kreisen oder spiraligen Gruppen um den Gipfel der Blütenachse angeordnet sind. Die Gesamtheit der Blütenhüllblätter heißt Blütenhülle (perianthium), die Gesamtheit der Staubblätter heißt Andrözeum, die Gesamtheit der Fruchtblätter heißt Gynäzeum. Der Teil der Blütenachse, der die Organe der B. trägt, ist gewöhnlich stark verkürzt, so daß die Organkreise an ihrem Gipfel dicht gedrängt stehen, wobei stets die Blütenhülle die äußern Kreise bildet, während das Gynäzeum die Mitte der Anordnung einnimmt. Die Blütenhülle trägt keine Geschlechtsorgane, sie dient als Schutzorgan für die innern Blütenteile und ist in vielen Fällen indirekt an dem Zustandekommen der Befruchtung beteiligt, indem sie die für die Übertragung des Blütenstaubes nötigen Insekten anlockt und dieselben zu Bewegungen und Körperstellungen nötigt, durch welche die Blütenbestäubung (s. d.) gesichert wird. Häufig sind alle Blätter der Blütenhülle von gleichartiger Beschaffenheit (Tafel I, Fig. 6), man bezeichnet dieselbe dann als Blütenhülle oder Perigon (perianthium). Oft aber ist sie aus zwei verschiedenen Blattkreisen zusammengesetzt, die als Kelch (calyx) und Krone (corolla) unterschieden werden. Die Kelchblätter (sepala) sind gewöhnlich laubblattartig derb und grün gefärbt, sie bilden den äußern Kreis, die den innern Kreis bildenden Kronblätter (petala) sind

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meist von zarterer Beschaffenheit, weiß oder farbig, sehr selten grün. Bisweilen steht unter dem Kelch ein zweiter Kreis kelch- oder auch blumenblattähnlicher Blättchen, der Außen- oder Hüllkelch (epicalyx). Die das Andrözeum bildenden Staubblätter tragen auf einem meist stabförmigen untern Teil, dem Filament, eine kolbenförmige Anthere, in der die Pollensäcke eingeschlossen sind. Sie bilden also den männlichen Teil der B. Das Gynäzeum, der weibliche Teil der B., besteht aus Fruchtblättern (carpellum, carpidium), die unter sich oder jedes für sich zu kapselförmigen Gehäusen, den Fruchtknoten, verwachsen sind, in denen die Samenanlagen eingeschlossen sind.
   Die Zahlen und Stellungsverhältnisse der B. sind außerordentlich wechselnd, aber oft für ganze Pflanzengruppen konstant, so daß sie zur Erkennung der Verwandtschaftsverhältnisse benutzt werden können. Um diese Verhältnisse graphisch darzustellen, bedient man sich der Blütenformeln, in denen die Organkreise durch Buchstaben, die Zahlen ihrer Glieder durch Ziffern ausgedrückt werden. Perigon = P, Kelch = K, Krone = C, Andrözeum = A, Gynäzeum = G. Die Blütenformel P3+3A3+3G3 bezeichnet also eine B., die wie die Tulpe oder Lilie aus 6 auf zwei Kreise verteilten Perigonblättern, ebenso 6 Staubblättern in zwei Kreisen und einem aus drei Fruchtblättern zusammengesetzten Gynäzeum besteht. Die gegenseitige Stellung der Glieder in den Organkreisen zeigt übersichtlich ein schematischer Blütenquerschnitt, das Blütendiagramm, in dem die einzelnen Organe durch einfache, ihrem Querschnitt ähnliche Zeichen vertreten sind.
   Die nebenstehende Fig. 1 zeigt das Diagramm einer B., die in ihrem Aufbau der oben gegebenen Blütenformel entspricht, während Fig. 2 das Diagramm einer B. mit fünfzähligen Organkreisen wiedergibt, deren Formeln K5C5A5+5G5 lauten würde. Die Diagramme lassen erkennen, daß die Organe der einzelnen Kreise in gleichen Abständen um die Achse verteilt sind, und daß die Glieder der aufeinanderfolgenden Kreise miteinander abwechseln (alternieren). Stehen die Glieder zweier aufeinanderfolgender Organkreise voreinander auf demselben Radius, so bezeichnet man sie als superponiert. Sind die Glieder aller Kreise, wie in den vorstehenden Diagrammen, in Quirlen angeordnet, so bezeichnet man die B. als zyklisch. Hemizyklisch oder azyklisch heißt dagegen die B., wenn in einzelnen oder in allen Organkreisen die Glieder in spiraliger Anordnung stehen. Stehen alle Blütenteile rings um die Blütenachse in gleichmäßiger Verteilung, so daß die B. durch jeden beliebigen Radialschnitt in zwei spiegelbildlichgleiche Hälften zerteilt wird, so bezeichnet man die B. als radiär oder akstinomorph. Häufig wird aber dadurch, daß die Blütenteile ungleich angeordnet sind, oder daß einzelne Kreise durch Unterdrückung einzelner Glieder unvollständig werden, oder daß die einzelnen Glieder des gleichen Kreises verschiedene Ausbildung erfahren, die B. unregelmäßig oder zygomorph. Man bezeichnet sie als dorsiventral, wenn sie sich durch eine einzige Ebene in zwei symmetrische Hälften teilen läßt, als unsymmetrisch, wenn eine symmetrische Teilung überhaupt nicht möglich ist.
   In ganz besonderer Weise ist auch die Plastik der Blütenteile an dem Zustandekommen der Blütenformen beteiligt. Ist die Blütenachse an der Spitze kegelförmig, wie in Fig. 3 der Tafel I, so daß die innersten Blütenteile, das Gynäzeum, am höchsten stehen, so heißt die B. hypogyn, das Gynäzeum ist oberständig. Bei der perigynen B. (Tafel I, Fig. 4) bildet die Blütenachse an der Spitze eine schüssel- oder urnenförmige Vertiefung, in deren Grunde das Gynäzeum steht, während die äußern Organkreise auf den Rand emporgerückt sind. Das Gynäceum ist mittelständig. Bei der epigynen B. ist das Gynäzeum unterständig (Tafel I, Fig. 5), d. h. es ist in die Blütenachse unter die übrigen Blütenteile hinab versenkt und mit derselben zu einer knotigen Anschwellung verwachsen. Nicht selten zeigen sich in der B. Auswüchse der Achse, die entweder zwischen den Organen der B. höckerartig vorragende Nektarien bilden oder ein ringsherum greifendes Polster (Diskus) darstellen. Die Blätter der Krone stehen entweder frei nebeneinander (choripetale B.), oder sie sind zu trichterförmigen, glockenförmigen, stieltellerförmigen, radförmigen, röhrenförmigen Gebilden miteinander vereinigt (Tafel I, Fig. 712 [sympetale B.]). Sind dabei die einzelnen Kronblätter von ungleicher Gestalt und Größe, so entstehen dorsiventrale Formen, wie die Lippenblüten (Tafel I, Fig. 13, 14 u. 17). Auch bei Perigonblüten und choripetalen Blüten treten dorsiventrale Formen durch ungleichmäßige Gestaltung der einzelnen Blütenhüllblätter häufiger auf. Ein Beispiel bieten die gespornten Blüten der Orchideen (Tafel II, Fig. 5) und die Schmetterlingsblüte der Papilionazeen (Tafel I, Fig. 15 u. 16). Bei der B. von Scirpus (Tafel II, Fig. 1) u. a. wird die Blütenhülle durch einen aus Borsten gebildeten Federkelch vertreten; bei den meisten Grasblüten ist sie auf zwei unscheinbare Schüppchen (Tafel II, Fig. 2) reduziert; der Esche (Tafel I, Fig. 1) fehlt sie ganz. Die Staubblätter des Andrözeums stehen meistens frei nebeneinander, seltener sind sie zu einer Säule (Tafel II, Fig. 13) oder zu mehreren Bündeln miteinander verwachsen. Durch Verwachsung der Staubblätter mit dem Gynäzeum wird in der B. der Orchideen und bei Aristolochia (Tafel II, Fig. 7 u. 8) eine Befruchtungssäule (gynostemium) gebildet. Durch Unterdrückung einiger Staubblattanlagen geht die Zahl der Staubblätter in manchen Blüten bis auf ein einziges zurück (Tafel I, Fig. 2), oder das Andrözeum verschwindet ganz, so daß eine eingeschlechtige, rein weibliche B. entsteht (Tafel I, Fig. 19). In diesem Falle müssen selbstverständlich neben den weiblichen Blüten auch noch Zwitterblüten vorkommen oder doch männliche Blüten, die durch Unterdrückung des Gynäzeums aus den erstern hervorgegangen sind (Tafel I, Fig. 18). Die Zahl der Fruchtblätter, die das Gynäzeum der B. zusammensetzen, schwankt in weiten Grenzen. Sind mehrere Fruchtblätter vorhanden, so kann entweder jedes derselben für sich einen Fruchtknoten bilden (apokarpes Gynäzeum, Tafel II, Fig. 1012), oder alle Fruchtblätter verwachsen zu einem einzigen Fruchtknoten (synkarpes Gynäzeum, Tafel II, Fig. 1417). Der aus mehreren Fruchtblättern gebildete Fruchtknoten ist einfächerig, wenn die Fruchtblätter nur mit

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den Rändern verwachsen, so daß nur ein einziger Hohlraum entsteht (Tafel II, Fig. 16), mehrfächerig, wenn der Hohlraum durch Scheidewände in einzelne Abteilungen zertrennt ist. Der Fruchtknoten ist mit einer Narbe verbunden, die zum Auffangen der die Befruchtung vermittelnden Pollenkörner bestimmt ist. Die Narbe sitzt entweder dem Fruchtknoten direkt auf (Tafel II, Fig. 11), oder sie ist durch einen Griffel über denselben emporgehoben (Tafel II, Fig. 9). Bei synkarpen Fruchtknoten sind häufig nach der Zahl der verwachsenen Fruchtknoten mehrere narbentragende Griffel vorhanden (Tafel II, Fig. 14 u. 17) oder doch mehrere Narbenlappen an einem gemeinsamen Griffel (Tafel II, Fig. 1). Die Gestaltung der Narbe kann verschieden sein. Der Fruchtknoten der Gräser trägt zwei federförmige Narben (Tafel II, Fig. 2), bei der Schwertlilie (Tafel II, Fig. 6) sind die Narbenlappen des Griffes blumenblattartig ausgebildet. Über die biologische Deutung des Gestaltenreichtums der Blüten s. Meyers Blütenbestäubung.
   Viele Pflanzen, krautige wie Gehölze, werden ihrer schönen Blüten halber kultiviert, viele Blüten finden technische Verwendung (Saflor, Safran, Malven etc.), aus andern werden ätherische Öle gewonnen (Rosen, Gewürznelken, Orangen, Lavendel etc.), und wieder andre werden arzneilich benutzt (Arnika, Kamillen, Wurmsamen, Koso, Holunder etc.). Gegessen werden Blumenkohl, die Blüten von Robinie, Holunder, Veilchen, Orangen, Rosen, namentlich aber in Indien die Blüten des Mahwabaumes und einer Knöterichart (Calligonum), als Gewürze benutzt man Kapern, Gewürznelken, Zimtblüten, Safran, Kapuzinerkresse, auch wird der Tee mit verschiedenen Blüten (Jasmin, Olea fragans, Gardenia etc.) parfümiert. Lebende Blüten können mit wasserlöslichen Farbstoffen, besonders mit Teerfarben, gefärbt werden, wenn man die abgeschnittenen Stengel in die Lösung stellt. Die Färbung zeigt oft sehr zierliche Aderung.
   Gefüllte Blüten stellen eine Abweichung von der normalen Bildung dar, eine Ausartung, die sich z. T. geschlechtlich fortpflanzt, meist aber nur durch ungeschlechtliche Vermehrung erhalten werden kann. In der Regel entstehen gefüllte Blüten durch Versetzen der Pflanzen in ungewöhnliche, bessere Verhältnisse, bisweilen auch, wenn die Pflanze aus bessern Wachstumsbedingungen in schlechtere übergeht. Als Seltenheit findet man gefüllte Blüten bei wild wachsenden Pflanzen, z. B. bei Cardamine pratensis, Saxifraga granulata, Chelidonium majus, Caltha palustris, Ranunculus etc. Gefüllte Blüten spielen in der Gärtnerei eine große Rolle, und Rosen, Nelken, Levkojen, Gänseblümchen etc. haben erst den jetzigen gärtnerischen Wert erhalten, seitdem man gefüllte Varietäten von ihnen züchtet; andre, wie Datura, Ipomoea, sind durch die Füllung häßlich geworden. Manche Blüten büßen bei der Füllung an Geruch ein (Veilchen), während andre stärker, anhaltender, sogar anders riechen als die nicht gefüllten. Gefüllte Blüten entstehen durch Vermehrung der einzelnen Teile der B., ohne die Befruchtungsorgane zu benachteiligen; in andern Fällen verwandeln sich die Staubgefäße und selbst der Griffel in Blumenblätter, auch wird bisweilen der Kelch blumenkronenartig, wie bei derhalbgefüllten Campanula Medium. Bei Kompositen verwandeln sich die kurzen Scheibenblumen in verlängerte Röhrenblüten oder in blatt- oder zungenförmige Strahlenblüten (Astern, Georginen, Zinnien, Tagetes). Bei Centaurea und Gaillardia mit kleinen, trichterförmigen Randblüten bilden sich auch in der Mitte ähnliche Blüten mit geteilter Korolle. Bleibt wenigstens ein Teil der Befruchtungsorgane erhalten, so können die gefüllten Blüten Samen tragen, wenn auch weniger reichlich als die einfachen Blüten. Blieb das Pistill unverwandelt, während die Staubfäden zur Befruchtung unfähig wurden, so kann man Samen durch künstliche Befruchtung mit fremden Pollen erzielen. Bei gefüllten Petunien befruchtet man die Narben mit dem Pollen andrer halbgefüllter Sorten. Es ist bisher, außer bei Levkojen und dem nahe verwandten Goldlack, noch nicht gelungen, durch besondere Kultur einen Samen zu erziehen, aus dem gefüllte Pflanzen erwachsen; vielmehr erzielt man gefüllte Blüten immer nur durch sorgfältige Auswahl und Absonderung der geeigneten Sämlinge. Die Erlangung gefüllter Blüten ist zunächst Sache des Zufalls. Ist aber einmal ein Ansatz dazu aufgefunden, dann schreitet der Gärtner ein und bringt es in der Regel bald zu dem gewünschten Erfolg.
 
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Blüte, in der Medizin soviel wie Ausschlag (s. d.).
 
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Blutegel (Discophori, Hirudinei), Gruppe der Ringelwürmer, langgestreckte, nicht selten abgeflachte Würmer mit großer Hastscheibe hinten und meist kleinem Saugnapf vorn, ohne Borsten und Fußstummel. Die schmalen, äußerlich sichtbaren Ringel der Haut sind nicht die eigentlichen Segmente, vielmehr bilden erst mehrere Ringel ein Segment, von denen es etwa 30 gibt. Der Mund liegt fast ganz vorn auf der Bauchseite (Fig. 1 M) und leitet in einen muskulösen Schlund (S), der entweder mit drei bezahnten Kieferplatten (Fig. 2 K) bewaffnet ist (Gnathobdellidae) oder einen vorstreckbaren Rüssel hat (Rhynchobdellidae). Auf den Schlund folgt der Magendarm (D), dieser führt in einen kurzen Enddarm (E), der oberhalb der hintern Sanggrube (Sa) durch den After (A) ausmündet. Vorn auf dem Rücken stehen in einer Bogenlinie paarweise hintereinander die Augen; auch Tastwerkzeuge (Tastkegel) sind vorhanden. Über Gehirn (Fig. 1 G), Bauchstrang (B), Blutgefäße und Nieren (N) s. Meyers Art. »Ringelwürmer«.
   Alle B. sind Zwitter und begatten sich, wie es scheint, zum Teil wechselseitig. Zur Ablage der Eier, die im Innern des Körpers befruchtet worden sind, suchen die Tiere geeignete Stellen an Steinen und Pflanzen auf oder wühlen sich in feuchte Erde ein, heften sich dann mit der Bauchscheibe fest und umhüllen den Vorderleib mit dem allmählich erstarrenden Sekret der Hautdrüsen. Dann läßt der B. eine Anzahl Eier nebst vielem Eiweiß aus der weiblichen Öffnung austreten und zieht sich selbst aus der Hülle zurück, die sich schließt und als Kokon die Eier in sich birgt. Wenn die jungen B. diese verlassen, haben sie bereits eine ziemliche Länge (beim medizinischen B. von ungefähr 2 cm) erreicht und sehen den erwachsenen ähnlich. Die B. leben großenteils im Wasser, bewegen sich kriechend mit Hilfe der Haftscheiben und schwimmend. Viele leben parasitisch an Fischen; die Kieferegel aber suchen nur vorübergehend die äußere oder innere Haut von Warmblütern auf, heften sich auf

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ihr an, durchsägen sie mit ihren Kiefern, die wie eine Kreissäge wirken (Fig. 3), und saugen sich voll Blut, das meist für lange Zeit ausreicht. Einige Arten leben von Schnecken und Regenwürmern. Rüsselegel sind die Fischegel, ferner die Haementaria Ghilianii (Riesenblutegel vom Amazonenstrom) und die H. officinalis, die in Mexiko dieselbe Verwendung finden soll wie bei uns der medizinische B. Letzterer hingegen ist ein Kieferegel und gehört zur Gattung Hirudo. Diese greifen den Menschen an und bilden zum Teil, besonders in tropischen Gegenden, eine förmliche Landplage. Der medizinische oder offizinelle B. (H. medicinalis) wird spannenlang; man unterscheidet über 60 Varietäten, von denen die häufigsten der deutsche B., mit sechs rostroten Längsbinden auf dem Rücken, und der ungarische B., mit vier roten oder braunen Längsbinden, sind. Er war früher in ganz Europa, dem südwestlichen Asien und Nordafrika heimisch, ist aber jetzt in vielen Gegenden, besonders Deutschlands, vollständig ausgerottet. Der kleine Dragoneregel (H. interrupta), mit sechs Reihen gelber, schwarz getüpfelter Flecke auf dem Rücken, besonders in Algerien, Italien u. Spanien, wird in großer Zahl nach Frankreich, England und Südamerika ausgeführt. Der senegalische Egel (H. mesomelas) wird aus Senegambien nach Frankreich gebracht. Der Pferdeegel (Haemopis vorax), mit mehr zylindrischem Körper, bewohnt Gräben und Teiche in Mittel- und Südeuropa, besonders auch in Nordafrika, und wird an manchen Orten für Menschen und Vieh gefährlich, indem die jungen Tiere beim Trinken verschluckt werden und sich dann für längere Zeit im Rachen, am Kehldeckel und in der Luftröhre festsetzen. Hirudo ceylonica, ein bis 20 mm langer Landblutegel, lebt auf Ceylon, mitunter in ungeheuern Schwärmen, auf der Erde, im Gebüsch und auf Bäumen. Er wirft sich aus dem Gras auf sein Opfer oder läßt sich von den Bäumen herabfallen. Der Biß wird gefährlich bei großer Zahl und schlechter Behandlung durch die lang dauernde Eiterung. Ähnliche Landblutegel finden sich auf den Sundainseln, den Philippinen, in den Nilgiri, im Himalaja, in Südaustralien und Chile.
   Die medizinischen B. leben in ruhigen Teichen und Sümpfen mit Lehm-, Moor- oder Tonboden und Pflanzenwuchs, schwimmen am Tag, namentlich bei warmem Wetter, lebhaft umher und vergraben sich im Herbst tief im Schlamm. Die Fortpflanzung geschieht vom Mai bis Juli. Nach der Begattung bohren sie Gänge in die feuchte Ufererde über dem Wasserspiegel und formen ihre Kokons (s. oben) von Größe und Gestalt einer Eichel. Jeder enthält 616 Eier von 0,15 mm Durchmesser. Nach 6 Wochen kriechen die Jungen aus, aber erst nach 3 Jahren sind sie zu medizinischen Zwecken tauglich; sie erreichen im 5. Jahr ihre volle Größe und können 20 Jahre alt werden. Man züchtet sie in Blutegelleichen, in denen sie mit kleinen Fischen oder Fröschen gefüttert werden. Früher lieferte Deutschland sehr viele B. für den Markt. dann auch Südrußland, Ungarn, Polen. Gegenwärtig ist man meist auf künstliche Zucht angewiesen. Die Stöltersche Anstalt bei Hildesheim vertreibt jährlich fast 3,5 Mill. B. und versendet sie in mit Moorerde gefüllten Kisten. Das südliche Europa, besonders die Gegend an den Donaumündungen, ist reich an Blutegeln, die nach allen Ländern der Erde versendet werden. Große Egel saugen nicht selten gegen eine Stunde und nehmen bis 10 g Blut auf, kleine saugen eine Quantität Blut, die 41/2mal soviel wie ihr Körper wiegt. Die Verdauung währt bei jungen Blutegeln immerhin 35 Monate, bei alten wohl über 11/2 Jahr. Nach 24 Monaten beißen sie wieder an, aber ihre volle Saugkraft erreichen sie erst viel später. Ein völlig leerer B. kann über zwei Jahre fasten.
   Der medizinische Gebrauch der B. ist nicht sehr alt. In den Pariser Hospitälern sollen von 18291836 jährlich 56 Mill. B. verbraucht worden sein, gegenwärtig werden sie nur noch gelegentlich als Ableitung benutzt. Erwachsenen setzt man 430 Stück auf einmal an, Kindern selten über 6. Die Hautstelle wird von Haaren und anhaftenden Unreinigkeiten sorgfältig befreit, mit kühlem Wasser abgewaschen, mitunter mit Milch, Zuckerwasser oder Blut benetzt, um die Tiere anzulocken. Die Tiere werden früher oder später durch Bestreuen mit Salz, Asche, Tabak von der Haut entfernt, wenn sie nicht von selbst abfallen; man schließt später die kleinen Wunden durch Druck oder Schwamm, Scharpie oder kaltes Wasser, Alaunlösung, Höllenstein etc. Vgl. Moquin-Tandon, Monographie des hirudinées (neue Ausg., Montpellier 1846); Ebrard, Nouvelle monographie des sangsues (Par. 1857); Leuckart, Parasiten des Menschen, Bd. 2 (2. Aufl., Leipz. 1901); Blanchard, Revision d'Hirudinées du musée de Dresde (Berl. 1894); Hesse, Sehorgane der Hirudineen (Leipz. 1897); Stölter, Praktische Resultate der Blutegelzucht (Hildesheim 1860); Landois, Eine westfälische Blutegelzucht (im »Zoologischen Garten«, Frankf. 1877).
 
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Blutegel, künstlicher, s. Meyers Blutentziehung.
 
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Bluten (Tränen) der Pflanzen, das Hervortreten von Saft aus Wundstellen, kommt dadurch zu stande, daß aus lebenden Zellen durch innere Kräfte Wasser in die angrenzenden Leitungsbahnen hineingepreßt wird und aus diesen an der Wundfläche zum Vorschein kommt. In seinem ursächlichen Zusammenhang schließt sich das B. an die Tropfenausscheidung aus unverletzten Blättern (s. Meyers Absonderung 3) und an die Absonderung einer verdauenden Flüssigkeit aus den Drüsen der »insektenfressenden« Pflanzen (s. d.) nahe an, während die Saftabsonderung der typischen Nektarien in den Blüten und außerhalb derselben, bei der die osmotische Energie gewisser außerhalb der Zellen befindlicher Stoffe eine Rolle spielt, einen wesentlich andern Vorgang repräsentiert. Die Fähigkeit des Blutens findet sich fast ganz allgemein bei Holzpflanzen, auch bei vielen krautartigen Gewächsen. Bei der Rebe und Birke wird so reichlich Saft hervorgepreßt, daß sein Volumen und der dabei wirksame Blutungsdruck durch ein an die Wundstelle angeschlossenes Manometer gemessen werden kann. Der Blutungsdruck (bei einer Birke bis 1038 mm) zeigt bei der einzelnen Pflanze regelmäßige tägliche und jährliche Schwankungen, so daß man von einer jährlichen und täglichen Blutungsperiode sprechen kann. Die Menge des ausgeschiedenen Saftes ist bei den einzelnen Pflanzenarten und -Individuen

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sehr verschieden: eine Birke lieferte vom 21.28. März 36 Lit., ein Weinstock 10950 ccm am Tage, aus dem entgipfelten Blütenschaft einer Agave flossen täglich bis 7,5 L. Saft, und während der 45 Monate anhaltenden Blutung wurden 995 L. Saft ausgeschieden. Vgl. Wieler, Das B. (in Cohns »Beiträgen zur Biologie der Pflanzen«, Bd. 6, Bresl. 1892); Pfeffer, Pflanzenphysiologie, Bd. 1 (2. Aufl., Leipz. 1897).
 
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Blütenanschluß, die Stellung der Blütenorgane in Beziehung zu den am Blütenstiel stehenden Hochblättern.
 
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Blütenbestäubung (hierzu Tafel Meyers »Blütenbestäubung«), die Übertragung des Blütenstaubes (Pollen) auf die empfängnisfähige Narbe, führt bei vielen Pflanzen nur dann Befruchtung und Bildung keimfähiger Samen herbei, wenn der Blütenstaub einer Blüte auf die Narbe einer zweiten Blüte derselben Pflanzenart gelangt; mit dem Pollen der eignen Blüte bestäubte Pistille liefern vielfach entweder taube, keimungsunfähige Samen oder doch eine geschwächte Nachkommenschaft. Dies Gesetz der vermiedenen Selbstbestäubung (Autogamie) liefert den Schlüssel zum Verständnis der außerordentlich mannigfaltigen Blütenbestäubungs-Einrichtungen, die auf Fremdbestäubung (Allogamie) abzielen. Unter diesen Einrichtungen steht das ungleichzeitige Reifwerden von Staubgefäßen und Narbe in Zwitterblüten (Tafel, Fig. 1, 2 u. 3) oder die Dichogamie obenan. Entweder lassen nämlich die Staubblauer den Blütenstaub eher, und zwar oft um mehrere Tage früher hervortreten, als die Narben zum Festhalten desselben bereit sind (protandrische Blüten, Proterandrie), wie bei Saxifraga (Fig. 2 A u. B), dem Wiesenstorchschnabel, bei vielen Korbblütlern, Glockenblumen, Doldenblütlern u. a., oder es blühen die Narben bei noch geschlossenen Staubbeuteln auf (protogynische Blüten, Protogynie), wie bei Parietaria (Fig. 3 A u. B), den Wolfsmilcharten, einigen Gräsern, Junkazeen u. a. Eine zweite wichtige Einrichtung zur Verhinderung der Selbstbestäubung bildet die Heterostylie oder die ungleiche gegenseitige Stellung von Staubgefäßen und Narbe in den Blüten verschiedener Exemplare derselben Art. Bei Primula officinalis z. B. haben die Blüten einiger Exemplare (Fig. 4 B) kurze Griffel (bei g) und hoch am Eingang der Blumenröhre eingefügte Staubgefäße st (kurzgriffelige Form), während andre Exemplare (Fig. 4 A) doppelt so lange Griffel (g) und tief in der Röhre angeheftete Staubgefäße (st) (langgriffelige Form) besitzen; die Narbe (n) steht im ersten Falle unterhalb der Staubbeutel, im zweiten weit oberhalb derselben. Ähnliche zweigestaltige oder dimorphe Blüten kommen bei Pulmonaria, Hottonia, Linum-Arten und vielen andern Pflanzen vor. Der Blütenstaub der einen Form erweist sich jedesmal nur auf der Narbe der andern Form fruchtbar, oder die Bestäubung der Narbe durch den Pollen der gleichen Form liefert wenigstens nur eine geringe Zahl von schwächlichen Samen. Sogar dreigestaltige oder trimorphe Blüten kommen z. B. bei dem Weiderich (Lythrum Salicaria) und vielen Arten von Oxalis vor, nämlich lang-, mittel- und kurzgriffelige Blüten. Auch die Heterodynamie oder Scheinzwitterigkeit gehört zu den Einrichtungen zur Verhinderung der Selbstbestäubung; sie besteht darin, daß in Zwitterblüten die Staubbeutel oder die Narben ihre gewöhnliche Funktion einstellen, wie z. B. bei Acer platanoides, dessen zweigeschlechtige Blüten geschlossene Antheren haben und daher als weiblich funktionieren, sobald sie mit Blütenstaub der außerdem vorhandenen männlichen Blüten belegt werden. Ähnlich verhält sich auch die Weinrebe, von der manche Sorten, wie Damaszener, Malvasier, Muskateller, weißer Terlaner, durch mangelhaften Fruchtansatz gekennzeichnet sind, weil ihre Blüten ebenfalls funktionslos gewordene Antheren enhalten. Kultiviert man derartige weibliche Reben in gemischtem Satz mit zwitterigen Sorten von gleicher Blutezeit, so wird dadurch reichlichere Bestäubung und besserer Fruchtansatz erzielt.
   Die Übertragung des Blütenstaubes von einer Blüte auf eine zweite, mehr oder weniger entfernte, wird auf mehrfache Weise bewirkt. Auf die Verbreitung des Pollens durch Luftströmungen sind alle Windblütler (Anemophilen) angewiesen. Dieselben besitzen unscheinbare, winzige, meist blumenblattlose Blütenhüllen (Fig. 5 C) und massenhaften Pollen mit trocknen, leicht stäubenden Körnern, wie vor allen die Kätzchenbäume. Um vom Winde leicht bewegt zu werden, sind die Achsen der männlichen Blütenstände schlaff und dünn, wie bei den Pappeln, der Haselnuß (Fig. 5 A), der Birke u. a., oder die einzelnen Blüten hängen an dünnen Stielen, wie bei den Rumex-Arten, oder wenn die Blüten schwerer beweglich sind, sitzen die Staubbeutel an langen, dünnen Fäden, wie bei den Thalictrum-Arten und manchen Gräsern. Seltener wird der Blütenstaub durch besondere Vorrichtungen plötzlich hervorgeschleudert (Parietaria, Fig. 3, Urtica). Um den in der Luft zerstreuten Pollen leichter aufzufangen, sind die Narben bei vielen Windblütlern mit langen Fanghaaren (Fig. 5 B, weibliche Blüte) und Papillen in Form von Federn, z. B. bei vielen Gräsern, besetzt; nur wenn die Blüten zu dichten Ähren, Köpfchen u. dgl. angehäuft sind, bleiben die Narben klein. Sehr viel seltener als durch den Wind wird die B. durch das Wasser vermittelt, und zwar geschieht sie unter Wasser (Zostera) oder an seiner Oberfläche, z. B. bei Vallisneria, deren weibliche Blüten auf langen Stielen sich an die Wasseroberfläche erheben, während die antherentragenden Kelche der männlichen Blüten sich losreißen und nach ihrer Öffnung vom Winde zu den weiblichen Blüten hingetrieben werden, an deren etwas vorragenden Narben sie Blütenstaub absetzen.
   Von Tieren treten in ganz überraschender Wirksamkeit Insekten, in sehr untergeordneter Weise bei einigen aasduftenden Arazeen auch Schnecken und in den Tropen honigsaugende Vögel als Vermittler der B. auf. Die insektenblütigen Pflanzen (Entomophilae) besitzen größere, mehr oder weniger lebhaft gefärbte Blüten, d. h. Blumen; sind die einzelnen Blüten klein, so drängen sie sich zu großen, weithin sichtbaren Köpfchen, Dolden, Rispen u. dgl. zusammen. Bei fehlender Blumenkrone fallen die Blüten auf durch lebhafte Färbung der Staubfäden, wie bei manchen australischen Myrtazeen, oder durch auffallende Bildung und Färbung der Hochblätter; vielfach dient dazu auch die Vergrößerung der Blumenblätter am Rand eines Blütenstandes; man faßt derartige Einrichtungen als den Schauapparat der Blumen zusammen. Als vorzüglichstes Mittel zur Anlockung von Gästen dienen den Blumen Geruch, Nektarabsonderung und Darreichung von Blütenstaub. Zur Dämmerungszeit Wohlgeruch ausströmende Blumen werden ausschließlich von Sphingiden und Noktuen, nach Aas riechende Blüten von Fleisch- und Kotfliegen besucht und gekreuzt. Die Nektar absondernden Stellen der Blüte (Safthalter,

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Nektarien) zeigen je nach der Natur ihres Trägers ein mannigfach wechselndes Aussehen. Oft weisen auffallend gefärbte und nach einem Punkt hin konvergierende Zeichnungen auf den Blumenblättern (Saftmale [Stiefmütterchen, Nelken, Ehrenpreisarten]) den Honig suchenden Insekten den Weg zur Nektarquelle, die, zumal bei sonnigem Wetter, eine wasserklare, süße Flüssigkeit ausscheidet und immer so zu den Staubgefäßen und zu der Narbe gestellt ist, daß der Blumenbesucher auf seinem Wege die beiden letztern berühren und dann die B. bewirken muß. Bei manchen Blüten wird der Nektar durch besondere Einrichtungen (Saftdecken), wie dichte Haarbüschel, Schlundklappen u. dgl., vor Regen oder schädlichen Besuchern (Ameisen) geschützt (s. Meyers Schutzeinrichtungen). Nach der Zugänglichkeit, mit welcher der Honig den Insekten von den Blumen dargeboten wird, unterscheiden sich die offenen Honigblumen von den Blumen mit teilweiser oder gänzlicher Honigbergung; je vollkommener letztere ist, und ein je größerer Abstand zwischen dem Blüteneingang und dem Nektarium vorhanden ist, desto mehr nimmt für die betreffende Blüte die Zahl der langrüsseligen Blumenbesucher (Bienen, Falter) zu, die der kurzrüsseligen Fliegen und Käfer dagegen ab. Nicht selten, z. B. bei vielen Schmetterlingsblüten, bei Symphytum u. a., wird den Honigbienen und Hummeln die Ausbeutung der Blüte durch den Bau derselben unmöglich gemacht, weshalb sie gewaltsam von außen in dieselbe Löcher beißen und den Honig durch Blumeneinbruch gewinnen. Die tiefe Bergung des Honigs in langen Röhren steht mit der Rüssellänge der Besucher derart in Wechselbeziehung, daß einzelne Blumen ausschließlich nur noch von einem ganz engen Kreise von Insekten ausgebeutet und gekreuzt werden können; Beispiele dafür sind die Fliegenblumen, wie Cynanchum Vincetoxicum, die Bienen- und Hummelblumen (Salvia [Fig. 6], Lamium, Echium, Linaria) und die Falterblumen, wie Lilium Martagon (Fig. 7), Gymnadenia, Dianthus. Die Tätigkeit eines Käfers an Listera zeigt Fig. 8. Mit der genauen Feststellung der verschiedenen Insektenarten, die auf bestimmten Blumen als Besucher vorkommen, beschäftigt sich die blütenbiologische Statistik. Viele Blüten entwickeln einen eigenartigen mechanischen Apparat, durch den sie sich die Ausstreuung des Blütenstaubes auf bestimmte Körperstellen des Blumenbesuchers sichern. Dahin gehört die Schlagbaumvorrichtung der Blüten von Salvia (Fig. 6); eine an die Blüte aufliegende Biene oder Hummel muß nämlich mit ihrem Rüssel gegen zwei Plättchen stoßen, die an den schlagbaumartigen und mit einem sinnreich konstruierten Drehgelenk versehenen Staubgefäßen befestigt sind und den Zugang zum Honig verschließen; dadurch geraten die beiden längern Schenkel derselben nach abwärts in Bewegung, und der Blütenstaub wird dem Rücken des Insekts angedrückt (Fig. 6), um dann bei Besuch einer Blüte eines andern, ältern Exemplars an den vorgestreckten und gespreizten Narben desselben wieder abgestreift zu werden. Bei manchen Leguminosen (Lotus, Ononis u. a.) wird durch eine die Blüte besuchende Biene Blumenstaub aus der Schnabelspitze des Schiffchens hervorgepreßt und dadurch direkt auf die behaarte Bauchseite des Insekts übertragen, die dann auf einer zweiten Blüte zunächst mit der Narbe in Berührung kommt; bei andern Leguminosen, wie Sarothamnus, wird der Pollen dem Besucher durch eine Art von Explosionsvorrichtung gegen die Leibesunterseite geschleudert. In den Blüten der Asklepiadazeen (Asclepias syriaca, Cynanchum Vincetoxicum), bei denen der Pollen jedes Staubbeutelfaches zu einem kölbchenartigen Körper, dem Pollinarium (Pollinium), verklebt ist, werden je zwei benachbarte Pollinien durch ein klammerartiges Gebilde, den Klemmkörper, derart verbunden, daß sich dieselben einem Besucher unfehlbar an Bein oder Rüssel anheften müssen. Bei vielen Orchideen (Fig. 9) sind die bei ihnen ebenfalls vorhandenen Pollinien p mit einer kleberigen Spitze, der Klebscheibe k, versehen, die von einem zarthäutigen, mit Klebstoff gefüllten Beutelchen r umschlossen wird. Gegen letzteres muß das die Blüte besuchende Insekt stoßen, sobald es den Kopf in den Eingang des Blütensporns n steckt, um den in der Spornwandung (bei Orchis latifolia, maculata, morio) enthaltenen Saft mit dem Rüssel zu erbohren. Dadurch schnellen die beiden Pollinien des einzigen in der Blüte vorhandenen Staubblattes aus ihren taschenartigen Behältern a hervor und heften sich nun dem Insektenkopf mittels der Klebscheibe an; durch schnelles Einschrumpfen des Klebstoffs vollführen dann die anfangs aufrechten Pollinien eine Drehung (IV in Fig. 9) und biegen sich derart, daß sie beim Aufliegen des Insekts auf einer andern Blüte an die dicht über dem Sporneingang liegende kleberige Narbenscheibe t stoßen müssen, an der sie festhaften und die Befruchtung bewirken. Wenn man mit einer Bleistiftspitze gegen das Beutelchen einer noch nicht besuchten Blüte stößt, so werden dadurch die Pollinien sofort auf die Bleistiftspitze übertragen (III in Fig. 9), haften an derselben fest und führen auch die oben beschriebene Drehung (IV in Fig. 9) aus. Eine besonders merkwürdige Bestäubungseinrichtung (Kesselfalle) kommt bei den langröhrigen Blüten der Osterluzei (Aristolochia Clematitis) vor. Diese haben einen weiten Schlund, einen dünnen, innen mit einwärts gekehrten Haaren ausgekleideten Hals und unten einen weiten, kesselartigen Raum, in dem direkt unter der Narbe sich sechs Staubbeutel befinden. Die B. wird hier durch winzige Mückenarten bewerkstelligt, die in den Kessel hineinkriechen und auf der Narbe den von frühern Besuchen mitgebrachten Blütenstaub absetzen, da die Staubbeutel der Blüte anfangs noch geschlossen sind. Am Hinauskriechen werden sie durch die reusenartig gestellten, anfangs durch den Zellsaftdruck gespannt erhaltenen Haare verhindert, die erst nach Öffnung der Staubbeutel und gleichzeitiger Umdrehung der Blumenkrone einschrumpfen und auf diese Weise den zuerst gefangenen, mit Blütenstaub beladenen Blumengästen den Austritt wieder gestatten. Die vogelblütigen Pflanzen (Ornithophilae), wie Erythrina, Tecoma u. a., mit langer röhrenförmiger Krone und häufig scharlachroter Färbung werden in Amerika von Kolibris, in Südafrika von röhrenschnäbeligen Honig- und Sonnenvögeln bestäubt.
   Die Fremdbestäubung kann zwischen Blumen zweier verschiedener Stöcke (Xenogamie) oder wie bei zahlreichen Korbblütlern und Dolden zwischen Nachbarblüten desselben Pflanzenexemplars (Geitonogamie) stattfinden. Neben der Fremdbestäubung, der die beschriebenen Einrichtungen der Blumen dienen, spielt auch die Selbstbestäubung eine wichtige Rolle. Sie wird z. B. durch direkte Berührung der belegungsfähigen Narben mit den aufgesprungenen Staubbeuteln erreicht und tritt in der Regel dann ein, wenn die Fremdbestäubung den Dienst versagt. Schließlich gibt es Pflanzen, bei denen außer den gewöhnlichen, für Fremdbestäubung eingerichteten,

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offenen Blüten noch andre, stets geschlossene und daher auf ausschließliche Selbstbestäubung angewiesene Blüten (kleistogame Blüten) vorkommen. Derartige durch Verkümmerung der Blumenkrone entstehende unansehnliche Blüten, z. B. von Lamium amplexicaule, Oxalis Acetosella, Viola odorata, befruchten sich dadurch, daß die Pollenkörner direkt aus den Staubbeuteln ihre Schläuche nach der Narbe hin treiben, während die großen, mit Blumenblättern versehenen Blüten (chasmogame Blüten) derselben Art in der Regel unfruchtbar bleiben.
   Vgl. Sprengel, Das entdeckte Geheimnis der Natur im Bau und in der Befruchtung der Blumen (Berl. 1793; neue Ausgabe in Ostwalds Klassikern, Leipz. 1894; Faksimiledruck, Berl. 1893); Darwin, Die verschiedenen Einrichtungen, durch welche Orchideen von Insekten befruchtet werden; Derselbe, Die Wirkungen der Kreuz- und Selbstbefruchtung im Pflanzenreich, und Die verschiedenen Blütenformen bei Pflanzen der nämlichen Art (deutsche Ausgabe der »Werke«, Bd. 9 u. 10); H. Müller, Die Befruchtung der Blumen durch Insekten (Leipz. 1873); Derselbe, Alpenblumen, ihre Befruchtung durch Insekten etc. (das. 1881); Kirchner, Flora von Stuttgart (Stuttg. 1888); Loew, Blütenbiologische Floristik (das. 1894); Derselbe, Einführung in die Blütenbiologie (Berl. 1895); Kerner, Pflanzenleben, Bd. 2 (2. Aufl., Leipz. 1897).
 
Artikelverweis 
Blütenbiologie, die Lehre von den innerhalb der Blüte sich abspielenden Lebensvorgängen, die mit der Bestäubung und Befruchtung im Zusammenhang stehen. S. die Artikel » Meyers Blüte, Meyers Blütenbestäubung, Meyers Geschlechtsorgane der Pflanzen, Meyers Pollen, Meyers Samenanlage«.
 
Artikelverweis 
Blutendes Brot (Speisenblut), eine seit den ältesten Zeiten vom Aberglauben stark ausgebeutete Erscheinung, die in dem Auftreten blutroter Flecke auf Backwerk, Fleisch, Eiweiß, Reis, Kartoffeln etc. besteht und schon wiederholt das Volk in starke Aufregung versetzt hat (»blutende Hostie« u. a.; vgl. Blutaberglaube). Sie wird hervorgebracht durch den Bacillus prodigiosus Flügge, der einen roten Farbstoff bildet.
 
Artikelverweis 
Blütendiagramme, s. Meyers Blüte, S. 87.
 
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Blütenfarben. Die Farbstoffe der Blumenblätter sind im Zellsaft gelöst (Zellsaftfarben) oder an eine Grundlage von Körnerform (Chromoplasten) gebunden (s. Meyers Pflanzenzelle). Auch können gewisse B. durch Mischung von gefärbtem Zellfast mit festen Farbkörpern, z. B. in scharlachroten oder braunen Blüten, zu stande kommen. Zu den Zellsaftfarben gehören die meisten roten, blauen und violetten Farbstoffe (Anthocyanreihe), während die gelben und orangegelben (Anthoxanthinreihe) vorwiegend an Plasmakörner gebunden sind (Plasmafarben); gelbe, im Zellsaft gelöste Farbstoffe finden sich in gelben Rosen, Georginen u. a. Der Zusammenhang zwischen Anthoxanthin- und Chlorophyllkörnern zeigt sich in dem Farbenwechsel grüner Blütenknospen, die ohne Zwischenstufen gelbe oder orangegelbe Farbe annehmen. Die seltene braune Blütenfarbe wird durch Kombination verschiedener Pigmente, z. B. von Chlorophyll mit rotem Zellsaft, oder durch braune Farbkörper (Neottia) hervorgebracht. Schwarz erscheinende Flecke oder Streifen der Blüten beruhen auf Anhäufung intensiv blauen oder violetten Zellsaftes. Der Farbenwechsel mancher Blüten, z. B. Myosotis versicolor aus Gelb in Blau oder von Lantana multiflora aus Gelb in Rot oder Blau, wird durch Mischung von gelber Plasmafarbe mit blauem oder rotem Zellsaft bewirkt, von denen die Zellsaftfarbe erst später entsteht. Die Chromoplasten enthalten innerhalb einer farblosen Grundlage gefärbte Tröpfchen und Körner, oder der Farbstoff tritt in unkristallisierter Form oder endlich als Kristall, z. B. in den spindel- oder lappenförmigen Farbkörpern von Tropaeolum majus, auf.
   Manche Blütenfarbstoffe bilden sich im Dunkeln ebenso aus wie bei normaler Beleuchtung. Auch die Wirkung der Bodenbeschaffenheit auf die Blütenfarbe ist beschränkt. Dagegen werden Pflanzen durch starke Änderungen von Licht und Bodenbeschaffenheit mehr als sonst zum Variieren geneigt gemacht und können dabei auch in der Blütenfarbe abändern. Die wichtigste biologische Aufgabe, welche die B. im Leben der Pflanze zu erfüllen haben, besteht in der Anlockung blumenbesuchender Tiere (s. Meyers Blütenbestäubung).
   Im allgemeinen nehmen die weißen Blüten nach Norden zu, während die Farbenpracht nach den Tropen hin sich steigert. In der Flora von Deutschland sind unter den einfarbigen Blüten die gelbe und die weiße Farbe am häufigsten; dann folgen Rot, Blau, Violett. Auffällig erscheint das Auftreten verschiedenfarbiger Varietäten derselben Art in getrennten Gebieten; so hat z. B. Viola calcarata in den westlichen Zentralalpen blaue, in den Alpen Krains gelbe Blumen; ähnlich verhalten sich auch Papaver alpinum (weiß und gelb), Astragalus vesicarius (gelb und violett) u. a. Die in manchen Blüten auftretenden Saftmale, die den blumenbesuchenden Insekten den Weg zu den Honig absondernden Stellen anzeigen, verschwinden in der Regel, wenn die Blüten künstlich »gefüllt« werden.
   Manche Arten und Gattungen sind in ihrer Blütenfarbe völlig fixiert und ändern sich nicht (Umbelliferen, Kruziferen u. a.). Die in der Blütenfarbe variabeln Arten können aber nicht jede beliebige Farbe annehmen, sondern bewegen sich in dem Farbenkreis, den ihre nächsten Verwandten zeigen. Bei der Gartennelke (Dianthus Caryophyllus) und den wild wachsenden Dianthus-Arten treten die verschiedensten Nuancen zwischen dem dunkelsten Rot und dem reinen Weiß, daneben gelbe Farben auf; niemals aber ist eine blaue Gartennelke erzeugt worden. In diesen und vielen ähnlichen Fällen zeigt sich, daß, wenn eine rote oder gelbe Art variiert, die Variation sich danach richtet, welche Farbe die Mehrzahl der verwandten Arten derselben Gattung oder der ganzen Familiezeigt. Herrscht in der Gattung das Rot vor, so kann in der Variation eine Annäherung zum Blau eintreten; herrscht dagegen Gelb vor, so findet solche Annäherung nicht statt. Wenn eine Pflanzenart in der Farbe variiert, so findet sich stets Weiß unter den Variationsfarben, und viele Pflanzen ändern nur nach Weiß.
   Die Blütenfarbstoffe der Anthocyan- und der Anthoxanthinreihe geben charakteristische Absorptions- und Fluoreszenzspektra. Der Farbstoff der Paeonia-Blüten ist spektroskopisch mit dem Magdalarot am nächsten verwandt. Blaue Blüten haben neutral, rote sauer reagierenden Zellsaft; erstere werden durch Säuren rot gefärbt. Durch schweflige Säure wird der rote Farbstoff gebleicht, taucht man aber eine in solcher Weise gebleichte Rose in verdünnte Schwefelsäure, so wird der rote Farbstoff wiederhergestellt. Gegen Eisensalze verhalten sich einige Farbstoffe der Anthocyanreihe ähnlich wie Gerbstoff, der vielleicht mit ihnen in genetischem Zusammenhang steht.

 

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