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Blumēa bis Blumenboote (Bd. 3, Sp. 73 bis 75)
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Artikelverweis Blumēa DC., Gattung der Kompositen, Kräuter mit meist gezahnten oder gelappten Blättern und in lockern oder dichten Ebensträußen oder in oft ährenförmig zusammengedrängten Rispen, seltener an den Zweigenden einzeln stehenden Blütenköpfen. Gegen 60 Arten im wärmern Afrika, Asien und Australien; einige bilden einen wesentlichen Bestandteil der Küstenvegetation Vorder- und Hinterindiens und der Inseln vom Indischen Ozean bis zu den Philippinen und Australien. B. balsamifera DC, liefert den Ngaikampfer, B. lacera DC. wird zum Vertreiben lästiger Insekten benutzt.
 
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Blumen, künstliche, aus verschiedenen Stoffen, besonders aus Geweben (Stoffblumen) hergestellte Nachahmungen natürlicher Blumen. Man macht die Gewebe (Jakonett, Batist, Englischleder, Satin, Perkal, Taft) durch Satinieren glatt wie Wachs und gibt ihnen auch auf der Rückseite eine Appretur aus Gelatine und Stärkekleister. Die mit Ausschlageisen (Blumen-, Blümcheneisen) hergestellten Ausschläge werden gefärbt, getrocknet und dann auf einem Kleiekissen oder einer Gummiplatte mit erwärmten Instrumenten gekröst, d. h. mit Krümmung, Äderung etc. versehen. Hierzu dienen Stempel, die den natürlichen Blättern galvanoplastisch treu nachgebildet sind Staubfäden werden aus wiederholt in Leimlösung getauchten Seiden- und Baumwollfäden und aufgeklebten Grieskörnern hergestellt. Die Stengel bestehen aus umhülltem Draht, der auch in gefärbte Kautschukröhrchen gesteckt wird; Früchte macht man aus Glas, Kautschuk oder Wachs. Strohblumen, Getreideähren, Gräser, Moos, Dornen werden der Natur entnommen. Geringere k. B. werden aus Papier hergestellt, außerdem benutzt man Kollodiumhäutchen, die getrennten Lagen abgehaspelter Seidenkokons (italienische Blumen), Leder, Holzspäne, Federn, Fischschuppen etc. Auch werden Stoffblumen galvanoplastisch bronziert (galvanisierte Blumen). In neuerer Zeit hat man auch Blattpflanzen, besonders Palmen und Dracänen, in Stoff nachgeahmt und schmückt mit solchen die Natur täuschend kopierenden Gebilden Räume, in denen Pflanzen nicht gedeihen. Wachsblumen fertigt man aus Wachs, das mit etwas Terpentinöl

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zusammengeschmolzen und beliebig gefärbt wird. Man formt daraus dünne Streifen, aus denen sich die Blätter leicht ausschneiden oder ausstechen lassen. Die nötige Wölbung gibt man ihnen mittels nasser Kugelhölzer. Stengel und Stiele werden von Draht gemacht und mit Wachs überzogen. Die Staubfäden bildet man aus ganz fein geschnittenem Wachs, das man in Gummiwasser und dann in gefärbten Gries eintaucht. Die Adern auf den Blumen- und Sten gelblättern werden mit dem Pinsel aufgetragen. Porzellanblumen sind in wunderbarer Vollkommenheit aus dem scheinbar ungeeignetsten Material hergestellt worden. Aus Brotkrume und aus Kautschukmasse werden Blumen durch Kneten geformt, auch gießt man sehr schöne und zarte Gebilde aus Bronze. Aus Glas werden die Blumenteile vor der Glasbläserlampe geformt und durch Aneinanderschmelzen verbunden.
   Nach Plinius wurde der Gebrauch von Kränzen aus künstlichen Blumen um 350 v. Chr. aus Ägypten nach Griechenland eingeführt, und unter den römischen Kaisern trugen die Frauen parfümierte Blumen aus Papyrusrinde und verschiedenfarbiger Seide. In China benutzte man im 3. Jahrh. allerlei Pflanzenteile, Vogelfedern und gefärbte Seide, in Spanien und Italien fertigten im Mittelalter die Klöster k. B. aus Kokons, Batist, Gaze und Seide, und zwar zunächst zum Schmuck der Altäre. Die Italiener verpflanzten die Kunst gegen Ende des 15. Jahrh. nach Frankreich, wo sie zuerst in Lyon Fuß faßte, dann aber in Paris zur Blüte gelangte. Séguin veranlaßte die treue Nachahmung natürlicher Blumen und gab der Blumenmacherei einen solchen Aufschwung, daß sie bald den Markt und die Mode vollständig beherrschte. 1770 erfand ein Schweizer eine Maschine, mit der man 68 Blätter auf einmal schneiden konnte, und bald darauf wendete man die Matrizen an. Unter dem Kaiserreich und der Restauration machte die Fabrikation der künstlichen Blumen große Fortschritte, aber die jetzige Vollendung und Ausdehnung erlangte die Blumenmacherei erst durch die Arbeitsteilung. Mit Frankreich konkurriert fast nur noch Deutschland, wo die Blumenmacherei durch Magdalene Bienert in Nixdorf vor etwa 80 Jahren begründet wurde und an der böhmisch-sächsischen Grenze um Sebnitz, Neustadt, Rumburg, Schluckenau erblühte. Zollverhältnisse veranlaßten später die Übersiedelung der jungen Industrie nach Sebnitz, Hertigswalde, Burkersdorf, Neustadt etc. Hauptorte der Fabrikation in Deutschland sind jetzt Berlin, Leipzig, Dresden, München, wo den französischen vollkommen ebenbürtige Sachen geliefert werden. England liefert sehr viele, aber wenig geschmackvolle k. B., Brasilien sehr schöne aus Federn. Vgl. Clasen-Schmid, K. B. aus verschiedenem Material (Leipz. 1886); Braunsdorf, Die Herstellung künstlicher Blumen und Pflanzen aus Stoff und Papier (Wien 1890, 2 Bde.) und aus Blech, Wolle, Band, Wachs, Leder etc. (das. 1892); Ballerini, Die Anfertigung künstlicher Blumen (deutsch von Jürgens, Weim. 1898); »Journal für Kunstblumen etc.« (Wien, seit 1894); Blanchon, L'industrie des fleurs artificielles et des fleurs conservées (Par. 1899).
 
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Blumenau, 1) (ungar. Lamacs) Dorf im ungar. Komitat Preßburg, an der Staatsbahnlinie Wien-Preßburg, mit (1901) 1149 Einw. Hier kämpfte 22. Juli 1866 das 4. preußische Armeekorps (Fransecky) mit dem 2. österreichischen Korps (Thun); das den Preußen günstige Gefecht mußte des inzwischen abgeschlossenen Waffenstillstandes wegen abgebrochen werden. 2) Deutsche Kolonie im brasil. Staat Santa Catharina, im 6001000 m breiten, fruchtbaren Tal des Itajahy-Assu, 60,000 Hektar umfassend, mit 30,000 Bewohnern, worunter 20,000 Deutsche (Rheinländer, Pommern, Badenser), 45000 Italiener, 12000 Polen, Schweizer und Holländer nebst einigen hundert Russen, 2 Regierungs- und 40 Privatschulen. Das reichbewässerte Land hat ein fieberfreies, gleich mäßiges Klima (Jahrestemperatur 20,5°) und erzeugt in dem ergiebigen Lehmboden Mais, Maniok und andre Knollengewächse, Zuckerrohr, Bohnen, Kartoffeln, Kaffee, Baumwolle, Tabak, Reis, Südfrüchte. Schweine- und Rinderzucht sind ansehnlich. Die gewerblichen Unternehmungen erstrecken sich hauptsächlich auf Brauereien, Mais-, Maniok-, Zucker- und Sägemühlen. Der Handel leidet unter dem Mangel an Dampfschiffverbindung flußabwärts; Fahrstraßen bestehen in Länge von 682 km. Der Hauptort B. liegt weit zerstreut am Einfluß des Garcia in den Itajahy-Assu, 80 km oberhalb seiner Mündung in den Atlantischen Ozean, hat eine 1,5 km lange Hauptstraße mit mehreren Nebenstraßen, etwa 120 getrennt liegende Wohnhäuser, kathol ische und evang. Kirche, schönes Munizipalgebäude, Regierungsschule, 2 deutsche Zeitungen und ist Sitz eines deutschen Konsuls. Die Kolonie wurde 1850 von Hermann Blumenau (geb. 29. Dez. 1819 in Hasselfelde, gest. 30. Okt. 1899 in Braunschweig) gegründet, 1860 von der brasilischen Regierung übernommen und 1880 selbständig. Vgl. Stutzer, Das Itajahytal und das Munizipium B. (2. Aufl., Gost. 1891); Gernhardt, Donna Francisca, Hansa und B. (Festschrift, Bresl. 1901). 3) Fabrikdorf, s. Meyers Tannhausen.
 
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Blumenbach, Johann Friedrich, Naturforscher, geb. 11. Mai 1752 in Gotha, gest. 22. Jan. 1840, studierte in Jena und Göttingen, wurde hier 1776 Professor der Medizin, hielt fast 60 Jahre hindurch seine von Zuhörern aller Nationen besuchten Vorlesungen über Naturgeschichte, vergleichende Anatomie, Physiologie und Geschichte der Medizin und wurde als der Magister Germaniae von den Freunden der Naturkunde gefeiert. Er erhob die Zoologie in Deutschland zuerst zu wissenschaftlicher Bedeutung, indem er sie noch vor Cuvier (seit 1785) in Verbindung mit der vergleichenden Anatomie brachte und dadurch klare Anschauungen und feste Begriffe vom Wesen und von der Verwandtschaft der Tiere vermittelte. Sein »Handbuch der Naturgeschichte« (Götting. 1780) erlebte bis 1830 zwölf Auflagen. Seine Abhandlung »Über den Bildungstrieb und das Zeugungsgeschäft« (Götting. 1781, 3. Aufl. 1791) sowie seine »Institutiones physiologicae« (das. 1787, 4. Aufl. 1821; deutsch von Eyerel, Wien 1789 u. 1795) gaben vielfache neue Anregungen. Er war der Begründer der vergleichenden Anatomie in Deutschland. Sein »Handbuch der vergleichenden Anatomie und Physiologie« (Götting. 1804, 3. Aufl. 1824) ist beinahe in alle Sprachen Europas übersetzt worden. Seine Doktordisputation »De generis humani varietate nativa« (Götting. 1775, 4. Aufl. 1795; deutsch von Gruber, Leipz. 1795) leitete den Kampf über die Arteinheit und Abstammung des Menschengeschlechts von Einem Paar ein. Seine weltberühmte Schädelsammlung gab den Stoff zu den Abbildungen von Rasseschädeln in der »Collectio craniorum diversarum gentium« (Götting. 17901828, 7 Dekaden) und einer »Nova pentas collectionis suae craniorum« (das. 1828; neu hrsg. von H. v. Ihering, Wien 1873) Höchst wertvolle anatomische und physiologische Beobachtungen

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enthalten die »Kleinern Schriften zur vergleichenden Physiologie, Anatomie und Naturgeschichte« (übersetzt von Gruber, Leipz. 1805); die »Beiträge zur Naturgeschichte« (Götting. 1806 u. 1811, 2 Bde.); die »Medizinische Bibliothek« (das. 17931795, 3 Bde.); die »Geschichte und Beschreibung der Knochen des menschlichen Körpers« (das. 1786, 2. Aufl. 1807). Vgl. Marx, Andenken an B. (Götting. 1840); »Göttinger Professoren« (anonym, Gotha 1872).
 
Artikelverweis 
Blumenbeete, s. Meyers Blumengarten.
 
Artikelverweis 
Blumenbinderei, s. Meyers Binderei.
 
Artikelverweis 
Blumenbinse, s. Meyers Butomus.
 
Artikelverweis 
Blumenblätter (Kronblätter, Petala), s. Meyers Blüte, S. 86.
 
Artikelverweis 
Blumenblattlose Gewächse, s. Apetalen.
 
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Blumenblau, s. Meyers Blütenfarben.
 
Artikelverweis 
Blumenboote, s. Meyers Prostitution.

 

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