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Blomeyer bis Bloomerismus (Bd. 3, Sp. 68 bis 69)
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Artikelverweis Blomeyer, Adolf, Landwirtschaftslehrer, geb. 24. Febr. 1830 in Frankenhausen bei Kassel, gest. 18. Dez. 1889 in Leipzig, studierte die Rechte, wurde dann Landwirt, übernahm 1860 die Domäne Frankenhausen, wurde 1865 Professor an der landwirtschaftlichen Akademie in Proskau, 1868 Professor an der Universität und Direktor des neubegründeten landwirtschaftlichen Instituts in Leipzig. Er schrieb: »Pachtrecht und Pachtverträge« (Berl. 1873); »Die mechanische Bearbeitung des Bodens« (Leipz. 1879); »Die Kultur der landwirtschaftlichen Nutzpflanzen« (Bd. 1, das. 1889; Bd. 2 von Settegast, 1891).
 
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Blommaert (spr. -mārt), Philipp, fläm. Schriftsteller, geb. 27. Aug. 1809 in Gent, gest. daselbst 14. Aug. 1871, war schon seit 1834 in der niederländischen Zeitschrift »Letteroefeningen« mit Gedichten in flämischer Sprache hervorgetreten, die aber wegen der etwas rauhen Form wenig Glück machten. Wichtiger war die Herausgabe flämischer Dichtungen aus dem 12.14. Jahrh., wie des »Theophilus« (Gent 1836, 2. Aufl. 1858), der »Oudvlaemsche gedichten« (183851, 3 Bde.), »Leven van St. Amand« (184243, 2 Bde.), »De Grimbergsche oorlog« (185254, 2 Bde.), »Geschiedenis der rederijkkamer de Fonteine te Gent« (1847), »De nederduitsche schrijvers van Gent« (1862) u. a. Sein vorzüglichstes Werk ist jedoch die »Aloude geschiedenis der Belgen of Nederduitschers« (Gent 1849), worin er die Ansicht aufstellt, daß die niederdeutschen Gegenden trotz ihrer politischen Zerrissenheit doch noch als Volkseinheit zur Erfüllung einer hohen kulturhistorischen Idee berufen seien, wie er überhaupt als Vorkämpfer des Flamentums 1840 neben Willems der Haupturheber der bekannten Sprachpetitionen war.
 
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Blomstrand, Christian Wilhelm, Chemiker, geb. 20. Okt. 1826 in Wexiö, gest. im November 1897 in Lund, studierte in Lund, habilitierte sich daselbst 1854, war 1861 Teilnehmer der wissenschaftlichen Expedition nach Spitzbergen und wurde 1862 Professor der Chemie und Mineralogie in Lund. B. lieferte zahlreiche Arbeiten über Mineralchemie, über Platin- und Goldcyanide, entdeckte mehrere neue Mineralien und bearbeitete namentlich auch die theoretische Chemie. Er schrieb mehrere Lehrbücher der organischen Chemie und »Die Chemie der Jetztzeit vom Standpunkt der elektrochemischen Auffassung aus Berzelius' Lehre entwickelt« (Heidelb. 1869).
 
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Blond (deutsch-franz.), licht goldgelb, besonders vom Haar (s. Meyers Blonder Typus); daher Blondine, weibliches Wesen mit lichtgelbem Haar.
 
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Blondel (spr. blongdell), 1) der Sage nach Spielmann im Dienste des Richard Löwenherz. Als dieser auf der Heimkehr aus Palästina vom Herzog Leopold von Österreich in Wien gefangen genommen und auf der Feste Dürrenstein eingesperrt worden, soll B. ihn lange gesucht und endlich dadurch aufgefunden haben, daß er vor Richards Kerker dessen Lieblingslied angestimmt, worauf der Gefangene mit der zweiten Strophe geantwortet habe. B. soll dann nach England zurückgekehrt sein und Richards Auslösung bewirkt haben. Die Sage findet sich zuerst in den »Récits d'un ménestrel de Reims« (vom Jahre 1260, Ausgabe von de Wailly, Par. 1876). Sie ist durch den Roman »La Tour ténébreuse« von Frl. Lhéritier (1705) bekannter geworden und liegt Grétrys Oper »Richard Cœur de Lion« (Text von Sédaine, 1784) zu Grunde. Vgl. de Puymaigre, Folklore, S. 206ff. (Par. 1885). Er ist nicht zu verwechseln mit dem von Tarbé (Reims 1862) herausgegebenen altfranzösischen Lyriker Blondel de Nesle.
   2) David, geb. 1590 zu Chalons-sur-Marne, gest. 1655, einer der gelehrtesten Theologen und Historiker seiner Zeit, ein Hauptverteidiger des Protestantismus gegen dessen katholische Gegner, zuerst Prediger zu Houdan, später Professor der Geschichte an der École illustre zu Amsterdam. Er schrieb unter anderm: »Pseudo-Isidorus et Turrianus vapulantes« (Genf 1628) und »De la primauté de l'Église« (das. 1641).
   3) Georges, franz. Nationalökonom, geb. 8. März 1856 in Dijon, Professor an der Universität zu Lyon, später an der zu Lille, zur Zeit Titularprofessor an der Handelshochschule und am Collège der Sozialwissenschaften. B. studierte auch an deutschen Universitäten und arbeitete hauptsächlich auf historischem Gebiet in den Seminaren von Mommsen und Brunner (vgl. seine Dissertation: »Étude sur la politique de l'empereur Frédéric II«, 1892). Die meisten seiner Schriften beschäftigen sich mit den volkswirtschaftlichen und sozialen Zuständen Deutschlands, so besonders die »Études sur les populations rurales de l'Allemagne« (mit andern, 1897) und »L'essor industriel et commercial du peuple allemand« (3. Aufl. 1900).
 
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Blonden, leichte, früher nur aus roher blonder Seide (daher der Name), jetzt auch aus schwarzer Seide gefertigte Spitzen mit netzartigem, mit Blumen und sonstigen Figuren broschiertem Grund. Zuerst hauptsächlich in Chantilly und Bayeux hergestellt; jetzt liefert auch Deutschland (Erzgebirge) vortreffliche B.
 
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Blonder Typus (xanthochroischer Typus), beim Menschen die Verbindung blonder Haare mit heller Hautfarbe und blauen, bez. grauen Augen, eine charakteristische Eigenschaft der nordischen (skandinavischen) Rasse; findet sich hauptsächlich in Skandinavien (gegen 70 Proz.), auf den britischen Inseln (gegen 50 Proz.) und in Norddeutschland (gegen 42 Proz.) vertreten und wird um so seltener, je weiter man nach Süden geht. In Deutschland kommt er zu 31,5 Proz., in Österreich zu 19,7 Proz. und in der Schweiz nur noch zu 11,10 Proz. vor. In Deutschland stellen das stärkste Kontingent an Leuten mit blonder Komplexion Lauenburg (mit 45,02 Proz.) und Oldenburg (43,35 Proz.), das schwächste Bayern (20,35 Proz.) und Elsaß-Lothringen (18,41 Proz.). Für den »brünetten« Typus (s. d.) liegen die Verhältnisse umgekehrt. Vereinzelt ist der blonde Typus auch außerhalb dieser blonden Zone anzutreffen, so bei Spaniern, Italienern, Griechen, den Bewohnern der nordafrikanischen Küste, verschiedenen nord- und zentralasiatischen Stämmen, den Juden u. a. Sicherlich ist sein Vorkommen hier auf Einwanderung nordeuropäischer Elemente zurückzuführen.
 
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Blondin (spr. blongdäng), Charles, Seiltänzer, hieß eigentlich Gravelin, geb. 28. Febr. 1824 in St.-Omer (Pas-de-Calais), gest. 19. Febr. 1897 in London, kam früh zu einer Seiltänzergesellschaft und zeichnete sich durch Kühnheit und Geschicklichkeit aus. Berühmt wurde er durch wiederholtes Überschreiten des Niagara (185560) auf einem 50 m über dem Wasserfall angebrachten Seil (sogar auf Stelzen etc.). Später bereiste er alle größern Städte Europas.
 
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Blondine, s. Meyers Blond.

[Bd. 3, Sp. 69]



 
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Blondinette, s. Meyers Tauben.
 
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Bloomerismus (spr. blum-; Petticoat Reform, »Frauenunterrocksreform«), die 1850 von Frau Amalia Bloomer, Gattin des Obersten und Postmeisters Bloomer in Seneca Falls im Staat New York, angeregte Bewegung, die unter Verwerfung der angeblich der Gesundheit schädlichen weiblichen Kleidungsstücke, männliche Bekleidung mit Hosen, Stiefeln und Rock für die Frauen empfahl. Die Sache fand in Amerika und in England Beifall (Bloomervereine, Bloomermeetings), kam jedoch bald wieder in Vergessenheit. Über die neuere Reform der Frauenkleidung s. Meyers Kleidung.

 

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