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Blochausen bis Blockhaus (Bd. 3, Sp. 64 bis 65)
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Artikelverweis Blochausen, Felix, Baron de, luxemburg. Politiker, geb. 25. März 1834 auf Schloß Birtringen, als Advokat in Diekirch 1860 zum Abgeordneten gewählt, war 186667 Generaldirektor in der Regierung, erwarb sich als Staatsminister (seit 1874) um die Landeskultur einige Verdienste, mußte aber wegen der Begünstigung bedenklicher Finanzunternehmungen und wegen seiner Opposition gegen die Thronfolge des Herzogs Adolf (s. d. 5) von Nassau 1885 seine Entlassung nehmen. Zur Zeit ist er Vizepräsident der Kammer, der er seit 1887 wieder angehört.
 
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Blochmann, Karl Justus, Pädagog, geb. 19. Febr. 1786 in Reichstädt bei Dippoldiswalde, gest. 31. Mai 1855 in Château Lancy bei Genf, studierte in Leipzig Theologie, war 180916 Lehrer an der Pestalozzischen Erziehungsanstalt zu Yverdon, bereiste dann Italien und wurde 1818 als Vizedirektor an der neuen Friedrich August-Schule in Dresden angestellt. 1824 errichtete er mit königlicher Beihilfe in Dresden eine höhere Bildungsanstalt für Knaben, die 1828 mit der Vitzthumschen Gymnasialstiftung vereinigt ward. 1851 trat B. von der Leitung der Anstalt zurück. B. war einer der treuesten und wirksamsten Schüler Pestalozzis, von dem er jedoch im strengern Anschluß an das kirchliche Dogma abwich. Von seinen Schriften ist zu erwähnen: »H. Pestalozzi, Züge aus dem Bilde seines Lebens und Wirkens« (Leipz. 1846). Sein Leben beschrieb G. F. Rud. Blochmann (Dresd. 1886). Vgl. Israel in den »Pädagogischen Blättern« (Gotha 189799).
 
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Block, auf Schiffen ein Gehäuse mit einer oder mehreren Rollen (Scheiben), die um eine Achse drehbar sind. Die Blöcke sind die Kloben für die Flaschenzüge. Im Kartenspiel heißt B. ein kleines Bēte, das jeder Teilnehmer gleich vor Beginn des Spieles setzt, um größere Gewinne und Verluste möglich zu machen. Auch der Ausdruck »Stammbete« ist hierfür üblich. Im Forstwesen s. Meyers Forsteinteilung. Im Eisenbahnwesen s. Meyers Eisenbahnbetriebssicherheit und Meyers Eisenbahnsignale.
 
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Block, 1) Albrecht, Landwirt, geb. 5. März 1774 in Sagan, gest. 21. Nov. 1847, bewirtschaftete mehrere Güter, kaufte 1811 das Gut Schönau und errichtete hier eine landwirtschaftliche Lehranstalt. 1838 wurde er Direktor des schlesischen Kreditvereins und Intendant der schlesischen Stammschäfereien in Karolath. B. verbreitete die Fruchtwechselwirtschaft, verbesserte das Düngerwesen, den Kartoffelbau und die Schafzucht, besonders aber bildete er das Rechnungswesen in der Landwirtschaft aus. Er schrieb: »Versuche einer Wertsvergleichung der vorzüglichsten Ackerbauerzeugnisse« (Berl. 1823); »Mitteilungen landwirtschaftlicher Erfahrungen, Ansichten und Grundsätze« (2. Aufl., Bresl. 183739, 3 Bde.; 4. Aufl. von Birnbaum, das. 188587); »Über den tierischen Dünger, seine Vermehrung etc.« (das. 1835); »Die einfache ländliche Buchführung« (das. 1837); »Beiträge zur Landgüterschätzungskunde« (das. 1840).
   2) Moritz, franz. Statistiker und Nationalökonom, geb. 18. Febr. 1816 in Berlin aus israelitischer Familie, gest. 9. Jan. 1901 in Paris, brachte seine Jugend in Paris zu, studierte in Bonn und Gießen Geschichte und Staatswissenschaften und wurde 1844 im französischen Ackerbauministerium, 1852 im Statistischen Bureau zu Paris angestellt. 1862 gab er diese Stellung auf und widmete sich seitdem ausschließlich seiner weitverzweigten literarischen Tätigkeit. Seit April 1880 war er Mitglied des Instituts. Unter seinen Schriften sind hervorzuheben: »Des charges de l'agriculture dans les divers pays de l'Europe« (Par. 1851); »L'Espagne en 1850« (1851); ferner das vorzügliche »Dictionnaire de l'administration française« (1856, 4. Aufl. 1898), dem 185869 ein »Annuaire de l'administration française« zur Seite ging, und die vom Institut de France gekrönte Preisschrift »Statistique de la France« (1860, 2 Bde.; 2. Aufl. 1875); »L'Europe politique et sociale« (1869, 2. Aufl. 1892); »Les communes et la liberté« (1876); »Traité théorique et pratique de statistique« (1878, 2. Aufl. 1886; deutsch bearbeitet von H. v. Scheel, Leipz. 1879); »Les progrès de la science économique depuis A. Smith« (1890, 2 Bde.; 2. vermehrte Aufl. 1897); »Les suites d'une grève« (1891; deutsch, Berl. 1891); das populäre »Petit manuel d'économie pratique« (9. Aufl. 1880; in elf Sprachen übersetzt; deutsch von Kaven, 5. Aufl., Aachen 1890), dem sich mehrere ähnliche Schriften anschlossen, wie: »La France«, »Le département«, »La commune«, »L'impôt«, »Le budget«, »L'agriculture«, »L'industrie«, »Le commerce«, »Premiers principes de législation pratique appliquée au commerce« (1883), »Les assurances ouvrièresen Allemagne« (1895) etc. Daneben gab B. das »Dictionnaire général de la politique« (186264, 2 Bde.; neue Ausg. 1884) heraus, sowie das »Petit dictionnaire politique et social« (1896) und seit 1856 mit Guillaumin, I. Garnier u. a. das »Annuaire de l'économie politique et de la statistique«. In deutscher Sprache veröffentlichte er: »Die Bevölkerung des französischen

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Kaiserreichs« (Gotha 1861); »Die Bevölkerung Spaniens und Portugals« (das. 1861); »Die Machtstellung der europäischen Staaten« (das. 1862, gleichzeitig französisch) u. a.
 
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Blockade (franz. Blocus, engl. Blockade, Blocking), die Absperrung eines feindlichen Ortes oder Bezirks vom Verkehr und namentlich vom Handelsverkehr durch eine kriegführende Macht. Hiernach fällt unter den Begriff der B. im weitern Sinn auch die Absperrung eines Platzes, insbes. einer Festung, im Landkrieg infolge einer Belagerung (s. Meyers Festungskrieg); im engern und eigentlichen Sinn aber spricht man von B. als von der Absperrung eines Hafens oder einer feindlichen Küste im Seekrieg, um sie vom Verkehr und vom Seehandel auch mit Angehörigen neutraler Staaten abzuschneiden (Seeblockade). Das Recht einer kriegführenden Macht, nicht nur einen einzelnen Hafen (Hafenblockade), sondern auch einen ganzen Küstenstrich des feindlichen Landes »zu blockieren«, ist von alters her völkerrechtlich anerkannt. Unbestritten ist jedoch das Blockaderecht nur für den Fall eines wirklichen und förmlich erklärten Krieges (Kriegsblockade). Wenn vereinzelt auch in Friedenszeiten der Blockadezustand erklärt worden ist, so 1886 von den Großmächten, außer Frankreich, gegen Griechenland (Friedensblockade, blocus pacifique), so hat sich in dieser Beziehung noch keine feste völkerrechtliche Praxis herausgebildet. Auch die Unterscheidung zwischen einer sogen. Handelsblockade, d. h. einer Absperrung von dem militärisch durchaus unverfänglichen Handelsverkehr, wie die »Kontinentalsperre« (s. d.), und der militärischen B., d. h. dem Abschneiden des Verkehrs mit einer Festung oder einer Seestation von militärischer Bedeutung, läßt sich nicht durchführen, und die Seemächte haben sich bisher den Versuchen gegenüber, das Blockaderecht auf das letztgedachte Gebiet zu beschränken, ablehnend verhalten. Dagegen ist der Unterschied zwischen effektiver und fiktiver B. (Blocus sur papier, Papierblockade) von Wichtigkeit. In frühern Zeiten pflegten nämlich die Seemächte die bloße Erklärung des Blockadezustandes für ausreichend zu erachten, ohne daß die tatsächliche Schließung des feindlichen Hafens erfolgt und die Seesperre tatsächlich eingetreten war. Der Pariser Kongreß stellte dagegen mit Zustimmung Englands 16. April 1856 den völkerrechtlichen Satz fest, daß eine B. nur dann obligatorisch sei, wenn sie effektiv wäre, d. h. aufrecht erhalten durch eine genügende Streitmacht, um wirksam das Anlegen an dem feindlichen Gestade zu untersagen. Gleichwohl erklärte Dänemark 1864 Stettin in Blockadezustand, ohne die Absperrung durchzuführen. Es ist jedoch heutzutage völkerrechtlich feststehender Grundsatz, daß die B. eine effektive sein muß, wenn sie die nachteiligen Folgen des Blockadebruches herbeiführen soll. Erforderlich ist vor allem eine Erklärung der B., und zwar zunächst eine allgemeine und öffentliche Proklamation des Blockadezustandes in Ansehung des betreffenden Hafens oder Seegebietes; sie erfolgt gewöhnlich auf diplomatischem Weg. Außerdem muß aber auch ein in gutem Glauben dem Hafen sich näherndes Schiff von der B. besonders benachrichtigt werden. Macht sich dann ein neutrales Schiff gleichwohl mittels Gewalt oder List des Bruches der B. schuldig, so kann es von der blockierenden Macht genommen und als gute Prise (s. d.) behandelt werden. Gehört die Ladung einem andern Eigentümer als dem des Schiffes, so erfolgt Freisprechung des erstern, wenn dem Eigentümer der Ladung die Absicht des Blockadebruches unbekannt und dieser ohne sein Zutun erfolgt war. Hat das Schiff, das einen Blockadebruch beging, inzwischen einen neutralen Hafen erreicht, so kann es nicht noch nachträglich aufgebracht werden, Die Mannschaft des wegen Versuchs des Bruches der B. aufgebrachten Schiffes verfällt in keinerlei Strafe. Vgl. Perels, Das internationale öffentliche Seerecht (Berl. 1882); Fauchille, Du blocus maritime (Par. 1882).
 
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Blockbauten, Gebäude aus Blockwänden (s. d.) und manchmal auch Blockdecken (s. d.), wie sie früher als Wohngebäude, Kirchen etc. weit und breit gebräuchlich waren. Heutzutage kommen sie meist nur noch in holzreichen Gegenden, besonders in Rußland, Skandinavien, im nördl. Amerika etc.; vor. S. Meyers Blockhaus.
 
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Blockbücher, Bücher, deren einzelne Seiten durch Abziehen von einer einheitlichen Holztafel, einem Block, hergestellt wurden. Ob die Vervielfältigung durch das Reibeverfahren oder durch Druck geschah, ist strittig, doch sind die Bogen meistens nur einseitig bedruckt, während die leergebliebenen Seitenzusammengeklebt wurden (anopistographische Drucke, s. d.). Äußerlich werden die B. in solche, die Bild und Text auf der gleichen Sené führen, solche, die Bild und Text auf verschiedenen Seiten bringen, und solche, die nur Text enthalten, geteilt. Bei den Blockbüchern mit Bildern ist der Text handschriftlich hinzugefügt (älteste Form), oder mit in das Holz geschnitten oder in Typen gesetzt. Über die Anfänge der Erfindung des Typendruckes gehen wahrscheinlich selbst die ältesten B. nicht hinaus; datierte B. kennen wir erst aus der zweiten Hälfte des 15. und aus dem 16. Jahrh. Ihre Heimat ist Süddeutschland, vielleicht sogar Norditalien, und die Niederlande. Diehauptsächlichsten Vertreter der B. sind die Armenbibel (Biblia pauperum, s. d.), Buch der Könige, Hohelied, Offenbarung Johannis, Heilsspiegel, Verteidigung der unbefleckten Empfängnis Mariä, Entchrist, Geistliches und weltliches Rom, Totentanz (s. d.), Acht Schalkheiten, Chiromantie (s. d.), Ars moriendi (s. d.), Ars memorandi (s. d.), Kalender und Donate. Sie hatten ihre Vorlagen größtenteils in Handschriften und handschriftlichen Bilderfolgen und dienten in der Hauptsache als Lehrbücher der mittelalterlichen Unterrichtsweise, in denen die Bilder als Vertreter des Textes für des Lesens Unkundige galten. Vgl. Meisner und Luther, Erfindung der Buchdruckerkunst (Bielef. 1900); Hochegger, Über die Entstehung und Bedeutung der B. (Leip. 1891); Schreiber, Vorstufen der Typographie (Festschrift zum 500jährigen Geburtstage von Gutenberg, Mainz 1900), Faksimile-Wiedergaben: Pilinski, Monuments de la xylographie (Par. 1882ff.); »Biblia pauperum«, von Einsle und Schönbrunner (Leipz. 1896); »Liber regum«, von Hochegger (das. 1892); »Totentanz des Codex Palatinus«, von Schreiber (das. 1900) u. a.
 
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Blockdecke, aus dicht aneinanderliegenden Balken hergestellte Decke, angewendet bei Blockhäusern, bombensichern Hohlräumen oder Blendungen (s. d.).
 
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Blocken, in der Jägersprache das Sitzen der Raubvögel.
 
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Blockgatter, s. Meyers Sägemaschine.
 
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Blockhaus, ein gegen feindliches Feuer möglichst geschütztes Gebäude mit Schießscharten zur Aufnahme einer kleinen Infanteriebesatzung. In Festungen liegt das B. meist in den ausspringenden Winkeln des gedeckten Weges, durch dessen Brustwehr geschützt, um den Waffenplatz zu bestreichen. Auch dienten Blockhäuser wohl als Reduits für die Besatzung eines Werkes, lagen in der Mitte der Kehle und hatten

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Kehlgraben und Hofraum unter Feuer. An dieser Stelle sind jetzt die Kehlkasematten vorhanden, und an Stelle der früher zur Grabenbestreichung wohl verwendeten Blockhäuser traten gemauerte Kaponnieren. In Schanzen der Feldbefestigungen hat man das hölzerne B. durch Unterstände (s. d.) in der Nähe der Kehlpunkte ersetzt. In Südafrika benutzten die Engländer einige tausend Blockhäuser zur Sicherung eines ungeheuern Gebietes und der Verbindungen. Diese Blockhäuser erhielten zwei Wellblechwände, deren Zwischenraum mit Steinschüttung gefüllt wurde, und bis an die Schießscharten eine Ummantelung mit Felsstücken, Sandsäcken etc. (Fig. 1 u. 2). Es wurde für eine Verständigung mit benachbarten Stationen, für eine Zisterne im Innern und geschützten Eingang gesorgt. Die Besatzung betrug etwa je 20 Mann.

 

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