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Blitum bis Blitzrad (Bd. 3, Sp. 60 bis 63)
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Artikelverweis Blitum, s. Chenopodium.
 
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Blitz, s. Meyers Gewitter.
 
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Blitzableiter, Vorrichtung zur Abwendung der Verheerungen des Blitzschlages, bietet dem Blitz künstlich eine so starke und günstige Ableitung zum Erdboden, daß er nur dieser folgt, ohne seinen Weg sonstwie durch das zu schützende Gebäude zu nehmen. Die Gesetze der Blitzleitung waren bereits den alten Kulturvölkern bekannt. Zwei Inschriften an der Fassade des Tempels von Edfu besagen, daß die vier das Gebäude überragenden Flaggenmasten das Gebäude schützen sollen. Eine Inschrift am Tempel von Dendrah erklärt gleiches von den danebenstehenden, mit Kupfer beschlagenen und oben zugespitzten Holzstangen von 3040 m Höhe. In Medinet Abu waren die Spitzen der von Ramses III. (1300 v. Chr.) errichteten Mästen vergoldet. Griechische und römische Priester sollen verstanden haben, den Blitz vom Himmel herabzulocken, und mehrere Priester und Könige sollen dabei vom Blitz erschlagen sein. Auch aus dem Mittelalter lassen sich Spuren dunkler Kunde der Blitzleitung nachweisen. Reimann beobachtete zu Eperies in Ungarn 1717, daß der Blitz an verschiedenen Drähten herab dem Eisen nachgefahren sei; er vermutete eine besondere Sympathie des Blitzes mit dem Eisen, weil der Blitz auch schon 1673 an demselben Draht heruntergefahren war. Dalibar in Marly-la-Ville und Delor in Paris errichteten, durch Franklin angeregt, hohe isolierte Stangen, aus denen 1752 beim Vorüberziehen eines Gewitters Funken sprangen. Einen Monat später ließ Franklin bei Philadelphia einen Drachen während eines Gewitters steigen und erhielt aus der hanfenen Schnur Funken. Er hatte schon 1749 den Vorschlag gemacht, die Gefahr des Blitzschlages durch Errichtung eines Blitzableiters zu beseitigen, und Winkler machte 1753 ähnliche Vorschläge (Programm »De avertendi fulminis artificio«, Leipz. 1753); seinen ersten B. errichtete Franklin kurz vor 1752 in Philadelphia. 1754 hatte Prokopius Divisch zu Prendiz bei Znaim in Mähren eine Ableitungsmaschine für den Blitz aufgestellt, die von den Bauern für die Trockenheit des folgenden Sommers verantwortlich gemacht und zerstört wurde (vgl. »Gartenlaube«, 1878, Nr. 38).
   Jeder B. besteht im wesentlichen aus der Auffangstange, aus der oberirdischen Leitung und aus der Erdleitung. Alle diese Teile müssen aus Metall (verzinktes Eisen, Kupfer) verfertigt sein und durch feste mechanische Zusammenfügung und Verlötung in ununterbrochener metallischer Verbindung miteinander stehen. Die Auffangstangen müssen die höchsten Teile des Gebäudes um 0,51 m überragen und stark genug sein, um den heftigsten Winden Widerstand zu leisten. Man versieht sie gewöhnlich mit einer Spitze, doch macht das Fehlen einer solchen den B. keineswegs untauglich. Zahl und Ort für die Auffangstangen sind so zu bemessen, daß sich alle Punkte des Gebäudes im Schutzkreis einer Stange befinden. Man sagt, daß ein Punkt in dem ein-, zwei-, dreifachen Schutzkreis einer Spitze liege, wenn sein seitlicher Abstand von derselben kleiner als der ein-, zwei- oder dreifache Höhenunterschied ist. Die Einzeldrähte sollen nicht unter 6, besser 8 mm stark sein; gut ist es, wenn der Querschnitt der Leitung 100 qmm beträgt (z. B. verzinktes Bandeisen von 4×25 cm), Die Luftleitung soll auf möglichst kurzen Wegen Auffangstangen und Erdleitungen zu einem metallisch vollkommen zusammenhängenden System verbinden. Ferner sind mit diesen Leitungen die größern im Gebäude befindlichen Metallkörper, wie Regenrinnen, Metalldächer, eiserne Treppen etc., in Verbindung zu bringen. Die Erdleitungen läßt man in Platten endigen, die ins Grundwasser horizontal versenkt werden. In der Regel genügt eine im Wasser liegende Platte von 1 qm oder mehrere Platten von dieser Gesamtgröße; überhaupt ist jede Verästelung im Erdreich von Nutzen, sofern dadurch nicht die Dauerhaftigkeit und Sicherheit der Verbindungen gefährdet wird. Stehende und fließende Gewässer, Gas- und Wasserröhren müssen unbedingt mit dem B. in Verbindung gesetzt werden. Das weitverzweigte Röhrensystem zieht den Blitz weit energischer an als der beste B., und das Unterbleiben des Anschlusses veranlaßt den für Gebäude, Personen und Röhren gefährlichen gewaltsamen Überschlag vom B. auf die Röhren. Eine einzige Erdleitung genügt in der Regel nur dann, wenn sie mit verschwindend kleinem Widerstand zu einer Entladungsstelle erster Klasse geführt werden kann, und wenn gleichzeitig das Gebäude nicht übermäßig seitlich ausgedehnt ist.
   Das Gay-Lussacsche System besitzt wenige, aber sehr hohe Auffangstangen und entsprechend starke Leitungen zu möglichst großflächigen Erdplatten. Das Melsenssche System hat statt der Aufsangstaugen kurze, besenförmige Spitzenbüschel, die Luftleitung führt in vielfachen dünnern Strängen möglichst an allen Seiten des Gebäudes nach unten, und die Verbindung mit dem Erdreich wird durch Verästelung der Erdleitungen an allen Seiten des Hauses oder durch mehrfachen Anschluß an das Netz der Gas- und Wasserröhren erreicht. Dies System wird jetzt bevorzugt; doch entscheiden auch die Kosten und architektonische Rücksichten. Findeisen versieht die Dachfirsten und Giebel mit metallischer Bekleidung (statt der Firstziegel Platten aus verzinktem Eisen) und benutzt jeden nach dem Boden gehenden metallischen Teil des Gebäudes zur Ableitung, legt aber nötigenfalls auch noch besondere Luftleitungen. Das Fundament, wenn möglich des ganzen Hauses, mindestens zweier Seiten, umgibt er mit einem in den Boden gebetteten Drahtseil, das an passenden Stellen mit einer oder zwei Erdleitungen versehen wird. Koch empfiehlt als

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billige Blitzschutzvorrichtung über den First her, über die Dachkanten herunter, etwa auch noch je über die Mitte der Seiten und Giebel herab und um den Sockel des Hauses herum verzinkte Eisendrähte von 5 mm Durchmesser in einem Zuge (Fig. 1) ohne Lötung zu ziehen. Wird ein so geschütztes Haus vom Blitz getroffen, so würde zwar die Drahtumhüllung geladen, aber im Innern eine größere Potenzialdifferenz nicht vorhanden sein, mithin eine elektrische Entladung ins Innere nicht erfolgen, falls nicht Telephon- oder Telegraphendrähte oder Gas- u. Wasserleitungsröhren etc. in das Haus geführt sind. Ist dies der Fall, so sind solche Leitungen an das Blitzableitersystem anzuschließen, Telephon- und Telegraphendrähte oder Starkstromleitungen mit Blitzapparaten zu versehen. Die Drähte werden durch verzinkte Krampen an der Hauswand befestigt, eine Führung der Leitung auf Stützen ist höchstens auf dem Dach erforderlich.
   Auf hölzernen Schiffen und auf eisernen, deren Masten bis zur obersten Spitze aus Holz bestehen, müssen nach den Vorschriften der Seeberufsgenossenschaft B. vorhanden und bis zum Wasserspiegel geführt sein. Wenn die Masten auf eisernen Schiffen teils aus Holz und teils aus Eisen bestehen, so müssen die B. eine leitende Verbindung zwischen den Spitzen und den untern Metallteilen der Masten herbeiführen. Sind die Masten bis zur obersten Spitze aus Eisen, so können B. fehlen. Die B. auf Schiffen bestehen meist aus einem Kupferdrahttau mit stark vergoldeter Spitze. Bei elektrischen Anlagen sind besonders die durch die Luft gespannten Leitungsdrähte durch den Blitz gefährdet. Die Telegraphenleitungen schützt man durch Plattenblitzableiter, zwei mit scharfen Rippen versehenen Messingplatten, durch deren eine die Leitung zu den Apparaten geht, während die andre an eine Erdleitung gelegt ist. Die Rippen liegen rechtwinkelig zueinander; die hochgespannte Elektrizität des Blitzes springt an den einander am meisten genäherten Punkten der Rippen über, während die strömende der Leitung diesen Weg nicht nehmen kann. Bei Starkstromleitungen ist dieser B. nicht brauchbar, weil die Entladung die Entstehung eines Lichtbogens zur Folge hat, dem der Strom folgen würde. Bei ihnen wendet man den von Siemens u. Halske angegebenen Hörnerblitzableiter (Fig. 2) an, zwei isoliert aufgestellte Drähte, von denen der eine mit der Leitung, der andre mit einer Erdleitung in Verbindung steht. Hat der Blitz die kürzeste Stelle zwischen beiden durchschlagen und dabei einen Lichtbogen eingeleitet, so stößt der Strom diesen ab und treibt ihn zwischen den Hörnern empor, wo seine Länge bald so groß wird, daß er abreißt und der Strom wieder den ihm vorgeschriebenen Weg nimmt. Solche B. sind für Gleichstrom und Wechselstrom gleich gut zu benutzen. Man setzt sie auf die Spitzen der die Leitung tragenden Maste, bei elektrischen Bahnen auch auf die Wagen. Weiteres über Blitzgefahr s. d.
   Vgl. Eisenlohr, Anleitung zur Ausführung und Visitation der B. (Karlsr. 1848); Holtz, Über die Theorie, die Anlage und die Prüfung der B. (Greifsw. 1878); Melsens, Sur les paratonnerres (Brüssel 1881); Meidinger, Geschichte der B. (Karlsr. 1888); Derselbe, Anlage der B. (3. Aufl., das. 1899); »Die Blitzgefahr, Mitteilungen und Ratschläge, betreffend die Anlage von Blitzableitern« (Berl. 1886 u. 1891, 2 Tle.); v. Waltenhofen, Über B. (Braunschw. 1890); Lodge, Lightning conductors and lightning gards (Lond. 1892); Nippoldt, Die Entstehung der Gewitter und die Prinzipien der B. (Frankf. 1897); Über Luftelektrizität (von Winkler, B. Franklin, Dalibard, Le Monnier) in den »Neudrucken von Schriften und Karten über Meteorologie«, Nr. 11 (Berl. 1898); Findeisen, Ratschläge über den Blitzschutz der Gebäude (das. 1899); Lindner, Der Blitzschutz (Leipz. 1901).
 
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Blitzfeuer, s. Meyers Leuchtturm.
 
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Blitzfiguren, s. Meyers Blitzgefahr.
 
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Blitzgefahr, die Gefährdung von Menschen, Tieren, Gebäuden und Bäumen durch den Blitz. Die B. für Menschen und Tiere ist vorzugsweise von deren Aufenthalt abhängig. Schätzungsweise werden in Deutschland jährlich wenigstens 200300 Personen vom Blitz getroffen und 50100 getötet; etwa die Hälfte dieser Personen befand sich im Freien und da von wieder der größte Teil unter Bäumen. Auf lebende Wesen wirkt der Blitz so schnell, daß sie meist lautlos und ohne Zuckung umfallen, wohl auch regungslos in ihrer letzten Haltung verharren. Bisweilen zeigen so Getötete keine oder ganz geringe Verletzungen, häufig aber auf der äußern Haut eigentümliche Blutunterlaufungen (Blitzfiguren, Keraunographie), die als zahlreiche, fein geästelte Adern auftreten. Im Innern des Körpers hat man wiederholt Zerreißungen der Gefäße (wohl durch Gasentwickelung) gefunden. Meist tritt zuerst Lähmung oder selbst Erstickung ein; Wiederbelebte klagten über Schmerzen wie bei Brandwunden. Schwere Verletzungen oder der Tod können auch durch blitzlosen elektrischen Ausgleich der Spannung zwischen Erde und Gewitterwolke erfolgen. In den Jahren 188291 kamen auf je 10,000 Gestorbene in Preußen 2,4, in Bayern 1,6 und in Sachsen 1,7 vom Blitz Erschlagene; in den Vereinigten Staaten starben 189098 im Mittel jährlich 312. Von 1 Mill. Einwohner wurden vom Blitz erschlagen in Preußen 6, in Steiermark und Kärnten 10, in den Vereinigten Staaten 5 Personen.
   Die B. für Gebäude hat in neuerer Zeit außerordentlich zugenommen. Hier versteht man unter B. die Zahl der Blitzschläge auf 1 Mill. Gebäude. Für Bayern fand v. Bezold als B.: 183340 (32,9)
   184150 27,5
   185160 48,9
   186170 65,8
   187180 93,2
   188190 142,1
   189197 (186,3) In 50 Jahren hat sich die B. hier versechsfacht; ähnlich, z. T. noch größer, ist die Steigerung im

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übrigen Deutschland. Die Vermehrung der Schadenblitze ist sowohl auf eine Zunahme der Tage mit solhen, als noch mehr auf eine Steigerung der Gefährlichkeit der einzelnen Gewittertage zurückzuführen. Die Gewitter haben an Häufigkeit und Heftigkeit zugenommen; dabei ist aber die Zahl der zündenden Blitze nicht in gleichem Maße gewachsen wie die der kalten, mechanisch zerstörenden Schläge (das Verhältnis beider war 188387: 43 Proz., 188892: 36 Proz., 189397: 32 Proz.). Die Ursache dieser Erscheinung läßt sich noch nicht bestimmt erkennen; jedenfalls kommen die mit der zunehmenden Industrie stärker werdenden Rauchmassen sehr in Betracht. Bezold hat darauf aufmerksam gemacht, daß in Bayern jedem Maximum der Sonnenflecke ein Minimum der Blitzschäden entspricht, doch gilt der Satz nicht umgekehrt. Die heftigsten Entladungen zertrümmern, die schwächern und verzögerten rufen Zündung hervor, daher sollen Blitzableiter nicht zu schwach sein, da sie sich sonst infolge großen Stromwiderstandes erhitzen und selbst zünden. Es ist für Personen in Gebäuden ratsam, sich von größern Metallmassen, Leitungsrohrenden, Kronleuchtern, Haustüren etc. zu entfernen. Telephon- und Telegraphenleitungen über dem Hause schützen es; einzelne Häuser sind mehr gefährdet als Gruppen. Gebäude mit harter Dachung sind weniger gefährdet als solche mit weicher; Kirchen, Türme und Mühlen sind besonders großer B. ausgesetzt.
   Am blitzschlagreichsten erweist sich der gewitterreichste Monat (Juli), doch weist Norddeutschland im September und Oktober eine ungewöhnlich größere Prozentzahl von zündenden Blitzen auf als das übrige deutsche Gebiet. Offenbar rührt dies daher, daß hier häufiger Wirbelgewitter zur Entwickelung gelangen, die zwar schnell vorüberziehen und auch nicht viele Blitze aussenden, bei denen aber meistens der elektrische Ausgleich mit der Erde stattfindet. Diese Gewitter treten auch meist zur Nachtzeit auf. Die meisten Blitzschläge erfolgen in den Nachmittagsstunden von 12 bis 6, dann folgen die Abendstunden 612, dann 612 am Vormittag, während sie nachts zwischen 12 und 6 Uhr selten sind; das Maximum liegt zwischen 3 und 4 Uhr nachmittags. Wie sich im großen und ganzen die Blitzschläge verteilten, zeigt die folgende Tabelle:

Das blitzschlagreichste Jahr in dieser Periode war 1889 mit 3415 Schlägen in Deutschland. Die Zahl der Tage im Jahre mit Blitzschlägen schwankt in Süddeutschland etwa zwischen 45 und 90, in Mitteldeutschland zwischen 65 und 115 und in Norddeutschland zwischen 60 und 100. In Deutschland betrug die B.:

Auf das Königreich Sachsen mit 9 Proz. des Flächenraums von Mitteldeutschland entfallen 28 Proz. aller Blitzschläge in Mitteldeutschland. Auch das Gebiet längs der Ruhr bis an den Rhein, das des Mains vom Spessart bis zum Rhein und Holstein haben sehr zahlreiche Blitzschläge. Auf 2422 Segelschiffsreisen registrierte die Seewarte 14 Blitzschläge, und zwar 11 bei hölzernen, 3 bei eisernen Schiffen, deren eiserne Masten, Rahen und Tauwerk ein gutes Schutzmittel zu bilden scheinen. Die Blitzschläge beschädigen auf Schiffen in der Regel Masten und Takelung oder reißen das Deck auf, zünden aber sehr selten. Der Blitzschlag macht eiserne Schiffsteile magnetisch, so daß der Kompaß falsch zeigt, auch ist eine Störung des Chronometerganges beobachtet worden.
   Der Blitz nimmt seinen Weg nach den hervorragenden und zugleich leitenden Punkten der Erdoberfläche oder der auf ihr befindlichen Gegenstände, um sich von da aus zu benachbarten ausgedehnten Leitmassen zu begeben, die seine allseitige Ausbreitung in der Erde vermitteln. Solche Leitmassen sind hauptsächlich das Grundwasser, fließendes oderstehendes Gewässer, Netze ausgedehnter metallischer Leitungen, die regendurchnäßte Erdoberfläche etc. Der Blitz folgt von der betroffenen Stelle aus im allgemeinen demjenigen Wege zu jenen Leitmassen, auf dem er die kleinsten Widerstände findet. Hierbei entscheidet nicht die galvanische Leitungsfähigkeit allein, sondern der Blitz strebt zugleich auch jenem Wege zu, auf dem ihm die kleinsten elektrischen Gegenkräfte (Selbstinduktion) erwachsen, selbst wenn hierzu die meterlange Durchbrechung von Mauern, Balken etc. erforderlich ist. Dabei kommen Verzweigungen und Seitenentladungen vor. Besonders kann der Blitz von einer mit der Erde schon in guter Verbindung stehenden Leitung (Blitzableiter) auf eine andre benachbarte Leitung von noch besserer Erdverbindung (Gas-, Wasserröhren) überschlagen. Ausgedehnten, besonders von oben nach unten verlaufenden Metallgegenständen (Dachrinnen, Treppen, Röhren) folgt der Blitz meist der ganzen Länge nach.
   Seit dem Altertum ist bekannt, daß die B. einzelner Bäume sehr ungleich ist: der Lorbeer wird fast nie, die Eiche sehr oft vom Blitz getroffen. Die Ursache ist in der verschiedenen elektrischen Leitungsfähigkeit des Holzes wie in dem mehr oder weniger wasserreichen Standort zu suchen. Auch das Vorhandensein einer größern Zahl trockner Äste in der Krone erleichtert den Übergang des elektrischen Funkens (Eiche, Pappel). Die elektrische Leitungsfähigkeit ist unabhängig vom Saftgehalte des Baumes, aber abhängig vom »Ölgehalt«; je größer dieser ist, um so größer gestaltet sich der Widerstand beim Durchgang der Elektrizität (Kiefer, Buche). Die Blitzbahn verläuft meist in den wasserreichen jüngsten Jahresringen; eine Verkohlung tritt nicht ein. Nach langjährigen Beobachtungen in den lippeschen Forsten verteilen sich die Blitzschläge folgendermaßen: Eiche 254, Kiefer 39, Lärche 9, Pappel 9, Buche 26, Fichte 31, Birke 6, wobei zu bemerken

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ist, daß diese Baumbestände sich dem Flächeninhalt nach so verhalten: Eiche 11, Kiefer 6, Buche 70, Fichte 13 Proz. Anderseits verteilten sich dieselben auf die Bodenarten so: Lehmboden 203, Sandboden 73, Kalkboden 19, Ton 64, Keupermergel 37, unsicher 22; ob die B. von der Bodenart abhängt, erscheint neuerdings fraglich. Da alle Kulturpflanzen im Winter ölreicher sind, so sind dieselben in dieser Zeit der B. weniger ausgesetzt.
   Die besondere Gefährdung der Telegraphenlinien u. -Ämter unterliegt keinen großen Schwankungen. 1886 wurden von 2291 Orten Gewitter gemeldet. Dabei kamen 2728 Beschädigungen vor, von denen, abgesehen von den Blitzableitern, 146 oder 9 Proz. auf die innern Telegrapheneinrichtungen und 1475 oder 91 Proz. auf die äußern Telegraphenanlagen kamen. Von den letztern betreffen 46 Proz. die Telegraphenstangen, die übrigen die Isolatoren u. Drähte. Vgl. Kaßner: Über zündende und nichtzündende Blitzschläge in Deutschland 18641889 (Merseb. 1889), Über Blitzschläge in Deutschland 18761891 (das. 1891), Über Blitzschläge in der Provinz Sachsen und dem Herzogtum Anhalt 18871897 (das. 1898); Weber, Berichte über Blitzschläge in der Provinz Schleswig-Holstein (Kiel 1882); Blenck, Die Zunahme der B. und die Einwirkung des Blitzes auf den menschlichen Körper (Berl. 1894); Ionesco, Über die Ursachen der Blitzschläge in Bäumen (Stuttg. 1892); v. Bezold, Über die Zunahme der B. während der letzten 60 Jahre (Berl. 1899); Arendt, Über die Zunahme der B. (in der Monatsschrift »Das Wetter«, 1899).
 
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Blitzkatarrh, s. Meyers Grippe.
 
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Blitzlicht, in der Photographie verwendetes, blitzartig verbrennendes Gemisch von Magnesium- oder Aluminiumpulver mit sauerstoffreichen Salzen, wie Kaliumchlorat, Salpeter, Kaliumhypermanganat, das elektrisch oder mit Lunte entzündet wird. B. erhält man auch, wenn man reines Magnesiumpulver mit geeigneten Vorrichtungen durch eine Kerzen- oder Weingeistflamme bläst oder pustet (Pustlicht), wozu eigens konstruierte Lampen dienen. Die Verbrennungsdauer derartigen Blitzlichtes ist beiläufig 1/10-1/50 Sekunde. Man benutzt B. zur Photographie von Personen, Innenräumen, in photographischen Ateliers mit künstlicher Beleuchtung etc. Vgl. Schnauß, Die Blitzlichtphotographie (3. Aufl., Leipz. 1902).
 
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Blitzphotographie, s. Meyers Gewitter.
 
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Blitzpulver, soviel wie Bärlappsamen, s. Lycopodium.
 
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Blitzrad (Unterbrechungsrad), Vorrichtung, die den Strom einer galvanischen Batterie rasch hintereinander unterbricht und wiederschließt, besteht aus einem am Rande gezahnten metallenen Rade, dessen horizontale Achse mit dem einen Pol der Batterie verbunden ist; gegen den Umfang des Rades drückt federnd ein mit dem andern Pol verbundener Metallstreifen. Beim Drehen des Rades wird der Strom in rascher Folge abwechselnd geschlossen und wieder geöffnet, und bei jedesmaligem Öffnen blitzt ein Funke auf.

 

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