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Blindschleiche bis Blitz (Bd. 3, Sp. 59 bis 60)
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Artikelverweis Blindschleiche (Anguis L.), Eidechsengattung aus der Unterordnung der Kurzzüngler, schlangenähnliche Tiere mit unter der Haut versteckten Gliedmaßen, sehr kleinen, meist unter Schuppen liegenden Ohren, langen, spitzen Zähnen, auf dem Kopf mit größern Schilden, auf dem Körper mit kleinen, glänzenden Schuppen bedeckt. Die B. (Bruchschleiche, Glasschlange, Haselwurm, A. fragilis L., s. Tafel Meyers »Eidechsen I«, Fig. 6), 40 cm lang, hat zwei goldgelbe Augen, mit denen sie sehr gut sieht, ist oben bleigrau, an den Seiten rötlichbraun, bisweilen dunkel gestreift, am Bauch bläulichschwarz, gelblichweiß punktiert, aber sehr veränderlich in der Färbung, bewohnt Europa, Algerien und Vorderasien, lebt an buschigen oder grasigen Orten, unter Steinen, in selbstgegrabenen Höhlen etc. und hält vom Oktober bis März, oft gesellig, Winterschlaf. Sie erbeutet, besonders nachts, Nacktschnecken, Regenwürmer, Raupen und hält sich an sehr heißen, trocknen Tagen verborgen. Sie ist durchaus ungefährlich und vollkommen wehrlos. Bei sehr starker Bewegung bricht leicht ein Stück ihres Schwanzes ab. Im August und September legt sie zahlreiche Eier, aus denen sich die bereits vollkommen entwickelten Jungen sofort herauswinden.
 
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Blindtaubstumme, s. Meyers Dreisinnige.
 
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Blindwühler (Ringelwühler, Schleichenlurche, Cöcilien, Gymnophiona, Apoda), Ordnung der Amphibien, wurmförmige Tiere ohne Extremitäten, mit kaum hervortretendem Kopf und Schwanz, z. T. mit in der Haut versteckten Schuppen. Der Körper erscheint durch quere Furchen geringelt. Augen fehlen gänzlich oder liegen unter der Kopfhaut. Vor ihnen befindet sich jederseits eine kleine Öffnung mit einem vorstreckbaren Taster, der zu einer Drüse in Beziehung steht. Die B., etwa 37 Arten, finden sich in den Tropen Amerikas, Afrikas, Asiens; sie leben nach Art der Regenwürmer und nähren sich von Insekten und Gewürm. Die Verwandlung der Jungen geschieht großenteils schon im Ei, die Embryonen können große Kiemenbüschel aufweisen, was auf ein früheres Wasserleben hindeutet; die Kiemen gehen bald verloren, die B. atmen durch Lungen.
 
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Blinkfeuer, s. Meyers Leuchtturm.
 
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Bliny, russisches Gebäck aus Buchweizenmehl, wird mit Kaviar oder Butter gegessen.
 
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Blinzeln (Plinken, Nictatio), sehr schnelles Schließen und Wiederöffnen der Augenlider, erfolgt willkürlich oder reflektorisch (z. B. bei Berührung des Augapfels oder auch nur der Wimpern, bei Einwirkung intensiven Lichts u. a. m.). Hier dient das B. zum Schutz des Auges. Beim Menschen und einigen Tieren tritt bei der Berührung eines Auges stets beiderseitiges B. auf. Beim Kaninchen, bei den meisten Vögeln, beim Frosch u. a. blinzelt nur das gereizte Auge. Kurzsichtige kneifen die Lidspalte zu (Blinzen), um das Erkennen von Gegenständen zu befördern, weil die Zerstreuungskreise der Netzhautbilder, welche die Deutlichkeit des Sehens hindern, durch die künstliche Verkleinerung des Pupillargebiets, die mit dem B. eintritt, selbst verkleinert werden.
 
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Blinzhaut, soviel wie Nickhaut (s. d.).
 
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Blitong, Insel, s. Meyers Billiton.
 
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Blittersdorff, 1) Johann Werner, Freiherr von (auch Plittersdorff), geb. 1600, gest. um 1684, war im »Wildfangstreit« (s. d.) als Bevollmächtigter der reichsunmittelbaren Ritterschaft in Schwaben, Franken und am Rhein und als Vertreter des Kurfürsten von Mainz 166469 am kaiserlichen Hofe tätig. Als kaiserlicher Resident in Rom (16671676) deckte er 1669 die verräterischen Ränke des Fürsten Auersperg (des Ministers Kaiser Leopolds I.) auf und führte dadurch dessen Verbannung herbei. 1673 wurde er Reichshofrat.
   2) Friedrich Karl Landolin, Freiherr von, bad. Staatsmann, geb. 14. Febr. 1792 zu Mahlberg im Breisgau, gest. 16. April 1861 in Frankfurt, einer altadligen reichsfreiherrlichen Familie angehörend, die seit etwa 1600 in Baden ansässig war und zur reichsunmittelbaren Ritterschaft des Kantons Ortenau

[Bd. 3, Sp. 60]


zählte, studierte 180912 die Rechte, wurde 1813 badischer Legationssekretär in Stuttgart, 1814 Attaché des badischen Ministers Freiherr v. Berstett (s. d.) im Hauptquartier der Verbündeten, 1816 Legationsrat beim Bundestag, 1817 Kammerherr und Geheimer Kabinettsrat, 1818 Geschäftsträger am russischen Hof und war 182035 Bundestagsgesandter, eine streng bundesrechtlich-monarchische Gesinnung betätigend. Ende Oktober 1835 wurde B. badischer Minister des Äußern und des großherzoglichen Hauses und geriet in dieser Stellung in Streit mit den liberalen Kammern, da er die Rechte des Fürsten und das System des deutschen Bundes scharf verteidigte. Der grundsätzliche Gegensatz, der im »Urlaubsstreite« zum Ausdruck kam, veranlaßte den Minister zum freiwilligen Rücktritt (November 1843). Er wurde wieder Bundestagsgesandter, zugleich Gesandter für Belgien und die Niederlande, und bemühte sich, durch Reformvorschläge den Stürmen von 1848 rechtzeitig vorzubeugen. Die Revolutionsereignisse selbst bewogen ihn 14. März 1848 zum Rücktritt; er lebte nun, seit 1824 mit Maximiliane v. Brentano vermählt, in Frankfurt a. M., schriftstellerisch tätig. Er hinterließ umfängliche Memoiren (noch nicht veröffentlicht) und gab »Einiges aus der Mappe des Freiherrn v. B.« (Mainz 1849) heraus, worin er interessante Aktenstücke aus vormärzlicher Zeit veröffentlichte.
 
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Blitum, s. Chenopodium.
 
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Blitz, s. Meyers Gewitter.

 

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