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Blindendruck bis Blindheim (Bd. 3, Sp. 58)
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Artikelverweis Blindendruck (Blindenschrift, Hochdruck, Reliefdruck, Prägedruck), ein Druckverfahren, bei dem die Buchstaben in leicht tastbarer Form auf dem Papier erscheinen. Die Schrift wird in einfachen Linien von gleichmäßiger Stärke gehalten; eckige Formen, die dem tastenden Finger leichter erkennbar sind, werden bevorzugt, über, bez. unter die Zeile ragende Längen vermieden. Der erste Druck von Blindenbüchern wurde von Valentin Hauy in Paris hergestellt (1786), nachdem schon früher Versuche eines Blindendruckes gemacht waren. Das erste deutsche Buch in B. erschien 1811 in Wien unter J. W. Kleins Leitung. Zeune in Berlin druckte Bücher mit Stacheltypen, deren Stacheln durch das Papierdringen und einpunktiertes Relief geben. Mehrere Engländer wandten besondere willkürliche, auf den Tastsinn der Blinden berechnete Buchstabenzeichen an, und das System von Moon in Brighton hat sich bis heute erhalten und ziemlich weit verbreitet. Eine vollständige Umwälzung erfuhr der B. durch die Erfindung des blinden Louis Braille in Paris, der um 1825 ein Alphabet aus Punkten konstruierte, das durch seine Einfachheit und die Möglichkeit, auch das Druckverfahren zu vereinfachen, Raum und Zeit zu sparen, sich heute die ganze Welt erobert hat. Die Grundlage seiner Buchstabenbezeichnung bilden sechs in zwei Reihen angeordnete Punkte , die verschieden kombiniert werden. Die Zeichen für A-I ( A, : B, C, D etc.) stehen in den beiden obersten Linien. Setzt man zu diesen Zeichen überall den letzten Punkt der ersten Vertikalreihe, so erhält man die Buchstaben K-T; zu diesen den letzten Punkt der zweiten Reihe gesetzt, gibt die weitern Buchstaben des französischen Alphabets etc. Setzt man vor die ersten zehn Zeichen die Form , so bedeuten die Punktgruppen Ziffern. Dieselben Zeichen auf die beiden untern Linien beschränkt, geben die Satzzeichen. Die Punktschrift findet auch ausgedehnte Anwendung für das Schreiben von Noten, bez. Musikalien, und endlich ist eine Stenographie oder Kurzschrift konstruiert worden. Heute bedienen sich die Blinden aller Nationen eines ihren Bedürfnissen angepaßten Punktalphabets. Das Schreiben der Schrift geschieht auf Punktierapparaten von verschiedener Konstruktion, der Bücherdruck meist mit Metallplatten, seltener mit Bleitypen. Auf dem internationalen Kongreß der Blindenlehrer 1879 in Berlin wurde die Braillesche Punktierschrift als Weltschrift für Blinde angenommen. An vielen Anstalten bestehen Blindendruckereien, und die Bibliotheken für Blinde nehmen einen entsprechenden Umfang an. Vgl. Mell, Enzyklopädisches Handbuch des Blindenwesens (Wien 1900). Seit 1888 erscheint in Berlin die Monatsschrift »Blindendaheim«, in Brailleschrift.
 
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Blindenunterricht, s. Meyers Blindenanstalten.
 
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Blinder Fleck der Netzhaut (Mariottescher Fleck), s. Text zur Tafel Meyers »Auge II« und Gesicht.
 
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Blinder Heide, nach Röm. 11,25 und Eph. 4,17 gebildeter Ausdruck, zur Bezeichnung eines geistig beengten, tieferer Erkenntnis unzugänglichen Menschen.
 
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Blinder Hesse, seit dem 16. Jahrh. belegte spöttische Bezeichnung der Hessen, auf ihre angebliche geistige Blindheit bezüglich und wahrscheinlich auf üble Nachrede der Nachbarstämme zurückzuführen. Vgl. Wiesenbach, Die blinden Hessen (Hamb. 1891).
 
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Blinder Schuß (Manöverschuß), ein Schuß ohne Geschoß, im Gegensatze zum scharfen Schuß.
 
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Blindes Loch, s. Meyers Zunge.
 
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Blindfisch, s. Meyers Inger.
 
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Blindfliege, s. Meyers Bremsen.
 
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Blindhacke, s. Meyers Rübenbau.
 
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Blindheim (Blenheim), Dorf im bayr. Regbez. Schwaben, Bezirksamt Dillingen, an der Donau und der Staatsbahnlinie Neuossingen-Ingolstadt, hat eine kath. Kirche, ein Schloß und (1900) 674 Einw. Nach ihm benennen die Engländer die Schlacht von Höchstädt (s. d.) 13. Aug. 1704. Marlborough erhielt dafür von der Königin Anna das Schloß Blenheim House bei Woodstock in Oxfordshire zum Geschenk. Die von Marlborough gestiftete Blenheim-Galerie wurde vom Herzog George von Marlborough (gest. 1892) verkauft.

 

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