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Blieskastel bis Blinddarmklappe (Bd. 3, Sp. 55 bis 56)
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Artikelverweis Blieskastel (Castellum ad Blesam), Stadt im bayr. Regbez. Pfalz, an der Blies und der Eisenbahn Zweibrücken-Saargemünd, hat eine kath. Kirche, eine Wallfahrtskapelle, Synagoge, Präparandenschule, Amtsgericht, Forstamt, Waisenhaus, Schuhfabrikation, Bierbrauerei, Sandsteinbrüche und (1900) 1558 Einw. In der Nähe der sogen. Gotenstein, vermutlich ein alemannischer Grenzstein. B. gehörte ehedem den Grafen von der Leyen, die aber 1792 durch die Franzosen vertrieben wurden. Ihr Schloß liegt als Ruine.
 
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Bligh (spr. blai), William, brit. Seemann, geb, 1753 zu Tyntan in Cornwall, gest. 7. Dez. 1817 in London, nahm 177679 an Cooks letzter Weltumsegelung teil. Als Kapitän des Schiffes Bounty 1787 beauftragt, den Brotbaum von Tahiti nach Westindien zu verpflanzen, ward er auf der Fahrt von der meuterischen Mannschaft mit 18 Mann in einem Boot ausgesetzt, in dem er nach unglaublichen Drangsalen nach Batavia gelangte, während sich die Bounty nach Tahiti zurückbegab. In England veranlaßte B. die Absendung eines Kriegsschiffes unter Kapitän Edwards zur Ergreifung der Meuterer, von denen ein Teil auf Tahiti ergriffen ward, während sich der Rest mit dem Haupträdelsführer Fletcher Christian nach der Pitcairninsel (s. d.) geflüchtet hatte. Ihre Schicksale daselbst gaben Byron den Stoff zu seiner Dichtung »The island, or Christian and his comrades«, B. wurde 1806 zum Gouverneur von Neusüdwales ernannt, machte sich aber auch hier durch seine Strenge so verhaßt, daß ihn das dortige Militär 1808 nötigte, seinen Posten aufzugeben und nach England zurückzugehen, wo er später zum Admiral befördert wurde. Er schrieb: »Voyage to the South Sea« (Lond. 1792; deutsch von Forster, Berl. 1793).
 
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Blighĭa Koen., Gattung der Sapindazeen mit der einzigen Art B. sapida Koen. (Aki, Vegetable marrow, Ris de veau végétal, Vild Kaschu), ein bis 20 m hoher, reichästiger Baum mit heller Rinde, zwei- bis fünfjochigen Blättern, langgestielten, einzeln stehenden oder zu armblütigen Wickeln geordneten Blüten in gestreckten, traubenartigen, achselständigen

[Bd. 3, Sp. 56]


Thyrsen und hühnereigroßer, stumpfdreikantiger Frucht. Der mandelartige Same ist fast zur Hälfte von einem dicken weißen Samenträger umgeben. Der reichtragende Baum ist im tropischen Westafrika weitverbreitet, wird aber auch in Venezuela, auf den westindischen Inseln etc. häufig kultiviert. Der Samenträger ist als Speise sehr beliebt. Im tropischen Amerika, namentlich in Venezuela, vertritt er die Eierspeisen. Ein über die Blüten destilliertes Wasser dient als kosmetisches Mittel.
 
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Blind, des Augenlichts ermangelnd, s. Meyers Blindheit und Meyers Blindenanstalten. Im übertragenen Sinn heißt b. in der Anatomie ein Kanal, der keinen Ausgang hat, z. B. der Blinddarm (s. Meyers Darm). Im Bauwesen heißt b. ein Architekturteil, der versteckt oder seiner natürlichen Durchsichtigkeit beraubt wird, oder der in der Absicht zu täuschen einen andern Bauten nachahmt. So spricht man von blindem Boden (Blindboden, s. d.) und bringt blinde Fenster, Türen etc. nur der Symmetrie wegen an, ohne daß sie den natürlichen Zweck dieser Bauteile haben, wenn sie nicht gar nur ausgemalt sind. B. heißen auch Metalle, Glas oder andre glänzende Körper, die durch chemische oder mechanische Einflüsse ihren Glanz, bez. ihre Durchsichtigkeit verloren haben. Oft wird diese Blindheit absichtlich herbeigeführt (s. Meyers Mattieren). Auch nennt man alles b., was nur zum Scheine geschieht oder vorhanden ist; z. B. blinder Angriff, soviel wie Scheinangriff; blinder Kauf, soviel wie Scheinkauf.
 
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Blind, Karl, Schriftsteller, geb. 4. Sept. 1826 in Mannheim, beteiligte sich schon als Student der Rechte in Heidelberg an politischen Bewegungen, wurde 1847 verhaftet und trat 1848 in Baden als Parteiführer hervor. Verwundet floh er ins Elsaß, kämpfte im Herbst, als Mitglied der provisorischen Regierung, mit, wurde mit Struve im Schwarzwald gefangen genommen und 1849 zu 8 Jahren Zuchthaus verurteilt. Von Volk und Soldaten befreit, ging er als diplomatischer Bevollmächtigter des regierenden Landesausschusses nach Paris, wo er von Napelon III. für immer ausgewiesen wurde. Von Brüssel kam er 1852 nach London, von wo aus er enge Beziehungen zu den Häuptern der europäischen Demokratie unterhielt, aber gleichzeitig für die Sache Deutschlands, so in der schleswig-holsteinischen Frage und während des Krieges von 1870/71, tätig war. In deutschen, englischen, amerikanischen, italienischen Zeitschriften veröffentlichte er seine Forschungen über germanisches Altertum, Geschichte, Politik, Literatur und Sprachkunde. Sein Stiefsohn Ferdinand (Cohen) versuchte in politischem Fanatismus 7. Mai 1866 in Berlin ein Attentat auf Bismarck und gab sich im Gefängnis den Tod.
 
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Blindbaum, s. Excoecaria.
 
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Blindboden, Bodenbelag aus Brettern oder Bohlen, der unter dem eigentlichen Fußboden (Dielen, Band-, Tafelparkett etc.) zu liegen kommt. Blindböden sind zur Befestigung dieser Fußböden erforderlich, tragen auch zu deren besserer Erhaltung bei, halten die Zimmer wärmer und vermindern die Schalldurchlässigkeit der Geschoßdecken.
 
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Blindbremse, s. Meyers Bremsen.
 
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Blinddarm, s. Meyers Darm.
 
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Blinddarmentzündung, eine selten vom Blinddarm (Typhlitis), meist von dessen wurmförmigem Anhang, dem Wurmfortsatz (appendix), ausgehende Entzündung (Appendicitis, Perityphlitis). Gewöhnlich greifen entzündliche, häufig mit Geschwürsbildung einhergehende Schleimhauterkrankungen des Wurmfortsatzes durch dessen Wand auf den Bauchfellüberzug desselben, oft auch auf das hinter dem Blinddarm gelegene Zellgewebe (Paratyphlitis) über und führen hier zur Bildung entzündlicher Ausschwitzungen und Eiterungen. Die ursprüngliche Schleimhauterkrankung wird sehr häufig durch Kotsteine verursacht, die sich aus eingedicktem Kot oder durch Niederschläge auf Fremdkörper (z. B. Haare) im Wurmfortsatz bilden und durch Druck unter Mit wirkung der stets vorhandenen Bakterien die Schleimhaut zum geschwürigen Zerfall, oft bis zum Durchbruch, veranlassen. Der weitverbreitete Glaube, daß verschluckte Kirschkerne zu B. führen können, ist grundlos, da solche wegen ihrer Größe nicht in den Blinddarm eindringen können. Meistens, nicht immer, beginnt die Krankheit langsam genug, daß eine Verklebung des entzündeten Bauchfellüberzugs mit den benachbarten Darmschlingen erfolgen kann, dadurch wird einer tödlichen Verbreitung der Entzündung auf das ganze Bauchfell vorgebeugt. Die entzündlichen Ausschwitzungen können nun aufgesaugt werden, womit Heilung eintritt. Entstandener Eiter kann von narbigem Gewebe abgekapselt und allmählich eingedickt werden. Oft treten hierbei Rückfälle auf. Der Eiter kann ferner in die Nachbarschaft durchbrechen, z. B. in den Darm, durch die Haut nach außen mit schließlicher Heilung, oder in die Bauchhöhle mit tödlicher Bauchfellentzündung. Die B. beginnt meist mit Schmerz in der rechten untern Bauchgegend, häufig folgt Erbrechen, meistens herrscht Verstopfung. Unter geringem Fieber tritt nun eine sehr druckempfindliche, undeutlich begrenzte, leicht angeschwollene Verhärtung in der Blinddarmgegend auf. Der weitere Verlauf kann ein schleichender, aber auch sehr stürmischer sein. Behandlung: Wer Schmerzen in der rechten Bauchseite hat, befrage den Arzt. Abführmittel sind trotz bestehender Verstopfung zu vermeiden. Für die größere Mehrzahl der Fälle reicht strengste körperliche Ruhe, völlige Nahrungsenthaltung, Ruhigstellung des Darmes durch Opium zur Heilung aus. Häufig jedoch wird chirurgische Behandlung (Einschnitt, Euerentfernung, Entfernung des Wurmfortsatzes) notwendig und von lebensrettender Bedeutung. Die trefflichen Erfolge der Chirurgie haben die Forderung veranlaßt, alle oder die Mehrzahl der Fälle von B. zu operieren, doch wird dies von den meisten Ärzten als zu weitgehend abgelehnt. Die Sterblichkeit bei B. beträgt 510 Proz. Die einfache Typhlitis (s. oben) ist eine harmlose, meist auf Kotstauung beruhende und durch Abführmittel leicht zu beseitigende Erkrankung.
 
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Blinddarmklappe, s. Meyers Darm.

 

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