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Bleioxyd bis Bleirot (Bd. 3, Sp. 48 bis 49)
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Artikelverweis Bleioxyd PbO entsteht beim Erhitzen von Bleihydroxyd, salpetersaurem oder kohlensaurem Blei und wird aus kochender Lösung von Bleizucker durch Kalilauge gefällt. Metallisches Blei, auf dem Herd eines Flammofens, also bei Zutritt von Luft, erhitzt, verwandelt sich zuerst in graue Bleiasche (Bleisuboxyd), die durch Aufnahme von mehr Sauerstoff in gelbes B. übergeht. So dargestelltes B. (Massicot) wurde früher als gelbe Malerfarbe benutzt. Beim Abtreiben des Silbers oxydiert sich das Blei der vor dem Gebläse geschmolzenen Bleisilberlegierung zu B., welches schmilzt und durch einen Einschnitt in der Seitenwand des Herdes abfließt. Dies B. bildet die Bleiglätte (Glätte, Lithargyrum), die meist auf reines Blei (Frischblei) verarbeitet wird, aber auch in den Handel kommt. Sie ist nach schnellem Erkalten gelblich (Silberglätte), nach langsamem Erkalten rötlich (Goldglätte, Kaufglätte). Glätte bildet sanft anzufühlende, leicht zerreibliche Schuppen vom spez. Gew. 9,36. B. löst sich in 7000 Teilen Wasser, in Essigsäure, Salpetersäure und sehr verdünnter Salzsäure, auch in kochender Kali- und Natronlauge und in Kalkmilch, wird beim Erhitzen braunrot, nimmt aber beim Abkühlen die ursprüngliche Farbe wieder an. Bei Weißglut ist es flüchtig. Beim Erhitzen an der Luft nimmt B. Sauerstoff auf und bildet Bleisesquioxyd Pb2O3 und Mennige Pb3O4. Es absorbiert aus der Luft Kohlensäure und verbindet sich beim Schmelzen leicht mit Kieselsäure; das entstandene Silikat löst andre Silikate, und daher durchbohrt B. hessische Schmelztiegel; beim Kochen fetter Öle mit B. werden dieselben verseift, und es entsteht Bleipflaster (s. d.). Beim Erhitzen mit Kohle wird B. leicht reduziert. Aus löslichen Bleisalzen fällt Natriumhydroxyd weißes, schweres Bleihydroxyd Pb(OH)2, das schon bei 130° Wasser abgibt, schwach alkalisch reagiert, mit Säuren die Bleisalze und mit Basen die Plumbite bildet, in denen es die Rolle einer Säure spielt. Bleiglätte enthält meist Kohlensäure, Wasser, auch Eisen und Kupferoxyd, welch letzteres durch Digerieren mit einer Lösung von kohlensaurem Ammoniak ausgezogen werden kann. Kohlensäure und Wasser werden durch Erhitzen ausgetrieben. B. dient zur Darstellung von Kristallglas, Flintglas, Straß, zu Glasuren, als Flußmittel in der Porzellan- und Glasmalerei, zur Bereitung von Firnis, Pflaster, Kitt, Bleizucker, Bleiessig, Bleiweiß und Mennige; die Lösung in Natronlauge (Natriumplumbit) dient zur Bereitung von zinnsaurem Natron, zum Schwarzfärben von Horn und Haaren, zur Imitation von Schildpatt und Büffelhorn (der Schwefel der Haar- und Hornmasse bildet schwarzes Schwefelblei), zur Erzeugung von Regenbogenfarben auf Messing und Bronze etc.
 
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Bleioxyd, braunes, soviel wie Bleisuperoxyd; rotes, soviel wie Mennige.
 
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Bleioxydsalze, soviel wie Bleisalze.
 
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Bleipapier, s. Meyers Bleiblech.
 
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Bleiperoxyd, s. Meyers Bleisuperoxyd.
 
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Bleipflaster (Bleiglättepflaster, Emplastrum lithargyri, plumbi, Diachylon simplex), pharmazeutisches Präparat, wird durch Kochen gleicher Teile Olivenöl, Schmalz und Bleiglätte (Bleioxyd) mit wenig Wasser erhalten. Das Bleioxyd zersetzt die Fette und bildet unter Abscheidung von Glyzerin ein Gemisch von stearin-, palmitin- und oleïnsaurem Blei, das durch Kneten mit warmem Wasser vom Glyzerin befreit wird. Gutes B. ist fest und wird in der Hand weich, aber nicht schmierig. Gummi-, Zug-, Diachylonpflaster (Empl. lithargyri compositum, Diachylon compositum) besteht aus 24 Teilen B., 3 gelben Wachses, 2 Ammoniacum, 2 Galbanum, 2 Terpentin, ist dunkler gelb, klebend, etwas schmierig, wirkt reizend und wird auf Geschwüren benutzt. Seifenpflaster (Empl. saponatum), aus 70 B., 10 gelben Wachses, 5 Seifenpulver, 1 Kampfer mit 1 Olivenöl zerrieben, ist weißlich, wenig klebend, wird zum Erweichen von Hühneraugen benutzt. Bleiweißpflaster (Froschlaichpflaster, Empl. cerussae) wird aus 12 Teilen Bleipflaster mit 2 Olivenöl, 7 Teilen Bleiweiß und etwas Wasser gekocht, ist weiß, schwer, hart, sehr zäh. Mutterpflaster (Hamburger-, Nürnberger-, Universal-Defensivpflaster, Empl. fuscum camphoratum, Empl. minii adustum, Empl. universale) wird aus 30 Teilen Mennige und 60 Olivenöl gekocht, bis die Masse schwarzbraun geworden ist, und erhält dann einen Zusatz von 15 Teilen gelben Wachses und 1 Teil Kampfer mit 1 Teil Olivenöl verrieben. Es wird zum Heilen von Wunden benutzt.
 
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Bleipflastersalbe, Hebrasche Salbe, s. Meyers Bleisalben.
 
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Bleipräparate, arzneilich benutzte Präparate, die Blei als wesentlichen Bestandteil enthalten: essigsaures Blei (Bleizucker), Bleiessig, eine Lösung von basisch-essigsaurem Blei, und Bleiwasser, Mischungen von Bleiessig mit destilliertem, resp. Brunnenwasser und Spiritus (s. Meyers Bleiessig), Bleioxyd (Bleiglätte), Mennige, basisch kohlensaures Blei (Bleiweiß), Jodblei, gerbsaures Blei im breiförmigen Zustand, Bleipflaster und Bleisalben.
 
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Bleirauch, Metalldämpfe, die sich beim Schmelzen des Bleies und beim Abtreiben des Silbers entwickeln und die Gesundheit der Arbeiter und die Umgebung der Hüttenwerke schädigen. Der B. besteht aus Bleioxyd, kohlensaurem und schwefelsaurem Blei, Antimonoxyd, Arsensäure, Zinkoxyd, Wismutoxyd, kohlensaurem Kalk, Kieselsäure und Ton. Er bedingt einen hohen Verlust im Bleihüttenprozeß, und man sucht ihn daher in Flugstaubkammern und Kanälen zu kondensieren. Vgl. Hüttenrauch.

[Bd. 3, Sp. 49]



 
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Bleiröhren, gezogene oder gepreßte Röhren (s. d.) aus Blei, werden besonders zu Wasserleitungen benutzt, auch für diesen Zweck innen verzinnt.
 
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Bleirot, soviel wie Mennige (s. d.).

 

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