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Bleichsucht bis Bleiessig (Bd. 3, Sp. 46 bis 47)
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Artikelverweis Bleichsucht (Chlorose, v. griech. chlōros, »gelblichgrün«), eine Form der primären Anämien, die sich häufig beim weiblichen Geschlecht in den Pubertätsjahren, bei Männern so gut wie nie findet. Ihre Ätiologie ist noch völlig dunkel; gewöhnlich pflegt man unzweckmäßiges Leben und unzweckmäßige Ernährung anzuschuldigen (mangelhafter Genuß frischer Luft, Überanstrengung, mangelnde Nachtruhe, aber auch starke geistige Erregungen). In einzelnen Fällen scheint eine Beziehung zur Entwickelung der Geschlechtsorgane zu bestehen, wenigstens findet man häufig Anomalien derselben. Angeborne Enge der Gefäße (Virchow) dürfte nur sehr vereinzelt die Ursache sein. Im Blut ist weniger die Zahl der roten Blutkörperchen, als ihr Hämoglobingehalt vermindert. Die Symptome sind zunächst die allgemeinen der Anämien: große Müdigkeit, Flimmern vor den Augen, Schwindel, Ohrensausen, Neigung zu Kopfschmerzen, Kurzatmigkeit bei körperlichen Anstrengungen. Die Kranken sehen sehr blaß (oft mit einem Stich ins Grünliche) aus, namentlich die Schleimhäute sind wachsbleich. Häufig sind Verdauungsbeschwerden, besonders Stuhlverstopfung und Magenschmerzen. Nicht selten entwickeln sich bei Chlorotischen runde Magengeschwüre. Bisweilen haben Chlorotische eigentümliche Gelüste nach sauren oder pikanten Speisen oder gar nach ungenießbaren Dingen, wie Kohle, Kreide. Oft finden sich leichte wassersüchtige Anschwellungen, besonders an den Füßen. Häufig klagen die Kranken über Herzklopfen. Bei der Untersuchung des Herzens hört man ganz gewöhnlich blasende, systolische Geräusche über dem Herzen selbst und namentlich. über den Halsvenen das sogen. Nonnensausen, doch sind beide Erscheinungen nicht für B. allein charakteristisch. Die Menstruation bleibt entweder ganz aus oder ist auch wohl abnorm reichlich. Häufig besteht weißer Fluß. Der Verlauf ist zunächst ein günstiger, obwohl die B. öfter wiederkehren kann. Schwerer erkrankte Patienten gehören unbedingt ins Bett. Die Behandlung besteht in kräftiger Ernährung und der Zufuhr von Eisen. Es genügt, dasselbe in Form anorganischen Eisens zu verabreichen (Blaudsche Pillen); die organischen Eisenpräparate sowie die Hämoglobinderivate sind teuer und bieten vor den anorganischen keine Vorteile. Außerdem tun heiße und namentlich kohlensäurehaltige Bäder gut. Mit Vorteil werden die eisenhaltigen kohlensauren Bäder, z. B. Pyrmont, aufgesucht.
   Von den Haustieren befällt B. fast nur Schafe, deren Blutbildungsapparat ungünstiger entwickelt ist als bei andern Haustieren. B. entsteht, wenn die Tiere durch Krankheitsprozesse fortdauernde Stoffverluste oder Beeinträchtigung der Magendarmtätigkeit erfahren (symptomatische B.); vor allem pflegen die bei Schafen sehr häufigen Wurmkrankheiten (Leberegel-, Lungenwurm-, Magen- und Bandwurmseuche) zu B. zu führen. Andre Ursachen sind selbständige Störungen der Ernährung und Blutbildung (essentielle B.), unpassende, z. B. zu wasserreiche und eiweißarme Nahrung, schlechte hygienische Verhältnisse; besonders ist Nässe (nasse Weide) den Schafen schädlich. Die B. entwickelt sich allmählich und zeigt folgende Kennzeichen: leichtes Ermüden, schlaffe Bewegungen, Blässe der Maul-, Nasen- und Augenlidschleimhaut sowie der Haut, glanzlose, fettarme, schlaffe Wolle; dann wassersüchtige Anschwellungen, besonders an Kropf und Hals (Wasserkropf), und Wasseransammlungen in den großen Körperhöhlen. Die Tiere gehen schließlich unter zunehmender Abmagerung an Erschöpfung zu Grunde. Die Behandlung ist eine diätetische; kräftige passende Nahrung und gesunder, trockner Aufenthalt, vor allem geeignete Weide, event. Wurmkur können im Beginn der Krankheit Besierung herbeiführen. B. der Pflanzen, s. Meyers Weißlaubigkeit.
 
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Bleichwolle, s. Ochroma.
 
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Bleidächer, s. Meyers Bleikammern.
 
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Bleidämpfe, s. Meyers Bleirauch.
 
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Bleide, s. Meyers Blyde.
 
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Bleidioxyd, s. Meyers Bleisuperoxyd.
 
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Bleidraht, s. Meyers Draht.

[Bd. 3, Sp. 47]



 
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Bleidreck, s. Tafel Meyers »Bleigewinnung«.
 
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Bleiepilepsie, s. Meyers Bleivergiftung.
 
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Bleierde, feinkörnige und erdige Varietät des Minerals Cerussit (s. d.), oft gemengt mit Kalk, Ton und Eisenoxyd, auch mit Buntbleierz und Vitriolblei, braun, gelb oder rot, findet sich als neue Bildung auf Klüften und in Form von Überzügen bei Kommern und Kalt in der Eifel, Zellerfeld am Harz, Tarnowitz in Schlesien etc.
 
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Bleiessig (Bleiextrakt, Liquor plumbi subacetici, Acetum plumbicum, saturninum, Extractum plumbi), Lösung von basisch essigsaurem Blei, wird erhalten durch Digerieren von 3 Teilen essigsaurem Blei mit 1 Teil Bleioxyd und 0,5 Teilen Wasser im Wasserbad, Zusatz von 9,5 Teilen Wasser, Absetzen im verschlossenen Gefäß und Filtrieren. B. ist süß, klar, farblos, vom spez. Gew. 1,2351,240, schmeckt zusammenziehend und wird bei Berührung mit der Luft unter Abscheidung von basisch kohlensaurem Blei zersetzt. B. gibt mit 49 Teilen destillierten Wassers Bleiwasser (Kühlwasser, Aqua plumbi), das etwas trübe ist und bei Einwirkung der Luft ein weißes Pulver ausscheidet. Das Goulardsche Bleiwasser (A. plumbi Goulardi, A. vegeto-mineralis Goulardi), aus 45 Teilen Brunnenwasser, 4 Teilen Spirituts und 1 Teil B. bereitet, ist trüber als das vorige und enthält einen Niederschlag von kohlensaurem und schwefelsaurem Blei. Beide Präparate müssen vor dem Gebrauch umgeschüttelt werden; man benutzt sie als Kühlwasser bei Quetschungen, Anschwellungen der Haut, Verbrennungen etc. B. dient auch zur Bereitung der Bleisalbe, zur Darstellung von Bleiweiß, basischem Bleichlorid (Pattinsons Bleiweiß), essigsaurer Tonerde, zur Darstellung vieler Pflanzen- und Tierstoffe; mit B. getränktes und getrocknetes ungeleimtes Papier (Bleizuckerpapier) bildet einen leicht entzündlichen Zunder und dient als Reagenzpapier auf Schwefelwasserstoff.

 

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