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Bleichlorid bis Bleidioxyd (Bd. 3, Sp. 45 bis 46)
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Artikelverweis Bleichlorid (Chlorblei) PbCl2 findet sich in der Natur als Cotunnit und in Verbindung mit kohlensaurem Blei als Bleihornerz, mit phosphorsaurem Blei als Pyromorphit; es wird aus Bleisalzlösungen durch Chlorwasserstoffsäure oder Chlornatrium gefällt und entsteht beim Behandeln von Bleioxyd, Bleiweiß und Bleiglanz mit Chlorwasserstoffsäure. Es kristallisiert in farblosen Nadeln oder Blättchen, löst sich in 135 Teilen kaltem, weniger in salzsäurehaltigein, in 30 Teilen heißem Wasser und in konzentrierter Salzsäure; es schmilzt bei 510° und erstarrt hornartig, ist nicht flüchtig und bildet leicht basische Chloride, von denen sich Matlockit und Mendipu in der Natur finden.

[Bd. 3, Sp. 46]


Bleioxychlorid PbO, PbCl2 wird aus einer Lösung von B. durch Kalkwasser gefällt, ist farblos, sehr locker, deckt gut und dient als Anstrichfarbe (Pattinsons Bleiweiß). Beim Schmelzen von Bleiglätte mit Salmiak entsteht ein gelbes Oxychlorid, das großblätterig-kristallinisch erstarrt, als Öl-, Kalk- und Wasserfarbe (Kasseler-, Mineralgelb, Mengel) benutzt wird und mit Berlinerblau ein schönes Grün gibt. Die weißen Oxychloride geben beim Erhitzen eine gelbe Farbe und beim Zusammenschmelzen mit Bleiglätte Turners Gelb, Englischgelb, Patentgelb, Montpelliergelb, die wenig Anwendung finden. Aus Bleiglätte oder basisch essigsaurem Blei mit Kochsalz erhaltene basische Bleichloride dienen zur Darstellung von Chromgelb. B. in Chlorwasserstoffsäure mit Chlor behandelt gibt Plumbichlorwasserstoffsäure H2Pb Cl6, deren sehr schwer lösliches Rubidiumsatz beim Schmelzen Chlor und plumbochlorwasserstoffsaures Rubidium Rb2PbCl4 liefert.
 
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Bleichpulver, s. Meyers Chlorkalk.
 
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Bleichröder, S., Bankhaus in Berlin, ursprünglich als einfaches Wechselgeschäft gegründet von Samuel B. (gest. 30. Dez. 1855), gewann in den seit den 1820er Jahren mit den Häusern Rothschild angeknüpften Beziehungen eine feste Stütze. Insbesondere aber verstand es der Sohn von Samuel B., Gerson B. (geb. 22. Dez. 1822, gest. 19. Febr. 1893), der sich des Vertrauens des Fürsten Bismarck erfreute, durch reiche Erfahrungen und praktisches Geschick die Firma zu großer Blüte zu bringen. Er wurde mehrfach bei Ausführung preußischer Finanzoperationen zugezogen, so bei Begebung von Eisenbahnanleihen. In weitern Kreisen wurde er bekannt, als er 1865 von König Wilhelm nach Karlsbad berufen wurde, wo er zum Zwecke der Beschaffung von Geldmitteln die Ablösung des Anteils des preußischen Staates an der Köln-Mindener Eisenbahn vorschlug, vorzüglich aber, als er 1871 ins Hauptquartier nach Versailles berufen wurde, um seinen Rat über die von Frankreich zu verlangende Kriegsentschädigung zu erteilen. 1867 wurde er zum Geheimen Kommerzienrat ernannt, 1872 in den erblichen Adelstand erhoben. Teilhaber des Hauses waren darauf seine Söhne Hans v. B. seit 1881 und seit 1885 Georg v. B. (gest. 11. Juni 1902); dritter Teilhaber war seit 1866 sein Vetter Julius Leopold Schwabach, gest. 23. Febr. 1898.
 
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Bleichromāt, s. Meyers Chromsaures Blei.
 
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Bleichsoda, ein Bleichpräparat, das erhalten wird, indem man Chlor über eine dünne Schicht Soda und das von letzterer nicht absorbierte Gas in eine starke Lösung von Ätznatron treten läßt, dann die Lange mit dem Salz mischt und erstarren läßt oder durch beständiges Umrühren in ein körniges Pulver verwandelt. Das Präparat riecht nach Chlor, zieht begierig Feuchtigkeit an und besteht aus etwa 80 Proz. kristallisiertem kohlensauren Natron, 8,5 Proz. Chlornatrium und 11,5 Proz. unterchlorigsaurem Natron.
 
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Bleichsucht (Chlorose, v. griech. chlōros, »gelblichgrün«), eine Form der primären Anämien, die sich häufig beim weiblichen Geschlecht in den Pubertätsjahren, bei Männern so gut wie nie findet. Ihre Ätiologie ist noch völlig dunkel; gewöhnlich pflegt man unzweckmäßiges Leben und unzweckmäßige Ernährung anzuschuldigen (mangelhafter Genuß frischer Luft, Überanstrengung, mangelnde Nachtruhe, aber auch starke geistige Erregungen). In einzelnen Fällen scheint eine Beziehung zur Entwickelung der Geschlechtsorgane zu bestehen, wenigstens findet man häufig Anomalien derselben. Angeborne Enge der Gefäße (Virchow) dürfte nur sehr vereinzelt die Ursache sein. Im Blut ist weniger die Zahl der roten Blutkörperchen, als ihr Hämoglobingehalt vermindert. Die Symptome sind zunächst die allgemeinen der Anämien: große Müdigkeit, Flimmern vor den Augen, Schwindel, Ohrensausen, Neigung zu Kopfschmerzen, Kurzatmigkeit bei körperlichen Anstrengungen. Die Kranken sehen sehr blaß (oft mit einem Stich ins Grünliche) aus, namentlich die Schleimhäute sind wachsbleich. Häufig sind Verdauungsbeschwerden, besonders Stuhlverstopfung und Magenschmerzen. Nicht selten entwickeln sich bei Chlorotischen runde Magengeschwüre. Bisweilen haben Chlorotische eigentümliche Gelüste nach sauren oder pikanten Speisen oder gar nach ungenießbaren Dingen, wie Kohle, Kreide. Oft finden sich leichte wassersüchtige Anschwellungen, besonders an den Füßen. Häufig klagen die Kranken über Herzklopfen. Bei der Untersuchung des Herzens hört man ganz gewöhnlich blasende, systolische Geräusche über dem Herzen selbst und namentlich. über den Halsvenen das sogen. Nonnensausen, doch sind beide Erscheinungen nicht für B. allein charakteristisch. Die Menstruation bleibt entweder ganz aus oder ist auch wohl abnorm reichlich. Häufig besteht weißer Fluß. Der Verlauf ist zunächst ein günstiger, obwohl die B. öfter wiederkehren kann. Schwerer erkrankte Patienten gehören unbedingt ins Bett. Die Behandlung besteht in kräftiger Ernährung und der Zufuhr von Eisen. Es genügt, dasselbe in Form anorganischen Eisens zu verabreichen (Blaudsche Pillen); die organischen Eisenpräparate sowie die Hämoglobinderivate sind teuer und bieten vor den anorganischen keine Vorteile. Außerdem tun heiße und namentlich kohlensäurehaltige Bäder gut. Mit Vorteil werden die eisenhaltigen kohlensauren Bäder, z. B. Pyrmont, aufgesucht.
   Von den Haustieren befällt B. fast nur Schafe, deren Blutbildungsapparat ungünstiger entwickelt ist als bei andern Haustieren. B. entsteht, wenn die Tiere durch Krankheitsprozesse fortdauernde Stoffverluste oder Beeinträchtigung der Magendarmtätigkeit erfahren (symptomatische B.); vor allem pflegen die bei Schafen sehr häufigen Wurmkrankheiten (Leberegel-, Lungenwurm-, Magen- und Bandwurmseuche) zu B. zu führen. Andre Ursachen sind selbständige Störungen der Ernährung und Blutbildung (essentielle B.), unpassende, z. B. zu wasserreiche und eiweißarme Nahrung, schlechte hygienische Verhältnisse; besonders ist Nässe (nasse Weide) den Schafen schädlich. Die B. entwickelt sich allmählich und zeigt folgende Kennzeichen: leichtes Ermüden, schlaffe Bewegungen, Blässe der Maul-, Nasen- und Augenlidschleimhaut sowie der Haut, glanzlose, fettarme, schlaffe Wolle; dann wassersüchtige Anschwellungen, besonders an Kropf und Hals (Wasserkropf), und Wasseransammlungen in den großen Körperhöhlen. Die Tiere gehen schließlich unter zunehmender Abmagerung an Erschöpfung zu Grunde. Die Behandlung ist eine diätetische; kräftige passende Nahrung und gesunder, trockner Aufenthalt, vor allem geeignete Weide, event. Wurmkur können im Beginn der Krankheit Besierung herbeiführen. B. der Pflanzen, s. Meyers Weißlaubigkeit.
 
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Bleichwolle, s. Ochroma.
 
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Bleidächer, s. Meyers Bleikammern.
 
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Bleidämpfe, s. Meyers Bleirauch.
 
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Bleide, s. Meyers Blyde.
 
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Bleidioxyd, s. Meyers Bleisuperoxyd.

 

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