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Bleichart bis Bleichromāt (Bd. 3, Sp. 43 bis 46)
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Artikelverweis Bleichart (Bleichert), hellroter Wein, speziell soviel wie Ahrbleichart, s. Meyers Ahrweine.
 
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Bleichen, die Zerstörung farbiger Substanzen, die als Verunreinigungen in und auf farblosen Körpern vorkommen und durch Waschen nicht zu beseitigen sind. Man benutzt zum B. chemische Einflüsse, die mit Vorsicht angewendet werden müssen, damit sie die zu bleichende Substanz nicht nachteilig verändern. Am häufigsten wird der Bleichprozeß auf Spinnfasern angewendet. Die vegetabilischen Spinnfasern bestehen aus farbloser Zellulose, enthalten aber außer den färbenden auch Fett, harz- und wachsartige Substanzen, der gerottete Flachs Pektinsäure etc., die Garne und Gewebe außerdem die bei ihrer Herstellung hinzugekommenen Substanzen, wie Leim, Dextrin, Stärke (von der Schlichte), Fett, Schmutz etc. Diese Verunreinigungen hüllen die färbenden Substanzen ein und entziehen sie der Wirkung der Bleichmittel. Man muß deshalb die Fasern zunächst reinigen, läßt aber vorteilhaft Reinigungs- und Bleichprozesse miteinander abwechseln und arbeitet stets mit stark verdünnten Flüssigkeiten, durch welche die Fasern nicht angegriffen werden.
   Baumwollene Gewebe werden gesengt, eingeweicht, auf Haufen geworfen und der Gärung überlassen, um Bestandteile der Schlichte zu zersetzen, gewaschen und dann mit Kalkwasser behandelt, um Fett,

[Bd. 3, Sp. 44]


harz- und wachsähnliche Substanzen zu verseifen. Man zieht die Stoffe mittels einer Maschine durch dicke Kalkmilch (57 Proz. Kalk vom Gewicht der Ware), behandelt sie dann in Bäuchkesseln mit Hochdruckdampf, spült sie gut mit Wasser, bringt sie in ganz schwache Salzsäure, um die Reste der Kalkseifen zuzersetzen, und wäscht sie gründlich aus. Ein zweites Bäuchen wird mit Natronlauge, Soda oder Harzseife vorgenommen, dann wird wieder sorgfältig gewaschen und der Stoff mit stark verdünnter Chlorkalklösung, die keine ungelösten Teile entfalten darf, imprägniert und der Luft ausgesetzt. Die Kohlensäure der Luft scheidet aus dem Chlorkalk unterchlorige Säure ab, welche die färbenden Substanzen zerstört. Das Vorurteil, daß die Chlorbleiche Gewebe stark angreife, ist bei der jetzigen rationellen Ausführung derselben unbegründet. Gefahren entstehen nur durch zu starke Chlorkalkbäder oder durch zu lange Einwirkung derselben, namentlich bei gleichzeitiger Einwirkung von Luft und Licht, und dann durch mangelhaftes Auswaschen der Säure, die sich in dem trocknenden Gewebe konzentriert und die Faser angreift. Die gechlorten Stoffe werden gewaschen, in schwache Salzsäure gelegt, um Reste von Chlorkalk zu zersetzen und Spuren von Eisen und Kalk zu lösen. Ein letztes, sehr sorgfältiges Waschen beseitigt die Salzsäure, und häufig spült man noch mit ganz schwacher Sodalösung. Waren, die weiß bleiben sollen, werden mit Ultramarin gebläut. Schließlich werden die Stoffe durch Wringmaschinen, Pressen, Quetschmaschinen, Zentrifugen entwässert und getrocknet. Der Bleichprozeß dauert 5 Tage, und die Stoffe verlieren etwa 5 Proz. ihres Gewichts. Statt des Chlorkalks sind auch Eau de Javelle, unterchlorigsaure Tonerde, übermangansaures Kali, Wasserstoffsuperoxyd empfohlen worden. Wasserstoffsuperoxyd (resp. Natriumsuperoxyd) gibt ein schöneres Weiß als Chlorkalk, ist aber noch zu teuer.
   Leinenfaser enthält viel mehr Verunreinigungen als Baumwolle, und namentlich erfordert die Entfernung der Pektinsäure häufigere Anwendung von alkalischen Langen, nur darf man nicht Kalk benutzen, da dieser die Faser angreift. Eine irische Methode besteht aus folgenden Operationen: Kochen mit Soda, Spülen, Ausquetschen, Chloren, Spülen, Säuren, Spülen, Kochen mit Soda, Spülen, Chloren, Spülen, Säuren, Spülen. Das auf diese Weise halbgebleichte Garn wird in ähnlicher Weise weiter behandelt, auch auf dem Rasen gebleicht, bis es marktfertig ist. Der Verlust beträgt 2520 Proz. Bei Leinengewebe werden die einzelnen Operationen wiederholt durch Rasenbleiche unterbrochen. Man breitet die Gewebe auf den Rasen, hält sie beständig feucht und setzt sie der Luft und dem Licht aus. Hierbei wirken das in der Luft enthaltene Ozon, Wasserstoffsuperoxyd und salpetrigsaures Ammoniak bleichend. Reine Rasenbleiche wird im Großbetrieb nicht mehr angewendet.
   Hanf wird nur selten und dann ähnlich wie Flachs gebleicht. Jutegewebe behandelt man mit Wasserglaslösung, dann mit unterchlorigsaurem Natron, spült, säuert mit verdünnter Salzsäure, die wenig schweflige Säure enthält, spült und trocknet. Oder man behandelt die Jute mit warmer Sodalösung, spült, gibt ein kaltes Bad von übermangansaurem Kali, dann von schwefliger Säure und spült.
   Bei der elektrischen Bleicherei werden aus verdünnten Lösungen von Kochsalz (Chlornatrium), Chlormagnesium etc. auf elektrischem Wege Bleichflüssigkeiten (s. d.) dargestellt, die meist weniger als 0,5 Proz., selten mehr als 1 Proz. bleichendes Chlor enthalten. In diesen Lösungen besitzt die Gewichtseinheit bleichenden Chlors eine doppelte und größere Bleichkraft als in Chlorkalklösungen, sie zerstören energischer die Farbstoffe und greifen weniger die Faser an. Eine wissenschaftliche Erklärung dieser Tatsache konnte bisher nicht gegeben werden. Die ersten elektrischen Bleichflüssigkeiten stellte Hermite um 1880 aus Meerwasser, später aus Chlormagnesium dar. Diese Bleichflüssigkeiten sind leichter zersetzbar als die aus Kochsalz bereiteten, aber der Bleicheffekt der Gewichtseinheit bleichenden Chlors wächst mit der Zersetzbarkeit. Auch schwache Lösungen sind leichter zersetzbar als starke. Die Anwendung der elektrischen Bleichflüssigkeiten stimmt im allgemeinen mit der der Chlorkalklösungen überein, doch ist auch vorgeschlagen worden, das zu bleichende Material in denselben Behälter zu bringen, in dem sich der Elektrolyseur befindet, und Goppelsröder leitet den mit Salzlösung imprägnierten Kattun durch Walzen, die als Elektroden dienen.
   Zum B. vergilbter, gebrauchter Wäsche zerreibt man 48 g Chlorkalk mit wenig Wasser zu einem zarten Brei, verdünnt ihn mit 1 oder 2 Lit. Wasser, gießt die Flüssigkeit durch ein Tuch in einen Eimer Wasser und läßt die Wäsche darin 24 Stunden liegen. Dann spült man, gibt ein Bad, welches so viel Salzsäure enthält, daß es wie scharfe Limonade schmeckt, und spült nach einigen Stunden recht sorgfältig. Sehr empfehlenswert ist auch die Anwendung einer stark zusammengeschüttelten Mischung von je 100 g Ammoniak und Terpentinöl, die man in einen Eimer Wasser gießt. Man bringt sofort die gewaschene und sorgfältig gespülte Wäsche hinein, arbeitet sie gut durch, wringt sie aus und trocknet an der Sonne im Freien. Die Wirkung des Terpentinöls beruht auf Ozonbildung, die trockne Wäsche zeigt keinen Terpentingeruch.
   Die Wolle enthält viel Wollschweiß, der von den Hautdrüsen des Schafes abgesondert wird, Schmutz, Pflanzenreste etc. Durch eine Vorwäsche werden die löslichen Bestandteile des Wollschweißes entfernt, dann folgt die Entfettung durch Waschen mit gesamtem Urin, Seife, Soda etc., am besten in einer Maschine, die die Wolle nur in einer Längsrichtung fortbewegt und dadurch das Verfilzen vermeidet. Da Alkalien die Wollfaser angreifen, müssen sie sehr schonend angewendet werden. Die ausgedehnteste Verwendung findet die Seife, in neuester Zeit auch Schwefelkohlenstoff, Ligroin etc. Beim Spinnen wird die Wolle mit Olivenöl oder Baumwollsamenöl eingefettet und deshalb das Garn auf einer Garnwaschmaschine mit Seife gewaschen. Zum Waschen von Geweben dient eine Strang- oder Breitwaschmaschine. Zum B. benutzt man gasförmige schweflige Säure. Diese zerstört aber die Farbstoffe nicht, sondern bildet mit ihnen farblose Verbindungen, durch deren allmähliche Zersetzung die Wolle wieder vergilbt. Man läßt das Gas 68 Stunden auf die feuchte Wolle einwirken und spült dann gründlich. Ein gelblicher Ton wird durch Indigkarmin, Methylviolett etc. verdeckt. Auch wässerige schweflige Säure, Natrium- und Wasserstoffsuperoxyd werden zum B. von Wolle benutzt.
   Seide wird durch Behandeln in einem Kalifeisenbad bei 95° entbastet und in verdünnter Sodalösung gespült. Zum Weißkochen wird sie in Seifenlösung (10 Proz. Seife vom Gewichte der Seide) gekocht, mit Sodalösung, dann mit Wasser gewaschen, mit gasförmiger schwefliger Säure oder Wasserstoffsuperoxyd gebleicht u. gespült. Der Gewichtsverlust beträgt bei vollständigem B. (Entschälen) 2530 Proz. Souples und Ecrus sind unvollständig entschälte Seiden.

[Bd. 3, Sp. 45]



   Roß-, Kuh- und Kälberhaare werden ähnlich wie Wolle gebleicht, auch Holz kann nur mit schwefliger Säure gebleicht werden. Elfenbein bleicht man in einer Mischung von Terpentinöl und Alkohol, welche in einer höchstens zur Hälfte gefüllten Flasche einige Tage an der Sonne gestanden hat. Über B. von Fetten, Ölen, Wachs s. die betr. Artikel.
   Die Rasenbleiche ist ein sehr altes Verfahren, das um die Mitte des 18. Jahrh. in Holland, Böhmen, Schlesien etc. sehr vollkommen ausgeübt wurde. Berthollet lehrte 1785 das fabrikmäßige B. mit Chlorwasser, das aber überall Opposition fand. 1792 entdeckte Berthollet das Chlorkali, das mit viel weniger Unbequemlichkeit gehandhabt werden kann als Chlorwasser; aber seine Entdeckung wurde durch die des Chlorkalkes 1798 durch Tennant in Glasgow überholt. Durch unvorsichtige Anwendung geriet die Chlorbleiche in großen Mißkredit, und erst als die Prozesse mit mehr Behutsamkeit ausgeführt wurden, gewann die neue Bleichmethode festen Fuß, zunächst in Anwendung auf Baumwollenstoffe, viel später für Leinwand. Die wesentlichste Förderung erfuhr der Bleichprozeß zugleich durch die Einführung von Maschinen. Das B. mit übermangansaurem Kali wurde 1866 von Tessié du Motay und Maréchal erfunden. Vgl. Romen, Bleicherei, Färberei und Appretur der Baumwoll- und Leinenwaren (Berl. 187986, 2 Bde.); Stein, Bleicherei etc. der baumwollenen Gewebe (Braunschw. 1884); Trey, Anlage, Konstruktion und Einrichtung von Bleicherei- und Färbereilokalitäten (Berl. 1889); Herzfeld, Das Färben und B. von Baumwolle, Wolle, Seide, Jute, Leinen etc. im unversponnenen Zustand (das. 188993, 3 Tle.; 1. Teil in 2. Aufl. 1900); Derselbe, Die moderne Baumwoll-Stückbleicherei (Frankf. 1895); Joclet, Vollständiges Handbuch der Bleichkunst (2. Aufl., Wien 1895); Hummel, Färberei u. Bleicherei (deutsch von Knecht, 2. Aufl., Berl. 1891); Steinbeck, B. und Färben der Seide und Halbseide (das. 1895); Schoop, Elektrische Bleicherei (Stuttg. 1900); Hölbling, Die Fabrikation der Bleichmaterialien (Berl. 1902).
 
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Bleichen der Pflanzen, die Unterdrückung der Chlorophyllbildung durch Entziehung des Lichtes. Da die im Dunkeln sich entwickelnden hellgelben oder weißen Triebe gleichzeitig in der Substanz lockerer und im Geschmack milder werden, so bleicht man Gemüse, indem man die Blätter zusammenbindet (Bindesalat, Blumenkohl), oder fleischige Blattstiele, indem man letztere bis zu den Blättern mit Erde umgibt (Bleichsellerie, Cardy, Rhabarber). Man bedeckt auch Meerkohl und Rhabarber mit Töpfen (mit abnehmbarem Deckel) oder läßt sie im Keller treiben (Zichorie) etc. Durch Antreiben im Dunkeln gebleichten Flieder benutzt man in der Binderei, und zum Osterfest bindet man an der Riviera die Triebe von Dattelpalmen zusammen, um weiße Palmenwedel zu erhalten. Getrocknete Gräser, Immortellen und andre Blumen, die gefärbt werden sollen, werden zuvor durch die Sonne, durch schweflige Säure oder Chlorkalk und eine 5proz. Schwefelsäurelösung gebleicht.
 
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Bleicherode, Stadt im preuß. Regbez. Erfurt, Kreis Grafschaft Hohenstein, an der Staatsbahnlinie Blankenheim-Münden, hat eine evangelische und eine kath. Kirche, Synagoge, Amtsgericht, Berginspektion, Kalibergwerk, Leinen- und Baumwollweberei und (1900) 3801 meist evang. Einwohner. B. ist Geburtsort des Geographen A. Petermann. Westlich dabei die 465 m hohen Bleicheröder Berge.
 
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Bleichert, s. Meyers Bleichart.
 
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Bleichflüssigkeiten, Lösungen verschiedener Art, die bleichendes Chlor enthalten. Die erste Bleichflüssigkeit wurde 1792 in Javelle bei Paris durch Einleiten von Chlor in Pottaschelösung dargestellt. 1820 ersetzte Labarraque die Pottasche durch Soda (Eau de Labarraque), und dies billigere Präparat verdrängte bald das erstere und ist jetzt als Eau de Javelle (Chlornatron, Fleckwasser) gebräuchlich. Zu seiner Darstellung verreibt man 20 Teile Chlorkalk (2830proz.) mit 100 Teilen Wasser, setzt eine Lösung von 25 Teilen kristallisierter Soda in 500 Teilen Wasser zu und gießt die Flüssigkeit am andern Tage klar ab. Sie enthält im wesentlichen unterchlorigsaures Natron und Chlornatrium. Man kann auch in eine kalte, höchstens 10proz. Sodalösung Chlor leiten, bis die Lösung aufbraust und Lackmus energisch bleicht. Sie enthält dann Chlornatrium, doppeltkohlensaures Natron und unterchlorige Säure. Bei weiterm Einleiten von Chlor wird das doppeltkohlensaure Natron unter Bildung von Chlornatrium zersetzt. Sehr billig erhält man dies Präparat durch Einleiten von Chlor in eine Mischung von Ätzkalk und schwefelsaurem Natron. Eau de Javelle ist klar, farblos oder grünlichgelb, riecht wie Chlorkalk, schmeckt adstringierend und muß in verschlossenen Gefäßen im Dunkeln aufbewahrt werden. Man benutzt es zum Bleichen, Vertilgen von Flecken etc.; Pflanzenfarben, alte Obst- und Weinflecke etc., auch Stockflecke, Tinte etc. zerstört es schnell und vollständig. Auch benutzt man es in der chemischen Analyse und in der Medizin als Verbandwasser, als Einspritzung bei veralteten Gonorrhöen etc. Elektrolytisch stellt man B. dar durch Zersetzung von Chlormagnesium-, Chlorcalcium- oder Chlornatriumlösungen zwischen Elektroden aus Platin oder Graphitkohle. Bei dem S-Elektrolyser bilden die aus dünnem Platinblech bestehenden Elektroden Rinnen von rechtwinkeligem Querschnitt , die senkrecht übereinander und so nahe beisammen stehen, daß immer die untere Kante jeder Rinne noch in den Flüssigkeitsspiegel der in der nächst tiefer liegenden Rinne befindlichen Lösung eintaucht. Die auf 0° oder etwas stärker abgekühlte 5proz. Salzlösung fließt an einem Ende der obersten Rinne zu, tritt am andern Ende durch eine Überlauföffnung in die nächst tieferliegende Rinne, durchströmt diese, gelangt dann in die dritte Rinne etc. und fließt aus der letzten Rinne als fertige Bleichflüssigkeit ab. Die oberste Rinne ist mit dem positiven, die unterste mit dem negativen Pol einer Gleichstrommaschine verbunden. Unter Abänderung der Form der Rinnen kann man sie auch nebeneinander stellen und aus Graphitkohle anfertigen. Ein Apparat, der mit 100 Ampere und 110 Volt betrieben wird, liefert in 18 Stunden 4400 Lit. Bleichflüssigkeit mit 1 Proz. wirksamem Chlor aus 6proz. Kochsalzlösung. Vgl. Schoop, Elektrische Bleicherei (Stuttg. 1900).
 
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Bleichkalk, s. Meyers Chlorkalk.
 
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Bleichlorid (Chlorblei) PbCl2 findet sich in der Natur als Cotunnit und in Verbindung mit kohlensaurem Blei als Bleihornerz, mit phosphorsaurem Blei als Pyromorphit; es wird aus Bleisalzlösungen durch Chlorwasserstoffsäure oder Chlornatrium gefällt und entsteht beim Behandeln von Bleioxyd, Bleiweiß und Bleiglanz mit Chlorwasserstoffsäure. Es kristallisiert in farblosen Nadeln oder Blättchen, löst sich in 135 Teilen kaltem, weniger in salzsäurehaltigein, in 30 Teilen heißem Wasser und in konzentrierter Salzsäure; es schmilzt bei 510° und erstarrt hornartig, ist nicht flüchtig und bildet leicht basische Chloride, von denen sich Matlockit und Mendipu in der Natur finden.

[Bd. 3, Sp. 46]


Bleioxychlorid PbO, PbCl2 wird aus einer Lösung von B. durch Kalkwasser gefällt, ist farblos, sehr locker, deckt gut und dient als Anstrichfarbe (Pattinsons Bleiweiß). Beim Schmelzen von Bleiglätte mit Salmiak entsteht ein gelbes Oxychlorid, das großblätterig-kristallinisch erstarrt, als Öl-, Kalk- und Wasserfarbe (Kasseler-, Mineralgelb, Mengel) benutzt wird und mit Berlinerblau ein schönes Grün gibt. Die weißen Oxychloride geben beim Erhitzen eine gelbe Farbe und beim Zusammenschmelzen mit Bleiglätte Turners Gelb, Englischgelb, Patentgelb, Montpelliergelb, die wenig Anwendung finden. Aus Bleiglätte oder basisch essigsaurem Blei mit Kochsalz erhaltene basische Bleichloride dienen zur Darstellung von Chromgelb. B. in Chlorwasserstoffsäure mit Chlor behandelt gibt Plumbichlorwasserstoffsäure H2Pb Cl6, deren sehr schwer lösliches Rubidiumsatz beim Schmelzen Chlor und plumbochlorwasserstoffsaures Rubidium Rb2PbCl4 liefert.
 
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Bleichpulver, s. Meyers Chlorkalk.
 
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Bleichröder, S., Bankhaus in Berlin, ursprünglich als einfaches Wechselgeschäft gegründet von Samuel B. (gest. 30. Dez. 1855), gewann in den seit den 1820er Jahren mit den Häusern Rothschild angeknüpften Beziehungen eine feste Stütze. Insbesondere aber verstand es der Sohn von Samuel B., Gerson B. (geb. 22. Dez. 1822, gest. 19. Febr. 1893), der sich des Vertrauens des Fürsten Bismarck erfreute, durch reiche Erfahrungen und praktisches Geschick die Firma zu großer Blüte zu bringen. Er wurde mehrfach bei Ausführung preußischer Finanzoperationen zugezogen, so bei Begebung von Eisenbahnanleihen. In weitern Kreisen wurde er bekannt, als er 1865 von König Wilhelm nach Karlsbad berufen wurde, wo er zum Zwecke der Beschaffung von Geldmitteln die Ablösung des Anteils des preußischen Staates an der Köln-Mindener Eisenbahn vorschlug, vorzüglich aber, als er 1871 ins Hauptquartier nach Versailles berufen wurde, um seinen Rat über die von Frankreich zu verlangende Kriegsentschädigung zu erteilen. 1867 wurde er zum Geheimen Kommerzienrat ernannt, 1872 in den erblichen Adelstand erhoben. Teilhaber des Hauses waren darauf seine Söhne Hans v. B. seit 1881 und seit 1885 Georg v. B. (gest. 11. Juni 1902); dritter Teilhaber war seit 1866 sein Vetter Julius Leopold Schwabach, gest. 23. Febr. 1898.
 
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Bleichromāt, s. Meyers Chromsaures Blei.

 

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