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Blaustrumpf bis Blaźowa (Bd. 3, Sp. 38 bis 39)
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Artikelverweis Blaustrumpf, früher in Deutschland Spottname für Aufpasser und Angeber, entstanden daher, daß an manchen Orten die Polizeidiener und Lakaien blaue Strümpfe trugen (daher in Schillers »Räubern«: höllischer B. soviel wie Teufel). Seit dem 18. Jahrh. ist der Name B. gebräuchlich für gelehrte, schriftstellernde Damen, namentlich in tadelndem Sinn. Die Bezeichnung stammt aus England (blue stockings) und bezog sich anfangs nur auf Gesellschaften, an denen Herren und Damen teilnahmen, und deren Hauptzweck, unter Verbannung des Kartenspiels, geistvolle Unterhaltung war. Als die Seele dieser um die Mitte des 18. Jahrh. in London aufkommenden Gesellschaften wird der Gelehrte Stillingfleet (gest. 1771) bezeichnet, der dabei, sein Äußeres vernachlässigend, stets in blauen Kniestrümpfen erschien. Dieser Umstand soll den holländischen Admiral Boscawen während seiner Anwesenheit in England veranlaßt haben, diese Versammlungen »Blaustrumpfgesellschaften« zu nennen, um damit anzudeuten, daß in ihnen nur Geist und Talent, nicht das glänzende Äußere den Ausschlag gebe. Die Bezeichnung B. fand seitdem allgemeine Verbreitung, die üble Nebenbedeutung ist aber erst später und allmählich hinzugetreten. Vgl. Doran, A lady of the last century (Mrs. Elizabeth Montague, mit einem Kapitel über Blaustrümpfe, Lond. 1872).

[Bd. 3, Sp. 39]



 
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Blausucht (Cyanosis), Symptom zahlreicher, ihrer Natur nach sehr verschiedener Krankheitszustände, besteht in dunkler, bläulichroter Färbung der äußern Haut, namentlich der Lippen, der Nase, der Wangen, Hände und Fingerspitzen, sodann der Mundschleimhaut etc. und beruht auf Überladung des Blutes mit Kohlensäure, wodurch dasselbe eine mehr dunkelrote Farbe bekommt, auch auf Stockung des venösen, also ohnehin kohlensäurereichen Blutes in den Geweben. Bei örtlicher, nur auf einzelne Teile des Körpers beschränkter B. handelt es sich um örtliche Blutstockung; allgemeine, über den ganzen Körper verbreitete B. beruht im wesentlichen auf mangelhafter Oxydierung des Blutes. Diese entsteht bei Krankheiten der Lungen und Luftwege, bei denen dem Blut nicht genug Sauerstoff zugeführt werden kann. Auch Herz- und Gefäßkrankheiten können B. bedingen, weil sie den Kreislauf des Blutes durch die Lungen hindern oder verzögern und das Blut daher nicht ausgiebig genug mit Sauerstoff in Berührung kommt, namentlich pflegen angeborne Herzfehler erhebliche Grade von B. hervorzurufen. Allgemeine B. entsteht auch durch Einatmung schädlicher Gasarten. Höhere Grade der B. führen zu Bewußtlosigkeit, zum Stillstand des Herzens und damit zum Tode. Bei Behandlung der B. kann es sich nur um die Beseitigung der ursachlichen Momente handeln.
 
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Blautopf, merkwürdiges Wasserbecken bei Blaubeuren in Württemberg, am Fuß einer Bergwand, 515 m ü. M., aus dem die Blau entspringt, hat 4042 m im Durchmesser und 20 m Tiefe. Das Wasser hat im Becken eine tief dunkelblaue Farbe, trübt sich aber bei anhaltendem Regenwetter, nimmt zu und wird unruhig. Dann heben sich im Kessel mehrere Wassersäulen empor, deren Wellen sich ineinander schlingen und ein unaufhörlich sich erneuerndes Spiel erzeugen. Man sagt dann: »Der Topf siedet«. In frühester Zeit galt dieser Wasserbehälter für heilig.
 
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Blauvogel, s. Meyers Steindrossel.
 
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Blauwerden der Milch, ein durch Bakterien (Bacillus cyanogenes Flügge) verursachter Milchfehler, bei dem zuerst bläuliche, inselartige Flecke auf der Oberfläche auftreten, später aber der gesamte Inhalt des Gefäßes blau gefärbt wird. Grund des Blauwerdens der Milch ist eine bei oder nach dem Melken eintretende Infektion der Milch mit den Bakterien.
 
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Blavet (spr. -wä), Küstenfluß im nordwestlichen Frankreich, entspringt im Depart. Côtes-du-Nord, verschwindet bald auf eine Strecke von 40010 in einem Felsenschlund, fließt südlich in das Depart. Morbihan, nimmt den Scorff auf und mündet nach 140 km langem Lauf in die Bai von Lorient des Atlantischen Ozeans. Von Goarec bis Pontivy bildet er einen Teil des Kanals von Brest nach Nantes, von Pontivy bis Hennebont (60 km) ist er gleichfalls künstlich schiffbar gemacht (Canal du B.), und von Hennebont an (15 km) dient er bereits der Seeschiffahrt.
 
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Blaydon (spr. blēd'n), Stadt in der engl. Grafschaft Durham, am Tyne, durch Hängebrücke mit Newcastle verbunden, hat Dünger- und Flaschenfabriken, Kohlengruben und (1901) 19,628 Einw.
 
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Blaye-et-Sainte-Luce (spr. bläj oder blä-e-ßängt'-lǖß'), Arrondissementshauptstadt im franz. Depart. Gironde, rechts an der Gironde, unterhalb Bordeaux, an der Staatsbahnlinie B.-St.-Mariens und der Lokalbahn Saint-Ciers-Saint-André-de-Cubzac, besteht aus der offen am Fluß gelegenen Unterstadt mit der darüberliegenden, 1652 von Vauban erbauten Zitadelle, die mit dem Fort Pâté, mitten in dem hier 4 km breiten Strom, und dem gegenüberliegenden Fort von Médoc Bordeaux von der Seeseite deckt. B. hat ein Handelsgericht, ein Collège, eine Schiffahrtsschule, einen Flußhafen und zählt (1901) 3952 Einw., die Weinbau, Öl- u. Kerzenfabrikation, Schiffbau und Handel mit Wein, Branntwein, Getreide, Obst und Holz treiben. B. ist das alte Blavia (Blaventum), eine feste Stadt der Santonen im aquitanischen Gallien. Im 4. Jahrh. wurden die Bewohner durch Romanus zum Christentum bekehrt. In der Kirche dieses Heiligen ward nach der Sage der Paladin Roland beigesetzt. 1451 wurde B. von Dunois den Engländern entrissen. Hier wurde die Herzogin von Berry (s. d. 3) 183233 gefangen gehalten.
 
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Blaze (spr. blās'), Henri, franz. Schriftsteller, geb. 19. Mai 1813 in Avignon, gest. 17. März 1888 in Paris, Sohn des Komponisten und Musikschriftstellers François Henri Joseph B. (genannt Castil-B., 17841857), nannte sich Blaze de Bury nach dem englischen Familiennamen seiner Mutter. Er veröffentlichte seit 1834 in der »Revue des Deux Mondes« zahlreiche Gedichte und anziehend geschriebene Studien über Deutschland und seine Literatur (z. T. unter dem Namen Hans Werner). Ferner übersetzte er Goethes »Faust« (14. Aufl. 1880) und »Poésies de Goethe« (1843) und schrieb den geistreichen Versuch »Écrivains et poëtes d'Allemagne« (Par. 1846, 2 Bde.), wozu er durch wiederholten Aufenthalt in Deutschland, namentlich in Weimar, besonders befähigt war. Als musikalischer Schriftsteller genoß B. bei seinen Landsleuten einen nicht unverdienten Ruf; doch ist sein Standpunkt heute ziemlich veraltet. Von seinen übrigen Werken nennen wir: »Margaritus« (1835); »Les maîtresses de Goethe« (1872); »Musiciens du passé, du présent et de l'avenir« (1880), worin er auch Richard Wagner, den er bis dahin schonungslos verfolgt hatte, bis zu einem gewissen Grade Gerechtigkeit widerfahren läßt; »Alexandre Dumas« (1885), ein Denkmal für seinen verstorbenen Freund; »Dames de la Renaissance« (1886); »Goethe et Beethoven« (1892). Seine Tochter (gest. im Dezember 1902 in Paris), die nach dem Tode des Vaters längere Zeit in England gelebt hatte, schrieb als Mlle. Blaze de Bury: »Un divorce royal. Anne Boleyn« (1890), »Profils shakspeariens« (1891), »Dames d'hier et d'aujourd'hui« (1898) und »Les romanciers anglais contemporains« (1900).
 
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Blažeković (spr. -schékowitsch), Karl von, österreich. General, geb. 1828 in Essegg, gest. 11. April 1893 in Klagenfurt, nahm an den Feldzügen 1848, 1849 und 1859 teil, erwarb sich später Verdienste bei der Mobilisierung anläßlich der Okkupation Bosniens und der Herzegowina 1878, wurde 1886 Feldmarschallleutnant, Statthalter in Dalmatien und Militärkommandant in Zara bis September 1890. B. schrieb: »Geschichte des k. k. Infanterieregiments Nr. 31« (1867).
 
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Blaźowa (spr. -schówa), Marktflecken in Galizien, Bezirksh. Rzeszów, am Strog, mit Schloß, Weberei und (1900) 4955 poln. Einwohnern.

 

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