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Blau bis Blaublütigkeit (Bd. 3, Sp. 35 bis 36)
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Artikelverweis Blau, die Farbenempfindung, die der zwischen den Fraunhoferschen Linien F und G liegende Teil des Spektrums in einem normalen Auge hervorruft. Zu jedem einfachen B. läßt sich im gelben Teile des Spektrums ein einfaches Gelb finden, das damit gemischt Weiß gibt. Spektrales B. und spektrales Gelb sind also zueinander komplementär. Ein blauer Farbstoff, mit einem gelben gemischt, gibt nicht Weiß, sondern Grün, weil der blaue Farbstoff die roten und gelben, der gelbe die blauen und violetten Strahlen absorbiert, so daß im zurückgeworfenen Licht das Grün vorherrscht. Vgl. Farbensymbolik. Abgezogenes B., s. Meyers Indigo.
 
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Blau, linker Nebenfluß der Donau in Württemberg, entspringt im sogen. Blautopf (s. d.) bei Blaubeuren, durchfließt das malerische Blautal und mündet bei Ulm.
 
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Blau, 1) Otto Hermann, hervorragender Kenner des Orients, geb. 21. April 1828 in Nordhausen, gest. 26. Febr. 1879 in Odessa, war seit 1852 Attaché der preußischen Gesandtschaft in Konstantinopel, machte 1857 nach Abschluß des preußisch-persischen Handelsvertrags eine Reise durch Persien, deren Ergebnisse er z. T. in der Schrift »Kommerzielle Zustände Persiens« (Berl. 1858) niederlegte, und wurde 1870 zum deutschen Generalkonsul für Bosnien und die Herzegowina ernannt. Ein Ergebnis dieser Stellung ist das Werk »Reisen in Bosnien und der Herzegowina« (Berl. 1877). 1873 zum Generalkonsul in Odessa ernannt, machte er hier seinem Leben selbst ein Ende. Seine gelehrten Arbeiten über orientalische Sprach- und Altertumskunde finden sich in den »Blättern für Münzkunde« und der »Zeitschrift der Deutschen Morgenländischen Gesellschaft«. Als selbständige Schrift ist noch zu erwähnen: »Bosnisch-türkische Sprachdenkmäler« (Leipz. 1868).
   2) Tina, Malerin, geb. 15. Nov. 1845 in Wien, bildete sich dort bei A. Schäfferzur Landschaftsmalerin aus und setzte 1869 ihre Studien bei W. Lindenschmit in München fort. Nach Studienreisen durch Böhmen, Ungarn und Österreich ging sie 1875 nach den Niederlanden, und hier entschied sie sich für die realistische Stimmungslandschaft. Später dehnte sie ihre Studien auch auf Italien, besonders auf Venedig, aus. Ihre durch virtuose malerische Behandlung und durch Feinheit der Empfindung gleich ausgezeichneten Hauptwerke,

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auf denen gewöhnlich größere Wasserflächen den Grundton angeben, sind: Donauregulierung bei Wien, Kanal bei Amsterdam, Herbsttag in Holland, Titusbogen in Rom, Straße in Venedig, Frühlingstag im Prater, Apriltag. 1884 vermählte sie sich mit dem Maler H. Lang in München.
 
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Bläu (Bläuw), Buchdrucker, s. Meyers Blaeu, S. 14.
 
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Blauamsel, s. Meyers Steindrossel.
 
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Blaubändchen, s. Meyers Astrilds.
 
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Blaubart, Ritter (franz. Raoul, chevalier Barbe-Bleue), Held eines französischen Märchens, der nacheinander seine sechs Frauen tötete, weil sie, dem Befehl ungehorsam, während seiner Abwesenheit das geheime Mordkabinett geöffnet hatten, wobei sie vor Schreck den goldenen Schlüssel auf den blutgetränkten Boden fallen ließen. Die siebente Frau wird im entscheidenden Moment durch ihre drei Brüder gerettet. Das Märchen ist zuerst bei Perrault gedruckt (1697). Grétry behandelte es in der Oper »Raoul« (Par. 1789), Tieck im »Phantasus«, Offenbach in einer Karikaturoperette (1866). Die Sage hat vielleicht eine historische Grundlage in dem Leben des 1440 bei Nantes hingerichteten Gilles de Retz (s. d.). Vgl. Abbé Bossard, Gilles de Rais, maréchal de France, dit Barbe-bleue (Par. 1886); ferner Semmig, Geschichte der französischen Literatur im Mittelalter, S. 40f. (Leipz. 1862); Scheffler, Französische Volksdichtung, Bd. 2, S. 158, 168 (das. 1885); Child, English ballads, Bd. 1, S. 22f. (Boston 1883).
 
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Blaubeere, s. Vaccinium.
 
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Blaubeuren, Oberamtsstadt im württemberg. Donaukreis, in der Rauhen Alb, an der Blau und Ach und der Staatsbahnlinie Ulm-Sigmaringen, 514 m ü. M., hat 2 evang. Kirchen (darunter die gotische Klosterkirche mit wertvollen Chorstühlen, reichem Hochaltar und schönem Schnitzwerk; das Schiff der Kirche wird jetzt als Turnhalle benutzt), eine kath. Kirche, ein evangelisch-theologisches Seminar in der ehemaligen Benediktinerabtei, eine Latein- und Realschule, Amtsgericht, Forstamt, landwirtschaftliche Kreditbank, 3 große Zementfabriken, Bandfabrik, bedeutende Leinwandweberei, Strumpfwarenfabrik, Bierbrauerei, Kunstmühle und (1900) 3114 meist evang. Einwohner. In der Nähe der Blautopf (s. d.); daneben das König Karl-Denkmal, errichtet von den Wasserversorgungsgruppen der Alb und des Heubergs. Das Kloster zu B. wurde 1085 von Anselm, einem Vorfahren der Pfalzgrafen von Tübingen, gestiftet (vgl. Baur, Das Kloster zu B., Blaub. 1877). Stadtrechte hatte B. bereits 1267, wo es den Grafen von Helfenstein zufiel. 1447 kam es durch Kauf an Württemberg. Die Reformation wurde hier 1534 durch Ambrosius Blarer (Blaurer) eingeführt. Tief gelegen, litt B. oft durch Überschwemmungen, so 1752, 1809 und 1868. Vgl. Schübelin, Führer durch B. (Blaub. 1896).
 
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Blaublindheit, s. Meyers Farbenblindheit.
 
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Blaublütigkeit, s. Meyers Blaues Blut.

 

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