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Blattwespen bis Blaubändchen (Bd. 3, Sp. 34 bis 36)
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Artikelverweis Blattwespen (Tenthredinidae), Familie der Hautflügler, Insekten mit ungebrochenen, meist kurzen und gegen die Spitze hin verdickten Fühlern, ohne Einschnürung zwischen Bruststück und Hinterleib, vollkommen geäderten Flügeln und mit zwei Dornen an den Vorderbeinen. Die Weibchen ritzen mit ihrem sägeartigen Legebohrer die Haut der Blätter und legen in diese Wunden ihre Eier, die durch Einsaugung des zufließenden Saftes schnell an Größe zunehmen. Die Larven (Afterraupen), die sich von Schmetterlingsraupen fast nur durch die größere Zahl der Hinterleibsbeine unterscheiden, leben auf bestimmten Pflanzen, sitzen oft schneckenartig zusammengerollt, fressen, auf dem Blattrand reitend, erheben oft den vordern Teil des Körpers fragezeichenförmig und bewegen ihn taktmäßig auf und nieder. Sie richten bei massenhaftem Auftreten oft beträchtlichen Schaden an. Manche spinnen sich, unter Benutzung ihrer Exkremente, Hüllen, innerhalb deren sie fressen; einige kleinere leben in gallenartigen Auswüchsen der Blätter oder im Parenchym derselben. Die meisten verpuppen sich in einem pergamentartigen Kokon an Blättern oder in der Erde. Die ca. 1000 Arten sind besonders in Europa reichlich vertreten. Die Larven der Gespinstblattwespen (Gespinstwespen, Lyda Fab.) besitzen keine Bauchfüße

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und leben gesellig in Gespinsten, an dessen Fäden sie hin und her klettern. Die gesellige Birnblattwespe (L. piri Schrank, s. Meyers Taf. »Gartenschädlinge II«, Fig. 17), schwarz, an Fühler- und Flügelwurzel und an den Beinen gelb, am Hinterleib schmutziggelb, beim Weibchen blauschwarz, gelb gezeichnet, fliegt im Mai und Juni; die Larven leben auf Birnbäumen und Weißdorn und überwintern zweimal in der Erde. Die Kotsack-Kiefernwespe (Lyda campestris L.), glänzend blauschwarz, auf der größern Hinterleibsmitte rötlichgelb, am Mund, an den Fühlern, auf den Schildchen und an den Beinen gelb, auf dem Mal der gelben Flügel blaufleckig, fliegt im Juni; ihre Larve frißt am Maitrieb junger Kiefern, überwintert in der Erde in einem losen Gespinst und verpuppt sich im Mai. Die schwarz- und gelbfleckige L. pratensis F. und die stahlblaue L. erythrocephala L., deren Weibchen einen blutroten Kopf hat, leben ebenfalls auf Kiefern und richten oft größern Schaden an als erstere. Noch schädlicher ist die Kiefernkammhornwespe (Buschhornwespe, Lophyrus pini L., s. Tafel Meyers »Hautflügler I«, Fig. 2), 69 mm lang, schmutzig rotgelb, an Kopf und Rücken des Mittelleibes und auf der Hinterleibsmitte schwarz, legt ihre Eier in eine angesägte Kiefernnadel und verkittet die Stellen, an denen die Eier liegen, mit Schleim und den Sägespänen. Die grüne, grau oder schwarz gezeichnete Larve verpuppt sich unter Moos, überwintert und liefert im Frühjahr die Wespe, der bis Juli die zweite Generation folgt, deren Puppen in Tönnchen an den Nadeln sitzen. Die Rosenbürsthornwespe (Hylotoma rosae L.), 810 mm lang, gelb, schwarz gezeichnet, legt ihre Eier in die angesägten jungen Zweige von Rosen, die sich an dieser Stelle schwärzen und krümmen. Die blaugrüne, gelb gefleckte Larve, mit schwarzen Wärzchen, frißt die Rosen kahl und verspinnt sich in einem doppelhäutigen Gewebe. Die Larven der zweiten Generation überwintern. Die Rübenblattwespe (Athalia spinarum Fabr., s. Tafel Meyers »Landwirtschaftliche Schädlinge II«), 78 mm lang, dottergelb und schwarz, legt ihre Eier in das Blattfleisch der Futterpflanze; die 17 mm lange, graugrüne Larve mit schwärzlichen Längsstreifen und schwarzem Kopf lebt auf Ölsaaten, Steckrüben, Hederich, Rauke etc. Sie spinnt aus Erdkrümchen einen Kokon, verpuppt sich darin, und bald schlüpft die Wespe aus, die eine zweite Genexanon erzeugt, deren Larven auf Steckrüben und Ölsaaten sehr schädlich werden und überwintern. Gegenmittel: spätes Bestellen der Wintersaaten, Bestreuen der Pflanzen mit Ruß. Die schwarze Kirschblattwespe (Eriocampa adumbrata Klug., s. Tafel Meyers »Gartenschädlinge II«, Fig. 15), 5,5 mm lang, schwarz, an den vordern Schienen blaßbraun; die Larve ist grünlichgelb, am Kopf schwarz, völlig mit schwarzem Schleim überzogen, so daß sie einer nackten Schnecke gleicht; sie skelettiert die Blätter von Kirschen, Birnen, Pflaumen, Schlehen, Aprikosen und wird bisweilen recht schädlich. Sie überwintert in festen Kokons und verpuppt sich im nächsten Frühjahr. Gegenmittel: Bespritzen mit einer Abkochung von Artischockenblättern und Tabak mit gelöschtem Kalk, Seife und Schwefel. Die Pflaumensägewespe (Hoplocampa fulvicornis Klug., s. Tafel Meyers »Gartenschädlinge II«, Fig. 11), 4,3 mm lang, schwarz mit gelben Beinen, legt ihre Eier in den Kelch der Pflaumenblüten; die gelblichrote Larve riecht stark wanzenartig, lebt in den unreifen Pflaumen und verrät sich durch ein Kotklümpchen oder eine Harzträne. Sie verwüstet manchmal die ganze Pflaumenernte, zumal sie oft aus der ersten in eine zweite Pflaume geht. In 56 Wochen fällt sie mit der unreifen Frucht ab und verspinnt sich in der Erde, um zu überwintern. Man sammelt die abgefallenen unreifen Pflaumen und zerstört sie, im April klopft man an kühlen, rauhen Tagen die Wespen von den Bäumen. Die bohrende Rosenblattwespe (Ardis bipunctata Klug.), 6,5 mm lang, schwarz, grau seidenhaarig, legt ihre Eier in die Spitzen junger Rosentriebe, von deren Mark sich die beinfarbene Larve abwärtssteigend nährt. Sie überwintert in der Erde. Die Wespen sind Ende April morgens abzuklopfen, die angebohrten Triebe 5 cm lang abzuschneiden und zu verbrennen. Die Birkenknopfhornwespe (Cimbex betulae Lad., s. Tafel Meyers »Hautflügler I«, Fig. 4), am Hinterleib rotbraun, am Körper und an den Fühlern gelb; die Larve ist lebhaft grün, fein querfaltig, mit weißen Wärzchen, lebt vereinzelt auf Birkenblättern. Vgl. Hartig, Die Familien der B. und Holzwespen (Berl. 1837).
 
Artikelverweis 
Blattwickler, s. Meyers Blattroller.
 
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Blattzapfen, s. Meyers Zapfen.
 
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Blattzeile, s. Meyers Blattstellung.
 
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Blattzweig, Pflanzenteil, s. Meyers Sproß.
 
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Blau, die Farbenempfindung, die der zwischen den Fraunhoferschen Linien F und G liegende Teil des Spektrums in einem normalen Auge hervorruft. Zu jedem einfachen B. läßt sich im gelben Teile des Spektrums ein einfaches Gelb finden, das damit gemischt Weiß gibt. Spektrales B. und spektrales Gelb sind also zueinander komplementär. Ein blauer Farbstoff, mit einem gelben gemischt, gibt nicht Weiß, sondern Grün, weil der blaue Farbstoff die roten und gelben, der gelbe die blauen und violetten Strahlen absorbiert, so daß im zurückgeworfenen Licht das Grün vorherrscht. Vgl. Farbensymbolik. Abgezogenes B., s. Meyers Indigo.
 
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Blau, linker Nebenfluß der Donau in Württemberg, entspringt im sogen. Blautopf (s. d.) bei Blaubeuren, durchfließt das malerische Blautal und mündet bei Ulm.
 
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Blau, 1) Otto Hermann, hervorragender Kenner des Orients, geb. 21. April 1828 in Nordhausen, gest. 26. Febr. 1879 in Odessa, war seit 1852 Attaché der preußischen Gesandtschaft in Konstantinopel, machte 1857 nach Abschluß des preußisch-persischen Handelsvertrags eine Reise durch Persien, deren Ergebnisse er z. T. in der Schrift »Kommerzielle Zustände Persiens« (Berl. 1858) niederlegte, und wurde 1870 zum deutschen Generalkonsul für Bosnien und die Herzegowina ernannt. Ein Ergebnis dieser Stellung ist das Werk »Reisen in Bosnien und der Herzegowina« (Berl. 1877). 1873 zum Generalkonsul in Odessa ernannt, machte er hier seinem Leben selbst ein Ende. Seine gelehrten Arbeiten über orientalische Sprach- und Altertumskunde finden sich in den »Blättern für Münzkunde« und der »Zeitschrift der Deutschen Morgenländischen Gesellschaft«. Als selbständige Schrift ist noch zu erwähnen: »Bosnisch-türkische Sprachdenkmäler« (Leipz. 1868).
   2) Tina, Malerin, geb. 15. Nov. 1845 in Wien, bildete sich dort bei A. Schäfferzur Landschaftsmalerin aus und setzte 1869 ihre Studien bei W. Lindenschmit in München fort. Nach Studienreisen durch Böhmen, Ungarn und Österreich ging sie 1875 nach den Niederlanden, und hier entschied sie sich für die realistische Stimmungslandschaft. Später dehnte sie ihre Studien auch auf Italien, besonders auf Venedig, aus. Ihre durch virtuose malerische Behandlung und durch Feinheit der Empfindung gleich ausgezeichneten Hauptwerke,

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auf denen gewöhnlich größere Wasserflächen den Grundton angeben, sind: Donauregulierung bei Wien, Kanal bei Amsterdam, Herbsttag in Holland, Titusbogen in Rom, Straße in Venedig, Frühlingstag im Prater, Apriltag. 1884 vermählte sie sich mit dem Maler H. Lang in München.
 
Artikelverweis 
Bläu (Bläuw), Buchdrucker, s. Meyers Blaeu, S. 14.
 
Artikelverweis 
Blauamsel, s. Meyers Steindrossel.
 
Artikelverweis 
Blaubändchen, s. Meyers Astrilds.

 

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