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Blattsilber bis Blattwespen (Bd. 3, Sp. 34)
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Artikelverweis Blattsilber, s. Meyers Goldschlägerei.
 
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Blattskelette, zum Studium der Nervatur des Blattes, erhält man durch Einlegen von Blättern in kaltes Wasser, bis das Zellgewebe zerfallen ist, und Ausspülen der Reste dieses letztern. Schneller gelangt man zum Ziel, wenn man das frische, saftige Blatt in heiße Ätznatronlauge taucht, dann auswäscht und in Chlorkalklösung bleicht. Sehr schöne Resultate erhält man auch mit einer Lösung von 33 g chlorsaurem Kali in 500 ccm Salpetersäure vom spez. Gew. 1,1. Man hängt die frischen und ausgewaschenen Blätter bei 15° in diese Lösung, breitet sie nach 1020 Tagen auf Papier aus, spült wiederholt mit reinem Wasser und trocknet die Skelette zwischen Löschpapier unter der Presse. Das Adernetz der Blätter hat besondere Bedeutung für die Bestimmung fossiler Pflanzen. Vgl. Ettingshausen, Die B. der Apetalen (Wien 1858) und der Dikotyledonen (das. 1861).
 
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Blattspindel s. Meyers Blatt, S. 26.
 
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Blattspreite s. Meyers Blatt, S. 26.
 
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Blattspur, s. Meyers Spurstränge und Meyers Sproß.
 
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Blattstachel (Blattdorn), s. Meyers Blatt, S. 28.
 
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Blattsteckling, ein zur Vermehrung benutztes Blatt, besonders von Begonien und Gesnerazeen.
 
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Blattstellung, die Anordnung der Blätter an der Sproßachse, folgt im allgemeinen bestimmten Regeln. Entweder stehen die Blätter einzeln, d. h. keins mit einem andern auf gleicher Höhe, oder es entspringen immer zwei oder mehr Blätter in gleicher Höhe. Im erstern Fall spricht man von abwechselnden oder wechselständigen (folia alterna), im letztern von wirtel- oder quirlständigen Blättern (folia verticillata) und insbes. von paarigen oder gegenständigen (folia opposita) da, wo zwei Blätter auf gleicher Höhe und dann stets einander gerade gegenüberstehen. Wenn man an einem Stengel mit wechselständigen Blättern in der Art von unten nach oben fortschreitet, daß man auf dem kürzesten Weg alle Blätter, wie sie nach aufwärtsaufeinanderfolgen, berührt, so beschreibt man eine den Stengel umwindende Schraubenlinie (Grundspirale). Das Stück der Stengelperipherie, das man mit der Spirale umlaufen muß, um von einem B. zum nächsten zu gelangen, ist bei einer größern Zahl aufeinander folgender Blätter des Stengels gleich groß. Dieses Bogenstück heißt die Divergenz der Blätter; sie läßt sich in Bruchteilen der Stengelperipherie ausdrücken. Die häufigsten Divergenzbrüche sind 1/2, 1/3, 2/5, 3/8, 5/13, 8/21 etc., die Näherungswerte des Kettenbruches

darstellen, es kommen aber in der Natur daneben auch andre in diese Reihe nicht passende Divergenzbrüche vor. Die obenstehende Figur veranschaulicht an einer durchsichtig gedachten Achse die B. mit der Divergenz 2/5. Wie sich leicht ergibt, muß bei dieser Divergenz jedesmal das sechste Blatt über dem ersten stehen, die Blätter 1, 6, 11, 16... bilden also an der Achse eine senkrechte Reihe (Blattzeile, Orthostiche). Ähnlich werden auch bei allen andern Blattstellungen, deren Divergenzbrüche rationale Teile der Peripherie sind, Orthosuchen gebildet. An Organen, welche die Blätter dicht gedrängt tragen, wie die Zapfen der Koniferen oder die Blattrosetten einiger Sempervivum-Arten, treten neben den Orthostichen deutliche Schrägzeiten (Parastichen) hervor, deren Zahl und gegenseitige Stellung zur Auffindung der Grundspirale und zur Bestimmung der Divergenz verwendet werden kann. Bei verzweigten Stengeln ist die Grundspirale der Hauptachse und der Zweige entweder gleichgerichtet (Homodromie) oder entgegengesetzt (Amidromie). Bei den quirlständigen Blättern gruppieren sich die einzelnen Glieder eines Quirls in gleichen Abständen um den Stengel. Die aufeinander folgenden Quirle stehen so, daß jedesmal die Blätter des obern über der Mitte der Zwischenräume zwischen den Blättern des untern stehen. Die gegenständigen Blätter sind also gekreuzt (dekussiert). Durch die B. gewinnen die Blätter diejenige Anordnung, in der sie sich in dem Lichtgenuß gegenseitig am wenigsten hinderlich sind. Mit der Reihenfolge am Sproß spielt dabei auch noch die Ausgestaltung der Achsenglieder und des Blattstiels eine Rolle. Bei Pflanzen, die auf freien Flächen wachsen, bleiben häufig die Stengelglieder kurz, so daß die Blätter dicht gedrängt eine bodenständige Rosette (Blattrosette) bilden, oder die Sprosse kriechen mit verlängerten Gliedern spalierartig am Boden und bilden, indem so jedes Blatt aus dem Schattenbereich des benachbarten herausgerückt wird, ein die Bodenfläche bedeckendes Blattmosaik. In dichtern Beständen tragen die verlängerten Achsen die Blätter aus dem Schatten andrer Gewächse mehr oder minder hoch über dem Boden empor. Sie bilden belaubte Krautstämme oder Holzstämme mit ausgedehnter Laubkrone. Vgl. Schimper, Beschreibung des Symphytum Zeyheri (Heidelb. 1835); Braun, Untersuchungen über die Ordnung der Schuppen an den Tannenzapfen (Academ. Leopold.-Carol. Acta, Bd. 14); L. u. A. Bravais, Über die geometrische Anordnung der Blätter und Blütenstände (deutsch von Walpers, Bresl. 1839); Hofmeister, Allgemeine Morphologie der Gewächse (Leipz. 1868); Schwendener, Die mechanische Theorie der B. (das. 1878); Delpino, Teoria generale della fillotassi (Genua 1883); Schumann, Neue Untersuchungen über den Blütenanschluß (Leipz. 1890).
 
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Blatttang, s. Laminaria.
 
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Blattute (Blattstiefel), s. Meyers Blatt, S. 28.
 
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Blattwespen (Tenthredinidae), Familie der Hautflügler, Insekten mit ungebrochenen, meist kurzen und gegen die Spitze hin verdickten Fühlern, ohne Einschnürung zwischen Bruststück und Hinterleib, vollkommen geäderten Flügeln und mit zwei Dornen an den Vorderbeinen. Die Weibchen ritzen mit ihrem sägeartigen Legebohrer die Haut der Blätter und legen in diese Wunden ihre Eier, die durch Einsaugung des zufließenden Saftes schnell an Größe zunehmen. Die Larven (Afterraupen), die sich von Schmetterlingsraupen fast nur durch die größere Zahl der Hinterleibsbeine unterscheiden, leben auf bestimmten Pflanzen, sitzen oft schneckenartig zusammengerollt, fressen, auf dem Blattrand reitend, erheben oft den vordern Teil des Körpers fragezeichenförmig und bewegen ihn taktmäßig auf und nieder. Sie richten bei massenhaftem Auftreten oft beträchtlichen Schaden an. Manche spinnen sich, unter Benutzung ihrer Exkremente, Hüllen, innerhalb deren sie fressen; einige kleinere leben in gallenartigen Auswüchsen der Blätter oder im Parenchym derselben. Die meisten verpuppen sich in einem pergamentartigen Kokon an Blättern oder in der Erde. Die ca. 1000 Arten sind besonders in Europa reichlich vertreten. Die Larven der Gespinstblattwespen (Gespinstwespen, Lyda Fab.) besitzen keine Bauchfüße

[Bd. 3, Sp. 35]


und leben gesellig in Gespinsten, an dessen Fäden sie hin und her klettern. Die gesellige Birnblattwespe (L. piri Schrank, s. Meyers Taf. »Gartenschädlinge II«, Fig. 17), schwarz, an Fühler- und Flügelwurzel und an den Beinen gelb, am Hinterleib schmutziggelb, beim Weibchen blauschwarz, gelb gezeichnet, fliegt im Mai und Juni; die Larven leben auf Birnbäumen und Weißdorn und überwintern zweimal in der Erde. Die Kotsack-Kiefernwespe (Lyda campestris L.), glänzend blauschwarz, auf der größern Hinterleibsmitte rötlichgelb, am Mund, an den Fühlern, auf den Schildchen und an den Beinen gelb, auf dem Mal der gelben Flügel blaufleckig, fliegt im Juni; ihre Larve frißt am Maitrieb junger Kiefern, überwintert in der Erde in einem losen Gespinst und verpuppt sich im Mai. Die schwarz- und gelbfleckige L. pratensis F. und die stahlblaue L. erythrocephala L., deren Weibchen einen blutroten Kopf hat, leben ebenfalls auf Kiefern und richten oft größern Schaden an als erstere. Noch schädlicher ist die Kiefernkammhornwespe (Buschhornwespe, Lophyrus pini L., s. Tafel Meyers »Hautflügler I«, Fig. 2), 69 mm lang, schmutzig rotgelb, an Kopf und Rücken des Mittelleibes und auf der Hinterleibsmitte schwarz, legt ihre Eier in eine angesägte Kiefernnadel und verkittet die Stellen, an denen die Eier liegen, mit Schleim und den Sägespänen. Die grüne, grau oder schwarz gezeichnete Larve verpuppt sich unter Moos, überwintert und liefert im Frühjahr die Wespe, der bis Juli die zweite Generation folgt, deren Puppen in Tönnchen an den Nadeln sitzen. Die Rosenbürsthornwespe (Hylotoma rosae L.), 810 mm lang, gelb, schwarz gezeichnet, legt ihre Eier in die angesägten jungen Zweige von Rosen, die sich an dieser Stelle schwärzen und krümmen. Die blaugrüne, gelb gefleckte Larve, mit schwarzen Wärzchen, frißt die Rosen kahl und verspinnt sich in einem doppelhäutigen Gewebe. Die Larven der zweiten Generation überwintern. Die Rübenblattwespe (Athalia spinarum Fabr., s. Tafel Meyers »Landwirtschaftliche Schädlinge II«), 78 mm lang, dottergelb und schwarz, legt ihre Eier in das Blattfleisch der Futterpflanze; die 17 mm lange, graugrüne Larve mit schwärzlichen Längsstreifen und schwarzem Kopf lebt auf Ölsaaten, Steckrüben, Hederich, Rauke etc. Sie spinnt aus Erdkrümchen einen Kokon, verpuppt sich darin, und bald schlüpft die Wespe aus, die eine zweite Genexanon erzeugt, deren Larven auf Steckrüben und Ölsaaten sehr schädlich werden und überwintern. Gegenmittel: spätes Bestellen der Wintersaaten, Bestreuen der Pflanzen mit Ruß. Die schwarze Kirschblattwespe (Eriocampa adumbrata Klug., s. Tafel Meyers »Gartenschädlinge II«, Fig. 15), 5,5 mm lang, schwarz, an den vordern Schienen blaßbraun; die Larve ist grünlichgelb, am Kopf schwarz, völlig mit schwarzem Schleim überzogen, so daß sie einer nackten Schnecke gleicht; sie skelettiert die Blätter von Kirschen, Birnen, Pflaumen, Schlehen, Aprikosen und wird bisweilen recht schädlich. Sie überwintert in festen Kokons und verpuppt sich im nächsten Frühjahr. Gegenmittel: Bespritzen mit einer Abkochung von Artischockenblättern und Tabak mit gelöschtem Kalk, Seife und Schwefel. Die Pflaumensägewespe (Hoplocampa fulvicornis Klug., s. Tafel Meyers »Gartenschädlinge II«, Fig. 11), 4,3 mm lang, schwarz mit gelben Beinen, legt ihre Eier in den Kelch der Pflaumenblüten; die gelblichrote Larve riecht stark wanzenartig, lebt in den unreifen Pflaumen und verrät sich durch ein Kotklümpchen oder eine Harzträne. Sie verwüstet manchmal die ganze Pflaumenernte, zumal sie oft aus der ersten in eine zweite Pflaume geht. In 56 Wochen fällt sie mit der unreifen Frucht ab und verspinnt sich in der Erde, um zu überwintern. Man sammelt die abgefallenen unreifen Pflaumen und zerstört sie, im April klopft man an kühlen, rauhen Tagen die Wespen von den Bäumen. Die bohrende Rosenblattwespe (Ardis bipunctata Klug.), 6,5 mm lang, schwarz, grau seidenhaarig, legt ihre Eier in die Spitzen junger Rosentriebe, von deren Mark sich die beinfarbene Larve abwärtssteigend nährt. Sie überwintert in der Erde. Die Wespen sind Ende April morgens abzuklopfen, die angebohrten Triebe 5 cm lang abzuschneiden und zu verbrennen. Die Birkenknopfhornwespe (Cimbex betulae Lad., s. Tafel Meyers »Hautflügler I«, Fig. 4), am Hinterleib rotbraun, am Körper und an den Fühlern gelb; die Larve ist lebhaft grün, fein querfaltig, mit weißen Wärzchen, lebt vereinzelt auf Birkenblättern. Vgl. Hartig, Die Familien der B. und Holzwespen (Berl. 1837).

 

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