Wörterbuchnetz
Meyers Großes Konversationslexikon Bibliographische AngabenLogo textgrid zeno bmbf · Logo textgrid zeno bmbf · Logo textgrid zeno bmbf
 
Blattpflanzen bis Blattschmetterlinge (Bd. 3, Sp. 31 bis 33)
Abschnitt zurück Abschnitt vor
Artikelverweis Blattpflanzen (hierzu Tafel Meyers »Blattpflanzen I und II«), Gewächse, die wegen schöner Form oder Farbe ihrer Blätter im Garten, in Gewächshäusern und im Zimmer kultiviert werden. Sie zählen zu den schönsten Erscheinungen des Pflanzenreiches, und viele eignen sich durch ihre Beständigkeit und die durchschnittlich leichte Kultur vorzüglich zu Zimmerpflanzen. Unter geeigneten Verhältnissen blühen sie auch, meist sind aber die Blüten unscheinbar. Diese letztern gehören hauptsächlich den Familien der Palmen, Arazeen, Liliengewächse, Bromeliazeen und Scitamineen an; doch liefern auch viele Familien der Dikotyledonen,

[Bd. 3, Sp. 32]


z. B. die Araliazeen, Begoniazeen, Urtikazeen und Laurazeen, ferner die Koniferen und namentlich die Farne zahlreiche und schöne B. Die Kultur gelingt am besten in nach S., SO. oder SW. gelegenen Zimmern, während in rein nördlich gelegenen nur harte Palmen, Drazänen u. Arazeen gedeihen. Haupterfordernis ist viel Licht, das selbst in der freien Natur Schatten liebende Arazeen und Farne verlangen; die Temperatur muß zwischen 10 und 15° betragen. Zu hohe Wärme bei Lichtmangel ist schädlich, während viele Palmen im ungeheizten Zimmer gut überwintern und dann auch mit weniger heller Beleuchtung sich begnügen. Für die meisten B. darf die Temperatur nachts auf 68° sinken; zarte Pflanzen, wie Pandanazeen und Maranten, muß man aber stets recht hoch aufstellen, damit sie nicht in den tiefern und kältern Luftschichten des Zimmers an den Wurzeln Schaden leiden. Vorteilhaft stellt man die Töpfe zarter Pflanzen in größere, mit Moos gut ausgepolsterte Töpfe. Im Sommer ist reichliche Lüftung empfehlenswert, im Winter dürfen die Pflanzen jedenfalls nicht von kalter Luft getroffen werden, und ebenso sind sie im Sommer vor direktem Sonnenlicht zu schützen. Manche B. gedeihen trefflich, wenn man sie im Sommer einige Zeit an einem geschützten Ort ins Freie stellt. Im allgemeinen verlangen B. viel Wasser, aber im Winter muß man mit dem Begießenvorsichtig sein, und stets sollte die Temperatur des Wassers 23° höher sein als die des Zimmers. So oft wie möglich wasche man die B. mit reinem warmen Wasser und einem weichen Schwamm auf beiden Seiten der Blätter, bespritze sie auch (im Sommer mehrere Male des Tages) mittels einer seinen Brause mit reinem lauwarmen Wasser und stelle zwischen den Töpfen flache Gefäße mit Wasser auf, damit sich die Luft des Zimmers immer möglichst feucht erhalte. Die meisten B. verlangen eine aus viel Laub- und Heideerde mit Sand und etwas Lehm gemischte Erde, der man vorteilhaft feine Hornspäne zusetzt. Man verpflanzt sie im Frühjahr mit möglichster Schonung der Wurzeln und begießt sie im Laufe des Sommers wiederholt mit einer chemischen Pflanzen-Nährstofflösung, wie dieselben jetzt von allen Drogengeschäften mit den notwendigen Gebrauchsanweisungen verkauft werden.
   Die dankbarsten B. sind die Palmen, weil sie am leichtesten zu kultivieren sind und sich durch Schönheit und Mannigfaltigkeit der Formen auszeichnen. Besonders empfehlenswert sind: Trachycarpus (Chamaerops) excelsa (Tafel I, Fig. 4) und C. humilis, die sich auch unter ungünstigen Verhältnissen sehr lange im Zimmer erhalten; Corypha australis (Fig. 9), gleichfalls sehr dauerhaft und wie die vorige sehr dankbar für einen Aufenthalt im Freien während des Sommers; Latania borbonica (Livistona chinensis, Fig. 5), die viel Feuchtigkeit und häufiges Benetzen der Blätter verlangt, dann aber auch prachtvoll sich entwickelt; Rhapis flabelliformis, eine etwas steife Pflanze; die sehr zierliche Phoenix reclinata; die derbere P. sylvestris und P. canariensis (Fig. 8); mehrere Chamädoreen, wie Chamaedorea hybrida (Fig. u), lunata, elegans, Ernesti Augusti, graminifolia, die schnell hoch werden; die schönen, recht harten Kentia-Arten (Fig. 1 u. 3) und Hyophorbe lutescens (Fig. 2), die harte. prachtvolle Cocos flexuosa und C. australis und Weddelliana (Fig. 7) und die im Habitus völlig abweichenden Caryota-Arten. Von Pandanazeen sind der Pandanus furcatus, der bald mächtige Dimensionen erreicht, und der zierliche, sehr ausdauernde P. utilis (Fig. 13), auch P. javanicus und P. gramineus, mit sehr schmalen Blättern, empfehlenswert. Die Drazänen (Fig. 11 u. 12) stellen sehr viele B., sind aber im allgemeinen bei weitem nicht so ausdauernd wie die Palmen, besonders viel empfindlicher gegen nicht ganz regelmäßiges Begießen. Cordyline rubra, congesta, indivisa, australis machen keine Schwierigkeiten, während die schönen buntblätterigen Formen von C. terminalis nicht leicht zu kultivieren sind. Zur Ausfüllung dunkler Winkel eignet sich vortrefflich die großblätterige Plectogyne elatior (Tafel II, Fig. 15), die auch mit bunten Blättern (fol. variegatis) vorkommt. Ebenfalls für den Schatten geeignet ist Curculigo, mit mächtigen, frischgrünen, gefalteten Blättern, die namentlich im Sommer viel Wasser verlangt. Von den Bromeliazeen liefern die Gattungen Billbergia, Pitcairnia, Tillandsia, Nidularium, Aechmea (Tafel I, Fig. 16) etc. viele B.; aber im allgemeinen sind diese Gewächse mehr Gegenstand besonderer Liebhaberei; einige blühen prachtvoll. Die großartigsten Formen entwickeln die Bananen, von denen mehrere Arten recht gut im Zimmer gedeihen; besonders empfehlenswert sind Musa Cavendishii, discolor, ornata, rosacea (Taf. II, Fig. 4) und speciosa; die nahe verwandten schönen Maranten sind zart und erfordern sorgsamste Pflege, wenn sie im Zimmer gedeihen sollen. Ihre Kultur gelingt meist nur in besondern Zimmergewächshäuschen. Von den zahlreichen Canna-Sorten, die besonders im Garten kultiviert werden, eignen sich einige zur Zimmerkultur, verlangen aber viel Licht. Ungemein artenreich ist die Familie der Arazeen, im ganzen dauerhafte Pflanzen, z. T. mit mächtigen Formen. Einzelne, wie Philodendron pertusum (Monstera deliciosa, Tafel I, Fig. 14), gehören zu den verbreitetsten Marktpflanzen und entwickeln sich im Zimmer fast schöner als im Gewächshaus. Sehr empfehlenswert ist auch P. bipinnatifidum (Fig. 15). Vielgestaltig und z. T. farbenprächtig sind die Anthurien, von denen Anthurium magnificum vielleicht die schönste Art ist. Auch A. leuconeuron hält sich gut im Zimmer. Beachtenswert sind auch die Dieffenbachien, deren eine Art, die bunte Dieffenbachia Seguine picta, sich bei sorgsamer Pflege kräftig entwickelt. Große Farbenpracht entfalten die Blätter der Kaladien, die in reicher Mannigfaltigkeit gezogen werden; bei hinreichender Luftfeuchtigkeit halten sie sich während des Sommers recht gut im Zimmer, aber im Winter ziehen sie ein, und es gelingt nicht, sie im Frühjahr ohne Bodenwärme wieder zu voller Schönheit anzutreiben. Sehr bekannt ist Calla aethiopica, die namentlich bei ausreichender Feuchtigkeit sich kräftig entfaltet und schöne weiße Blüten treibt; eine niedrige Form blüht dankbarer, ist aber weniger schön; eine andre Form, C. albo-maculata, hat kleine, pfeilförmige, silberweiß gefleckte Blätter. Sehr beliebt sind auch die hellgrüne großblätterige Curculigo recurvata (Tafel II, Fig. 5), der schnellwüchsige Cyperus alternifolius (Fig. 7) und des Kontrastes halber Araucaria excelsa (Fig. 11). Von den Dikotyledonen ist vor allen die Gattung Ficus mit dem allverbreiteten Gummibaum (Ficus elastica, Fig. 10) zu erwähnen, zu dem F. australis ein Seitenstück bildet. Dieser ist ungemein hart, während F. Cooperi und Porteana zwar viel schöner, aber auch schwieriger zu kultivieren sind. Schnellwüchsig und durch schöne Blattformen ausgezeichnet sind Aralia papyrifera (Fig. 13) und Sieboldii, denen man im Sommer einen Standort im Freien geben muß. Empfehlenswert ist auch Eucalyptus globulus, der Fieberbaum oder

[Bd. 3, Sp. 33]


Blaugummibaum Australiens, der sehr rasch wächst und im kalten Zimmer gut gedeiht. Ganz eigenartig sind die Begonien, die bei sorgsamer Pflege sich dankbar erweisen; sie erfordern große Gleichmäßigkeit im Begießen und sind sehr empfindlich gegen Staub, Zugluft, Sonnenlicht und Benetzung; die verschiedenen Formen von Begonia rex (Fig. 14 u. 17) zeigen große Farbenpracht der Blätter, andre Arten, wie B. boliviensis und B. magnifica, entwickeln zahlreiche und schöne Blüten. Von wirklich buntblätterigen Pflanzen sind erwähnenswert die Gattungen Coleus (Fig. 16), Aphelandra, Eranthemum, Peperomia, Strobilanthes (Fig. 12) etc. Die Farne gehören zu den prächtigsten und zierlichsten B. und eignen sich namentlich zur Zusammenstellung mit Palmen, sind aber sehr empfindlich und gedeihen im Zimmer nur, wenn man für große Feuchtigkeit der Luft sorgt, die Pflanzen gleichmäßig begießt, vor Staub schützt und fleißig bespritzt. Recht empfehlenswert sind Adiantum cuneatum (Fig. 2), Blechnum brasiliense, Gymnogramme Laucheana, Lomaria gibba (Fig. 3), Platycerium grande (Fig. 8), Polypodium aureum (Fig. 9), neben denen die herrlich metallblau schimmernde Selaginella caesia arborea (laevigata) kultiviert werden kann.
   Man wird bei den B. nicht gern die Schling- und Ampelpflanzen entbehren, da sie bei der Bildung von Gruppen wesentliche Dienste leisten. Neben dem Efeu sind Mikania scandens und besonders Cissus discolor wertvoll. Letztere Pflanze hat prachtvolle Blätter, die sich auch im Zimmer recht gut entwickeln. Als Ampelpflanze sind neben den B. Ficus stipulata (Fig. 6) die ungemein schnellwüchsige Tradescantia viridis, auch T. discolor, Chlorophytum Sternbergianum (Tafel I, Fig. 10), Saxifraga sarmentosa (II, Fig. 1) und Isolepis gracilis verwendbar.
   Die Zahl der in Gewächshäusern kultivierten B. ist ungemein groß, und namentlich im Warmhaus findet man prachtvolle Maranten, herrlich gefärbte Croton-Sorten, von Melastomazeen das großartige Cyanophyllum magnificum und die kleinern Sonerilen, Fittonien, Bertolonien, Eranthemum, Dichorisandra etc. Viele B. der Gewächshäuser kann man im Sommer im Garten auspflanzen, wie die mächtige Wigandia caracasana, Ferdinanda eminens, Uhdea pinnatifida und mehrere Solanum-Arten, denen sich die Canna-Arten, auch manche Gräser anschließen. Für das freie Land finden ausdauernde und einjährige Gewächse in Blattpflanzengruppen und auch als Einzelpflanzen Verwendung und tragen viel dazu bei, der Gartenszene etwas Exotisches zu verleihen. Die ausdauernden Arten von Gunnera, Acanthus, Heracleum, Ferula, Veratrum, Rheum (Rhabarber), Polygonum, Bocconia liefern formenreichen Dekorationsstoff. Von einjährigen werden besonders verwendet: Arten von Ricinus, Zea (Mais), Nicotiana, Cannabis (Hanf), Solanum, Amarantus (Fuchsschwanz), Perilla, Coleus u. a., die auf stark mit Dungstoffen angereicherter Erde sich üppig entwickeln, wenn sie im Mai ausgepflanzt werden. Vgl. Hesdörffer, Zimmergärtnerei (2. Aufl., Berl. 1900); Hampel, Gartenbeete und Gruppen (das. 1901).
 
Artikelverweis 
Blattplatin, s. Meyers Goldschlägerei.
 
Artikelverweis 
Blattranken, Ranken, die von Teilen eines Blattes gebildet werden (s. Meyers Blatt, S. 28).
 
Artikelverweis 
Blatträuber, s. Meyers Spanner.
 
Artikelverweis 
Blattroller (Blattschneider, Blattwickler, Rhynchites Herbst), Gattung der Rüsselkäfer, kleinere, metallglänzende Käfer mit kegelförmigem Kopf, an die Basis des Rüssels gerückten Augen und ungebrochenen Fühlern. Der stahlblaue Rebenstecher (Zapfenwickler, Bolzenstecher, R. betuleti F., s. Tafel Meyers »Gartenschädlinge II«, Fig. 3), 6 mm lang, stahlblau, lebt im Mai und Juni auf Waldbäumen, Birnbäumen und dem Weinstock, sticht junge Schosse an, deren Spitze infolgedessen abwelkt, und schabt an Blättern die Oberhaut in Streifen an; er legt je 13 Eier in Wickel, die er aus jungen, durch Anstechen des Triebes oder der Blattstiele zum Welken gebrachten Blättern zusammenrollt. Die Larven verpuppen sich in der Erde, der Käfer überwintert. Er schadet besonders dem Weinstock. Gegenmittel: Absuchen der Wickel. Der Zweigabstecher (Giebelstecher, R. conicus Ill., ebenda, Fig. 2), 3 mm lang, tiefblau, mäßig dunkel behaart, auf den Flügeldecken tief punktstreifig, lebt auf Wald- und Obstbäumen, benagt junge Triebe, legt seine Eier in das Mark noch weicher Triebe und beißt diese dann ab. Die Larve entwickelt sich im Mark und verpuppt sich in der Erde. Der Pflaumenbohrer (R. cupreus L., Fig. 7), 4,5 mm lang, bronze- oder kupferfarben, grau behaart, auf den Flügeln tief punktstreifig, lebt auf Schwarz- und Weißdorn, Vogelbeeren, Haseln, Kirschen und Pflaumen, benagt Knospen und junge Schosse, legt seine Eier wie der Zweigabstecher oder in unreife Kirschen oder Pflaumen, deren Stil er dann durchbeißt. Die abfallenden Früchte muß man vernichten. Der purpurrote Apfelstecher (R. Bacchus L., Fig. 4), behaart, purpurrot, mit goldglänzenden Flügeldecken, blauen Fühlern, Füßen und Rüssel, erscheint im März, lebt auf Apfel-, Birnbäumen, Aprikosen, Weiß- und Schwarzdorn und legt je 14 Eier in junge Äpfel, Birnen, ohne den Fruchtstiel zu benagen; die Larve entwickelt sich im Kernhaus. Die Früchte fallen vor der Reife ab, worauf die Larve zur Verpuppung in die Erde geht. Er wird auch den Aprikosen verderblich. Gegenmittel: Sammeln der abgefallenen Früchte, Abklopfen der Käfer im ersten Frühjahr. Der goldgrüne Apfelstecher (R. auratus Scop., Fig. 5), den man früher mit dem vorigen vereinigte, lebt vorwiegend auf Kirschbäumen, Weiß- und Schwarzdorn.
 
Artikelverweis 
Blattrosette, die Vereinigung dicht übereinander stehender Blätter, deren Stengelglieder verkürzt bleiben.
 
Artikelverweis 
Blattrot (Erythrophyll), das Rot herbstlicher Blätter, findet sich meist im Zellsaft gelöst, ist leicht löslich in Wasser und Alkohol, nicht in Äther, wird durch Alkalien grün.
 
Artikelverweis 
Blattsauger, soviel wie Blattflöhe.
 
Artikelverweis 
Blattscheide, s. Meyers Blatt, S. 26.
 
Artikelverweis 
Blattschlauch, Pflanzenteil, s. Ascidium.
 
Artikelverweis 
Blattschmetterlinge, Tagfalter, die auf der Unterseite ihrer Flügel, die sie im Sitzen emporklappen, das oft sehr täuschende Bild eines welken, durchlöcherten, zerfressenen Blattes mit Brandpilzen und Schimmel zeigen. Vgl. Textblatt zur Tafel Meyers »Mimikry«.

 

Eingabe
Wörterbuchtext:
Stichwort: