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Blattläuse bis Blattplatin (Bd. 3, Sp. 30 bis 33)
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Artikelverweis Blattläuse (Pflanzenläuse, Aphidae Burm.), Familie der Halbflügler, kleine Tiere mit fünf- bis siebengliederigen, oft langen Fühlern, dreigliederigem Schnabel, langen, dünnen Beinen und vier dünnhäutigen, häufig fehlenden Flügeln. Bei den Arten der Gattung Aphis stehen auf dem sechsten Gliede des Hinterleibes zwei Saftröhren, die bei Berührung einen Tropfen absondern, der wachsartige Substanz gelöst enthält und den Angreifer alsbald mit einer lästigen Kruste bedeckt Die meisten B. sind grün, häufig bereift, bisweilen durch Ausschwitzungen mit Wollpelz bedeckt (Wollläuse). Sie nähren sich vom Safte der Blätter, Stengel und zuweilen auch der Wurzeln bestimmter Pflanzen, die sie mit ihrem Schnabel anstechen; manche leben in gallenartigen Anschwellungen (Gallenläuse), die das Mutterweibchen durch Anstechen an Blättern erzeugt, und deren Wachstum durch ein gleiches Verfahren der Nachkommen fortschreitet (s. Meyers Gallen). Aus den im Herbst zwischen Rindenschuppen oder unter Laub gelegten oder frei einem Stengel angeklebten Eiern der B.

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aus der Gattung Aphis (Neffen) schlüpfen im Frühjahr ausschließlich Weibchen (meist flügellose) aus, die sich sofort auf einer Pflanze anfangen, sich mehrmals häuten und dann ohne Begattung lebendige Junge gebären. In solcher Weise vermehren sich diese Ammen viele Generationen hindurch und bleiben, dicht zusammengedrängt, um einen jungen Trieb oder anderswo sitzen. Einigen dieser Ammen wachsen aber Flügel, so daß sie auf andre Pflanzen übergehen und eine neue Kolonie gründen können, indem sie fortfahren, lebendige Junge zu gebären. Erst von der letzten Generation im Herbst werden geschlechtliche geflügelte oder ungeflügelte Männchen und meist flügellose Weibchen geboren, die sich begatten und Eier legen. Unter geeigneten Verhältnissen erhalten sich Blattlauskolonien jahrelang nur durch Ammen und die geschlechtliche Fortpflanzung fällt völlig aus. Über die Fortpflanzung der Reblaus s. d. Bisweilen erscheinen plötzlich ungeheure Schwärme geflügelter B. (Aphis fabae, rumicis, bursariae, persicae), die durch Luftströmungen fortgeführt werden. Die von vielen Blattläusen aus ihrem After in hellen Tropfen abgesonderte zuckerhaltige Flüssigkeit wird in weitem Bogen fortgespritzt und bildet den Honigtau; sie lockt besonders Ameisen und Zweiflügler in Menge an, die aber nur selten die B. selbst vertilgen. Die von den Larven abgeworfenen Häute, die auf den vom Honigtau klebrigen Pflanzenteilen haften bleiben, bilden eine Form des Meltaues.
   Die B. haben viele Feinde; abgesehen von insektenfressenden Vögeln, legen die kleinen Ichneumoniden aus der Gattung Aphidius ihnen ihre Eier in den Leib; die Larven von Schwebfliegen (Syrphiden) und Käfern (Hemerobien und Koccionellen) nähren sich nur von ihnen; auch Milben, die Larven des Blattlauslöwen und der kleine Tausendfuß stellen ihnen nach. In eigentümlichem Verhältnis stehen die B. zu den Ameisen (s. d., S. 418f.). Die B. schwächen die jungen Triebe der Pflanzen durch Saftentziehung, ihre Ausscheidungen verkleben die Spaltöffnungen der Blätter und stören dadurch die Atmung der Pflanzen, sie sammeln die in der Luft schwebenden Pilzsporen und begünstigen dadurch Brand und andre Krankheiten. Durch das gestörte Wachstum entstehen allerlei Mißbildungen, Blätter und Früchte fallen ab, und wenn Rinde und Wurzeln angegriffen werden, sterben die ganzen Pflanzen ab. Aus der Gattung Aphis L. kennt man allein in Europa 350 Arten, von denen viele an Kulturpflanzen oft empfindlichen Schaden tun. Als wirksamstes Gegenmittel gegen B. an Zierpflanzen gilt Räucherung mit Tabak, wobei man auf 1 cbm des geschlossenen Raumes, in dem die Pflanzen sich befinden, 0,75 kg Tabak rechnet. Man räuchert abends, kehrt am Morgen die abgefallenen B. zusammen und wiederholt die Räucherung. Auch bespritzt man die Pflanzen mit Tabakabkochung, Petroleumemulsion od. dgl., siedelt auch Marienkäfer, Florfliegen etc. in den Gewächshäusern an. Stark befallene Pflanzenteile schneidet man ab, Bäume bestreicht man im Herbst mit einem Brei aus Lehm und Wasser, um die Eier zu ersticken. Als Vorbeugungsmittel gelten für Gewächshäuser gehörige Feuchtigkeit der Luft, Vermeidung zu großer Wärme und eines häufigen Wechsels von warm und kalt, feucht und trocken. Die Blutlaus (Schizoneura lanigera Hausm., s. Tafel Meyers »Gartenschädlinge III«), 1,5 mm lang, honiggelb bis braunrötlich, auf dem Rücken weißwollig, im geflügelten Zustand schwarz, am Hinterleib schokoladenfarben, ebenfalls mit Wollhaar überzogen, gibt beim Zerdrücken einen blutroten Fleck. Der wollige Überzug besteht aus Wachsfäden, die jede Benetzung hindern. Sie saugt an Rinde und Splint des Apfelbaums, an Ästen und Zweigen, aber auch am Wurzelhals und erzeugt dadurch krebsartige Entartung und Fäulnis, sitzt auch an älterm beschädigten Holz und hindert die Vernarbung der Wunde. Überwinterte Muttertiere gebären lebendige Junge, die sich den Sommer über parthenogenetisch in acht Bruten fortpflanzen. Im Herbst erscheinen geflügelte Weibchen, die ohne Befruchtung 57 Eier legen. Aus diesen entwickeln sich ungeflügelte Männchen und Weibchen. Letztere legen je ein Ei, und die aus diesen Eiern schlüpfenden Läuse überwintern am Stamm unter ihren weißen Flocken. Alte flügellose Läuse überwintern am Fuße der Obstbäume unter Moos, zwischen Graswurzeln etc. Die Blutlaus soll aus Amerika stammen, wurde 1787 in England beobachtet und hat sich seitdem weitverbreitet und viel Schaden angerichtet. Zur Vertilgung empfiehlt sich häufig wiederholtes Zerdrücken der Kolonien, Abbürsten mit Wasser und Bestreichen der kranken Stellen mit Fett. Auch Petroleumemulsion ist sehr wirksam (vgl. Goethe, Die Blutlaus, 2. Aufl., Straßb. 1885). Die Tannenlaus (Chermes abietis L., s. Tafel Meyers »Halbflügler«, Fig. 14) überwintert unter einem weißlichen Wollkleid an der Wurzel von Fichtenknospen, bohrt im April die Knospe an und legt daran ihre Eier. Die im Mai ausschlüpfenden Larven saugen zwischen den Nadeln des Triebes und erzeugen einen ananasartigen Zapfen, in dessen zellenartigen Räumen die Larven sitzen. Die ausschlüpfenden geflügelten Läuse gehen teilweise auf die Lärche über, und aus ihren Eiern entsteht eine in der Rinde überwinternde Generation, die im Frühjahr wieder Eier legt. Aus letztern schlüpfen im Mai Läuse aus, die im selben Monat zur Fichte zurückwandern. Aus den Eiern der letztern entwickeln sich männliche und weibliche Läuse, von denen letztere an den Fichtenknospen überwintern etc. Über Chermes fagi s. Meyers Buchenkrebs; über fossile B. s. Meyers Tertiärformation. Vgl. Kaltenbach, Monographie der Familie der Pflanzenläuse (Aachen 1843); Koch, Die Pflanzenläuse (Nürnb. 1857); Büsgen, Der Honigtau (Jena 1891).
 
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Blattlausfliege, s. Meyers Florfliege.
 
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Blattlauskäfer, s. Meyers Marienkäfer.
 
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Blattlauslöwen, die Larven des Marienkäfers, der Flor- und Schwebfliegen, die sich von Blattläusen nähren.
 
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Blattmesser, s. Meyers Rietmesser.
 
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Blattmetall, s. Meyers Goldschlägerei.
 
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Blattnarbe (Cicatrix), an den Zweigen der Holzpflanzen die Stelle, an der ein abgefallenes Blatt gesessen hat. Bisweilen zeigt der Stengel an den Blattansatzstellen eine Anschwellung, das sogen. Blattkissen (pulvinus), die von der verbreiterten Basis des Blattes herrührt.
 
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Blattnasen, Familie der Fledermäuse (s. d.).
 
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Blattnerven, s. Meyers Blatt, S. 26.
 
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Blattpflanzen (hierzu Tafel Meyers »Blattpflanzen I und II«), Gewächse, die wegen schöner Form oder Farbe ihrer Blätter im Garten, in Gewächshäusern und im Zimmer kultiviert werden. Sie zählen zu den schönsten Erscheinungen des Pflanzenreiches, und viele eignen sich durch ihre Beständigkeit und die durchschnittlich leichte Kultur vorzüglich zu Zimmerpflanzen. Unter geeigneten Verhältnissen blühen sie auch, meist sind aber die Blüten unscheinbar. Diese letztern gehören hauptsächlich den Familien der Palmen, Arazeen, Liliengewächse, Bromeliazeen und Scitamineen an; doch liefern auch viele Familien der Dikotyledonen,

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z. B. die Araliazeen, Begoniazeen, Urtikazeen und Laurazeen, ferner die Koniferen und namentlich die Farne zahlreiche und schöne B. Die Kultur gelingt am besten in nach S., SO. oder SW. gelegenen Zimmern, während in rein nördlich gelegenen nur harte Palmen, Drazänen u. Arazeen gedeihen. Haupterfordernis ist viel Licht, das selbst in der freien Natur Schatten liebende Arazeen und Farne verlangen; die Temperatur muß zwischen 10 und 15° betragen. Zu hohe Wärme bei Lichtmangel ist schädlich, während viele Palmen im ungeheizten Zimmer gut überwintern und dann auch mit weniger heller Beleuchtung sich begnügen. Für die meisten B. darf die Temperatur nachts auf 68° sinken; zarte Pflanzen, wie Pandanazeen und Maranten, muß man aber stets recht hoch aufstellen, damit sie nicht in den tiefern und kältern Luftschichten des Zimmers an den Wurzeln Schaden leiden. Vorteilhaft stellt man die Töpfe zarter Pflanzen in größere, mit Moos gut ausgepolsterte Töpfe. Im Sommer ist reichliche Lüftung empfehlenswert, im Winter dürfen die Pflanzen jedenfalls nicht von kalter Luft getroffen werden, und ebenso sind sie im Sommer vor direktem Sonnenlicht zu schützen. Manche B. gedeihen trefflich, wenn man sie im Sommer einige Zeit an einem geschützten Ort ins Freie stellt. Im allgemeinen verlangen B. viel Wasser, aber im Winter muß man mit dem Begießenvorsichtig sein, und stets sollte die Temperatur des Wassers 23° höher sein als die des Zimmers. So oft wie möglich wasche man die B. mit reinem warmen Wasser und einem weichen Schwamm auf beiden Seiten der Blätter, bespritze sie auch (im Sommer mehrere Male des Tages) mittels einer seinen Brause mit reinem lauwarmen Wasser und stelle zwischen den Töpfen flache Gefäße mit Wasser auf, damit sich die Luft des Zimmers immer möglichst feucht erhalte. Die meisten B. verlangen eine aus viel Laub- und Heideerde mit Sand und etwas Lehm gemischte Erde, der man vorteilhaft feine Hornspäne zusetzt. Man verpflanzt sie im Frühjahr mit möglichster Schonung der Wurzeln und begießt sie im Laufe des Sommers wiederholt mit einer chemischen Pflanzen-Nährstofflösung, wie dieselben jetzt von allen Drogengeschäften mit den notwendigen Gebrauchsanweisungen verkauft werden.
   Die dankbarsten B. sind die Palmen, weil sie am leichtesten zu kultivieren sind und sich durch Schönheit und Mannigfaltigkeit der Formen auszeichnen. Besonders empfehlenswert sind: Trachycarpus (Chamaerops) excelsa (Tafel I, Fig. 4) und C. humilis, die sich auch unter ungünstigen Verhältnissen sehr lange im Zimmer erhalten; Corypha australis (Fig. 9), gleichfalls sehr dauerhaft und wie die vorige sehr dankbar für einen Aufenthalt im Freien während des Sommers; Latania borbonica (Livistona chinensis, Fig. 5), die viel Feuchtigkeit und häufiges Benetzen der Blätter verlangt, dann aber auch prachtvoll sich entwickelt; Rhapis flabelliformis, eine etwas steife Pflanze; die sehr zierliche Phoenix reclinata; die derbere P. sylvestris und P. canariensis (Fig. 8); mehrere Chamädoreen, wie Chamaedorea hybrida (Fig. u), lunata, elegans, Ernesti Augusti, graminifolia, die schnell hoch werden; die schönen, recht harten Kentia-Arten (Fig. 1 u. 3) und Hyophorbe lutescens (Fig. 2), die harte. prachtvolle Cocos flexuosa und C. australis und Weddelliana (Fig. 7) und die im Habitus völlig abweichenden Caryota-Arten. Von Pandanazeen sind der Pandanus furcatus, der bald mächtige Dimensionen erreicht, und der zierliche, sehr ausdauernde P. utilis (Fig. 13), auch P. javanicus und P. gramineus, mit sehr schmalen Blättern, empfehlenswert. Die Drazänen (Fig. 11 u. 12) stellen sehr viele B., sind aber im allgemeinen bei weitem nicht so ausdauernd wie die Palmen, besonders viel empfindlicher gegen nicht ganz regelmäßiges Begießen. Cordyline rubra, congesta, indivisa, australis machen keine Schwierigkeiten, während die schönen buntblätterigen Formen von C. terminalis nicht leicht zu kultivieren sind. Zur Ausfüllung dunkler Winkel eignet sich vortrefflich die großblätterige Plectogyne elatior (Tafel II, Fig. 15), die auch mit bunten Blättern (fol. variegatis) vorkommt. Ebenfalls für den Schatten geeignet ist Curculigo, mit mächtigen, frischgrünen, gefalteten Blättern, die namentlich im Sommer viel Wasser verlangt. Von den Bromeliazeen liefern die Gattungen Billbergia, Pitcairnia, Tillandsia, Nidularium, Aechmea (Tafel I, Fig. 16) etc. viele B.; aber im allgemeinen sind diese Gewächse mehr Gegenstand besonderer Liebhaberei; einige blühen prachtvoll. Die großartigsten Formen entwickeln die Bananen, von denen mehrere Arten recht gut im Zimmer gedeihen; besonders empfehlenswert sind Musa Cavendishii, discolor, ornata, rosacea (Taf. II, Fig. 4) und speciosa; die nahe verwandten schönen Maranten sind zart und erfordern sorgsamste Pflege, wenn sie im Zimmer gedeihen sollen. Ihre Kultur gelingt meist nur in besondern Zimmergewächshäuschen. Von den zahlreichen Canna-Sorten, die besonders im Garten kultiviert werden, eignen sich einige zur Zimmerkultur, verlangen aber viel Licht. Ungemein artenreich ist die Familie der Arazeen, im ganzen dauerhafte Pflanzen, z. T. mit mächtigen Formen. Einzelne, wie Philodendron pertusum (Monstera deliciosa, Tafel I, Fig. 14), gehören zu den verbreitetsten Marktpflanzen und entwickeln sich im Zimmer fast schöner als im Gewächshaus. Sehr empfehlenswert ist auch P. bipinnatifidum (Fig. 15). Vielgestaltig und z. T. farbenprächtig sind die Anthurien, von denen Anthurium magnificum vielleicht die schönste Art ist. Auch A. leuconeuron hält sich gut im Zimmer. Beachtenswert sind auch die Dieffenbachien, deren eine Art, die bunte Dieffenbachia Seguine picta, sich bei sorgsamer Pflege kräftig entwickelt. Große Farbenpracht entfalten die Blätter der Kaladien, die in reicher Mannigfaltigkeit gezogen werden; bei hinreichender Luftfeuchtigkeit halten sie sich während des Sommers recht gut im Zimmer, aber im Winter ziehen sie ein, und es gelingt nicht, sie im Frühjahr ohne Bodenwärme wieder zu voller Schönheit anzutreiben. Sehr bekannt ist Calla aethiopica, die namentlich bei ausreichender Feuchtigkeit sich kräftig entfaltet und schöne weiße Blüten treibt; eine niedrige Form blüht dankbarer, ist aber weniger schön; eine andre Form, C. albo-maculata, hat kleine, pfeilförmige, silberweiß gefleckte Blätter. Sehr beliebt sind auch die hellgrüne großblätterige Curculigo recurvata (Tafel II, Fig. 5), der schnellwüchsige Cyperus alternifolius (Fig. 7) und des Kontrastes halber Araucaria excelsa (Fig. 11). Von den Dikotyledonen ist vor allen die Gattung Ficus mit dem allverbreiteten Gummibaum (Ficus elastica, Fig. 10) zu erwähnen, zu dem F. australis ein Seitenstück bildet. Dieser ist ungemein hart, während F. Cooperi und Porteana zwar viel schöner, aber auch schwieriger zu kultivieren sind. Schnellwüchsig und durch schöne Blattformen ausgezeichnet sind Aralia papyrifera (Fig. 13) und Sieboldii, denen man im Sommer einen Standort im Freien geben muß. Empfehlenswert ist auch Eucalyptus globulus, der Fieberbaum oder

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Blaugummibaum Australiens, der sehr rasch wächst und im kalten Zimmer gut gedeiht. Ganz eigenartig sind die Begonien, die bei sorgsamer Pflege sich dankbar erweisen; sie erfordern große Gleichmäßigkeit im Begießen und sind sehr empfindlich gegen Staub, Zugluft, Sonnenlicht und Benetzung; die verschiedenen Formen von Begonia rex (Fig. 14 u. 17) zeigen große Farbenpracht der Blätter, andre Arten, wie B. boliviensis und B. magnifica, entwickeln zahlreiche und schöne Blüten. Von wirklich buntblätterigen Pflanzen sind erwähnenswert die Gattungen Coleus (Fig. 16), Aphelandra, Eranthemum, Peperomia, Strobilanthes (Fig. 12) etc. Die Farne gehören zu den prächtigsten und zierlichsten B. und eignen sich namentlich zur Zusammenstellung mit Palmen, sind aber sehr empfindlich und gedeihen im Zimmer nur, wenn man für große Feuchtigkeit der Luft sorgt, die Pflanzen gleichmäßig begießt, vor Staub schützt und fleißig bespritzt. Recht empfehlenswert sind Adiantum cuneatum (Fig. 2), Blechnum brasiliense, Gymnogramme Laucheana, Lomaria gibba (Fig. 3), Platycerium grande (Fig. 8), Polypodium aureum (Fig. 9), neben denen die herrlich metallblau schimmernde Selaginella caesia arborea (laevigata) kultiviert werden kann.
   Man wird bei den B. nicht gern die Schling- und Ampelpflanzen entbehren, da sie bei der Bildung von Gruppen wesentliche Dienste leisten. Neben dem Efeu sind Mikania scandens und besonders Cissus discolor wertvoll. Letztere Pflanze hat prachtvolle Blätter, die sich auch im Zimmer recht gut entwickeln. Als Ampelpflanze sind neben den B. Ficus stipulata (Fig. 6) die ungemein schnellwüchsige Tradescantia viridis, auch T. discolor, Chlorophytum Sternbergianum (Tafel I, Fig. 10), Saxifraga sarmentosa (II, Fig. 1) und Isolepis gracilis verwendbar.
   Die Zahl der in Gewächshäusern kultivierten B. ist ungemein groß, und namentlich im Warmhaus findet man prachtvolle Maranten, herrlich gefärbte Croton-Sorten, von Melastomazeen das großartige Cyanophyllum magnificum und die kleinern Sonerilen, Fittonien, Bertolonien, Eranthemum, Dichorisandra etc. Viele B. der Gewächshäuser kann man im Sommer im Garten auspflanzen, wie die mächtige Wigandia caracasana, Ferdinanda eminens, Uhdea pinnatifida und mehrere Solanum-Arten, denen sich die Canna-Arten, auch manche Gräser anschließen. Für das freie Land finden ausdauernde und einjährige Gewächse in Blattpflanzengruppen und auch als Einzelpflanzen Verwendung und tragen viel dazu bei, der Gartenszene etwas Exotisches zu verleihen. Die ausdauernden Arten von Gunnera, Acanthus, Heracleum, Ferula, Veratrum, Rheum (Rhabarber), Polygonum, Bocconia liefern formenreichen Dekorationsstoff. Von einjährigen werden besonders verwendet: Arten von Ricinus, Zea (Mais), Nicotiana, Cannabis (Hanf), Solanum, Amarantus (Fuchsschwanz), Perilla, Coleus u. a., die auf stark mit Dungstoffen angereicherter Erde sich üppig entwickeln, wenn sie im Mai ausgepflanzt werden. Vgl. Hesdörffer, Zimmergärtnerei (2. Aufl., Berl. 1900); Hampel, Gartenbeete und Gruppen (das. 1901).
 
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