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Blatthonig bis Blattläuse (Bd. 3, Sp. 30)
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Artikelverweis Blatthonig, s. Meyers Honigtau.
 
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Blatthornkäfer (Blatthörner, Lamellicornia Latr.), Käferfamilie, umfaßt an 7000 Arten, unter denen sich die größten, farbenprächtigsten aller Käfer finden. Sie besitzen kurze, sieben- bis elfgliederige Fühler, die eine quergestreckte Keule bilden, und fast durchweg entwickelte Flügel. Die Beine (besonders die vordern) besitzen eine mit Dornen bewehrte, zum Graben geschickte Schiene und fünfgliederige Tarsen. Die Männchen tragen oft Auswüchse am Kopf und Halsschild und weichen bisweilen auch in Farbe und Skulptur wesentlich von den gleichartigen Weibchen ab. Die Larven sind feist, weichhäutig, gekrümmt, mit hornigem Kopf; ihr letzter Hinterleibsring ist sackartig ausgedehnt. Die der größern Arten leben mehrere Jahre. Die B. nähren sich von Pflanzen und Mist und räumen faulende Stoffe, besonders Exkremente, mit großer Schnelligkeit hinweg; einige tropische Arten leben von Aas. Viele B. richten am Laub und im Larvenzustand an den Wurzeln von Kulturgewächsen Schaden an (Maikäfer); sie sind am reichlichsten zwischen den Wendekreisen in Afrika und Südamerika vertreten. Einteilung: Dynastiden, die riesigsten Käferformen; Melitophilen, mittelgroße oder riesige, prächtig gefärbte Formen; Phyllophagen (Laubkäfer); Koprophagen (Mistkäfer); Arenikolen (Sandkäfer); Pektinikornia (Kammhörner).
 
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Blattin, s. Meyers Atlas (Gewebe), S. 48.
 
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Blattkäfer (Chrysomelidae Latr.), Familie kleiner Käfer, mit meist gedrungenem Körper, mittellangen faden- oder schnurförmigen Fühlern und häufig zum Springen eingerichteten, kurzen, verdickten Hinterfüßen. Die B. sind meist lebhaft oder metallisch gefärbt, auch ihre kurzen, gedrungenen Larven sind meist gefärbt, mit Warzen oder Dornen besetzt, haben deutlich ausgebildete Füße und verzehren saftreiche Teile von Pflanzen; einige bauen aus ihren Exkrementen schützende Gehäuse, die sie mit sich herumtragen. Die Larven mancher Arten sondern einen kleberigen Saft ab und hängen sich zur Verpuppung mit der Leibesspitze an Blätter. Viele B. halten einen Sommerschlaf. Man kennt gegen 10,000 über die ganze Erde verbreitete Arten. Der Erlenblattkäfer (Agelastica alni Fab.), 6,5 mm lang, oberseits glänzend violett oder blau, legt seine Eier auf Erlenblätter, deren Oberhaut von den glänzend grünschwarzen Larven benagt wird. Letztere verpuppen sich im Juli flach unter der Erde, und im August erscheint der Käfer, der unter Laub überwintert. Er wird besonders in Pflanzgärten schädlich. Der Weinstockfallkäfer (Eumolpus vitis L., s. Tafel Meyers »Gartenschädlinge II«, Fig. 12), 6 mm lang, schwarz mit rotbraunen, etwas samthaarigen Flügeldecken, findet sich in Europa und Nordamerika, lebt auf Weiderich und dem Weinstock, zerschneidet die Blätter des letztern und greift auch die Trauben und jungen Schosse an. Wenn man sich ihm nähert, läßt er sich herabfallen und ist dann schwer zu erkennen. Das Lilienhähnchen (Crioceris merdigera L., ebenda, Fig. 13), 7,5 mm lang, feuerrot, unten schwarz, lebt auf den Blättern der weißen Lilie und der Kaiserkrone; seine schwarzen feuchten Larven zerfressen die Blätter. Die zweite Generation überwintert als Puppe in der Erde. Das dunkelblaue oder grüne, gelbweiß gefleckte, am Rande der Flügeldecken rote Spargelhähnchen (C. asparagi L., Fig. 14) zerstört als Larve das Spargellaub, verpuppt sich in der Erde. C. duodecimpunctata L. lebt auch auf Spargel, ist aber weniger gefährlich. Zu derselben Familie gehören auch der Kartoffelkäfer und die Erdflöhe. Vgl. Lacordaire, Monographie des Coléoptères subpentamères de la famille des Phytophages (Par. 184548, 2 Bde.).
 
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Blattkaktus, s. Meyers Epiphyllum.
 
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Blattkeimer, s. Meyers Dikotyledonen.
 
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Blattkiemer, s. Meyers Muscheln.
 
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Blattkissen, Pflanzenteil, s. Meyers Blattnarbe.
 
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Blattkohl, s. Meyers Kohl.
 
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Blattkrebs, s. Meyers Languste.
 
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Blattläuse (Pflanzenläuse, Aphidae Burm.), Familie der Halbflügler, kleine Tiere mit fünf- bis siebengliederigen, oft langen Fühlern, dreigliederigem Schnabel, langen, dünnen Beinen und vier dünnhäutigen, häufig fehlenden Flügeln. Bei den Arten der Gattung Aphis stehen auf dem sechsten Gliede des Hinterleibes zwei Saftröhren, die bei Berührung einen Tropfen absondern, der wachsartige Substanz gelöst enthält und den Angreifer alsbald mit einer lästigen Kruste bedeckt Die meisten B. sind grün, häufig bereift, bisweilen durch Ausschwitzungen mit Wollpelz bedeckt (Wollläuse). Sie nähren sich vom Safte der Blätter, Stengel und zuweilen auch der Wurzeln bestimmter Pflanzen, die sie mit ihrem Schnabel anstechen; manche leben in gallenartigen Anschwellungen (Gallenläuse), die das Mutterweibchen durch Anstechen an Blättern erzeugt, und deren Wachstum durch ein gleiches Verfahren der Nachkommen fortschreitet (s. Meyers Gallen). Aus den im Herbst zwischen Rindenschuppen oder unter Laub gelegten oder frei einem Stengel angeklebten Eiern der B.

[Bd. 3, Sp. 31]


aus der Gattung Aphis (Neffen) schlüpfen im Frühjahr ausschließlich Weibchen (meist flügellose) aus, die sich sofort auf einer Pflanze anfangen, sich mehrmals häuten und dann ohne Begattung lebendige Junge gebären. In solcher Weise vermehren sich diese Ammen viele Generationen hindurch und bleiben, dicht zusammengedrängt, um einen jungen Trieb oder anderswo sitzen. Einigen dieser Ammen wachsen aber Flügel, so daß sie auf andre Pflanzen übergehen und eine neue Kolonie gründen können, indem sie fortfahren, lebendige Junge zu gebären. Erst von der letzten Generation im Herbst werden geschlechtliche geflügelte oder ungeflügelte Männchen und meist flügellose Weibchen geboren, die sich begatten und Eier legen. Unter geeigneten Verhältnissen erhalten sich Blattlauskolonien jahrelang nur durch Ammen und die geschlechtliche Fortpflanzung fällt völlig aus. Über die Fortpflanzung der Reblaus s. d. Bisweilen erscheinen plötzlich ungeheure Schwärme geflügelter B. (Aphis fabae, rumicis, bursariae, persicae), die durch Luftströmungen fortgeführt werden. Die von vielen Blattläusen aus ihrem After in hellen Tropfen abgesonderte zuckerhaltige Flüssigkeit wird in weitem Bogen fortgespritzt und bildet den Honigtau; sie lockt besonders Ameisen und Zweiflügler in Menge an, die aber nur selten die B. selbst vertilgen. Die von den Larven abgeworfenen Häute, die auf den vom Honigtau klebrigen Pflanzenteilen haften bleiben, bilden eine Form des Meltaues.
   Die B. haben viele Feinde; abgesehen von insektenfressenden Vögeln, legen die kleinen Ichneumoniden aus der Gattung Aphidius ihnen ihre Eier in den Leib; die Larven von Schwebfliegen (Syrphiden) und Käfern (Hemerobien und Koccionellen) nähren sich nur von ihnen; auch Milben, die Larven des Blattlauslöwen und der kleine Tausendfuß stellen ihnen nach. In eigentümlichem Verhältnis stehen die B. zu den Ameisen (s. d., S. 418f.). Die B. schwächen die jungen Triebe der Pflanzen durch Saftentziehung, ihre Ausscheidungen verkleben die Spaltöffnungen der Blätter und stören dadurch die Atmung der Pflanzen, sie sammeln die in der Luft schwebenden Pilzsporen und begünstigen dadurch Brand und andre Krankheiten. Durch das gestörte Wachstum entstehen allerlei Mißbildungen, Blätter und Früchte fallen ab, und wenn Rinde und Wurzeln angegriffen werden, sterben die ganzen Pflanzen ab. Aus der Gattung Aphis L. kennt man allein in Europa 350 Arten, von denen viele an Kulturpflanzen oft empfindlichen Schaden tun. Als wirksamstes Gegenmittel gegen B. an Zierpflanzen gilt Räucherung mit Tabak, wobei man auf 1 cbm des geschlossenen Raumes, in dem die Pflanzen sich befinden, 0,75 kg Tabak rechnet. Man räuchert abends, kehrt am Morgen die abgefallenen B. zusammen und wiederholt die Räucherung. Auch bespritzt man die Pflanzen mit Tabakabkochung, Petroleumemulsion od. dgl., siedelt auch Marienkäfer, Florfliegen etc. in den Gewächshäusern an. Stark befallene Pflanzenteile schneidet man ab, Bäume bestreicht man im Herbst mit einem Brei aus Lehm und Wasser, um die Eier zu ersticken. Als Vorbeugungsmittel gelten für Gewächshäuser gehörige Feuchtigkeit der Luft, Vermeidung zu großer Wärme und eines häufigen Wechsels von warm und kalt, feucht und trocken. Die Blutlaus (Schizoneura lanigera Hausm., s. Tafel Meyers »Gartenschädlinge III«), 1,5 mm lang, honiggelb bis braunrötlich, auf dem Rücken weißwollig, im geflügelten Zustand schwarz, am Hinterleib schokoladenfarben, ebenfalls mit Wollhaar überzogen, gibt beim Zerdrücken einen blutroten Fleck. Der wollige Überzug besteht aus Wachsfäden, die jede Benetzung hindern. Sie saugt an Rinde und Splint des Apfelbaums, an Ästen und Zweigen, aber auch am Wurzelhals und erzeugt dadurch krebsartige Entartung und Fäulnis, sitzt auch an älterm beschädigten Holz und hindert die Vernarbung der Wunde. Überwinterte Muttertiere gebären lebendige Junge, die sich den Sommer über parthenogenetisch in acht Bruten fortpflanzen. Im Herbst erscheinen geflügelte Weibchen, die ohne Befruchtung 57 Eier legen. Aus diesen entwickeln sich ungeflügelte Männchen und Weibchen. Letztere legen je ein Ei, und die aus diesen Eiern schlüpfenden Läuse überwintern am Stamm unter ihren weißen Flocken. Alte flügellose Läuse überwintern am Fuße der Obstbäume unter Moos, zwischen Graswurzeln etc. Die Blutlaus soll aus Amerika stammen, wurde 1787 in England beobachtet und hat sich seitdem weitverbreitet und viel Schaden angerichtet. Zur Vertilgung empfiehlt sich häufig wiederholtes Zerdrücken der Kolonien, Abbürsten mit Wasser und Bestreichen der kranken Stellen mit Fett. Auch Petroleumemulsion ist sehr wirksam (vgl. Goethe, Die Blutlaus, 2. Aufl., Straßb. 1885). Die Tannenlaus (Chermes abietis L., s. Tafel Meyers »Halbflügler«, Fig. 14) überwintert unter einem weißlichen Wollkleid an der Wurzel von Fichtenknospen, bohrt im April die Knospe an und legt daran ihre Eier. Die im Mai ausschlüpfenden Larven saugen zwischen den Nadeln des Triebes und erzeugen einen ananasartigen Zapfen, in dessen zellenartigen Räumen die Larven sitzen. Die ausschlüpfenden geflügelten Läuse gehen teilweise auf die Lärche über, und aus ihren Eiern entsteht eine in der Rinde überwinternde Generation, die im Frühjahr wieder Eier legt. Aus letztern schlüpfen im Mai Läuse aus, die im selben Monat zur Fichte zurückwandern. Aus den Eiern der letztern entwickeln sich männliche und weibliche Läuse, von denen letztere an den Fichtenknospen überwintern etc. Über Chermes fagi s. Meyers Buchenkrebs; über fossile B. s. Meyers Tertiärformation. Vgl. Kaltenbach, Monographie der Familie der Pflanzenläuse (Aachen 1843); Koch, Die Pflanzenläuse (Nürnb. 1857); Büsgen, Der Honigtau (Jena 1891).

 

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