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Blanqui bis Blas (Bd. 3, Sp. 20 bis 21)
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Artikelverweis Blanqui (spr. blangki), 1) Adolphe Jérome (B l'aîné), franz. Nationalökonom, Sohn des Konventsmitgliedes Jean Dominique B., geb. 21. Nov. 1798 in Nizza, gest. 28. Jan. 1854 in Paris, studierte in Paris Philologie und Nationalökonomie, wurde 1825 Professor an der Handelsschule daselbst und 1830 Direktor derselben, 1833 Professor am Conservatoire des arts et métiers, 1838 Mitglied der Akademie der moralischen und politischen Wissenschaften und von dieser nach Korsika, 1839 nach Algerien entsandt, um die Bedürfnisse dieser Länder zu studieren, deren Zustände er mit Freimütigkeit beleuchtete. Die Ergebnisse seiner auf viele Länder Europas ausgedehnten Reisen verarbeitete B. in mehreren Werken (»Considérations sur l'état social des populations de la Turquie d'Europe«, Par. 1843; deutsch, Magdeb. 1846, u. a.). Sein Hauptwerk ist die »Histoire de l'économie politique en Europe« (1838, 2 Bde.; 4. Aufl. 1860; deutsch, Karlsr. 184041). Wenn auch Anhänger von J. B. Say, so beteiligte sich B. doch am »Producteur«, einer Zeitschrift der Saint-Simonisten, und vertrat von der Sayschen Richtung abweichende Anschauungen in dem Werke: »Des classes ouvrièresen France pendant l'année 1848« (1849, 2 Bde.).
   2) Louis Auguste, franz. Kommunist, Bruder des vorigen, geb. 7. Febr. 1805 in Puget-Théniers (Seealpen), gest. 1. Jan. 1881, anfangs Hauslehrer, wurde frühzeitig in geheime Verbindungen verwickelt und verfocht unter der Juliregierung die kommunistischen Grundsätze in Flugschriften. Nachdem er 1832 wegen politischer Wühlereien vor den Geschwornen gestanden, trat er 12. und 13. Mai 1839 bei dem bewaffneten Aufstand in Paris als Anführer auf. Vom Pairshof 31. Jan. 1840 zum Tode verurteilt, wurde er vom König zu lebenslänglicher Haft begnadigt, bis ihm die Februarrevolution die Freiheit zurückgab. Er gründete 1848 in Paris den Klub des Republikanischen Zentralvereins, dessen Werk die Aufstände vom 17. März, 16. April und 15. Mai waren. Bei letzterm verhaftet, ward er zu zehnjähriger Gefängnisstrafe verurteilt. Durch die Amnestie von 1859 befreit, lebte er bis Anfang 1861 in London. Heimgekehrt, ward er schon 14. Juni als Haupt einer geheimen Gesellschaft wieder zu vierjährigem Gefängnis und 500 Frank Geldbuße verurteilt. Nach der Proklamierung der Republik nahm er 31. Okt. 1870 an der kommunistischen Revolte gegen die Regierung der nationalen Verteidigung teil, ward die Seele des Aufstandes vom 18. März 1871 und 26. März Mitglied der Pariser Kommune, weshalb er im Mai 1872 zur Deportation nach Neukaledonien verurteilt wurde; seiner leidenden Gesundheit wegen wurde diese Strafe in Gefängnis umgewandelt. Während seiner Untersuchungshaft

[Bd. 3, Sp. 21]


schrieb er das astronomische Werk: »L'éternité dans les astres« (Par. 1872). 1879 begnadigte man B., der seine Agitationen sofort wieder begann. Als ehrlicher Fanatiker von asketischem Lebenswandel, der 37 Jahre in Gefängnissen zubrachte, hatte er eifrige Anhänger (Blanquisten). Eine Sammlung seiner nationalökonomischen Schriften erschien u. d. T.: »Critique sociale« (Par. 1885, 2 Bde.; deutsch als »Kritik der Gesellschaft«, Leipz. 1886).
 
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Blanquilla (spr. -killja), eine der westindischen »Inseln unter dem Wind«, 66 qkm, unbewohnt, Venezuela gehörig.
 
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Blanscheflur, s. Meyers Flore und Blanscheflur.
 
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Blansker Wald (Plansker Wald), Bergrücken im südlichen Böhmen, zum innern Gebirgszug des Böhmerwaldes (s. d.) gehörig, nordwestlich von Krumau, mit dem 1084 m hohen Schöninger (Aussichtsturm).
 
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Blansko, Marktflecken in Mähren, Bezirksh. Boskowitz, an der Zwittawa und der Staatsbahnlinie Brünn-Prag, Sitz eines Bezirksgerichts, hat ein fürstlich Salmsches Schloß, Maschinenfabrik, Eisengießerei, Tonwarenerzeugung und (1900) 3141 meist tschech. Einwohner. Nordöstlich liegt das Dorf Sloup mit Tropfsteinhöhlen und östlich bei Willimowitz der berühmte Erdfall Mazocha (s. d.).
 
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Blantyre, Low (spr. lō blǟntair), Dorf in Lanarkshire (Schottland), 12 km südöstlich von Glasgow, mit Baumwollindustrie und (1891) 2225 Einw.; Geburtsort des Afrikaforschers David Livingstone.
 
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Blanvalet (spr. blangwalä), Henri, s. Meyers Französische Literatur der Schweiz.
 
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Blaps, s. Meyers Totenkäfer.
 
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Blarer (Blaurer), Ambrosius, Reformator im südlichen Schwaben und in der Schweiz, Studiengenosse und Freund Melanchthons, geb. 12. April 1492 in Konstanz, gest. 6. Dez. 1564 in Winterthur. Als Prior im Benediktinerkloster Alpirsbach auf dem Schwarzwald mit Luthers Schriften bekannt geworden, wurde er 1525 nach Konstanz als Prediger berufen. Hier sowie später in Ulm, Eßlingen, Augsburg, Lindau, Isny ordnete er das neue Kirchenwesen. 1534 berief ihn Herzog Ulrich von Württemberg zur Reformierung seines Landes. Nach einigen Jahren, in denen er die Kirche im obern Teil des Herzogtums geleitet hatte, veranlaßten ihn Streitigkeiten, in die ihn seine zwischen Luther und Zwingli vermittelnde Stellung mit den strengen Lutheranern verwickelte, nach Konstanz zurückzukehren (1538). Von hier 1548 durch das Interim vertrieben, war er seitdem an verschiedenen kleinern Kirchen, besonders im Thurgau, tätig. Vgl. Keim, Ambrosius B. (Stuttg. 1860); Pressel, Ambrosius B. (mit Auswahl seiner Schriften, Elberf. 1861).
 
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Blarney (spr. blārnĭ), oft genanntes Dorf bei Cork (Irland), mit altem Schloß (15. Jahrh.), in dessen Mauer an schwer zugänglicher Stelle ein Stein (der B. stone) sich befindet, der denjenigen, der ihn küßt, zum geschickten Schmeichler machen soll. Daher B. soviel wie eitler Wortschwall.
 
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Blas., bei Tiernamen Abkürzung für J. H. Blasius (s. d.).

 

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