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Blankettstrafgesetze bis Blanqui (Bd. 3, Sp. 19 bis 20)
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Artikelverweis Blankettstrafgesetze, diejenigen Gesetze, die nur die Strafandrohung enthalten, während die Ausstellung der Normen, deren Verletzung unter jene fallen sollen, anderweitigen Bestimmungen vorbehalten bleibt. Derartige B. finden sich im Reichsstrafgesetzbuch (§ 145, 327, 328 etc.) und in zahlreichen strafrechtlichen Nebengesetzen.
 
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Blanke Waffen, im Gegensatze zu den Feuerwaffen, bei der Infanterie das Bajonett und der Degen, bei der Reiterei der Säbel, Pallasch und die Lanze.
 
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Blankieren, Börsenausdruck, soviel wie fixen (s. d.), später zu liefernde Papiere verkaufen, die man noch nicht besitzt. Vgl. Blanko.
 
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Blanko (franz. blanc, engl. blank, ital. bianco, span. blanco), weiß, leer, unausgefüllt, daher Blanko stellen in gedruckten oder geschriebenen Formularen

[Bd. 3, Sp. 20]


jeglicher Art die handschriftlich auszufüllenden Stellen. Blankoquittung, ein schriftliches Empfangsbekenntnis, das beispielsweise die Leistung (Geldsumme) nicht enthält. Der Überbringer einer derartigen Quittung ist nicht zum Empfange der Valuta (s. d.) ermächtigt (§ 370 des Bürgerlichen Gesetzbuches). Blankovollmacht, eine Vollmacht, die entweder den Namen des Bevollmächtigten oder den Gegenstand der Vollmacht nicht enthält; Blankozession, Abtretung einer Forderung, eines Anspruchs ohne Nennung des Erwerbsgrundes; jedoch kann nach dem Bürgerlichen Gesetzbuch (§ 1192) eine Grundschuld jetzt nicht mehr durch Blankozession erworben werden. Blankoverkauf, der Verkauf von Waren, insbes. Effekten, die man nicht besitzt, die man aber hofft, später billiger anschaffen zu können, als man sie verkauft hat, also eine Spekulation à la baisse (vgl. Börse). In blanco stehen, soviel wie in Vorschuß stehen. Vgl. auch Blankett.
 
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Blankopapiere, Wertpapiere, auf denen der Name des Gläubigers noch unausgefüllt ist. Dieselben tragen den Charakter von Inhaberpapieren und werden durch Namensausfüllung, je nach der Art derselben, Rekta- oder Orderpapiere.
 
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Blankowechsel (auch bloß Blankett), im kaufmännischen Verkehr unausgefertigte, gedruckte oder sonst mechanisch vervielfältigte Wechselformulare, die gewöhnlich nur die Unterschrift des Ausstellers oder den bloßen Akzeptvermerk tragen. Der Nehmer des Blankowechsels ist im Zweifel befugt, vor Geltendmachung des Wechsels, bez. vor der Protesterhebung die fehlenden wesentlichen Bestandteile des Wechsels (s. d.) in das Blankett einzufügen oder dasselbe einem Dritten zur Ausfüllung zu übergeben. Wer einen B. als Aussteller oder Indossant begibt, trägt insofern ein erhebliches Risiko, als er gegenüber demjenigen Dritten, der den B. in gutem Glauben erworben, die vertragswidrige Ausfüllung desselben nicht geltend machen kann. Auch das Wechselakzept kann in blanco gegeben werden, so daß die Ausfüllung des Wechsels dem Wechselnehmer, bez. dem Wechselinhaber überlassen bleibt (Blankoakzept). Unter Blankoindossament versteht man ein solches Indossament, in dem der Indossatar nicht genannt ist, so daß das Indossament nur den Namen (oder die Firma) des Indossanten enthält, der zur Bezeichnung des Indossatars bestimmte, mitunter schon im voraus mit der vorgedruckten Formel: »Für mich an die Order des Herrn...« versehene Raum leer bleibt. Der in blanco girierte Wechsel wird durch bloße Übergabe übertragen (Blankogiro), gleicht daher dem Inhaberpapier. Der Wechselinhaber kann sich auch förmlich als Wechselgläubiger legitimieren, indem er sich als Indossatar des Blankogiros einträgt. Blankokredit (crédit à découvert) ist der Kredit, den man ohne Deckung (in hinterlegten Wertpapieren etc.) gewährt; eine besonders häufige Art desselben ist das Trassieren in blanco, d. h. das Ziehen von Wechseln auf eine Person, gegen die man eine Forderung nicht hat. Akzeptiert der so Bezogene, so spricht man wohl auch von einem Blankoakzept oder Kreditakzept.
 
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Blankscheit (franz. planchette), das Stahl- oder Fischbeinstück im Korsett.
 
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Blank verse (engl., spr. blänk wörs), der reimlose fünffüßige Jambus, das eigentliche dramatische Versmaß der Engländer, wie nach ihrem Vorgang auch der Deutschen. Er wurde in England zuerst von Surrey (gest. 1547) als Metrum für epische Dichtungen eingeführt, als solches von Milton weiter ausgebildet und von den spätern Dichtern (Thomson, Glover, Young, Wordsworth etc.) beibehalten. Im höfischen Drama fand er durch Sackville (1565), im volkstümlichen durch Marlowe Eingang (von Ben Jonson als »Marlowe's mighty line« bezeichnet); die freieste Bewegung aber und damit das regste dramatische Leben verlieh ihm Shakespeare. In Deutschland wurde er im 18. Jahrh. an Stelle des herrschenden Alexandriners zuerst von El. Schlegel, Cronegk und Brawe angewendet, dauernd für das Drama gewonnen aber erst durch Lessings »Nathan«. Vgl. Jambus.
 
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Blanquet (franz., spr. blangkä), Ragout von Kalb-, Lammfleisch oder Geflügel mit weißer Sauce; auch leichter Weißwein aus Languedoc. Auch soviel wie Blankett.
 
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Blanquette, s. Meyers Barillasoda.
 
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Blanqui (spr. blangki), 1) Adolphe Jérome (B l'aîné), franz. Nationalökonom, Sohn des Konventsmitgliedes Jean Dominique B., geb. 21. Nov. 1798 in Nizza, gest. 28. Jan. 1854 in Paris, studierte in Paris Philologie und Nationalökonomie, wurde 1825 Professor an der Handelsschule daselbst und 1830 Direktor derselben, 1833 Professor am Conservatoire des arts et métiers, 1838 Mitglied der Akademie der moralischen und politischen Wissenschaften und von dieser nach Korsika, 1839 nach Algerien entsandt, um die Bedürfnisse dieser Länder zu studieren, deren Zustände er mit Freimütigkeit beleuchtete. Die Ergebnisse seiner auf viele Länder Europas ausgedehnten Reisen verarbeitete B. in mehreren Werken (»Considérations sur l'état social des populations de la Turquie d'Europe«, Par. 1843; deutsch, Magdeb. 1846, u. a.). Sein Hauptwerk ist die »Histoire de l'économie politique en Europe« (1838, 2 Bde.; 4. Aufl. 1860; deutsch, Karlsr. 184041). Wenn auch Anhänger von J. B. Say, so beteiligte sich B. doch am »Producteur«, einer Zeitschrift der Saint-Simonisten, und vertrat von der Sayschen Richtung abweichende Anschauungen in dem Werke: »Des classes ouvrièresen France pendant l'année 1848« (1849, 2 Bde.).
   2) Louis Auguste, franz. Kommunist, Bruder des vorigen, geb. 7. Febr. 1805 in Puget-Théniers (Seealpen), gest. 1. Jan. 1881, anfangs Hauslehrer, wurde frühzeitig in geheime Verbindungen verwickelt und verfocht unter der Juliregierung die kommunistischen Grundsätze in Flugschriften. Nachdem er 1832 wegen politischer Wühlereien vor den Geschwornen gestanden, trat er 12. und 13. Mai 1839 bei dem bewaffneten Aufstand in Paris als Anführer auf. Vom Pairshof 31. Jan. 1840 zum Tode verurteilt, wurde er vom König zu lebenslänglicher Haft begnadigt, bis ihm die Februarrevolution die Freiheit zurückgab. Er gründete 1848 in Paris den Klub des Republikanischen Zentralvereins, dessen Werk die Aufstände vom 17. März, 16. April und 15. Mai waren. Bei letzterm verhaftet, ward er zu zehnjähriger Gefängnisstrafe verurteilt. Durch die Amnestie von 1859 befreit, lebte er bis Anfang 1861 in London. Heimgekehrt, ward er schon 14. Juni als Haupt einer geheimen Gesellschaft wieder zu vierjährigem Gefängnis und 500 Frank Geldbuße verurteilt. Nach der Proklamierung der Republik nahm er 31. Okt. 1870 an der kommunistischen Revolte gegen die Regierung der nationalen Verteidigung teil, ward die Seele des Aufstandes vom 18. März 1871 und 26. März Mitglied der Pariser Kommune, weshalb er im Mai 1872 zur Deportation nach Neukaledonien verurteilt wurde; seiner leidenden Gesundheit wegen wurde diese Strafe in Gefängnis umgewandelt. Während seiner Untersuchungshaft

[Bd. 3, Sp. 21]


schrieb er das astronomische Werk: »L'éternité dans les astres« (Par. 1872). 1879 begnadigte man B., der seine Agitationen sofort wieder begann. Als ehrlicher Fanatiker von asketischem Lebenswandel, der 37 Jahre in Gefängnissen zubrachte, hatte er eifrige Anhänger (Blanquisten). Eine Sammlung seiner nationalökonomischen Schriften erschien u. d. T.: »Critique sociale« (Par. 1885, 2 Bde.; deutsch als »Kritik der Gesellschaft«, Leipz. 1886).

 

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