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Blairsville bis Blanc (Bd. 3, Sp. 15 bis 16)
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Artikelverweis Blairsville (spr. blǟrswĭl), Stadt im nordamerikan. Staat Pennsylvanien, am Conemaughfluß und Pennsylvaniakanal, mit Fabriken, Produkten- und Kohlenhandel und (1900) 3386 Einw.
 
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Blake (spr. blēk), 1) Robert, Mitbegründer der engl. Seeherrschaft, geb. im August 1599, gest. 17. Aug. 1657, kam 1640 in das Kurze und 1645 in das Lange Parlament, wo er sich der republikanischen Partei anschloß, befehligte während des Bürgerkriegs ein von ihm selbst geworbenes Regiment und siegte, 1649 von Cromwell zum Befehlshaber der Flotte ernannt, über den Prinzen Rupert, 1652 und 1653 über die Holländer unter Tromp, Ruyter und de Witt. Dann nötigte er den Papst zur Zahlung einer Entschädigung für englische Prisen, die Prinz Rupert im Kirchenstaat verkauft hatte, und züchtigte 1655 die Barbareskenstaaten Tunis und Algier. 1656 kreuzte B. an der spanischen Küste, wo im September sein Vizeadmiral einen Teil der spanischen Silberflotte aufhob; am 20. April 1657 siegte er selbst über die spanische Flotte bei Santa Cruz, kehrte schwer erkrankt nach England zurück und starb bei Plymouth auf seinem Schiff. Cromwell ließ ihn in der Westminsterabtei beisetzen. Seine Biographie schrieben W. H. Dixon (neue Ausg., Lond. 1884) und Hannay (das. 1886); vgl. Pauli, Aufsätze zur engl. Geschichte (Leipz. 1869).
   2) William, engl. Maler und Dichter, geb. 1757 in London, Schüler von Flaxman und Füßli, starb 13. Aug. 1827. B. war als Zeichner, Maler und Kupferstecher tätig und ein geistreicher Kopf, aber in Kunst und Leben ein Sonderling. Er schwärmte für die Gotik, ließ von Malern nur Raffael, Michelangelo und Dürer gelten und hatte stets Visionen, namentlich von Männern alter Zeiten, auch von Tierseelen (z. B. der eines Flohes), die er abbildete. Zu seinen besten, jetzt sehr seltenen Werken gehören die Radierungen zu Youngs »Night thoughts« (1797, in Folio) und zu seinen »Songs of innocence and experience« (178994, 2 Bde.); ferner: »Europe, a prophecy« (1793) und »America, a prophecy« (1794), besonders aber seine Skizzen zum Buch Hiob

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(21 radierte Blätter). Seine »Works, poetical, symbolic, critical« wurden von Ellis und Yeats (Lond. 1893, 3 Bde.), seine Gedichte besonders von Rossetti (1874) herausgegeben. Sein Leben beschrieben Gilchrist (neue Ausg., Lond. 1880, 2 Bde.), Story (das. 1893) und Garnett (das. 1897).
   3) Joaquin, span. General, geb. in Irland, gest. 1827 in Valladolid, trat in spanische Dienste und ward 1808 von der Junta Galiciens zum Befehlshaber des galicischen Aufgebots ernannt. Er vermochte zwar weder Saragossa noch Gerona zu entsetzen, doch bewahrte er sein Ansehen und ward 1810 von den Cortes zum Regenten ernannt. Zugleich übernahm er den Oberbefehl über die spanische Armee, siegte mit Beresford und Castaños 16. Mai 1811 bei Albuera und verteidigte Valencia gegen Suchet, ergab sich aber im Januar 1812 und ward bis 1814 in Vincennes gefangen gehalten.
   4) Edward, kanadisch-engl. Politiker, geb. 13. Okt. 1833 in Cairngorm (Ontario), studierte bis 1854 in Toronto die Rechte, wurde 1856 Rechtsanwalt daselbst und stieg in dieser Stellung allmählich zu den höchsten Ehrenämtern empor. 1867 zugleich in das kanadische Parlament und die Legislatur von Ontario gewählt, ward er 1869 Führer der Liberalen innerhalb der letztern Körperschaft, stürzte im Dezember 1871 das konservative Ministerium Sandfield-Macdonald und übernahm in der neuen Regierung das Präsidium des Rates, das er allerdings bald an Sir Oliver Mowat abtrat, der es bis 1896 behielt. Im Parlament bekämpfte er mit demselben Erfolge Sir John A. Macdonald und ward im Kabinett Mackenzie Minister ohne Portefeuille, dann (Mai 1875) der der Justiz und übernahm nach dem Sturze des Ministeriums die Leitung der liberalen Opposition, bis ihn darin 1887 Mr. (jetzt Sir Wilfrid) Laurier (s. d.) ablöste. Nach der Auflösung des Parlaments 1890 lehnte er eine Wiederwahl ab, weil er von einer Weiterführung der bisherigen Politik beider Parteien Kanadas allmähliches Aufgehen in die Vereinigten Staaten fürchtete, zur Gründung einer dies verhütenden dritten Partei sich jedoch nicht entschließen konnte. Seitdem widmete sich B. hauptsächlich den Aufgaben, die ihm als Kanzler der Universität Toronto (seit 1873) oblagen; doch 1892 entsprach er einer Aufforderung der irischen Nationalisten, sie im britischen Unterhause zu vertreten, und wohnt seitdem in London, gleichzeitig am Appellationshofe des Reiches sich der kanadischen Angelegenheiten annehmend. Er ist Imperialist mit der Einschränkung, daß er für eine möglichst ausgedehnte Selbstverwaltung der einzelnen Reichsteile (namentlich Irlands) eintritt.
 
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Bläken, s. Meyers Zungenstrecken der Pferde.
 
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Blaker, Wandleuchter mit einer an der Wand zu befestigenden, meist künstlerisch verzierten Platte aus Metall oder Porzellan, die den Lichtstrahl zurückwirft.
 
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Blakiston (spr. blë-), Thomas Wright, engl. Forschungsreisender, geb. 27. Dez. 1832 in Lymington (Hants), gest. 15. Okt. 1891 in San Diego (Kalifornien), trat 1851 in die Militärakademie von Woolwich, wurde Artillerieoffizier, nahm am Krimkriege teil, erforschte 185758 als Mitglied der Palliserexpedition das kanadische Felsengebirge, kam während des englisch-chinesischen Krieges nach Kanton und leitete nach dem Friedensschluß 1861 eine erfolgreiche Forschungsreise nach dem mittlern u. obern Jangtsekiang. Später betrieb er in Japan wirtschaftliche Unternehmungen, bes. den Bau von Sägemühlen, und siedelte schließlich nach den Vereinigten Staaten über. Er veröffentlichte: »Report on the exploration of two passes through the Rocky Mountains« (Woolwich 1859) und »Fife months on the Yang-Tsze with a narrative of the exploration of its upper waters« (Lond. 1862).
 
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Blåkulla (spr. blo-, »blauer Hügel, Blocksberg«), Felsenklippe auf der kleinen Insel Brattö im Kalmarsund (Südschweden), 7 km von der Insel Öland, steht in Schweden in ähnlichem Ruf als Vergnügungsort der Hexen und Unholde wie der Brocken in Deutschland.
 
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Blâme (franz., »Tadel«), üble Nachrede, Schimpf mit dem Nebenbegriff der Lächerlichkeit; ebenso das nichtfranzösische Blamage (spr. -māsch'); blamieren, bloßstellen, lächerlich machen (franz. nur: rügen, tadeln); blamabel, tadelnswert.
 
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Blâmont (spr. -móng, Blankenberg), Stadt im franz. Depart. Meurthe-et-Moselle, Arrond. Lunéville, an der Vezouze und der Ostbahn, 270 m ü. M., mit Baumwollweberei, Gerberei, Korbflechterei und (1901) 1649 Einw. B., dessen Festungswerke 1639 vom Herzog Bernhard von Weimar geschleift wurden, war früher Residenz des Fürsten von Salm-Salm.
 
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Blanc (franz., spr. blang), Weiß, weiße Farbe; sehr kräftige helle Fleischbrühe aus Kalbfleisch und Geflügel für helle Saucen. B. de baleine, Walrat; B. de fard, d'Espagne, basisch salpetersaures Wismut; B. de Meudon, B. de Troyes, als Farbe benutzte weiße Kreide; B. de neige, zum Polieren von Glas benutztes Zinkoxyd; B. fixe, Barytweiß.
 
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Blanc (franz., spr. blang), bis ins 16. Jahrh. franz. Silbermünze, die als »Weißgroschen« mit wechselndem Gepräge 1350 neben den gros tournois trat; der Name ging in den Stücken von 21/2 Sols = six blancs unter. Silbertaler von 16411709 = 3 Frank hießen écus blancs oder auch louis blancs zum Unterschied von Goldtalern. Im englischen Silbergewicht ist B. (Blank) die kleinste Einheit, = 1/24 Periot (s. d.).
 
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Blanc (spr. blang), 1) Ludwig Gottfried, roman. Philolog, geb. 19. Sept. 1781 in Berlin von französischen Eltern, gest. 18. April 1866 in Halle, besuchte bis 1801 das französische Gymnasium und das damit verbundene theologische Seminar in Berlin und ward 1806 Prediger bei der reformierten Gemeinde zu Halle. Angeklagt, an einer Verschwörung gegen den König von Westfalen teilgenommen zu haben, wurde er 1811 nach Magdeburg und später nach Kassel gebracht, wo er als Staatsgefangener blieb, bis ihn ein russisches Streifkorps 1813 in Freiheit setzte. Als Feldprediger nahm er darauf an den Feldzügen von 181415 teil. Seit 1822 war er außerordentlicher, seit 1833 ordentlicher Professor der romanischen Sprachen in Halle und (bis 1860) zugleich zweiter Prediger an der Domkirche. B. hat sich namentlich als gründlicher Dante-Forscher Verdienste erworben. Von seinen Schriften nennen wir das »Handbuch des Wissenswürdigsten aus der Natur und Geschichte der Erde und ihrer Bewohner« (Halle 1824, 4 Bde.; 8. Aufl. von H. Lange, Braunschw. 186769) und seine äußerst sorgfältige, in mancher Beziehung bis jetzt nicht überholte »Grammatik der italienischen Sprache« (Halle 1844), ferner das »Vocabolario Dantesco« (Leipz. 1852), eine Übersetzung der »Göttlichen Komödie« in reimlosen Jamben (Halle 1864), und den »Versuch einer bloß philologischen Erklärung mehrerer dunkeln und streitigen Stellen der Göttlichen Komödie« (das. 186164, 2 Bde.; ital., Triest 1865)
   2) Louis, franz. Publizist und Historiker, geb. 29. Okt. 1811 in Madrid, wo sein Vater Generalinspektor der Finanzen unter Joseph Bonaparte war, gest. 6. Dez. 1882 in Cannes, kam von Korsika ins

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Collège zu Rhodez, studierte seit 1830 in Paris und ward Schreiber bei einem Advokaten, dann Hauslehrer in Arras. Nachdem er seit 1834 in Paris für radikale Journale gearbeitet, redigierte er 183638 das Journal »Le bon sens«, arbeitete aber zugleich für andre Blätter. 1839 gründete er die »Revue du progrès«, und 1840 veröffentlichte er seine sozialistische Schrift »Organisation du travail« (deutsch von Prager, Berl. 1899). Als Krebsschäden bezeichnet er darin den Individualismus und die Konkurrenz, wodurch die Arbeitslöhne herabgedrückt würden; der Staat müsse die industrielle Arbeit an sich ziehen und jeden in gleicher Weise belohnen. Als demokratischer Geschichtschreiber machte sich B. durch seine »Histoire de dix ans 18301840« (Par. 184144, 5 Bde.; 12. Aufl. 1877; deutsch von Fink, 2. Aufl., Leipz. 1847) einen Namen. Schonungslose Kritik der Politik Ludwig Philipps sowie der sozialen Verhältnisse, scharfe Charakterzeichnung und hinreißende Darstellung verschafften diesem Werke Verbreitung und Einfluß. Blancs zweites großes Werk, die »Histoire de la révolution française« (184762, 12 Bde.; 1878, 10 Bde.; deutsch, Leipz. 184753, Bd. 13), hatte geringern Erfolg. Nach dem Ausbruch der Februarrevolution von 1848 wurde B. Mitglied der provisorischen Regierung und setzte die Errichtung eines Regierungskomitees für die Arbeiter durch, wirkte dadurch wesentlich zur Aufregung des Arbeiterstandes mit, verlor aber durch sein Bemühen, die Ordnung aufrecht zu erhalten, die Sympathien der Arbeiter. Gleichwohl wurde er nach dem Attentat vom 15. Mai angeklagt und mußte nach Belgien und von da nach England gehen. Im Auslande verfaßte er mehrere Schriften zu seiner Verteidigung: »La révolution de février au Luxembourg« (1848); »Appel aux honnêtes gens« (1849); »Page d'histoire de la révolution de février« (1850; deutsch, Quedlinb. 1850). Auch gründete er die kurzlebige Zeitschrift »Le nouveau monde«, war dann Korrespondent für französische Zeitungen (eine Sammlung seiner Korrespondenz erschien u. d. T.: »Lettres sur l'Angleterre«, 18661867, 4 Bde., s. unten) und schrieb noch »Histoire de la révolution de 1848« (1870, 2 Bde.; 5. Aufl. 1880). B. kehrte erst 8. Sept. 1870 nach Frankreich zurück und sprach während der Belagerung von Paris gegen jeden Versuch, die Regierung der nationalen Verteidigung zu stürzen. Am 8. Febr. 1871 in die Nationalversammlung gewählt, bekämpfte er die Auflehnung der Kommune gegen die Regierung von Versailles. Seit 1876 war er radikales Mitglied der Deputiertenkammer und gründete eine neue Zeitung: »L'Homme libre«, von der er sich aber bald wieder trennte. Er wurde auf Staatskosten zu Paris begraben. Außer den genannten Schriften veröffentlichte er noch: »Questions d'aujourd'hui et de demain« (187384, 5 Bde., eine Sammlung seiner Artikel im »Rappel« und »L'Homme libre«); »Dix ans de l'histoire d'Angleterre« (187981, 10 Bde., von denen Bd. 13 ein Neudruck der »Lettres sur l'Angleterre« sind, Bd. 410 eine Sammlung seiner weitern Briefe an den »Temps«) und »Discours politiques, 1847 à 1881« (1882). Vgl. Warschauer, Geschichte des Sozialismus und Kommunismus im 19. Jahrh., Bd. 3: Louis B. (Berl. 1896).
   3) Charles, Kunstschriftsteller, Bruder des vorigen, geb. 5. Nov. 1813 in Castres (Tarn), gest. 17. Jan. 1882 in Paris, war nach der Februarrevolution von 1848 einige Zeit Direktor der Abteilung für die schönen Künste im Ministerium des Innern. Er hat eine sehr ersprießliche Tätigkeit für die Ausbildung des künstlerischen Sinnes in Frankreich nach der historischen und ästhetischen Seite entwickelt und gab mit andern die umfangreiche »Histoire des peintres de toutes les écoles« (Par. 184975, 14 Bde.) heraus, die auch ins Englische und teilweise ins Deutsche übersetzt wurde; ferner schrieb er: »L'œuvre de Rembrandt« (3. Aufl. 1880, 2 Bde., mit 371 Tafeln); »Grammaire des arts du dessin« (1867, 3. Aufl. 1876); »Ingres, sa vie et ses ouvrages« (1870); »L'art dans la parure et dans le vêtement« (1875, neue Ausg. 1890); »Les artistes de mon temps« (1876); »Grammaire des arts décoratifs« (1881, neue Ausg. 1886); »Histoire de la renaissance artistique en Italie« (hrsg. von Faucon 1889, 2 Bde.). Vgl. Massarani, Ch. B. et son œuvre (Par. 1885).
   4) Alberto, Baron, ital. Diplomat, geb. 10. Nov. 1835, studierte in Turin die Rechte, trat 1860 in das sardinische Ministerium des Auswärtigen ein, vertrat 186768 den Gesandten in Wien, ward 1871 Gesandter in Brüssel, 1875 in Washington und 1880 in München. 188183 war er Generalsekretär im Ministerium des Auswärtigen, 188486 Gesandter in Madrid und 188691 Botschafter in Konstantinopel. Seit 1892 Senator, übernahm er Ende 1893 das Ministerium des Äußern und trat mit Crispi nach der Katastrophe in Eritrea im März 1896 zurück. Er gab die »Correspondance diplomatique du comte Joseph de Maistre« (Par. 1860, 2 Bde.) heraus.
   5) Thérèse, franz. Schriftstellerin, s. Meyers Bentzon.

 

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