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Bjélzy bis Blacas d'Aulps (Bd. 3, Sp. 10 bis 12)
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Artikelverweis Bjélzy, Kreisstadt im russ. Gouv. Bessarabien, am Reut (zum Dnjestr) und einem Zweig der Südwestbahnen, hat eine schöne griechisch-kath. Kathedrale, 2 römisch-kath. Kirchen, 8 jüdische Bethäuser und (1897) 18,526 Einw., die bedeutenden Viehhandel treiben. Jeden Monat findet hier ein Pferdemarkt statt.
 
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Bjéshezk, Kreisstadt im russ. Gouv. Twer, an der Mologa, einem Nebenfluß der Wolga, und der Eisenbahn Rybinsk-Bologoje, hat ein großes Invalidenhospital, 13 Kirchen und (1897) 9090 Einw., die Eisenwaren, besonders in ganz Rußland berühmte Sensen und Sicheln, sodann Äxte, Beile, Nägel etc. fabrizieren und Handel mit Getreide, Hanf, Flachs und Leinwand treiben. B. gehörte ehemals zum Freistaat Nowgorod und kam erst 1479 an Rußland.
 
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Bjoreia, Fluß, s. Meyers Vöring-Foß.
 
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Björlin, Gustaf, schwed. Militär, Schriftsteller und Politiker, geb. 14. Okt. 1845 in Åmål (Dalsland), seit 1865 Offizier, wurde 1895 zum Oberst und Militärkommandant auf der Insel Gotland befördert. Im Reichstage, dessen Erster Kammer er seit 1895 angehört, gilt er in allen militärischen Fragen als Autorität. In nationalschwedischem Sinne gab er nach dem Vorbilde des deutschen »Soldatenfreundes« 187987 die populäre Jahresschrift »Svenske Soldaten« heraus. Von seinen belletristischen Werken sind, neben einigen Schauspielen, die Romane »Carl Svenske« (Stockh. 1876) und »Prokuratorn« (1886, unter dem Pseudonym Dr. W. Lemnius veröffentlicht) sowie die kulturhistorischen Skizzen »Fordomdags« (bisher 2 Teile, 189596) zu nennen. Auch als kriegshistorischer Verfasser hat sich B. einen bedeutenden Ruf erworben. Er schrieb unter anderm: »Redogörelse för tyska rikets arméorganisation« (1871); »Om värnepligt och krigsbildning« (1873, preisgekrönt); »Bilder ur Sveriges krigshistoria« (Bd. 1, 1876); »Finska kriget 1808 och 1809« (1882, 2. Aufl. 1883); »Sveriges krig i Tyskland 18051807« (1882); »Kriget mot Danmark 16751679« (1885); »Karl XII.« (1888); »Karl X. Gustaf« (1889); »Gustaf II. Adolf« (1890); »Der Krieg in Norwegen 1814« (1893; deutsch, Stuttg. 1895). 188295 Chef der kriegshistorischen Abteilung des schwedischen Generalstabes, redigierte er die beiden ersten Bände des wichtigen Werkes »Sveriges krig åren 1808 och 1809« (Stockh. 18901901).
 
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Björneborg (russ. Berésowoi Proliw), Stadt im finn. Gouv. Åbo-B., an der Mündung des Kumo in den Bottnischen Golf und an den Eisenbahnen Tammersfors-B. und B.-Mäntyluoto, auf einem Berg, hat eine gotische Kirche, ein ansehnliches Stadthaus und (1899) 13,417 Einw. (darunter viel Schweden), die Gerberei, Leinweberei, Ziegelei und Teerschwelerei, Schiffbau und lebhaften Handel betreiben. Die Einfuhr (Mehl, Eisen, Maschinen, Kaffee) wertete 1901: 4,6 Mill. finn. Mark, die Ausfuhr (überwiegend Holz nach England, Spanien, den Niederlanden) 11,6 Mill. finn. Mark. B. ist Sitz eines deutschen Konsuls. Der eigentliche Hafen (Mäntyluoto) ist 20 km nordwestlich von B.
 
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Björnson, Björnstjerne, norweg. Dichter, geb. 8. Dez. 1832 in Österdal als Pfarrerssohn, verlebte seine Kindheit in der mächtigen Natur von Romsdal, studierte in Christiania seit 1852, begann seine literarische Tätigkeit mit Kritiken und Feuilletons, eroberte sich das ganze Publikum mit der originellen Bauerngeschichte »Sýnnöve Sólbakken«, debütierte als Bühnendichter mit dem Einakter »Zwischen den Schlachten« (gedruckt 1858) und wurde 1857 als Theaterdirektor nach Bergen berufen. Als Redakteur der »Bergenspost« (1858) verwickelte er sich in leidenschaftliche Polemiken und zog, um Muße für seine dichterische Tätigkeit zu gewinnen, nach Rom, Deutschland und Frankreich (186063). In dieser Zeit entstanden seine epochemachenden Bauerngeschichten: »Arne«

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(1858), »Ein frischer Bursche« (1860) u. a., die Dramen: »Hinkend'-Hulda« (1858), »König Swerre« (1861) und die Trilogie »Sigurd Slembe« (1862). Kurz nach seiner Rückkehr gewährte ihm das Storthing eine Dichtergage (1800 Kronen), auf die B. 1885 verzichtete, weil sie Kielland verweigert wurde. 1865 bis 1867 leitete er das Theater zu Christiania, gab 186671 das »Norwegische Volksblatt« heraus, bildete 1870 eine Art freie Bühne, hielt in Skandinavien literarische Vorträge und zog 1873 wieder nach Deutschland und Rom. 1875 erwarb er ein Gut in Gudbrandsdal und wohnt jetzt abwechselnd dort und im Auslande, vorzugsweise in Paris. In Björnsons Schaffen lassen sich zwei Entwickelungsstufen unterscheiden: 1) eine romantisch-religiöse bis 1874, in der er, außer den oben erwähnten, die folgenden Werke schuf: die historischen Dramen »Maria Stuart in Schottland« (1864) und »Sigurd Jorsalfar« (1872), das seine Lustspiel »Die Neuvermählten« (1865, 10. Aufl. 1891), das Epos »Arnljot Gelline« (1870) und die kernigen »Gesammelten Gedichte und Gesänge« mit der Nationalhymne Norwegens (1870); 2) eine realistisch-kritische seit 1874. Seine feine psychologische Beobachtungsgabe und sein scharfer Wirklichkeitssinn führen ihn künstlerisch dem Naturalismus zu. Er wird aggressiv, reformatorisch, polemisch. Die Bühnenwerke dieser Periode sind: »Ein Fallissement« (1874), »Der Redakteur« (1875), »Der König« (1877), »Leonarda« (1879), »Das neue System« (1879), »Ein Handschuh« (1883; die darin ausgesprochene Keuschheitsforderung für Männer rief eine Flut dichterischer Entgegnungen hervor), »Über die Kraft« (1. Teil 1883, 2. Teil 1895), das treffliche Lustspiel »Geographie und Liebe« (1885), das politische Schauspiel »Paul Lange und Tora Parsberg« (1898), zuletzt »Laboremus« (1901); die Romane: »Magnhild« (1877), »Kapitän Mansana« (1879), »Det flager i byen og paa havnen« (1884; deutsch von Jonas: »Das Haus Kurt«, Berl. 1886, und von W. Lange: »Thomas Rendalen«, das. 1902); »Ragni« (»Paa Guds veje«, 1889), die »Neuen Erzählungen« (1893). Björnsons Stil ist bei allem Detailreichtum kurz, knapp. Er besitzt eine mächtige Rednergabe, vermöge deren er im Kampf um seine Ideale: Norwegens politische Selbständigkeit und die nationale Hebung des Bauernstandes, viele Siege über seine zahlreichen Gegner davongetragen hat. Fast alle Werke sind mehrfach übersetzt (deutsch von Lobedanz, Jonas u. a., zum größten Teil in Reclams Universalbibliothek). Seit 1900 erscheint in Kopenhagen eine Volksausgabe seiner »Samlede Værker«. Vgl. G. Brandes, B. og Ibsen (Kopenh. 1882); Derselbe, Moderne Geister (4. Aufl., Frankf. 1901); Chr. Collin, B. B. (deutsch, Münch. 1903, 2 Bde.).
 
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Björnstjerna, 1) Magnus, Graf, schwed. Militär, Diplomat und Schriftsteller, geb. 10. Okt. 1779 in Dresden, wo sein Vater Gesandter war, gest. 6. Okt. 1847 in Stockholm, seit 1796 Offizier, kämpfte als Oberadjutant 1808 in Finnland mit Auszeichnung gegen die Russen, ward 1809 in einer Geheimmission zu Napoleon I., 1812 nach London wegen des Verkaufs der Insel Guadeloupe geschickt, nahm 1813 als Oberst am Herbstfeldzug der Nordarmee in Deutschland teil, kämpfte später in Holstein und Norwegen, unterzeichnete 1814 die Konvention zu Moß (s. d.), ward 1815 Generaladjutant und Freiherr, 1826 Graf, 1843 General und wirkte 182846 als Gesandter in England. Außer zahlreichen Abhandlungen, zumeist staatswirtschaftlichen Inhalts, schrieb er, zugleich schwedisch und deutsch: »Das britische Reich in Ostindien« (Stockh. 1839); »Die Theogonie, Philosophie und Kosmogonie der Hindu« (das. 1843). Vgl. seine »Anteckningar« (Stockh. 185152).
   2) Oscar, Graf, Militär und Staatsmann, geb. 6. März 1819 in Stockholm, seit 1838 Kavallerieoffizier, wirkte seit 1862 als Diplomat in Konstantinopel, Kopenhagen und Petersburg, 187280 als Auswärtiger Minister. Mitglied zahlreicher Akademien und seit 1871 Generalmajor, beteiligte er sich im Reichstag, dessen Erster Kammer er 18741901 angehörte, besonders bei unionspolitischen Debatten.
 
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Bks., bei Pflanzen- und Tiernamen Abkürzung für I. Banks (s. d.).
 
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Bl., 1) bei Tiernamen Abkürzung für M. E. Bloch (s. d.). 2) Auch Blme., Blume, bei Pflanzennamen Abkürzung für K. L. Blume (s. d.).
 
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Blaas, 1) Karl, Maler, geb. 28. April 1815 zu Nauders in Tirol, gest. 19. März 1894 in Wien, besuchte 5 Jahre lang die Akademie in Venedig, hielt sich dann in Rom auf, wo der Umgang mit Koch und Overbeck ihm sehr förderlich war. 1851 folgte er einem Ruf als Professor der Historienmalerei an der Wiener Akademie. Er malte die Fresken der Kirche zu Foth in Ungarn, dann die Fresken in der Altlerchenfelder Kirche in Wien. Nachdem er 1855 auf der Pariser Weltausstellung für sein Bild: Karl d. Gr. besucht die Schule der Knaben, einen Preis erhalten hatte, wurde er Professor an der Akademie zu Venedig. Hier malte er unter anderm das große Bild: Raub der venezianischen Bräute, das 1858 in Wien den sogen. Kaiserpreis davontrug (Ferdinandeum zu Innsbruck). Nach der Vollendung des Arsenals in Wien erhielt B. den Auftrag, die Ruhmeshalle darin mit Fresken aus der österreichischen Geschichte zu schmücken, die er in elf Jahren beendigte. B. war auch als Bildnis- und Genremaler tätig. Seine »Selbstbiographie 18151876« wurde von A. Wolf (Wien 1876) herausgegeben.
   2) Eugen, Maler, Sohn des vorigen, geb. 24. Juli 1843 in Albano bei Rom, erhielt von seinem Vater in Venedig seine erste künstlerische Ausbildung, kam dann auf die Akademie in Wien, machte Studienreisen nach Rom, Paris, Belgien und England, ließ sich darauf in Venedig nieder, dessen Volksleben aus Vergangenheit und Gegenwart ihm die Stoffe zu seinen Genrebildern gibt, die sich durch Anmut der Komposition, ein seines Schönheitsgefühl, einen frischen Humor und reiche Färbung auszeichnen. Die bedeutendsten seiner Werke sind: die Bekehrung der Rätier durch den heil. Valentin (Kirche zu Obermais bei Meran), Cimabue und Giotto, die Einleitung zum »Decamerone« des Boccaccio (1867), der Kirchgang der Dogaressa und eine Reihe von venezianischen Volks-, Fischer- und Karnevalszenen, z. T. im Kostüm früherer Jahrhunderte, darunter: der Brautzug in der Markuskirche, Empfang von Gästen in einer Villa von Murano (1860, kaiserliche Galerie in Wien), eine venezianische Balkonszene, eine Schneiderbude, beim Maskenverleiher, die verwehte Blüte (in der Wiener Akademie), das Marionettentheater im Kloster und Ninetta. In seinen letzten Bildern sind seine nach flacher Eleganz strebende Charakteristik und seine Farbengebung in Manieriertheit verfallen.
   3) Julius, Bruder des vorigen, geb. 22. Aug. 1846 in Albano, kultiviert besonders die Tiermalerei. Selbst ein gewandter Reiter und tüchtiger Pferdekenner, trug er mit dem Bild: betrunkene slowakische Bauern, die auf der Heimfahrt einander zu überholen

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trachten (kaiserliche Galerie in Wien), durch den kecken Humor und die glückliche Durchführung des Gegenstandes den ersten Erfolg davon. Dann malte er mit Vorliebe Fuchs- und Hetzjagden, Pferdemärkte, Reiterhetzen und Reiterporträte sowie eine Reihe von Genrebildern aus der römischen Campagna. Unter seinen letzten Schöpfungen sind das figurenreiche Bild: Schneepflug im bayrischen Hochgebirge und die Heimkehr vom Markte die hervorragendsten. Er lebt in Wien.
 
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Blacas d'Aulps (spr. blacka dō), Pierre Louis, Herzog von, franz. Diplomat, geb. 12. Jan. 1771 auf Vérignon bei Aulps (Provence), gest. 17. Nov. 1839 auf Kirchberg in Niederösterreich, war 1789 Hauptmann in einem Dragonerregiment, emigrierte 1790, diente in dem Condéschen Korps und dann in der Vendée sowie in zahlreichen geheimen Sendungen für Ludwig XVIII. 1814 begleitete er diesen nach Paris, ward Haus- und Staatsminister, überhaupt der geheime Berater des Königs und erwarb sich durch seine Verkäuflichkeit große Reichtümer, machte sich aber dadurch viele Feinde, weshalb ihn Ludwig XVIII. nach der zweiten Restauration nur als Gesandten verwendete. 1817 schloß er in Rom das berüchtigte Konkordat ab. Seit 1817 Pair, ward er 1821 zum Herzog ernannt. Er genoß auch Karls X. volles Vertrauen und folgte ihm in die Verbannung. Nach dessen Tode 1836 lebte er mit dem Herzog von Angoulême auf dem Schloß Kirchberg. B. besaß wertvolle Kunstsammlungen; über die orientalischen Medaillen berichtete Reinaud in der »Description des monuments musulmans du cabinet de M. le duc de B.« (Par. 1828, 2 Bde.).

 

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