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Bjelosérsk bis Björnson (Bd. 3, Sp. 10)
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Artikelverweis Bjelosérsk, Kreisstadt im russ. Gouv. Nowgorod, unweit des Ausflusses der Scheksna aus dem Bjelo-Osero, durch eine Brücke mit einer auf der Bergseite liegenden Zitadelle verbunden, mit (1897) 6012 Einw., die Fischerei, Teerbrennerei, Lichtezieherei, Heiligenbildermalerei, Ziegelei und Handel mit Landesprodukten treiben. B. wurde 862 gegründet und war von 12381389 Sitz eines selbständigen Fürstentums.
 
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Bjelostók, Stadt, s. Meyers Bialystok.
 
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Bjelsk, Kreisstadt im russ. Gouv. Grodno, in einer getreidereichen Gegend an der Bjeljanka, Knotenpunkt an der Eisenbahn Brest-Grajewo, hat 5 griechische und eine römisch-kath. Kirche, ein jüdisches Bethaus und (1897) 7461 Einw. Auf den drei großen Märkten, die B. abhält, werden besonders Geschäfte in Korn, Vieh, Wolle, Leder, Hanf, Flachs und Leinenwaren gemacht. Ehemals war B. die Hauptstadt von Podlachien und der Woiwodschaft B. Es wurde 1795 durch die dritte Teilung Polens preußisch und kam 1807 an Rußland. Am 22. Mai 1831 fand hier ein Treffen zwischen Russen und Polen statt.
 
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Bjélucha, Berg, s. Altai.
 
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Bjelyj, Kreisstadt im russ. Gouv. Smolensk, an der Obscha, einem Nebenfluß der Düna, hat 5 Kirchen und (1897) 6965 Einw., deren ehemals lebhafter Handel nach den Ostseeprovinzen immer mehr zurückgeht.
 
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Bjélzy, Kreisstadt im russ. Gouv. Bessarabien, am Reut (zum Dnjestr) und einem Zweig der Südwestbahnen, hat eine schöne griechisch-kath. Kathedrale, 2 römisch-kath. Kirchen, 8 jüdische Bethäuser und (1897) 18,526 Einw., die bedeutenden Viehhandel treiben. Jeden Monat findet hier ein Pferdemarkt statt.
 
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Bjéshezk, Kreisstadt im russ. Gouv. Twer, an der Mologa, einem Nebenfluß der Wolga, und der Eisenbahn Rybinsk-Bologoje, hat ein großes Invalidenhospital, 13 Kirchen und (1897) 9090 Einw., die Eisenwaren, besonders in ganz Rußland berühmte Sensen und Sicheln, sodann Äxte, Beile, Nägel etc. fabrizieren und Handel mit Getreide, Hanf, Flachs und Leinwand treiben. B. gehörte ehemals zum Freistaat Nowgorod und kam erst 1479 an Rußland.
 
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Bjoreia, Fluß, s. Meyers Vöring-Foß.
 
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Björlin, Gustaf, schwed. Militär, Schriftsteller und Politiker, geb. 14. Okt. 1845 in Åmål (Dalsland), seit 1865 Offizier, wurde 1895 zum Oberst und Militärkommandant auf der Insel Gotland befördert. Im Reichstage, dessen Erster Kammer er seit 1895 angehört, gilt er in allen militärischen Fragen als Autorität. In nationalschwedischem Sinne gab er nach dem Vorbilde des deutschen »Soldatenfreundes« 187987 die populäre Jahresschrift »Svenske Soldaten« heraus. Von seinen belletristischen Werken sind, neben einigen Schauspielen, die Romane »Carl Svenske« (Stockh. 1876) und »Prokuratorn« (1886, unter dem Pseudonym Dr. W. Lemnius veröffentlicht) sowie die kulturhistorischen Skizzen »Fordomdags« (bisher 2 Teile, 189596) zu nennen. Auch als kriegshistorischer Verfasser hat sich B. einen bedeutenden Ruf erworben. Er schrieb unter anderm: »Redogörelse för tyska rikets arméorganisation« (1871); »Om värnepligt och krigsbildning« (1873, preisgekrönt); »Bilder ur Sveriges krigshistoria« (Bd. 1, 1876); »Finska kriget 1808 och 1809« (1882, 2. Aufl. 1883); »Sveriges krig i Tyskland 18051807« (1882); »Kriget mot Danmark 16751679« (1885); »Karl XII.« (1888); »Karl X. Gustaf« (1889); »Gustaf II. Adolf« (1890); »Der Krieg in Norwegen 1814« (1893; deutsch, Stuttg. 1895). 188295 Chef der kriegshistorischen Abteilung des schwedischen Generalstabes, redigierte er die beiden ersten Bände des wichtigen Werkes »Sveriges krig åren 1808 och 1809« (Stockh. 18901901).
 
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Björneborg (russ. Berésowoi Proliw), Stadt im finn. Gouv. Åbo-B., an der Mündung des Kumo in den Bottnischen Golf und an den Eisenbahnen Tammersfors-B. und B.-Mäntyluoto, auf einem Berg, hat eine gotische Kirche, ein ansehnliches Stadthaus und (1899) 13,417 Einw. (darunter viel Schweden), die Gerberei, Leinweberei, Ziegelei und Teerschwelerei, Schiffbau und lebhaften Handel betreiben. Die Einfuhr (Mehl, Eisen, Maschinen, Kaffee) wertete 1901: 4,6 Mill. finn. Mark, die Ausfuhr (überwiegend Holz nach England, Spanien, den Niederlanden) 11,6 Mill. finn. Mark. B. ist Sitz eines deutschen Konsuls. Der eigentliche Hafen (Mäntyluoto) ist 20 km nordwestlich von B.
 
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Björnson, Björnstjerne, norweg. Dichter, geb. 8. Dez. 1832 in Österdal als Pfarrerssohn, verlebte seine Kindheit in der mächtigen Natur von Romsdal, studierte in Christiania seit 1852, begann seine literarische Tätigkeit mit Kritiken und Feuilletons, eroberte sich das ganze Publikum mit der originellen Bauerngeschichte »Sýnnöve Sólbakken«, debütierte als Bühnendichter mit dem Einakter »Zwischen den Schlachten« (gedruckt 1858) und wurde 1857 als Theaterdirektor nach Bergen berufen. Als Redakteur der »Bergenspost« (1858) verwickelte er sich in leidenschaftliche Polemiken und zog, um Muße für seine dichterische Tätigkeit zu gewinnen, nach Rom, Deutschland und Frankreich (186063). In dieser Zeit entstanden seine epochemachenden Bauerngeschichten: »Arne«

[Bd. 3, Sp. 11]


(1858), »Ein frischer Bursche« (1860) u. a., die Dramen: »Hinkend'-Hulda« (1858), »König Swerre« (1861) und die Trilogie »Sigurd Slembe« (1862). Kurz nach seiner Rückkehr gewährte ihm das Storthing eine Dichtergage (1800 Kronen), auf die B. 1885 verzichtete, weil sie Kielland verweigert wurde. 1865 bis 1867 leitete er das Theater zu Christiania, gab 186671 das »Norwegische Volksblatt« heraus, bildete 1870 eine Art freie Bühne, hielt in Skandinavien literarische Vorträge und zog 1873 wieder nach Deutschland und Rom. 1875 erwarb er ein Gut in Gudbrandsdal und wohnt jetzt abwechselnd dort und im Auslande, vorzugsweise in Paris. In Björnsons Schaffen lassen sich zwei Entwickelungsstufen unterscheiden: 1) eine romantisch-religiöse bis 1874, in der er, außer den oben erwähnten, die folgenden Werke schuf: die historischen Dramen »Maria Stuart in Schottland« (1864) und »Sigurd Jorsalfar« (1872), das seine Lustspiel »Die Neuvermählten« (1865, 10. Aufl. 1891), das Epos »Arnljot Gelline« (1870) und die kernigen »Gesammelten Gedichte und Gesänge« mit der Nationalhymne Norwegens (1870); 2) eine realistisch-kritische seit 1874. Seine feine psychologische Beobachtungsgabe und sein scharfer Wirklichkeitssinn führen ihn künstlerisch dem Naturalismus zu. Er wird aggressiv, reformatorisch, polemisch. Die Bühnenwerke dieser Periode sind: »Ein Fallissement« (1874), »Der Redakteur« (1875), »Der König« (1877), »Leonarda« (1879), »Das neue System« (1879), »Ein Handschuh« (1883; die darin ausgesprochene Keuschheitsforderung für Männer rief eine Flut dichterischer Entgegnungen hervor), »Über die Kraft« (1. Teil 1883, 2. Teil 1895), das treffliche Lustspiel »Geographie und Liebe« (1885), das politische Schauspiel »Paul Lange und Tora Parsberg« (1898), zuletzt »Laboremus« (1901); die Romane: »Magnhild« (1877), »Kapitän Mansana« (1879), »Det flager i byen og paa havnen« (1884; deutsch von Jonas: »Das Haus Kurt«, Berl. 1886, und von W. Lange: »Thomas Rendalen«, das. 1902); »Ragni« (»Paa Guds veje«, 1889), die »Neuen Erzählungen« (1893). Björnsons Stil ist bei allem Detailreichtum kurz, knapp. Er besitzt eine mächtige Rednergabe, vermöge deren er im Kampf um seine Ideale: Norwegens politische Selbständigkeit und die nationale Hebung des Bauernstandes, viele Siege über seine zahlreichen Gegner davongetragen hat. Fast alle Werke sind mehrfach übersetzt (deutsch von Lobedanz, Jonas u. a., zum größten Teil in Reclams Universalbibliothek). Seit 1900 erscheint in Kopenhagen eine Volksausgabe seiner »Samlede Værker«. Vgl. G. Brandes, B. og Ibsen (Kopenh. 1882); Derselbe, Moderne Geister (4. Aufl., Frankf. 1901); Chr. Collin, B. B. (deutsch, Münch. 1903, 2 Bde.).

 

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