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Bisutûn bis Bitjúg (Bd. 3, Sp. 4 bis 5)
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Artikelverweis Bisutûn (Behistûn), Dorf und Berg im pers. Kurdistan, 36 km östlich von Kirmanschahan, an der alten Heerstraße von Babylon nach O., berühmt durch die an einer 550 m hohen Felswand weißen Marmors eingehauenen umfangreichen Keilinschriften des Perserkönigs Dareios I., worin dessen Siege verkündigt werden. An den Seiten befinden sich wohlerhaltene Reliefs von riesigen Figuren. Eine Gruppe zeigt den König Dareios, begleitet von zwei persischen Kriegern, wie er den linken Fuß auf den Leib des Magiers Gaumâta, bekannt unter dem Namen des falschen Smerdis (s. Smerdis), setzt, der seine Hände bittend gegen ihn erhebt. Dem König gegenüber sind neun andre Personen in einer Reihe dargestellt, aber je weiter nach hinten, desto mehr an Größe zunehmend, alle die Hände auf den Rücken gefesselt, ihre Hälse durch einen Strick miteinander verbunden, bis auf den letzten, der eine spitze Mütze trägt, ohne Kopfbedeckung. Sie stellen neun von Dareios besiegte Empörer dar. Über der Gruppe ist Ahuramazda (Ormuzd) dargestellt, der den König segnet und in der Linken den Ring der Herrschaft trägt. An Kunstwert stehen die Skulpturen von B. hinter denen von Persepolis zurück. Übrigens war die Bedeutung des Bildwerks schon nach einem Jahrhundert von den Anwohnern so weit vergessen, daß Ktesias (unter Artaxerxes II.) es der Königin Semiramis zuschreiben konnte. Das Verdienst, die Inschriften (die in rund 50 m Höhe über der Talebene angebracht sind) zuerst kopiert und entziffert zu haben, gebührt dem Engländer Sir H. Rawlinson; eine vollständige Übersetzung findet sich in Opperts Werk »Le peuple et la langue des Mèdes« (Par. 1879). Vgl. noch Spiegel, Die altpersischen Keilinschriften (2. Aufl., Leipz. 1881), und Weisbach, Die Achämenideninschriften zweiter Art (das. 1890). Die Gegend um B. ist das alte, an Pferden reiche Weideland Bagistana (»Götterort«), wo Alexander d. Gr. auf seinem Marsche nach Ekbatana mehrere Wochen rastete.
 
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Bisyllabisch (lat.), zweisilbig.
 
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Bit (engl., »Bissen«), kleine Silbermünzen, besonders in Westindien und im westlichen Nordamerika (long b. = 15 Cents, short b. = 10 Cents). An der Indianergrenze der Vereinigten Staaten heißt 1/4 Dollar two bits.
 
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Bitburg, Kreisstadt im preuß. Regbez. Trier, zwischen der Nims und Kyll und an der Staatsbahnlinie Jünkerath-Trier, 335 m ü. M., hat eine evangelische und 2 kath. Kirchen, Synagoge, altes Schloß, Landwirtschaftsschule, Amtsgericht, Bierbrauerei u. Spiritusbrenneri, Färberei und (1900) 2795 meist kath. Einwohner. B., ursprünglich ein römisches Kastell (Beda vicus, später Bedense castrum), von dem noch Mauerüberreste vorhanden sind, erhielt 1262 Stadtrecht. 5 km von B., bei Fließem, gut erhaltene Mosaikböden, Überbleibsel eines Jagdschlosses Hadrians.
 
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Bit-el-Hadjar, s. Meyers Afrikanische Altertümer.
 
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Biterolf, mittelhochdeutscher Dichter aus dem Anfang des 13. Jahrh., der nach einer Angabe des Rudolf von Ems Lieder und einen »Alexander« verfaßte. In dem Gedichte vom Wartburgkriege (s. d.) tritt B. als Gegner Heinrichs von Ofterdingen und Verherrlicher des Grafen von Henneberg auf. Erhalten ist nichts von seinen Werken.
 
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Biterolf und Dietleib, mittelhochd. Gedicht des 13. Jahrh. aus dem Kreise der Dietrichsage. Biterolf, König von Tolet (Toledo), zieht heimlich auf Abenteuer aus an Etzels berühmten Hof; dort findet ihn später sein Sohn Dietleib, den er als Kind daheim verlassen hatte. Mit Dietrich von Bern und den andern Haupthelden aus Etzels Umgebung ziehen B. und D. nach Worms, eine von König Gunther erlittene Unbill zu rächen; ihre Kämpfe mit den rheinischen Helden gipfeln in einem Zweikampf zwischen Dietrich von Bern und Siegfried, der jedoch unentschieden bleibt. Herausgegeben von Jänicke im »Deutschen Heldenbuch«, Bd. 1 (Berl. 1866). Vgl. Schönbach, Über die Sage von B. u. D. (Wien 1897).
 
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Bitetto, Stadt in der ital. Provinz Bari, an der Eisenbahn Bari-Taranto, hat eine 1325 begonnene Kathedrale (dreischiffige Basilika im Übergangsstil), Ölgewinnung und (1901) 6626 Einw. Das Bistum B. wurde 1818 aufgehoben.
 
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Bitheïsmus (lat.-griech.), Zweigötterei.
 
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Bithynien, alte Landschaft im nordwestlichen Kleinasien (s. die Karten »Kleinasien«, »Altgriechenland«), die gegen W. und N. von der Propontis (Marmarameer) und dem Pontos Euxeinos (Schwarzes Meer), gegen S. vom Olympos (Keschisch Dagh) und etwa dem 40.° nördl. Br., gegen O. von Paphlagonien, im S. von Galatien, Phrygien und Mysien begrenzt war. Das Land ist im O. und S. mit waldreichen Gebirgen erfüllt (außer dem Olympos bei Prusa der Orminios, jetzt Ala Dagh, im O.); die niedrigere und von fruchtbaren Tälern durchschnittene Westhälfte enthält einige große Landseen, den Askanischen (Isnik Göl) und den Sophon (Sabandscha Gjölü). Hier im W. schneiden auch zwei Meerbusen tief ins Festland ein: der von Astakos (Ismid Körfesi) und der von Kios (Indschir Liman). Der Hauptstrom ist der Sangarios (Sakaria). Als Hauptprodukte werden Marmor, Schiffbauholz, Getreide, Hülsenfrüchte, Feigen, Wein und Käse ausgeführt. In B. waren thrakische Stämme unter eignen Fürsten angesiedelt, die Thyner und Bithyner; erstere auch auf europäischem Boden seßhaft, letztere wenig hervortretend, weil sie landeinwärts und abseits von den großen Verkehrsstraßen wohnten. Doch war es ihr Fürstenhaus, das die thrakischen Stämme zu dem Reiche B. zusammenfaßte. Unter den Städten sind zu nennen: Astakos (s. d.) am gleichnamigen Golf, Nikomedeia (s. d., jetzt Ismid), Nikäa (s. d.). Die von Europa her eingewanderten Thraker vermochten übrigens die vorgefundenen Urbewohner keineswegs zu verdrängen. So hielten sich namentlich im O. die Mariandyner, einst Untertanen der dorischen Kolonie Herakleia. B. bildete einen Bestandteil des lydischen Reiches und wurde mit ihm von den Persern unterworfen, unter deren Herrschaft es zur Satrapie

[Bd. 3, Sp. 5]


Phrygien gehörte. Unter Xerxes' Nachfolgern machte sich das einheimische Fürstengeschlecht fast unabhängig. Nach dem Tod Alexanders d. Gr. fiel B., das unter Bas und seinem Sohne Zipoites die Unabhängigkeit behauptet hatte (mit dem Herbst 297 v. Chr. beginnt die Ära der bithynischen »Könige«), an Lysimachos. Nach dem Tode des Lysimachos (281 v. Chr.) kämpfte des Zipoites Sohn Nikomedes I. (gest. 246), der mit Hilfe von Galliern unter Leonnorios 277 seine Brüder unterwarf, mit Glück gegen Antiochos I. Soter und eroberte den nordöstlichen Teil von Phrygien. Prusias I. (236186) erweiterte B. nach O. und W. Prusias II. (gest. 148), der 184 den flüchtigen Hannibal aufnahm, aber nicht schützte, besiegte die pergamenischen Könige Eumenes II. und Attalos II., wurde von den Römern aber zum Frieden gezwungen. Nikomedes III. Philopator wurde, durch Mithradates VI. von Pontos, der den Usurpator Sokrates unterstützte, zweimal vertrieben, von dem Römer Manius Aquillius zurückgeführt. Bei seinem Tode (Ende 74) vermachte er sein Reich den Römern, die es, nach Besiegung des M. Aurelius Cotta, 73 doch unter L. Licinius Lucullus gegen Mithradates behaupteten und mit der Provinz Asia, dann mit Pontus vereinigten. Unter Augustus wurde B. eine Prokonsularprovinz, die aus zwei Hauptteilen bestand: B., westlich von der Propontis bis zum Sangarios, und Pontus, vom Sangarios bis Kytoros in Paphlagonien. Durch die Erhebung von Byzanz zur Hauptstadt des Weltreiches (330) gewann das benachbarte B. beträchtlich. Theodosius II. trennte beide Teile wieder und nannte den östlichen nach seinem Oheim Honorias. 107497 war das Land im Besitz der Seldschuken, die es im ersten Kreuzzug an die Christen verloren. Während des lateinischen Kaisertums in Konstantinopel (1204 bis 1261) war Nikäa in B. Sitz eines griechischen Kaisers. 1298 brach Osman in B. ein, und 1326 ward das eroberte Prusa (Brussa) durch Orchan Hauptstadt des osmanischen Reiches. Vgl. Schwarz, Quer durch B. (Berl. 1889).
 
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Bitjúg, linker Nebenfluß des Don im russ. Gouv. Woronesh, 276 km lang; an seinen Ufern wird viel Pferdezucht (besonders Lastpferde) betrieben.

 

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