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Bismarck-Archipel bis Bismark (Bd. 3, Sp. 1 bis 2)
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Artikelverweis Bismarck-Archipel (früher Neubritannia-Archipel, hierzu Karte Meyers »Bismarck-Archipel und Kaiser Wilhelms-Land«), deutsche Inselgruppe im westlichen Stillen Ozean, zu Melanesien gehörig, nordöstlich von Neuguinea, zwischen 0°40'6°30' südl. Br. und 142155° östl. L., 47,100 qkm groß, umfaßt die Inseln Neupommern 24,900, Neumecklenburg 12,950, Neuhannover 1476, die Admiralitätsinseln 2276, die Französischen Inseln 820, Neulauenburg 58 qkm und viele andre größere und kleinere Inseln. Fast alle sind lang, schmal und hoch (Neumecklenburg bis 2000 m), z. T. vulkanisch und mit noch tätigen Vulkanen; ein Ausbruch fand noch 1878 auf Neupommern statt. Klima, Pflanzen- und Tierwelt gleichen denen Neuguineas. Während des Südostmonsuns von Mai bis September fallen heftige Regengüsse, die auch während des Nordwestmonsuns im Reste des Jahres nicht fehlen. Die ungesunde Landbrise erzeugt heftige Fieber, selbst bei den Eingebornen. Die Inseln sind stark bewaldet, reich bewässert und erzeugen viel Kopra; neuerdings gemachte Anpflanzungen von Kaffee, Baumwolle und Cinchona gedeihen gut. Die Tierwelt enthält wenige Säugetiere, dagegen sind Vögel (darunter ein Kasuar) und Insekten zahlreich. Die Bewohner sind Melanesier (s. d. und die Tafeln »Australier u. Ozeanische Völker I«, Fig. 5; »Tropengebäude II«, Fig. 2 u. 5), feindselig gegen die Europäer, von denen eine Anzahl erschlagen und gefressen wurde, so daß wiederholte Strafexpeditionen notwendig waren. Die fremde Bevölkerung betrug 1. Jan. 1900: 332 Seelen (96 Deutsche), von denen in Neupommern 259 (79 Deutsche) leben. Pflanzungen sind angelegt worden auf Neupommern (Ralum, Herbertshöhe, Kiningunan, Karawara), dazu auf der Gazellehalbinsel ein Dampfsägewerk. Hauptsache ist der Handel mit Kopra, Trepang, Baumwolle, Perlschalen, Muscheln, Elfenbeinnüssen. Die Einfuhr betrug 1900/1901: 1,287,685 Mk., die Ausfuhr 796,412 Mk. Regelmäßige Dampfschiffsverbindungen bestehen mit Sydney, Hongkong und Singapur (Norddeutscher Lloyd). Die englische evangelische Mission besitzt auf Neupommern, Neumecklenburg und Neulauenburg Stationen und hat schon eine ansehnliche Zahl von Eingebornen zum Christentum bekehrt; auch die katholische Mission arbeitet mit Erfolg. Entdeckt wurde der B. zuerst 1616 durch Le Maire und Schouten, ihnen folgte Tasman 1643. Der letztere bewies durch die Auffindung der nach ihm benannten Straße die Selbständigkeit des Archipels, Carteret fand 1767 den die beiden Hauptinseln scheidenden Kanal. Ihnen folgten Bougainville 1768, I. Hunter 1791, d'Entrecasteaux 1792 und 1793, d'Urville 1827, Belcher 1840, F. Hunter 1842 und Simpson 1872. In diese Zeit fällt die erste Niederlassung des Hamburger Hauses J. C. Godeffroy auf Neupommern. Die Feindseligkeit der Eingebornen gab Veranlassung, daß die Gazelle auf ihrer wissenschaftlichen Weltreise auch diesen Archipel besuchte. Einige Inseln lief 1875 der Challenger an. Nun wurde die Gruppe auch regelmäßig von Hamburger Handelsschiffen besucht, und die Wesleyaner errichteten auf Neulauenburg eine Missionsstation. Wertvolle Beiträge zur Kenntnis von Land und Leuten brachten der Missionar Brown, die Deutschen Hübner, Kleinschmidt (letzterer wurde hier ermordet), Hernsheim, Finsch, Schmiele, Graf Pfeil, die Engländer Powell, Parkinson und Romilly. Durch die Tätigkeit der Deutschen Handels- und Plantagengesellschaft und der Firma Hernsheim hat sich ein bedeutender Handel entwickelt, der zum allergrößten Teil in deutschen Händen ist. Große Strecken Landes wurden, um Pflanzungen anzulegen, von den Eingebornen erworben und diesen 1878, um den deutschen Handel zu stützen, die Häfen Makada und Mioko von Reichs wegen abgekauft, endlich Ende 1884 auf sämtlichen bedeutendern Inseln die deutsche Flagge ausgezogen und der Neuguinea-Kompagnie (s. d.) 17. Mai 1885 das Recht zur Ausübung landeshoheitlicher Befugnisse im Archipel verliehen. Mit dem 1. April 1899 ging die Landeshoheit an das Deutsche Reich über, wobei das mit Kaiser Wilhelms-Land, den Karolinen und den Marianen gebildete Schutzgebiet einem Gouverneur unterstellt wurde, der seinen Sitz in Herbertshöhe auf Neupommern nahm. Vgl. Powell, Unter den Kannibalen von Neubritannien (deutsch, Leipz. 1884); Hager, Kaiser Wilhelms-Land und der B. (das. 1886); Parkinson, Im B. (das. 1887); Finsch, Samoafahrten (das. 1888); Zöller, Deutsch-Neuguinea (Stuttg. 1891); G. Müller, Land und Leute im B. (Leipz. 1895); I. Graf Pfeil, Studien und Beobachtungen aus der Südsee (Braunschw. 1899); Blum, Neuguinea und der B. (Berl. 1900); Hesse-Wartegg, Samoa, B. und Neuguinea (Leipz. 1901).
 
Artikelverweis 
Bismarck-Archiv, s. Meyers Bismarck 1), S. 911.
 
Artikelverweis 
Bismarck-Bohlen, Friedrich Alexander, Graf von, preuß. General, geb. 25. Juni 1818 zu

[Bd. 3, Sp. 2]


Karlsburg in Vorpommern, gest. daselbst 9. Mai 1894, trat, im Kadettenkorps gebildet, 1835 als Sekondleutnant in das Gardedragonerregiment, begleitete 1842 den Prinzen Adalbert auf seiner Reise nach Südamerika und war 184648 dem in Bonn studierenden Prinzen Friedrich Karl beigegeben. Am 1. Okt. 1853 zum königlichen Flügeladjutanten ernannt, erhielt er 1856 das Kommando der Leibgendarmerie, Juli 1858 das des Gardehusarenregiments und, Mai 1859 zum Obersten befördert, das der 5. Kavalleriebrigade in Frankfurt a. O. Im Juni 1864 zum Generalmajor ernannt, nahm er am Feldzug 1866 im Stab des Generalkommandos des Kavalleriekorps der ersten Armee teil und ward im Herbst zum Kommandanten der Stadt Hannover ernannt. Im Januar 1868 wurde er Kommandant von Berlin, 14. Aug. 1870 Generalgouverneur des Elsaß, wo er durch Milde und Gerechtigkeit die Bevölkerung zu gewinnen suchte. Am 7. Sept. 1871 von seinem Posten abberufen, zog er sich mit dem Rang eines Generals der Kavallerie auf seine Güter in Vorpommern zurück.
 
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Bismarckbraun (Manchesterbraun, Phenylenbraun, Vesuvin, Lederbraun, Canelle), salzsaures Triamidoazobenzol C6H4. NH2. NN. C6H3(NH2)2, schwarzbraunes Pulver, löslich in Wasser, wird in der Baumwoll- und Lederfärberei, auch zum Färben mikroskopischer Präparate benutzt.
 
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Bismarckburg, Station der deutschen Kolonie Togo (Westafrika), unter 8°11' nördl. Br., 710 m ü. M., auf dem Adadoberg, im kautschukreichen Adeliland. Seit 1894 als Europäerstation aufgehoben.
 
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Bismarckgebirge, s. Meyers Neuguinea.
 
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Bismarckhöhe, s. Meyers Riesengebirge.
 
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Bismarckhütte, Eisenhütte im preuß. Regbez. Oppeln, Landkreis Beuthen, zum Dorf Oberheiduk (s. d.) gehörig.
 
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Bismarckĭa nobĭlis Hildebr. et Wendl., eine von Hildebrandt 1878 auf den Höhenzügen von Westmadagaskar entdeckte Palme mit 50 m hohen Stämmen, blaugrünen, derben, fächerartigen Wedeln von 69 qm Flächeninhalt, die bis auf den Grund in handbreite Abschnitte zerspalten sind, deren Ränder sich in ein Lockengewirr starker, weißer Fäden auflösen. Die starken, langen Blattstiele besitzen weiße Längsstreifung, und zwischen ihnen hängen riesige Trauben pflaumengroßer dunkelbrauner Früchte.
 
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Bismarcksäulen, s. Meyers Bismarck 1), S. 911.
 
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Bismark, Stadt im preuß. Regbez. Magdeburg, Kreis Stendal, Knotenpunkt der Staatsbahnlinie Stendal-Ülzen und der Kleinbahn B.-Beetzendorf, hat eine evang. Kirche, Amtsgericht, eine Fabrik für landwirtschaftliche Maschinen, Konservenfabrik, 2 Dampfmühlen und (1900) 2384 Einw.

 

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