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Bischarin bis Bischoff (Bd. 2, Sp. 903 bis 904)
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Artikelverweis Bischarin, Volksstamm, s. Meyers Bedscha.
 
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Bisch-barmak (»Fünf Finger«, auch Kullama), Nationalgericht der Tataren und Kirgisen aus gekochtem, klein geschnittenem Fleisch mit Mehl oder Graupen, wird mit den Fingern gegessen.
 
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Bischdorf (ehemals Bischofsdorf, ungar. Püspöki, spr. püsch-), Dorf im ungar. Komitat Preßburg, auf der Großen Schüttinsel, an der Bahnlinie Preßburg-Komorn, hat (1901) 1919 magyar. Einwohner.
 
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Bischhausen, Dorf im preuß. Regbez. Kassel, Kreis Eschwege, an der Wehre und der Staatsbahnlinie Treysa-Leinefelde, hat eine evang. Kirche, Amtsgericht, Oberförsterei und (1900) 930 Einw.
 
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Bischheim, Dorf im deutschen Bezirk Unterelsaß, Landkreis Straßburg, am Rhein-Marnekanal und an der Eisenbahn Straßburg-Lauterburg, hat eine Simultankirche, Synagoge, Eisenbahnreparaturwerkstätte, Bierbrauerei, Mälzerei, Stärke-, Seiden- und Konservenfabrikation, Ziegel- und Kalkbrennerei und (1900) 7764 Einw.
 
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Bischmisheim, Dorf im preuß. Regbez. Trier, Kreis Saarbrücken, Knotenpunkt der Staatsbahnlinie Saarbrücken-Scheidt und der Eisenbahn St. Ingbert-Saarbrücken, hat eine evang. Kirche, Sandsteinbrüche und (1900) 2304 Einw.
 
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Bischnavis (Bishnois), Hindusekte in Britisch-Indien, namentlich in den Nordwestprovinzen, in Bikanir und im Pandschab. In erstern gelten sie als ein Teil der Bonjamu, sind meist Kaufleute und haben viel von den Mohammedanern angenommen; im Pandschab, wo sie fast ausschließlich Dschat sind, treiben sie Ackerbau, halten viele Kamele und tauschen gegen Butter allerlei Waren ein. Fleisch essen sie nie, die Tiere werden ängstlich geschützt. Ihr Stifter soll der Brahmane Bishno, Schüler eines mohammedanischen Fakirs, nach andern der Radschpute Dschambadsch (geb. 1451) aus Bikanir gewesen sein, der seinen Jüngern die heilige Schrift Sabdbani hinterließ.
 
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Bischof (v. griech. episkopos, »Aufseher«, altdeutsch Piscof, Bischolf), Titel der Kirchenobern, die, im Besitz der höchsten Weihe, in den ihnen zugehörigen Sprengeln (Diözesen) die Kirchengewalt ausüben. Der Name ist biblischen Ursprungs und ward anfänglich gleichbedeutend mit Presbyter von den Vorstehern der christlichen Gemeinden gebraucht. Als aber im Laufe des 2. Jahrh., einem praktischen Bedürfnis folgend, der Vorsitzende des Gemeindevorstandes sich als primus inter pares von den andern Ältesten unterschied und die eigentliche Gemeindeleitung in seiner Hand vereinigte, ging auf ihn auch der unterscheidende Name über. Bald sah man in dem B. den amtlichen Nachfolger der Apostel; er nahm daher auch besondere Ehren und Rechte, namentlich das der Ordination und Konfirmation, in Anspruch. Ursprünglich waren alle Bischöfe einander gleich, aber da die Landgemeinden von den Städten aus gegründet oder verwaltet wurden, so ergab sich von selbst eine Unterordnung der Landbischöfe unter den Stadtbischof, und durch das größere Ansehen der Bischöfe der Hauptstädte bildete sich wiederum ein Rangverhältnis aus, das in den Titeln Patriarch, Metropolitan, Erzbischof und Papst seinen Ausdruck gefunden hat (s. Hierarchie). Das bischöfliche Amt umfaßt zunächst die Sorge für die Bewahrung und Verbreitung der Lehre (potestas magisterii), also auch für die Erziehung des Klerus, wobei, wie bei seinen priesterlichen Funktionen, ihm das Domkapitel unterstützend zur Seite steht. Die jura ordinis sind entweder communia, aus dem priesterlichen ordo fließende und daher dem B. mit dem Presbyter gemeinsame, oder reservata, wie Firmung, Priesterweihe, Bereitung des Chrisams, Konsekration der Kirchen und Altäre etc. die ein Priester nicht vornehmen kann; daher steht dem B. als Gehilfe und Stellvertreter ein Weihbischof, Episcopus in partibus infidelium, d. h. ein B. zur Seite, der zwar die bischöfliche Weihe hat, dem aber nur fiktiv eine tatsächlich im Besitz der Ungläubigen befindliche Diözese zugewiesen ist. Die jura jurisdictionis umfassen außer dem Binde- und Löseschlüssel (s. Meyers Schlüsselgewalt) die Disziplinargewalt, die geistliche Gerichtsbarkeit und die gesamte äußere Verwaltung. Die Gehilfen des Bischofs waren hier früher die Archidiakonen (s. Archidiakonus), jetzt steht ihm das Offizialat oder Generalvikariat (s. d.) zur Seite. Erzpriester und Dechanten sind Organe des bischöflichen Regiments in den einzelnen Teilen der Diözese. Die Wahl des Bischofs, die in den ältesten Zeiten von der Gemeinde ausging, wurde vielfach ein Recht der Fürsten, soll nach dem Tridentinum vom Kapitel vollzogen werden. Die Beteiligung des Staates an derselben bestimmen die Meyers Konkordate (s. d.), die Zirkumskriptionsbullen und die einzelnen Landesgesetzgebungen. Als Wahlmodus ist zwischen der Kurie und den Regierungen jetzt üblich, daß das Kapitel der Regierung eine Kandidatenliste vorlegt, aus der diese die minder genehmen Persönlichkeiten so weit streichen kann, daß eine zur Wahl ausreichende Anzahl übrigbleibt. Die Wahl bedarf der päpstlichen Bestätigung, die dem Gewählten die Jurisdiktionsrechte erteilt. Die Konsekration oder Weihe wird durch mindestens drei Bischöfe oder einen B. und zwei Prälaten vollzogen. Dabei wird der neue B. zum Gehorsam gegen den Papst eidlich verpflichtet, ebenso leistet er dem

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Landesherrn einen Eid. Er empfängt dann die Insignien des Amtes: die Mitra oder Bischofsmütze, den Krummstab, den goldenen Ring und das Brustkreuz, und darf sich bei feierlichen Funktionen der Pontifikalkleidung bedienen. Ring und Stab waren ursprünglich die Zeichen, deren sich Könige und Kaiser in Deutschland bedienten, um die Bischöfe mit den Regalien zu belehnen (s. Investitur).
   Im wesentlichen ist die Stellung der Bischöfe und Erzbischöfe in der griechischen Kirche dieselbe wie in der römischen; jedoch wird der B. nur aus dem Mönchsstand, und zwar gewöhnlich aus den Archimandriten und Hegumenen, d. h. den Klosteräbten und Prioren, gewählt. Von allen Kirchen der Reformation hat nur die Meyers anglikanische (s. d.) eine wirkliche bischöfliche Verfassung und besondere Vorrechte der bischöflichen Weihe beibehalten. Auch Schweden hat seine Erzbischöfe und Bischöfe behalten und ihnen auf dem Reichstag eine eigne Standschaft und großen Einfluß eingeräumt; ein ähnliches Verhältnis findet in Dänemark statt. Wieder eingeführt wurde die bischöfliche Würde 1735 in der Brüdergemeinde, doch nur für äußerliche Kirchenrechte, und der B. steht unter der Direktion der Ältestenkonferenz. Ein bloßer Titel wurde B. in Preußen, als Friedrich I. seinen beiden Hofpredigern diese Würde erteilte und Friedrich Wilhelm III. diesem Beispiel 1816 folgte zur »Anerkennung des Verdienstes im geistlichen Stande«. Damals wurden Bischöfe: Sack und Borowsky (1829 Erzbischof), später Eylert (1818), Ritschl (1827), D. Neander (1830), Dräseke (1831), Roß (1836). Nach ihrem Tode ist der Titel nicht wieder verliehen worden. Auch der Generalsuperintendent von Nassau hieß B.
 
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Bischof (Bischofwein), aus Rotwein mit Zucker und der dünn abgeschälten Schale von grünen bittern Pomeranzen (zwei Früchte auf eine Flasche) bereitetes Getränk. Mit rotem Burgunder bereiteter B. heißt Prälat, mit weißem Wein bereiteter Kardinal. Bischofessenz, von der man 12 Eßlöffel auf eine Flasche Wein rechnet, erhält man durch 43 stündiges Extrahieren von 60 g sein abgeschälten Pomeranzenschalen mit 360 g Weingeist. Mäßig genossen, wirkt B. magenstärkend, stärkerer Genuß verursacht Kopfschmerz. Das Getränk gelangte im Mittelalter aus Italien und Frankreich nach Deutschland, doch scheint der Name nicht vor dem 17. Jahrh. vorzukommen.
 
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Bischof, 1) Karl Gustav, Geolog und Chemiker, geb. 18. Jan. 1792 in Wörd bei Nürnberg, gest. 30. Nov. 1870 in Bonn, studierte seit 1810 in Erlangen, habilitierte sich daselbst und ward 1819 Professor der Chemie und Technologie, 1822 Professor der Chemie in Bonn. Er schrieb: »Lehrbuch der Stöchiometrie« (Erlang. 1819); »Physikalisch-statistische Beschreibung des Fichtelgebirges« (mit Goldfuß, Nürnb. 1817, 2 Bde.). Besonders aber lieferte er geologische Arbeiten, worin er ganz neue Ansichten über die Bildung der Gebirgsmassen aufstellte. Hierher gehören: »Die vulkanischen Mineralquellen Deutschlands und Frankreichs« (Bonn 1826) und »Die Mineralquellen zu Roisdorf« (das. 1825); »Die Wärmelehre des Innern unsers Erdkörpers« (Leipz. 1837); »Über die Gletscher und ihre Beziehungen zur Hebung der Alpen« (1843); »Über die Entstehung der Quarz- und Erzgänge« (1841); »Des moyens de soustraire l'exploitation des mines de houille aux dangers d'explosion« (Brüssel 1840). In seinem »Lehrbuch der chemischen und physikalischen Geologie« (Bonn 184754, 2 Bde.; 2. Aufl. 186366, 3 Bde.; Supplement 1871) wies er zum erstenmal mit Konsequenz auf die chemischen und mechanischen Wirkungen bei Bildung der Gesteine hin und führte dadurch den neuesten Umschwung in der Entwickelung der Geologie herbei. Er schrieb noch: »Populäre Vorlesungen« (Bonn 1843, 2 Tle.); »Populäre Briefe an eine gebildete Dame über die gesamten Gebiete der Naturwissenschaften« (Pforzh. u. Bonn 184849, 2 Bde.); »Die Gestalt der Erde und die Meeresfläche und die Erosion des Meeresbodens« (Bonn 1867). Mit Schweigger redigierte B. das »Journal für Chemie und Physik« vom 21. Band an. Sein Sohn Karl, geb. 15. Mai 1825 in Bonn, lebt in Wiesbaden, erbohrte 1852 die Thermen von Neuenahr und den Apollinarisbrunnen und schrieb: »Die feuerfesten Tone« (2. Aufl., Leipz. 1895); »Gesammelte Analysen der in der Tonindustrie benutzten Mineralien und der daraus hergestellten Fabrikate« (das. 1901).
   2) Karl, Berg- und Hüttenmann, geb. 4. Juni 1812 auf der Saline zu Dürrenberg, gest. 23. Juni 1884 in Dresden, studierte seit 1829 in Berlin, konstruierte 1829 einen kleinen Dampfwagen, der auf gewöhnlichen Wegen lief und erfand 1839 die Gasentwickelungsöfen, die in weiterer Ausbildung eine vollständige Umgestaltung der Feuerungsanlagen in vielen Industriezweigen herbeiführten und namentlich auf Hüttenwerken allgemeine Anwendung fanden. 1843 ward er Hüttenmeister in Mägdesprung, und 1864 trat er in den Ruhestand. Er schrieb: »Die indirekte, aber höchste Nutzung der rohen Brennmaterialien« (2. Aufl., Quedlinb. 1856).
 
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Bischoff, 1) Gottlieb Wilhelm, Botaniker, geb. 1797 in Dürkheim a. d. Hardt, gest. 11. Sept. 1854 in Heidelberg, studierte seit 1821 in Erlangen, habilitierte sich 1825 in Heidelberg als Privatdozent und wurde 1833 Professor, 1839 Direktor des botanischen Gartens daselbst. Er lieferte wertvolle Arbeiten über Lebermoose, Charazeen und Gefäßkryptogamen und schrieb: »Handbuch der botanischen Terminologie und Systemkunde« (Nürnb. 183344, 3 Bde.); »Wörterbuch der beschreibenden Botanik« (das. 1839; 2. Aufl. von I. A. Schmidt, 1857); »Medizinisch-pharmazeutische Botanik« (Erlang. 1843, 2. Aufl. 1847); »Die Botanik in ihren Grundrissen und nach ihrer historischen Entwickelung« (Stuttg. 1848).
   2) Theodor Ludwig Wilhelm, Anatom und Physiolog, geb. 28. Okt. 1807 in Hannover, gest. 5. Dez. 1882 in München, studierte seit 1826 in Bonn und Heidelberg, habilitierte sich 1833 als Privatdozent in Bonn, ging als solcher 1835 nach Heidelberg und wurde hier 1836 zum Professor ernannt. 1844 ging er nach Gießen, wo er ein physiologisches Institut und ein anatomisches Theater errichtete, und 1855 nach München. 1878 trat er in den Ruhestand. Er schrieb: »Entwickelungsgeschichte der Säugetiere und des Menschen« (als 7. Band von Sömmerings Anatomie, Leipz. 1842), »des Kanincheneies« (Braunschw. 1843), »des Hundeeies« (das. 1845), »des Meerschweinchens« (Gießen 1852), »des Rehes« (das. 1854); »Beweis der von der Begattung unabhängigen periodischen Reifung und Loslösung der Eier der Säugetiere und der Menschen« (das. 1844); »Widerlegung und Bestätigung des Eindringens der Spermatozoiden in das Ei der Muscheln und der Frösche« (das. 1851); »Historisch-kritische Bemerkungen zu den neuesten Mitteilungen über die erste Entwickelung der Säugetiereier« (Münch. 1877); »Der Harnstoff als Maß des Stoffwechsels« (Gießen 1853); »Die Gesetze der Ernährung der Fleischfresser« (mit Von, Leipz. 1860); »Die Großhirnwindungen bei den Menschen« (Münch

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1868); »Studium und Ausübung der Medizin durch Frauen« (das. 1872); »Führer bei Präparierübungen« (das. 1873; 4. Aufl. von Rüdinger, 1897). Außerdem lieferte er Beiträge zu Wagners und Burdachs »Physiologie«. Er wies auch (1837) die Gegenwart von freier Kohlensäure und Sauerstoff im Blute nach und lieferte Untersuchungen über den Unterschied zwischen dem Menschen und den höhern Affen. Vgl. Kupffer, Gedächtnisrede auf B. (Münch. 1884).
   3) Joseph, unter dem Namen Konrad von Bolanden bekannter Romanschriftsteller, geb. 9. Aug. 1828 zu Niedergailbach in der Rheinpfalz, studierte seit 1849 katholische Theologie zu München, wurde 1852 als Domkaplan in Speyer angestellt, nach einigen Jahren als Administrator nach Kirchheimbolanden und von hier als Pfarrer nach Börrstadt am Donnersberg versetzt. Seit 1859 war er Pfarrer in Berghausen bei Speyer, bis er 1869 seinem Amt entsagte und sich privatisierend in Speyer niederließ, um sich ganzder Schriftstellerei zu widmen. Papst Pius IX. ernannte ihn 1872 zu seinem Wirklichen Geheimen Kammerherrn. B. war ungemein produktiv und hat in den katholischen Kreisen von ganz Europa Aufsehen erregt. Seine zum Teil vielfach ausgelegten Werke haben stark ausgesprochene ultramontane Tendenz. In den ersten Romanen: »Eine Brautfahrt« (Regensb. 1857) und »Franz von Sickingen« (das. 1859), stellte er die Reformation als gemeine Rebellion, als einen Ab- und Rückfall dar und schilderte Luther, Sickingen, Hutten etc. mit den grellsten Farben als moralisch Verworfene. Dann folgten: »Königin Bertha« (Regensb. 1860) und »Barbarossa« (das. 1862); ferner: »Die Aufgeklärten« (Mainz 1864) und »Historische Novellen über Friedrich II. und seine Zeit« (das. 18651866, 4 Bde.), worin der große Preußenkönig als eine Art politischen Räuberhauptmanns erscheint. Gegen die naturwissenschaftlichen Forschungen wendet sich »Angela« (Regensb. 1866), gegen den Liberalismus »Die Freidenker« (das. 1866), »Die Schwarzen und die Roten« (Mainz 1868), »Fortschrittlich« (das. 1870). Im gleichen Geist sind seine zahlreichen spätern Erzählungen gehalten. Von seinen kleinern Erzählungen hatten besonders »Der neue Gott«, »Der alte Gott«, »Kelle oder Kreuz« Erfolg.

 

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