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Birnbaum bis Birnknospenstecher (Bd. 2, Sp. 899 bis 900)
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Artikelverweis Birnbaum (Pirophŏrum Med., hierzu Tafel Meyers »Birnen«), Gruppe der Pflanzengattung Meyers Pirus (s. d.). Unser sogen. wilder B. (P. Achras Gärtn.), der nicht selten in unsern Wäldern, besonders aber in Südeuropa vorkommt, stammt wahrscheinlich aus China und ist bei uns verwildert. Er hat dornige Kurztriebe, und seine kleinen holzigen und sauern Früchte (Holzbirnen) besitzen in der Umgebung des Kernhauses viele steinartige Konkremente. Von ihm stammen die meisten und zwar gerade die bessern Birnen ab, obwohl auch noch P. elaeagnifolia Pall., vom kaukasischen Isthmus, aus Kleinasien und Armenien, und P. persica Pers., aus Syrien, Arabien und Persien, P. cordata Desv., in Frankreich (von der die Blutbirne Sanguine stammt), durch Kultur und mehr noch durch zufällige Kreuzung zur Vermehrung unserer Birnsorten beigetragen haben. Man zählt gegenwärtig schon über 700 in Gestalt und Güte verschiedene Birnsorten und unterscheidet nach Lucas Sommerbirnen, die ihre vollkommene Reise am Baum erlangen und vor Ende Oktober vollständig fleischreif sind; Herbstbirnen, die von Anfang September bis Mikte November zeitigen und meist einige Wochen lagern müssen; Winterbirnen, die gewöhnlich 2 Monate und länger lagern müssen und erst von Mitte November an, im Dezember, Januar etc. fleischreif werden. Einteilung der Birnen nach Lucas.
   S = Sommerbirne, H = Herbstbirne, W = Winterbirne. D zum Dörren, Z zur Obstweinbereitung geeignete Sorten. * bedeutet Tafelobst, † Wirtschaftsobst; Verdoppelung der Zeichen gibt höhern, ein ! ganz besondern Wert an. ° die vom Deutschen Pomologenverein 1893 empfohlenen Sorten.
   1) Butterbirnen mit völlig schmelzendem Fleisch, von wahrer Birnform und regelmäßigem Bau, meist länger als breit, selten gleich breit und lang, aber nie am Stiel stark abgeplattet: Pfirsichbirne S**, Amanlis Butterbirne° S**†, Madame Treyve° S**!, Leckerbissen von Angers H**!, weiße Herbstbutterbirne° H**!†, Colomas Herbstbutterbirne° H**†, Comperette H**!†, Herbstsilvester H**!†, Gellerts Butterbirne° H**!†, Liegels Winterbutterbirne° W**!†, Winterdechantsbirne° W**!†, Diels Butterbirne° W**!† (Fig. 1), Dechantsbirne von Alençon W**!†, die Arenberg W**!†.
   2) Halbbutterbirnen, den vorigen gleich, nur mit halb schmelzendem Fleisch: runde Mundnetzbirne°, Sommerbergamotte S**!† (Fig. 2), grüne Sommer-Magdalene S**, Madame Verté W**!.
   3) Bergamotten mit völlig schmelzendem Fleisch, platt oder rundlich, namentlich am Stiel abgeplattet: Madame Favre S**!, Esperens Herrenbirne° S**††, rote Dechantsbirne° H**!† (Fig. 3), Olivier de Serres° W**!, Zephirin Gregoire° W**!†.
   4) Halbbergamotten, von der Form der vorigen, mit nur halb schmelzendem Fleisch: Juli-Dechantsbirne S** (Fig. 4).
   5) Grüne Langbirnen mit schmelzendem und halb schmelzendem Fleisch, länglich und lang, grün, nicht oder wenig berostet, auch bei völliger Reife grün oder grünlichgelb: grüne Tafelbirne° S**†, Sparbirne S**†, punktierter Sommerdorn° H**††, Pastorenbirne° H*†† (Fig. 5), neue Poiteau° H**†, Graf Canal W**!, Saint-Germain W**!†.
   6) Flaschenbirnen mit schmelzendem und halb schmelzendem Fleisch, länglich und lang, grünlichgelb oder gelb, mit zimtfarbigem oder rotgrauem Rost: Marie Luise° H**!†, van Mons Butterbirne H**!†, Boscs Flaschenbirne° H**!† (Fig. 6), van Marums Flaschenbirne H*††.
   7) Apothekerbirnen mit schmelzendem oder halb schmelzendem Fleisch, von unregelmäßiger, beuliger oder höckeriger Form, von gleichem oder ungleichem Längen- und Breitendurchmesser: Clapps Liebling° S**!, Butterbirne von Ghelin H**!, Vereins-Dechantsbirne° H**†, Napoleons Butterbirne° H**!†, Hardenponts Leckerbissen H**!, Nikitaer Apothekerbirne H*††, Grumbkower Butterbirne° H**†, General Totleben H**†, Fortunée W**!†, Winter-Apothekerbirne W*††!, Hardenponts Winterbirne° W**!†, Herzogin von Angoulême° W**! (Fig. 7).
   8) Rousseletten, kleine, oder mittelgroße Birnen mit schmelzendem oder halb schmelzendem, zimtartig gewürztem Fleisch, länglich, ganz oder doch auf der Sonnenseite braunrot, meist mit Rost versehen: gute Graue° S**!†† (Fig. 8), Forellenbirne° H**!†.
   9) Muskatellerbirne, kleine u. mittelgroße Sommer- oder frühe Herbstbirnen, meist länglich, mit Bisamgeschmack (Fig. 9).
   10) Schmalzbirnen, mittelgroße und große, noch zu den Tafelbirnen zu zählende Früchte mit schmelzendem oder halb schmelzendem Fleisch, lang oder länglich und nicht in den ersten neun Klassen inbegriffen: römische Schmalzbirne° S**††! (Fig. 10), van Marums Schmalzbirne H*††, zimtfarbige Schmalzbirne *††.
   11) Gewürzbirnen, kleinere, längliche und rundliche Birnen von derselben innern Beschaffenheit wie die Schmalzbirnen sowie von etwas größern Früchten, nur die rundlichen und platten, nicht die länglichen, die vielmehr zu den Schmalzbirnen gehören: Sommereierbirne (Beste Birne, Woltmanns Eierbirne), Wintereierbirne (Jagdbirne, Fig. 11).
   12) Längliche Kochbirnen mir hartem oder rübenartigem, nur selten halb schmelzendem Fleisch, nicht zum Rohgenuß geeignet, nicht herb, sondern fade oder fadsüß, mit größerm Längen- als Breitendurchmesser: Kamper Venus° W††! (Fig. 12), Veldenzer Birne W††!, Queenbirne W††!, schöne Angevine W††.
   13) Rundliche Kochbirnen, von gleicher Qualität wie die vorigen, beide Durchmesser gleich oder der der Höhe kleiner als der der Breite: Kuhfuß° S††!, Schneiderbirne S††D.
   14) Längliche Weinbirnen, nicht zum Rohgenuß geeignet, mit brüchigem, rübenartigem oder selbst halbschmelzendem Fleisch, entschieden herbem, adstringierendem Geschmack, länglich: späte Grünbirne S*††D (Fig. 14), Knausbirne S††, gelbe Wadelbirne S††!, Träubeles Birne H††Z.
   15) Rundliche Weinbirnen, von derselben innern Beschaffenheit wie die vorigen, aber rundlich: Rummelter Birne H††!Z, Champagner Bratbirne H††!Z, welsche Bratbirne H††Z, Pomeranzenbirne vom Zabergau H††!Z, Wolfsbirne, Quittenbirne H††!Z, Weilersche Mostbirne° H††!Z, Wildling von Einsiedel° H††!Z (Fig. 15), Betzelsbirne W††!Z, großer Katzenkopf° W††! (Fig. 13). Zu den letzten Familien gehören auch die zum Dörren (D) und zur Obstweinbereitung (Z) geeigneten Birnsorten.
   Außer den genannten wurden vom Deutschen Pomologenverein in Breslau 1893 und in Kassel 1896 empfohlen: Andenken an den Kongreß, Baronsbirne, Blumenbachs Butterbirne, Capiaumont Clairgeaus Butterbirne, Esperens Bergamotte, Esperine, Graue Herbstbutterbirne, Grüne Magdalene, Gute Luise von Avranches, Hannoversche Jakobsbirne, Hofratsbirne, Holländische Feigenbirne, Holzfarbige Butterbirne, Josephine von Macheln, Köstliche von Charneu, Philip Goes, Regentin, Rote Bergamotte, Stuttgarter Geißhirtel, Williams Christbirne, Winter-Nelis. Zusammensetzung einiger Birnsorten:

Birnen sind im allgemeinen zuckerreicher als Apfel und daher etwas nahrhafter, aber sie enthalten ca. 4 Proz. mehr unverdauliche Stoffe und werden deshalb bei schwacher Verdauung weniger gut vertragen, wirken auch leicht verstopfend. Die sogen. Steine in den Birnen haben ähnliche Zusammensetzung wie die Holzsubstanz. Birnen sind viel weniger haltbar als

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Äpfel; ein kühler, luftiger Raum sagt ihnen mehr zu als völliger Luftabschluß, bei dem sie leicht in Gärung übergehen. Man dörrt Birnen wie Äpfel, doch erfolgt die vollständige Austrocknung langsamer. In obstreichen Gegenden schichtet man Birnen in Fässern mit Dill oder Fenchel und wenig Anis, bedeckt sie mit denselben Gewürzen, legt einen mit Steinen beschwerten Deckel auf und gießt nun Wasser zu, bis es 23 cm hoch über dem Deckel steht. Solche Sülzebirnen schmecken sehr gut und halten sich bis zum Frühjahr. Man verarbeitet Birnen auch zu Birnkraut und Obstwein, in manchen Gegenden zu Essig. Das Holz des Birnbaumes, namentlich das des wilden, ist rötlich, sehr dicht, mäßig hart, sehr politurfähig und dient besonders zu Schnitzereien, musikalischen Instrumenten, Druckformen und Modellen, auch zur Nachahmung von Ebenholz. Das Holz von veredelten Stämmen ist in jeder Beziehung schlechter. Der B. verlangt tiefgrundigen, lockern, lehmigen, warmen Boden und in den feinern Sorten eine geschützte Lage und sorgfältige Behandlung. Man kultiviert ihn als Hochstamm durch Veredelung auf Wildlinge, viele aus Kernen gewöhnlicher Birnsorten. Feinere Sorten werden als Formenbäume erzogen und auf Quittenunterlage veredelt. Manche Sorten gedeihen nicht auf Quitte, und dann setzt man auf letztere zuerst eine kräftig wachsende Sorte und auf diese im nächsten Jahre die beabsichtigte. Die kleine Sommermuskateller, Leipziger Rettichbirne, römische Schmalzbirne, Flachsbirne, Salzburger, gute Graue, großer Katzenkopf, große Sommerzitronenbirne eignen sich zur Anpflanzung in freien Lagen, an Straßen, auf Feldern und Triften. Vgl. Obst u. Obstbau.
   Der B. wurde schon zu Homers Zeiten kultiviert (Garten des Antinoos); Cato kannte bereits 5 und Plinius zählte 35 Sorten auf, von denen viele den Namen ihrer Heimat führten, woraus erhellt, daß die Römer den größten Teil derselben aus Griechenland, Ägypten, Karthago, Syrien, Alexandria und Numantia erhalten hatten. Die Herbstbergamotte soll Julius Cäsar in Britannien eingeführt haben. Valerius Cordus kannte in der ersten Hälfte des 16. Jahrh. mehr als 50 in Mitteldeutschland kultivierte Sorten. Viele der wertvollsten Sorten verdankt man belgischen Obstzüchtern. Vgl. Baltet, Auswahl wertvoller Birnsorten (deutsch von Lucas, Reutlingen 1863); Lucas, Die wertvollsten Tafelbirnen (2. Aufl., Stuttg. 1893).
 
Artikelverweis 
Birnbaum, Kreisstadt im preuß. Regbez. Posen, links an der Warthe und an der Staatsbahnlinie Meseritz-Rokietnice, hat eine evangelische und eine kath. Kirche, Synagoge, Schloß, Bismarcksäule, Hafen, Amtsgericht, Eisengießerei, Maschinen-, Schnupftabak- und Zigarrenfabrikation, Ziegelbrennerei, Bierbrauerei und (1900) 2954 meist evang. Einwohner. Das Landratsamt des Kreises B. befindet sich im nahen Meyers Lindenstadt (s. d.).
 
Artikelverweis 
Birnbaum, Karl, Lehrer der Landwirtschaft, geb. 18. Mai 1829 zu Löwen in Belgien als Sohn des Rechtslehrers Johann Michael Franz B. (geb. 1792 in Bamberg, gest. 14. Dez. 1877 als Professor in Gießen), studierte in Gießen und Jena, habilitierte sich 1857 als Privatdozent zu Gießen, übernahm 1866 die landwirtschaftliche Lehranstalt Plagwitz-Leipzig und ward 1869 Professor an der Universität Leipzig. 187173 war er Mitglied des Reichstags und gehörte der nationalliberalen Partei an. Seit 1887 lebt er in Berlin. Er schrieb: »Lehrbuch der Landwirtschaft« (Frankf. a. M. 185863, 3 Bde.); »Landwirtschaftliche Taxationslehre« (2. Aufl., das. 1890); »Katechismus der landwirtschaftlichen Buchführung« (Leipz. 1879). B. bearbeitete auch v. Kirchbachs »Handbuch für angehende Landwirte« (9. Aufl., Berl. 1880) und gab 187074 die Monatsschrift »Georgika« (zuletzt »Deutsche Monatsschrift für Landwirtschaft und einschlagende Wissenschaften«) heraus.
 
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Birnbaumer Wald, ein Teil des Karstgebirges (s. Meyers Karst).
 
Artikelverweis 
Birnblattfloh (Birnsauger), s. Meyers Blattflöhe.
 
Artikelverweis 
Birnblütenstecher, soviel wie Apfelblütenstecher, s. Meyers Blütenstecher.
 
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Birne, s. Meyers Birnbaum.
 
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Birnenhelm, s. Meyers Helm.
 
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Birnessenz, s. Meyers Birnäther.
 
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Birnhorn, 2634 m hoher Berg in den zu den Salzburger Kalkalpen gehörigen Leoganger Steinbergen, fällt schroff zum Saalachtal ab und wird von Leogang aus über die Passauer Hütte bestiegen.
 
Artikelverweis 
Birnknospenstecher, s. Meyers Blütenstecher.

 

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