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Birlinger bis Birnblattfloh (Bd. 2, Sp. 895 bis 900)
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Artikelverweis Birlinger, Anton, Germanist, geb. 14. Jan. 1834 in Wurmlingen, gest. 15. Juni 1891 in Bonn, war ursprünglich katholischer Theolog, habilitierte sich 1869 in Bonn und wurde 1872 zum außerordentlichen Professor der deutschen Sprache und Literatur ernannt B. hat sich besonders alb Erforscher der Mundarten und der Volkskunde Schwabens verdient gemacht. Er veröffentlichte unter anderm: »Volkstümliches aus Schwaben« (Freiburg 1862, 2 Bde.); »Schwäbisch-Augsburgisches Wörterbuch« (Münch. 1864); »Die alemannische Sprache rechts des Rheins seit dem 13. Jahrhundert« (Berl. 1868, Bd. 1); »Aus Schwaben. Sagen, Legenden, Aberglauben, Sitten etc.« (Wiesbad. 187374, 2 Bde.); »Rechtsrheinisches Alamannien« (Stuttg. 1890); ferner mit Crecelius eine kritische Ausgabe von »Des Knaben Wunderhorn« (Wiesbad. 1874). Seit 1871 gab B. die »Alemannia, Zeitschrift für Sprache. Literatur u. Volkskunde des Elsasses« (Bonn, seit 1892 fortgeführt von Pfaff) heraus.
 
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Birma (Burma, Barma oder Reich der Mranma, einheimischer Name, früher auch Reich von Ava), Provinz des britisch-ind. Reiches in Hinterindien (s. Karte »Hinterindien«), begrenzt von Assam, Bengalen und der Bai von Bengalen im W., dem Meerbusen von Pegu und Siam im S., von Siam, Tongking und China (Jünnan) im O., von Tibet im N., zwischen 10281/4° nördl. Br. und 921023/4° östl. L., besteht aus dem seit 1826 und 1852 britischen Niederbirma, 220,075 qkm mit (1901) 5,371,328 Einw., und dem 1886 eroberten Oberbirma, 318,275 qkm mit (1901) 3,849,833 Einw. Zu letzterm kommen noch Luschai- und Katschinland und die Schanstaaten, so daß sich das Gesamtareal der Provinz auf 686,350 qkm und die Bevölkerungsziffer auf 9,642,621 erhöht. Das Land wird von mehreren noch wenig erforschten Meridiangebirgen durchzogen; in den durch sie gebildeten Längstälern fließen ansehnliche Ströme südwärts zum Meer: zwischen Arakan-Joma- und Pegu-Jomagebirge der Irawadi, weiter östlich trennt den kleinern Sittang das Pungi-Lunggebirge vom Salwen und diesen das langgestreckte Tanen-Tung-Gjigebirge vom obern Mekhong, der das östliche Schangebiet durchzieht. Letzteres scheidet der scharfe Kamm des Tran-Ninh von Tongking. Im N. treten Ausläufer des östlichsten Himalaja (Patkoigebirge, Schuodung-Gjigebirge) ins Land ein. Für den Verkehr ist der von der Mündung bis nahe an die Nordgrenze schiffbare Irawadi von größter Wichtigkeit. Von den bedeutenden Seen des Innern weiß man noch sehr wenig. Geologisch lassen sich drei nordsüdlich verlaufende Zonen unterscheiden: 1) eine westliche von den Nagabergen aus südlich bis zum Kap Negraïs, ein Kettengebirge, aufgebaut aus Trias von alpinem Charakter, Kreidesedimenten, mächtigen versteinerungslosen, flyschähnlichen Schiefern und Sandsteinen, Nummulitenkalk und jüngerm Tertiär, 2) eine mittlere, das Tiefland des Irawadi mit tertiären und jüngern Ablagerungen, 3) ein östliches Bergland mit paläozoischen (karbonischen) Sedimenten und archäischen Felsarten. Aus dem Flachlande des Irawadi erheben sich einige vereinzelte Vulkane, die trachytische Laven und Aschen geliefert haben (vgl. Asien [Geologisches], S. 857 f.). Zahlreich sind auf der Ost- und Westseite der am Kap Negraïs endenden Gebirgskette Salz- und Petroleumquellen, die dem Tertiär anzugehören scheinen; sie sind auf den Inseln Ramri und Cheduba, ebenso bei Menbo am Irawadi von Schlammvulkanen begleitet. Erdöl wird besonders bei Jénán, Khyoung und östlich von Pagan gewonnen (jährlich an 14 Mill. kg). Das Klima ist heiß: Mandalai mittlere Jahrestemperatur 27,2°, wärmster Monat April (32,8°), kältester Januar (21,7°), mittlere Jahresextreme 38,9° und 15°, absolut 41° und 10°. Sommer- und Herbstregen, Jahressumme 700 mm an 72 Regentagen. Die Pflanzenwelt

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bildet einen Teil des indischen Monsungebietes mit ähnlichem Charakter wie in Meyers Assam (s. d.). Die immergrünen Waldungen, mit sommergrünen gemischt, bestehen vorherrschend aus Dipterokarpeen, daneben Tiekbäumen (Tectona grandis), Ficus elastica und verschiedenen Magnoliazeen. Unter den nutzbaren Gewächsen ragen hervor die am Irawadi wild wachsende Baumwolle (Gossypium herbaceum), Banane (Musa sapientium), Pisang (Musa paradisiaca) und Brotfruchtbaum (Artocarpus integrifolia). Birmas Tierwelt gehört zur indochinesischen Subregion, dem reichsten Faunengebiete der orientalischen Region. Fast alle Charaktertiere dieser Region sind hier vereinigt, z. B. sämtliche vier Arten Nashörner. Von den hervorragenden Charaktertieren der indischen Region fehlt in B. allein der Orang-Utan. Vögel, Reptilien, Amphibien, Insekten sind sehr zahlreich und farbenprächtig.
   Die Bevölkerung besteht hauptsächlich aus Birmanen, dann den gleichfalls zum malaio-chinesischen Stamm gehörigen Karen in den Wäldern Unterbirmas, Kakhyen am obern Irawadi bis nach Tibet hin, den Schau und Laos im O. Die Birmanen sind klein, hellbraun, wohlgestaltet, mit schwarzem, straffem, reichlichem Haar, aber schwachem Bartwuchs. Sie zeichnen sich vor den Nachbarvölkern durch Lebhaftigkeit und geschäftliche Rührigkeit aus, sind gegen die Fremden höflich und gastfrei, aber unzuverlässig und verschlagen. Die gewöhnliche Kleidung ist ein um die Hüften geschlungenes baumwollenes Tuch; bei feierlichen Gelegenheiten noch ein weißer musselineuer Rock (Indschi) mit engen Ärmeln. Das Haar schürzen die Männer auf dem Scheitel in einen Knoten, die Frauen lassen es lang hängen. Tätowieren ist allgemein üblich. Hauptspeise ist Reis, Wasser das alleinige Getränk; doch wird Opium geraucht. Vielweiberei ist erlaubt, aber selten; Ehescheidung leicht, Keuschheit der Frauen wenig geschätzt. Die Leichen der Wohlhabenden werden verbrannt, die der Armen beerdigt. Die Religion ist der Buddhismus. Die Priester leben in großen Klöstern (Kjaung) bei den Städten vom Bettel und dem Ertrag ihrer Ländereien. Der Oberpriester, P'ha-T'hena-Baing, einer der hohen Reichswürdenträger, hat in Mandalai seinen Sitz. Die Tempel (Phra) sind Prachtbauten. Die amerikanischen Baptisten besitzen 28 Stationen unter den Schau, Karen und Birmanen, die englische Propagation Society fünf, die Leipziger Mission eine Station. Apostolische Vikariate bestehen für Süd- und Ostbirma. Nach dem Zensus von 1891 gab es:

Die Sprache gehört als ein Glied der indochinesischen Sprachfamilie zu den »isolierenden« Meyers Sprachen (s. d.), zeigt aber Ansätze zur Mehrsilbigkeit und Unterscheidung der Redeteile durch Formelemente, z. B. tsā, essen; atsā, Speise. Von Tonakzenten hat sie drei Vgl. Judson: Grammar of the Burmese language (Rangun 1866), Burmese and English dictionary (3. Ausg., das. 1883; erweiterte Ausg. von R. C. Stevenson, 1894) und English and Burmese dictionary (3. Ausg., das. 1877; abgekürzte Ausg. 1891); Sloan, Practical method with the Burmese language (Lond. 1877); Lonsdale, Burmese Grammar (das. 1899); Steinthal, Charakteristik der hauptsächlichsten Typen des Sprachbaus (Berl. 1861; neubearbeitet von Misteli, das. 1893); Harmand, Birmanie. Résumé ethnographique et linguistique (Par. 1884). Die Schrift stammt von einem ältern südindischen Alphabet ab; sie wird gewöhnlich mit eisernem Griffel auf Palmblätter eingeritzt. Wissenschaft und Literatur (diese größtenteils Übersetzungsliteratur aus dem Pali) beschränken sich auf Religionslehre, Astrologie, Landes- und Rechtskunde, Geschichte, Grammatik und etwas Medizin. Die Buchdruckerkunst wurde erst in neuester Zeit durch Missionare eingeführt. 1889 erschienen 84 Werke, 1890 bereits 165 und 31 Zeitungen, davon 3 in Oberbirma. Die Birmanen rechnen nach Mondjahren und lassen alle 13 Jahre 5 Schaltjahre, jedes um einen ganzen Monat verlängert, eintreten. Schulen bestehen nur in den Klöstern; 1891: 10,863 (164 für Mädchen) mit 150,009 Schülern und 18,140 Schülerinnen, darunter ein College mit 25 Zöglingen. Die Baukunst ist nicht ohne künstlerische Entwickelung, die Plastik stellt namentlich große Buddhabilder her. Als Musikinstrumente spielen metallene Becken und Trommeln, Gitarre und dreisaitige Geigen die Hauptrolle. Sehr beliebt sind Schauspiele in fratzenhaften Masken und glänzender Kleidung.
   Erwerbszweige. Dem Ackerbau waren 1900 in Niederbirma 6,857,898, in Oberbirma 3,698,206 Acres gewidmet, davon wird vornehmlich in Oberbirma ein beträchtlicher Teil künstlich bewässert. Hauptprodukt ist Reis in 102 Arten, der hier den kultivierten Boden fast ganz, in Oberbirma zu mehr als der Hälfte einnimmt; dort baut man noch Weizen, Mais, Hirse, Hülsenfrüchte, Ölsaat, Baumwolle, Tabak in beiden Landesteilen, Zuckerrohr in Niederbirma. Tee ist in Oberbirma heimisch und wird teils als Gemüse gegessen, teils eingesalzen zur Bereitung eines beliebten Getränkes verwendet. Die Viehzucht ist unbedeutend, da die Religion den Fleischgenuß verbietet. Man hält fast nur Zug- und Lasttiere. Die kleinen Pferde werden nur zum Reiten gebraucht. 1891 zählte man 1,930,370 Rinder, 804,586 Büffel, 24,861 Pferde und 50,179 Schafe und Ziegen. Die Ausbeutung der Mineralschätze ist unbedeutend: Gold aus dem Sande der Flüsse; Silber, Blei, Eisen, Serpentin (Jüstein) und ausgezeichneter weißer Marmor im Gebiete der Schau. Auch Kupfer, Zinn (Tenasserim) und Antimon sind vorhanden, die Kohlenlager haben große Ausdehnung und Mächtigkeit. Ferner werden Natron, Salz, Bernstein, Saphire, Rubine (bei Mopok), Smaragde, Topase, Nephrit (bei Mogung), Amethyste gefunden, aber wenig gefördert. Neuerdings nimmt die Petroleumgewinnung bedeutend zu. Die Haupt industrien sind erst durch die Briten ins Leben gerufen, so die Reismühlen (48 in Rangnn), 50 Dampfsägemühlen in Rangun, Akyab, Bassein, 3 Schiffswerften in Rangun, 4 Katechufabriken. Die gewerbliche Tätigkeit der Eingebornen ist nicht unbedeutend, steht aber jener der Hindu und Chinesen nach; am wichtigsten sind Bootbau, Weberei und Töpferei, Gold- und Silberarbeiten, Holzschnitzerei, das Trocknen von Fischen, Lackwaren, Messing und Marmor, Zigarrenfabrikation. Der Handelsverkehr findet vorwiegend auf den zahlreichen schiffbaren Flüssen statt; der Irawadi wird durch Dampfer bis Bhamo befahren, von wo Karawanenverkehr mit China. Eisenbahnen (1900: 993 engl. Meilen) gehen von Rangun nach Prome und Mandalai, auf denen 1891: 5,540,347 Reisende und 677,040 Ton. Güter befördert wurden. Die wichtigsten Häfen sind Rangun, Bassein, Maulmain, Amherst, Tavoy, Mergui, Akyab und Kyukpyu. Einfuhr zur See 1899/1900: 146 Mill. Mk.; Ausfuhr 137,5 Mill. Mk., ferner 109,6 Mill. Mk. Küstenhandel. Hauptausfuhrartikel ist Reis

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(1900: 79,242,788 Rupien), dann Tiekholz, Katechu, Baumwolle, Kautschuk. Es liefen ein 2500 Schiffe mit 1,3 Mill. Ton. Der Handel mit Jünnan betrug 1890 in der Einfuhr (Ziegeltee, Silber) 1,840,560, in der Ausfuhr (Baumwollengewebe, Baumwollengarn, Fische, Salz, Seidenwaren) 3,263,634 Pfd. Sterl. Münzen, Maße und Gewichte. Obgleich das indische System eingeführt ist, bedient sich das Volknoch teilweise des alten. 1 Pehtha oder Wiß = 100 Keiat zu 16 Beh = 1,656 kg, 1 Kändi = 150 Pehtha. Das Teong von 3 Mehl zu 8 Thit = 48,513 cm, das Tehng zu 1000 Teh von 7 Teong = 3396 m. Das Tenn (Teng) oder Basket der Engländer, = 8 Särrot, enthält an geschältem Reis 26,5 kg.
   Politische Einteilung. Die Provinz steht unter einem Chief-Commissioner, der dem Generalgouverneur von Indien untersteht. Niederbirma zerfällt in vier Divisionen: Arakan, Pegu, Irawadi, Tenasserim, mit 19 Distrikten. Hauptstadt ist Rangun. Oberbirma ist noch nicht organisiert. Früher zerfiel es in 11 Provinzen und wurde despotisch beherrscht von einem König (Boa), der mit seiner Familie eine besondere Kaste bildete. Ihr folgten der Reihe nach die Staatsbeamten, Reichen, Priester, Landbauer, Sklaven und Ausgestoßenen. Die Einkünfte (Kopf- und Grundsteuer, Monopolhandel, Zölle) wurden auf fast 60 Mill. Rupien geschätzt. Das Heer war klein und schlecht. Hauptstadt war seit 1860 Meyers Mandalai (s. d.), während die frühern Hauptstädte Ava und Amarapura verfallen sind, das Wappen ein naturfarbener, radschlagender Pfau in roter Scheibe, die Flagge derselbe Pfau in weißem Flaggentuch (s. Tafel Meyers »Flaggen I«), einziger Orden derjenige der Goldenen Sonne. Unter britischer Verwaltung hat sich die finanzielle Lage wesentlich gehoben; 1900 betrngen die Einnahmen über 70 Mill., die Ausgaben etwa 45 Mill. Rupien.
   [Geschichte.] Die älteste Geschichte Birmas ist dunkel. Seine Bewohner sind teils von Norden, teils südlich von der Küste her längs der Flüsse ins Land eingedrungen. Die einheimischen Geschichtsquellen beginnen mit 79 v. Chr.; damals soll die um 500 v. Chr. durch den brahmanischen König Abhiradscha gegründete Hauptstadt Pagan am Irawadi durch China zerstört worden sein. Mit Chinesen hatte B. auch zwischen 166 und 241 n. Chr. des öftern zu kämpfen. Im 3. Jahrh. n. Chr. wurde der Buddhismus durch indische Missionare verbreitet. Schwer war wieder 1284 der Kampf gegen China, von dessen Vorherrschaft sich B. erst 1305 befreien konnte. 1364 gründete König Satomenchin (Thadominbia) von Sagoin und Pandscha die birmanische Hauptstadt Ava; sein Nachfolger Mengyitsauke eroberte das uralte Prome. 1413 und öfter werden die Arakanesen, 1424, 1419 und 1477 die Chinesen zurückgeschlagen. 1540 wurde B. durch Mentara, den König des ältern Pegu, dessen Mon-Völker schon die Jahrhunderte vorher unablässig mit den Birmanen gestritten hatten, erobert; 1585 mißglückte ein Befreiungsversuch, und Ava verfiel, bis es 1601 nach der Vertreibung der Peguaner durch Nyaung Mendarah wieder aufgebaut ward. Doch 1636 unterwarf Pegu das neuerstandene B. von neuem, und Ava galt als Hauptstadt des vereinigten Reiches. Anfang des 18. Jahrh. schwang sich B. wieder zur Vormacht empor, wurde aber 1740 von neuem unterworfen. 1753 erhob sich ein birmanischer Jäger aus dem Ort Mozzobo, vertrieb mit englischer Hilfe die Peguaner aus dem Land und herrschte unter dem Namen Alompra (Alaung-Phra). Er besiegte 1757 Pegu, gründete Rangun, vereinigte Martaban, Tavoy und Tenasserim mit seinem Gebiet und starb 1760. Schembuan, der sich 1763 des Thrones bemächtigte, schlug die Chinesen unter Tschienlang bei Ava und eroberte Assam. Bhodau Phra (auch Mentaragyi; gest. 1819) gründete an Stelle Avas 1783 die neue Residenz Amarapura, verfolgte die Buddhisten und besetzte Arakan; unter diesem König hatte B. eine hohe Stufe der Macht inne. 1822 wurde unter seinem Enkel Phagyi-dau Ava wieder Residenz. 1824 kam es zum ersten Krieg mit England. General Archibald Campbell nahm 11. Mai 1824 die Hafenstadt Rangun; aber durch Fieber etc. verlor die Expedition 72,5 Proz. der Mannschaften. Im Frieden von Yandabo (24. Febr. 1826) trat B. die Provinzen Arakan, Ye und Tenasserim ab, zahlte 20 Mill. Mk., räumte wichtige Handelsfreiheiten ein und empfing in Ava einen englischen Gesandten. 1837 wurde an Stelle des wahnsinnigen Phagyi-dau der ebenso verblendete Tharawadi zum König ausgerufen (bis 1345); 1840 mußte die britische Residentschaft, die 1829 schon einmal Ava verlassen hatte, zurückgezogen werden. Im Juli 1851 brach der birmanische Statthalter von Rangun plötzlichden Vertrag von Yandabo und verlangte von den Kauffahrern und Handelsleuten die Entrichtung willkürlicher Zölle u. Abgaben. Im November 1851 erschien darauf ein britisches Geschwader vor Rangun und forderte Genugtuung. Der König Pagan-Men (g) fügte sich scheinbar. Als 1. April 1852 ein englisches Dampfboot den Irawadi nach Rangun hinausfuhr, wurde darauf gefeuert und damit der Krieg eröffnet. Am 5. April wurde Martaban, 14. d. M. Rangun, 3. Okt. Prome und 21. Nov. Pegu von den englischen Truppen erobert und die Provinz Pegu (Niederbirma) durch Proklamation Lord Dalhousies vom 20. Dez. 1852 dem indobritischen Reich einverleibt, worauf sich der König Mengdan Meng (Menlung Men; seit 1853) 1854 unterwarf. 1862 kam ein britisch-birmanischer Handelsvertrag zustande und wurde die Beschiffung des Irawadi durch Dampfer zugestanden; 1867 wurde dem in der neuen Hauptstadt Mandalai residierenden diplomatischen Agenten die Gerichtsbarkeit über die englisch-indischen Untertanen eingeräumt und ein zweiter Agent in Bhamo gestattet. 1871 schloß Italien; 1873 Frankreich einen Handelsvertrag mit B. ab; der König entsandte Gesandtschaften nach Europa 1872, 1874 u. 1877, verlangte aber von Abgeordneten europäischer Staaten Niederwerfen auf Kniee und Hände. Am 1. Okt. 1878 starb Meng dan Meng; seinen zum Nachfolger bestimmten jüngern Sohn Thibau hatte er nach englisch-indischem Muster erziehen lassen. König geworden, ließ der Einundzwanzigjährige alle gefährlich scheinenden Glieder der königlichen Familie und des Hofstaates (an 100 Personen) ermorden. Englands Vertreter wurde verhöhnt und im September 1879 abberufen; Thibau suchte Anlehnung an Frankreich. Da alle Beschwerden der indischen Regierung über die Belästigungen des englischen Handels unberücksichtigt blieben, fuhr General Prendergast im November 1885 mit einer Flotte und 11,000 Mann den Irawadi aufwärts, eroberte die Forts bei Minhla, besetzte 26. Nov. Aba und rückte 28. Nov. in Mandalai ein (dritter birmanischer Krieg). Thibau ergab sich 1. Dez. und wurde nach Madras gebracht. Am 1. Jan. 1886 ward B. dem Kaiserreich Indien einverleibt. Englands birmanische, auf die Erschließung Jünnans gerichtete Eisenbahnpolitik wurde seit der Besetzung des Tongking durch Frankreich des öftern gekreuzt und durch den mit der Nachbarmacht 15. Jan.

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1896 abgeschlossenen Gegenseitigkeitsvertrag in gewisse Schranken verwiesen. Vgl. Mason, Burmah, its people and natural productions (Rangun 1862); Bastian, Die Völker des östlichen Asien, Bd. 2 u. 3 (Leipz. u. Jena 1866 u. 1870); Fytche, Burma past and present (Lond. 1878, 2 Bde.); Forbes, British Burma and its people (das. 1878); Laurie, Our Burmese wars and relations with Burmah (das. 1880); Phayre, History of Burma (das. 1883); Colquhoun, Quer durch Chryse (deutsch, Leipz. 1884, 2 Bde.); Geary, Burma after the conquest (Lond. 1886); Sangermano, Description of the Burmese empire (engl. von Tandy, u. Aufl., Rangun 1885); Fea, Quattro anni fra i Birmani (Mail. 1896); G. W. Bird, Wanderings in Burma (Lond. 1897); Gallois, En Birmanie (Par. 1898); M. u. B. Ferrars, Burma (Lond. 1900); Nisbet, B. under British rule (das. 1901, 2 Bde.).
 
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Birmensdorf, Dorf im schweizer. Kanton Aargau, Bezirk Baden, mit (1900) 918 Einw.; Bitterwasserquellen.
 
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Birmingham (spr. börming-ĕm), 1) Stadt (city seit 1889) im Innern Englands, 1888 als Grafschaft von Warwickshire abgetrennt, am Flüßchen Rea, 100 m ü. M., in der Nähe reicher Eisen- und Kohlengruben und im Mittelpunkt einer großartigen Kanal- und Eisenbahnverbindung. Der ältere Stadtteil mit seinen unansehnlichen, rauchgeschwärzten Backsteinhäusern gewährt keinen erfreulichen Anblick; die neuern Stadtteile dagegen sind schön angelegt, mit breiten Straßen und stattlichen Gebäuden; namentlich enthält die Vorstadt Edgbaston viele schöne Villen inmitten großer Gärten. Unter den zahlreichen Kirchen ist die gotische Martinskirche am Bull Ring das einzige ältere Gebäude Birminghams (aus dem 13. Jahrh.), 187375 restauriert. Vor ihr steht eine Bildsäule Nelsons. Die katholische Kathedrale ist ein gotischer Neubau von Pugin. Unter den öffentlichen Gebäuden ragt das 183235 von Hansom und Welch erbaute Stadthaus (Town Hall) hervor. Es ist dem Tempel des Jupiter Stator nachgebildet und ruht auf 46 korinthischen Marmorsäulen. Der große Saal enthält eine ausgezeichnete Orgel von Hill und eine Büste Mendelssohns, der hier 1846 die erste Ausführung seines »Elias« dirigierte. Dem Stadthaus gegenüber steht das Rathaus (Council House) im griechischen Stil, 1878 vollendet, dessen Rückseite das Museum (Gemälde, Waffen etc.) einnimmt. Dicht bei diesen Gebäuden sind Denkmäler der Königin Viktoria, von Priestley, R. Peel, Wright, Dawson und Mason und ein monumentaler Brunnen zu Ehren Chamberlains errichtet. Von andern Gebäuden sind zu erwähnen: die von Eduard VI. gegründete Gelehrtenschule, in neuem gotischen Bau von Ch. Barry (1881 errichtet, 1896 vergrößert); das Gebäude des Midland Institute, mit korinthischer Säulenhalle (185566 erbaul); der neue Justizpalast (188791 erbaut); die Universität (früher Mason College), die Kornbörse (1847), die Börse (1865 von Halmes im gotischen Stil erbaut) und das 1897 eröffnete Krankenhaus. Bemerkenswert sind ferner: die große Markthalle, Bingley Hall (ein Riesenbau für Viehausstellung und Volksversammlungen), die städtische technische Schule (1895), der New Street-Bahnhof (für die Midland- und London-North Western-Bahn) mit gewölbtem Dach (320 m lang, 65 m breit), das 1845 im gotischen Stil errichtete Zellengefängnis und daneben das Irrenhaus. Denkmäler sind außer den oben bereits erwähnten dem Dr. Attwood, I. Watt und Sturge errichtet worden. Unter den zehn öffentlichen Parken ist namentlich der von Aston zu nennen; Aston Hall in dessen Mitte (1635 erbaut) dient jetzt als Museum. Noch zu Ende des 17. Jahrh. zählte B. kaum 5000 Einw., aber bereits 1801 hatte es deren 70, 670, 1901 zählte es 522, 182 Einw., ohne die von Aston Manor (77,310), einer nördlichen Vorstadt. Die Industrie, die vielfach als Hausarbeit betrieben wird, erstreckt sich der Hauptsache nach auf Metallwaren (hardware); es werden Gold, Silber, Messing, Kupfer, Bronze, Eisen und Stahl zu den verschiedensten Artikeln verarbeitet. In kolossalem Umfang wird die Fabrikation von Dampfmaschinen, Gewehren, Werkzeugen, Fahrrädern, Stahlfedern, Nadeln, Nägeln, Schrauben, Glas, Kristall, Papiermaché, Bronze- und Spielwaren betrieben. Der Wert der jährlichen Produktion beträgt ca. 150 Mill. Mk., und 100,000 Arbeiter sind dabei beschäftigt. An Wohltätigkeitsanstalten ist B. reich; außer neun Krankenhäusern hat es eine Taubstummenanstalt, eine Blindenschule und eine Besserungsanstalt für jugendliche Verbrecher. Unter den Bildungsanstalten verdienen genannt zu werden: die Universität mit vier Fakultäten und 85 Dozenten (gegründet 1900 mit einem Stiftungskapital von 12 Mill. Mk.), Queen's College (1828 gegründet, für Theologen), eine städtische technische Schule, das Midland Institute mit Musikschule und Abendklassen für fremde Sprachen und Handelswissenschaft, eine Kunstschule, ein theologisches College der Independenten bei Springhill, ein theologisches College der Wesleyaner in Handsworth, 3 katholische Colleges (in Edgbaston, Olton und Oscott), ein Lehrerseminar, mehrere Realschulen, 3 höhere Mädchenschulen, endlich 4 Theater und ein botanischer Garten (in Edgbaston). Die öffentlichen Volksschulen der Stadt sind konfessionslos. Eine große öffentliche Bibliothek sorgt für Verallgemeinerung der Bildung, ein Kunstverein für Veredelung des Geschmacks. B. ist Sitz eines katholischen und eines anglikanischen Bischofs sowie eines deutschen Konsuls. Die städtische Verwaltung besteht aus einem Lord-Mayor, 18 Ältesten und 52 Ratsmitgliedern. Birminghams wird zwar bereits im Doomsdaybuch unter dem Namen Bermingeham gedacht, aber erst seit der Zeit Cromwells spielt es eine Rolle in der Geschichte. Damals (1643) lieferte es den Parlamentstruppen Waffen und wurde zur Strafe vom Prinzen Rupert niedergebrannt. Als nach der Restauration Karls II. metallene Zieraten Mode wurden, bemächtigte sich B. des neuen Industriezweiges. Seit Einführung der Dampfmaschine (1780) ist seine Industrie stetig gewachsen. B. war 1832 und 1835 Mittelpunkt der Reformbewegung und später durch John Bright im Parlament vertreten. Der jetzige Kolonialminister I. Chamberlain vertritt einen Wahlbezirk der Stadt im Parlament und hat auch seinen Wohnsitz in B. Vgl. Langford, Modern B. and its institutions (Birmingh. 187377, 2 Bde.); Bunce, History of the corporation of B. (das. 1878); Dent, Old and new B. (1888).
   2) Hauptstadt der Grafschaft Jefferson im nordamerikan. Staat Alabama, erst 1871 gegründet, aber durch die reichen Kalksteinbrüche, Kohlen- und Roteisensteinlager der Nachbarschaft rasch gewachsen, hat über 20 Hochöfen mit 2000 Ton. Tagesförderung, Eisenwaren- und Maschinenfabriken, mehrere höhere Schulen und (1900) 38,415 Einw. 3) Stadtteil von Derby in Connecticut (s. Meyers Derby 3). 4) Vorstadt von Meyers Pittsburg (s. d.).

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Birnam, Hügel bei Dunkeld (Schottland), 410 m hoch, mit schöner Aussicht auf das Taytal, ist bekannt aus Shakespeares »Macbeth« durch den ihn früher bedeckenden königlichen Forst (Birnamwald).
 
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Birnäther (Birnöl), Fruchtäther vom Geruch der Birnen, ist im wesentlichen Essigsäureamyläther, in Alkohol gelöst; Birnessenz besteht aus 30 Teilen B., 3 Teilen Essigäther und 165 Teilen Alkohol. B. wird in der Konditorei benutzt.
 
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Birnbaum (Pirophŏrum Med., hierzu Tafel Meyers »Birnen«), Gruppe der Pflanzengattung Meyers Pirus (s. d.). Unser sogen. wilder B. (P. Achras Gärtn.), der nicht selten in unsern Wäldern, besonders aber in Südeuropa vorkommt, stammt wahrscheinlich aus China und ist bei uns verwildert. Er hat dornige Kurztriebe, und seine kleinen holzigen und sauern Früchte (Holzbirnen) besitzen in der Umgebung des Kernhauses viele steinartige Konkremente. Von ihm stammen die meisten und zwar gerade die bessern Birnen ab, obwohl auch noch P. elaeagnifolia Pall., vom kaukasischen Isthmus, aus Kleinasien und Armenien, und P. persica Pers., aus Syrien, Arabien und Persien, P. cordata Desv., in Frankreich (von der die Blutbirne Sanguine stammt), durch Kultur und mehr noch durch zufällige Kreuzung zur Vermehrung unserer Birnsorten beigetragen haben. Man zählt gegenwärtig schon über 700 in Gestalt und Güte verschiedene Birnsorten und unterscheidet nach Lucas Sommerbirnen, die ihre vollkommene Reise am Baum erlangen und vor Ende Oktober vollständig fleischreif sind; Herbstbirnen, die von Anfang September bis Mikte November zeitigen und meist einige Wochen lagern müssen; Winterbirnen, die gewöhnlich 2 Monate und länger lagern müssen und erst von Mitte November an, im Dezember, Januar etc. fleischreif werden. Einteilung der Birnen nach Lucas.
   S = Sommerbirne, H = Herbstbirne, W = Winterbirne. D zum Dörren, Z zur Obstweinbereitung geeignete Sorten. * bedeutet Tafelobst, † Wirtschaftsobst; Verdoppelung der Zeichen gibt höhern, ein ! ganz besondern Wert an. ° die vom Deutschen Pomologenverein 1893 empfohlenen Sorten.
   1) Butterbirnen mit völlig schmelzendem Fleisch, von wahrer Birnform und regelmäßigem Bau, meist länger als breit, selten gleich breit und lang, aber nie am Stiel stark abgeplattet: Pfirsichbirne S**, Amanlis Butterbirne° S**†, Madame Treyve° S**!, Leckerbissen von Angers H**!, weiße Herbstbutterbirne° H**!†, Colomas Herbstbutterbirne° H**†, Comperette H**!†, Herbstsilvester H**!†, Gellerts Butterbirne° H**!†, Liegels Winterbutterbirne° W**!†, Winterdechantsbirne° W**!†, Diels Butterbirne° W**!† (Fig. 1), Dechantsbirne von Alençon W**!†, die Arenberg W**!†.
   2) Halbbutterbirnen, den vorigen gleich, nur mit halb schmelzendem Fleisch: runde Mundnetzbirne°, Sommerbergamotte S**!† (Fig. 2), grüne Sommer-Magdalene S**, Madame Verté W**!.
   3) Bergamotten mit völlig schmelzendem Fleisch, platt oder rundlich, namentlich am Stiel abgeplattet: Madame Favre S**!, Esperens Herrenbirne° S**††, rote Dechantsbirne° H**!† (Fig. 3), Olivier de Serres° W**!, Zephirin Gregoire° W**!†.
   4) Halbbergamotten, von der Form der vorigen, mit nur halb schmelzendem Fleisch: Juli-Dechantsbirne S** (Fig. 4).
   5) Grüne Langbirnen mit schmelzendem und halb schmelzendem Fleisch, länglich und lang, grün, nicht oder wenig berostet, auch bei völliger Reife grün oder grünlichgelb: grüne Tafelbirne° S**†, Sparbirne S**†, punktierter Sommerdorn° H**††, Pastorenbirne° H*†† (Fig. 5), neue Poiteau° H**†, Graf Canal W**!, Saint-Germain W**!†.
   6) Flaschenbirnen mit schmelzendem und halb schmelzendem Fleisch, länglich und lang, grünlichgelb oder gelb, mit zimtfarbigem oder rotgrauem Rost: Marie Luise° H**!†, van Mons Butterbirne H**!†, Boscs Flaschenbirne° H**!† (Fig. 6), van Marums Flaschenbirne H*††.
   7) Apothekerbirnen mit schmelzendem oder halb schmelzendem Fleisch, von unregelmäßiger, beuliger oder höckeriger Form, von gleichem oder ungleichem Längen- und Breitendurchmesser: Clapps Liebling° S**!, Butterbirne von Ghelin H**!, Vereins-Dechantsbirne° H**†, Napoleons Butterbirne° H**!†, Hardenponts Leckerbissen H**!, Nikitaer Apothekerbirne H*††, Grumbkower Butterbirne° H**†, General Totleben H**†, Fortunée W**!†, Winter-Apothekerbirne W*††!, Hardenponts Winterbirne° W**!†, Herzogin von Angoulême° W**! (Fig. 7).
   8) Rousseletten, kleine, oder mittelgroße Birnen mit schmelzendem oder halb schmelzendem, zimtartig gewürztem Fleisch, länglich, ganz oder doch auf der Sonnenseite braunrot, meist mit Rost versehen: gute Graue° S**!†† (Fig. 8), Forellenbirne° H**!†.
   9) Muskatellerbirne, kleine u. mittelgroße Sommer- oder frühe Herbstbirnen, meist länglich, mit Bisamgeschmack (Fig. 9).
   10) Schmalzbirnen, mittelgroße und große, noch zu den Tafelbirnen zu zählende Früchte mit schmelzendem oder halb schmelzendem Fleisch, lang oder länglich und nicht in den ersten neun Klassen inbegriffen: römische Schmalzbirne° S**††! (Fig. 10), van Marums Schmalzbirne H*††, zimtfarbige Schmalzbirne *††.
   11) Gewürzbirnen, kleinere, längliche und rundliche Birnen von derselben innern Beschaffenheit wie die Schmalzbirnen sowie von etwas größern Früchten, nur die rundlichen und platten, nicht die länglichen, die vielmehr zu den Schmalzbirnen gehören: Sommereierbirne (Beste Birne, Woltmanns Eierbirne), Wintereierbirne (Jagdbirne, Fig. 11).
   12) Längliche Kochbirnen mir hartem oder rübenartigem, nur selten halb schmelzendem Fleisch, nicht zum Rohgenuß geeignet, nicht herb, sondern fade oder fadsüß, mit größerm Längen- als Breitendurchmesser: Kamper Venus° W††! (Fig. 12), Veldenzer Birne W††!, Queenbirne W††!, schöne Angevine W††.
   13) Rundliche Kochbirnen, von gleicher Qualität wie die vorigen, beide Durchmesser gleich oder der der Höhe kleiner als der der Breite: Kuhfuß° S††!, Schneiderbirne S††D.
   14) Längliche Weinbirnen, nicht zum Rohgenuß geeignet, mit brüchigem, rübenartigem oder selbst halbschmelzendem Fleisch, entschieden herbem, adstringierendem Geschmack, länglich: späte Grünbirne S*††D (Fig. 14), Knausbirne S††, gelbe Wadelbirne S††!, Träubeles Birne H††Z.
   15) Rundliche Weinbirnen, von derselben innern Beschaffenheit wie die vorigen, aber rundlich: Rummelter Birne H††!Z, Champagner Bratbirne H††!Z, welsche Bratbirne H††Z, Pomeranzenbirne vom Zabergau H††!Z, Wolfsbirne, Quittenbirne H††!Z, Weilersche Mostbirne° H††!Z, Wildling von Einsiedel° H††!Z (Fig. 15), Betzelsbirne W††!Z, großer Katzenkopf° W††! (Fig. 13). Zu den letzten Familien gehören auch die zum Dörren (D) und zur Obstweinbereitung (Z) geeigneten Birnsorten.
   Außer den genannten wurden vom Deutschen Pomologenverein in Breslau 1893 und in Kassel 1896 empfohlen: Andenken an den Kongreß, Baronsbirne, Blumenbachs Butterbirne, Capiaumont Clairgeaus Butterbirne, Esperens Bergamotte, Esperine, Graue Herbstbutterbirne, Grüne Magdalene, Gute Luise von Avranches, Hannoversche Jakobsbirne, Hofratsbirne, Holländische Feigenbirne, Holzfarbige Butterbirne, Josephine von Macheln, Köstliche von Charneu, Philip Goes, Regentin, Rote Bergamotte, Stuttgarter Geißhirtel, Williams Christbirne, Winter-Nelis. Zusammensetzung einiger Birnsorten:

Birnen sind im allgemeinen zuckerreicher als Apfel und daher etwas nahrhafter, aber sie enthalten ca. 4 Proz. mehr unverdauliche Stoffe und werden deshalb bei schwacher Verdauung weniger gut vertragen, wirken auch leicht verstopfend. Die sogen. Steine in den Birnen haben ähnliche Zusammensetzung wie die Holzsubstanz. Birnen sind viel weniger haltbar als

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Äpfel; ein kühler, luftiger Raum sagt ihnen mehr zu als völliger Luftabschluß, bei dem sie leicht in Gärung übergehen. Man dörrt Birnen wie Äpfel, doch erfolgt die vollständige Austrocknung langsamer. In obstreichen Gegenden schichtet man Birnen in Fässern mit Dill oder Fenchel und wenig Anis, bedeckt sie mit denselben Gewürzen, legt einen mit Steinen beschwerten Deckel auf und gießt nun Wasser zu, bis es 23 cm hoch über dem Deckel steht. Solche Sülzebirnen schmecken sehr gut und halten sich bis zum Frühjahr. Man verarbeitet Birnen auch zu Birnkraut und Obstwein, in manchen Gegenden zu Essig. Das Holz des Birnbaumes, namentlich das des wilden, ist rötlich, sehr dicht, mäßig hart, sehr politurfähig und dient besonders zu Schnitzereien, musikalischen Instrumenten, Druckformen und Modellen, auch zur Nachahmung von Ebenholz. Das Holz von veredelten Stämmen ist in jeder Beziehung schlechter. Der B. verlangt tiefgrundigen, lockern, lehmigen, warmen Boden und in den feinern Sorten eine geschützte Lage und sorgfältige Behandlung. Man kultiviert ihn als Hochstamm durch Veredelung auf Wildlinge, viele aus Kernen gewöhnlicher Birnsorten. Feinere Sorten werden als Formenbäume erzogen und auf Quittenunterlage veredelt. Manche Sorten gedeihen nicht auf Quitte, und dann setzt man auf letztere zuerst eine kräftig wachsende Sorte und auf diese im nächsten Jahre die beabsichtigte. Die kleine Sommermuskateller, Leipziger Rettichbirne, römische Schmalzbirne, Flachsbirne, Salzburger, gute Graue, großer Katzenkopf, große Sommerzitronenbirne eignen sich zur Anpflanzung in freien Lagen, an Straßen, auf Feldern und Triften. Vgl. Obst u. Obstbau.
   Der B. wurde schon zu Homers Zeiten kultiviert (Garten des Antinoos); Cato kannte bereits 5 und Plinius zählte 35 Sorten auf, von denen viele den Namen ihrer Heimat führten, woraus erhellt, daß die Römer den größten Teil derselben aus Griechenland, Ägypten, Karthago, Syrien, Alexandria und Numantia erhalten hatten. Die Herbstbergamotte soll Julius Cäsar in Britannien eingeführt haben. Valerius Cordus kannte in der ersten Hälfte des 16. Jahrh. mehr als 50 in Mitteldeutschland kultivierte Sorten. Viele der wertvollsten Sorten verdankt man belgischen Obstzüchtern. Vgl. Baltet, Auswahl wertvoller Birnsorten (deutsch von Lucas, Reutlingen 1863); Lucas, Die wertvollsten Tafelbirnen (2. Aufl., Stuttg. 1893).
 
Artikelverweis 
Birnbaum, Kreisstadt im preuß. Regbez. Posen, links an der Warthe und an der Staatsbahnlinie Meseritz-Rokietnice, hat eine evangelische und eine kath. Kirche, Synagoge, Schloß, Bismarcksäule, Hafen, Amtsgericht, Eisengießerei, Maschinen-, Schnupftabak- und Zigarrenfabrikation, Ziegelbrennerei, Bierbrauerei und (1900) 2954 meist evang. Einwohner. Das Landratsamt des Kreises B. befindet sich im nahen Meyers Lindenstadt (s. d.).
 
Artikelverweis 
Birnbaum, Karl, Lehrer der Landwirtschaft, geb. 18. Mai 1829 zu Löwen in Belgien als Sohn des Rechtslehrers Johann Michael Franz B. (geb. 1792 in Bamberg, gest. 14. Dez. 1877 als Professor in Gießen), studierte in Gießen und Jena, habilitierte sich 1857 als Privatdozent zu Gießen, übernahm 1866 die landwirtschaftliche Lehranstalt Plagwitz-Leipzig und ward 1869 Professor an der Universität Leipzig. 187173 war er Mitglied des Reichstags und gehörte der nationalliberalen Partei an. Seit 1887 lebt er in Berlin. Er schrieb: »Lehrbuch der Landwirtschaft« (Frankf. a. M. 185863, 3 Bde.); »Landwirtschaftliche Taxationslehre« (2. Aufl., das. 1890); »Katechismus der landwirtschaftlichen Buchführung« (Leipz. 1879). B. bearbeitete auch v. Kirchbachs »Handbuch für angehende Landwirte« (9. Aufl., Berl. 1880) und gab 187074 die Monatsschrift »Georgika« (zuletzt »Deutsche Monatsschrift für Landwirtschaft und einschlagende Wissenschaften«) heraus.
 
Artikelverweis 
Birnbaumer Wald, ein Teil des Karstgebirges (s. Meyers Karst).
 
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Birnblattfloh (Birnsauger), s. Meyers Blattflöhe.

 

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