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Birkenreizker bis Birkibeinar (Bd. 2, Sp. 894 bis 895)
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Artikelverweis Birkenreizker (Giftreizker), s. Lactarius.
 
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Birkenrindenöl, ätherisches Öl aus der Rinde von Betula lenta (s. Meyers Birke), entsteht beim Einwässern der zerkleinerten Rinde durch Einwirkung eines Ferments (Betulose) auf Gaultherin und besteht aus Salizylsäuremethylester. Es ist farblos oder geldlich, spez. Gew. 1,1801,187, im Geruch von Gaultheriaöl etwas verschieden, kommt aber ganz allgemein als Gaultheriaöl (Wintergrünöl) in den Handel. Bisweilen wird der Rinde bei der Destillation Wintergrün beigemischt.
 
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Birkenspanner, s. Meyers Spanner.
 
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Birkenteer (Dagget, Dziegiec, litauischer Balsam, Degot, Degut, schwarzer Degen, Oleum Rusci), aus Rinde und Wurzeln der Birke bereiteter Teer, ist braunschwarz, riecht eigentümlich, enthält die gewöhnlichen Teerbestandteile und Betulin und dient zur Bereitung des Juchtenleders, zu Anstrichen, als Wagenschmiere, auch als Heilmittel gegen Hautaffektionen; durch Destillation gewinnt man daraus farbloses Birkenöl (Daggetöl, Juchtenöl). Dies riecht sehr stark, verdünnt angenehm, und dient zur Fabrikation von seinerm Juchtenleder, Fruchtäthern und zu Parfümen.
 
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Birkenwasser, der Frühjahrssaft der Birken, wird gewonnen, indem man im Frühjahr (April) die Stämme auf der Südseite 25 cm tief anbohrt und den ausfließenden Saft mittels eines eingesteckten Röhrchens in einem Gefäß auffängt. 50 Stämme der weißen Birke von 4752 cm im Durchmesser geben in vier Tagen 175 kg Saft. Dieser enthält Zucker, Extraktivstoffe, Weinstein etc. und gibt durch Gärung Birkenwein (Birkenmet). Vorteilhaft versetzt man 50 kg B. mit 150 g Weinsäure, 412 kg Traubenzucker und 90 g starker Mandelmilch, die das Aroma des Traubenweins erzeugt.
 
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Birkenzeisig (Leinfink), s. Meyers Hänfling.
 
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Birkesdorf, Dorf im preuß. Regbez. Aachen, Kreis Düren, an der Roer, hat eine kath. Kirche, Tuch-, Kunstwoll-, Teppich-, Metalltuch-, Karton- und Maschinenfabrikation und (1900) 3518 Einw.
 
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Birket (arab.), soviel wie Landsee. B.-Mariut in Unter-, B. el Kerûn in Mittelägypten u. a.
 
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Birkfuchs, s. Meyers Fuchs.
 
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Birkhuhn (Moor-, Spielhuhn, Tetrao tetrix L., s. Tafel Meyers »Hühnervögel I«, Fig. 1), Scharrvogel aus der Familie der Waldhühner (Tetraonidae), 60 bis 65 cm hoch, 95100 cm lang, etwa 2 kg schwer, mit kurzen Flügeln und einem beim Männchen tief gegabelten, fast leierförmigen Schwanz, ist schwarz, auf den Flügeln mit weißen Binden; das Unterschwanzgefieder ist weiß, die Schwingen sind schwarzbraun, weiß geschaftet, die Steuerfedern schwarz, die Augenbrauen und eine nackte Stelle ums Auge hochrot. Das kleinere Weibchen ist rostgelb und rostbraun mit schwarzen Querbinden und Flecken. Das B. lebt in Europa von den Pyrenäen und Norditalien bis 68° nördl. Br.,

[Bd. 2, Sp. 895]


durch Sibirien und China, im Gebirge und der Ebene, wo der Boden reich an niedern Gesträuchen ist, bevorzugt Birken, liebt aber nicht den Wald. Die Geschlechter leben getrennt in mehr oder minder zahlreichen Flügen. Das B. nährt sich von Knospen, Blättern, Beeren und Kerbtieren, Schnecken, Würmern, im Winter hauptsächlich von Wacholderbeeren. Die Balzzeit beginnt Mitte April. Das Birkwild zieht sich dann auf die Balzplätze zusammen und wählt dazu meist mit etwas Buschwerk bewachsene Wiesen und Heideplätze. Mit Tagesanbruch beginnt das Balzen und Kämpfen der Hähne, meist auf dem Boden. Dabei lassen sie Töne hören, die fast so klingen, als wenn man mit einem Rohr stark in Wasser bläst, worauf ein Laut folgt, der wie »pischuiz« klingt. Zugleich sträubt der Hahn die Federn, läßt die Flügel hängen, fächert den Schweif (das Spiel) und macht seltsame Sprünge. Die Henne legt im Mai in eine seicht ausgescharrte Vertiefung 812 graugelbe, dunkel gefleckte Eier (s. Tafel Meyers »Eier II«, Fig. 2), die sie in drei Wochen ausbrütet. Erlegt wird der Hahn meist während der Balz, bei der er aber nie so taub und blind wird wieder Auerhahn. Man errichtet auf den Balzplätzen Strauchhütten oder Schirme so zeitig vor der Balzzeit, daß die Hähne daran gewöhnt sind, und schießt sie aus denselben mit der Flinte. Junges Birkwild wird auf der Suche vor dem Hühnerhund erlegt, vor dem es oft weit läuft und einzeln aufsteht, so daß man vor einem guten Hund bisweilen das ganze »Gesperr« aufreiben kann. In Rußland, Schweden und Norwegen befestigt man Balbanen (Ballhahn, Pulwan, ausgestopfte oder aus Filz etc. nachgeahmte Birkhähne) auf weithin sichtbaren, kahlen Bäumen und erlegt die herzustreichenden oder herbeigetriebenen Hähne, die sich gern in der Gesellschaft des vermeintlichen Genossen einschwingen, aus einem Schirm. Sein Fleisch ist sehr schmackhaft. In Tirol und den bayrischen Hochgebirgen werden die Schwanzfedern von Burschen am Hut getragen, und je nachdem sie befestigt waren, galten sie früher als Zeichen der Herausforderung und Rauflust. In der Gefangenschaft halten sich Birkhühner sehr gut und pflanzen sich auch fort. Ein Bastard von der Auerhenne und dem Birkhahn ist das Rackel- oder Mittelhuhn (Tetrao medius Leist.); es hält in Gestalt und Farbe ziemlich die Mitte zwischen seinen Eltern, findet sich überall, besonders in Skandinavien, und erinnert im Betragen an das Auerhuhn. Vgl. Rohr, Das Birkwild (Klagenf. 1885); A. B. Meyer, Unser Auer-, Rackel- und Birkwild (Wien 1887); Ludwig, Das Birkwild (2. Aufl., das. 1894).
 
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Birkibeinar (Birkebenar), eine 1174 von Eystein Meyla gebildete politische Partei in Norwegen, die auf Kosten der Großen und der Kirche die Staatsmacht befestigen wollte, gelangte unter König Sverre zur Herrschaft, hatte jedoch mit vielen Gegnern zu kämpfen, besonders mit den Meyers Baglern (s. d.), die erst nach Sverres Tod (1208) einen Vergleich eingingen. Der Schmähname B. kam davon her, daß die Anhänger Eysteins sich anfangs in den Wäldern verborgen hatten und, als ihre Kleider zerrissen waren, ihre Füße in Birkenrinde hüllen mußten. Vgl. Norwegen (Geschichte).

 

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