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Birger bis Birkelstein (Bd. 2, Sp. 892 bis 893)
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Artikelverweis Birger, 1) B. Jarl, schwed. Meyers Jarl (s. d.), aus dem Geschlechte der Meyers Folkunger (s. d.), war 1250 bis zu seinem Tode (21. Okt. 1266), als Vormund seines zum König gewählten minderjährigen Sohnes Waldemar, der eigentliche Regent Schwedens. Er unternahm 1249 einen Kreuzzug nach Finnland, dessen Bevölkerung zum Christentum bekehrt wurde, brachte die Königsmacht in Schweden zu größerm Ansehen, gründete Stockholm, schloß mit Lübeck und Hamburg Handelsverträge und erhöhte durch weise Gesetze die Sicherheit im Lande.
   2) B., Enkel des vorigen, geb. 1280, folgte 1290 seinem Vater Magnus Ladulås, stand anfangs unter der wohltätigen Vormundschaft Torgils Knutssons, den er aber 1306 seinen Brüdern Erich und Waldemar opferte. Kurz darauf von diesen gefangen genommen, mußte er durch die Verträge von 1308 und 1310 mit ihnen das Reich teilen. Zwar gelang es ihm 1317, sich der Herzöge zu bemächtigen und sie ums Leben zu bringen, aber schon 1318 ward er durch einen Aufstand ihrer Anhänger (unter Matts Kettilmundsson) zur Flucht nach Dänemark genötigt, wo er 1321 starb.
 
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Birgittenorden (Ordo S. Salvatoris, Orden vom Weltheiland). von Birgitta, einer schwedischen Edlen aus königlichem Geschlecht (gest. 1373 in Rom, 1391 heilig gesprochen, Tag: 8. Okt.), zu Wadstena in Ostgotland gegründeter, vom Papst Urban V. 1:170 bestätigter Klosterorden, dessen Besonderheit darin besteht, daß in einem Doppelkloster 60 Nonnen und 17 Mönche nebst 8 Laienbrüdern unter einer Äbtissin lebten. Nach der Reformation verschwand der Orden. Die wenigen heute bestehenden Birgittenklöster sind einfache Nonnenklöster. Vgl. Hammerich, St. Birgitta (Kopenh. 1863; deutsch von Michelsen, Gotha 1872); Ringseis, Leben der heil. Birgitta (Regensb. 1890); Binder, Die heil. Birgitta von Schweden und ihr Klosterorden (Münch. 1891); Derselbe, Geschichte der bayrischen Birgittenklöster (»Verhandlungen des historischen Vereins der Oberpfalz und Regensburg«, 1896; auch Sonderausg.).
 
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Birgus, s. Meyers Einsiedlerkrebse.
 
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Birĭbi (franz.), auch Cavagnole genannt, ein in Italien und Frankreich früher übliches Glücksspiel.
 
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Birinssa, Fluß in den russisch-sibir. Gouvernements Irkutsk und Jenisseisk, 400 km lang, entspringt im Sajanischen Gebirge und hat im Quellgebiet ergiebige Goldwäschereien.
 
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Biriussen (Birjussen), tatarisch-türk. Volksstamm, ein Zweig der Abakan-Tataren, im sibirischen Gouv. Jenisseisk, an beiden Ufern des Abakan, ist in den zahlreichern Meyers Katschinzen (s. d.) ausgegangen.
 
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Birjútsch, Kreisstadt im russ. Gouv. Woronesh, an der Tichaja Sosna, einem Nebenfluß des Don, und an der Eisenbahn Charkow-Balaschow, hat 4 Kirchen und (1897) 13,194 Einw., die vorzugsweise Viehhandel treiben.
 
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Birk, Sixt (lat. Xystus Betulius oder Betulejus), dramat. Dichter, geb. 1501 in Augsburg, gest. daselbst 1554, studierte in Tübingen und Basel, wo er späterhin als Korrektor und seit 1530 als Schulmann tätig war. 1536 wurde er als Rektor des Gymnasiums in seine Vaterstadt zurückberufen. Seine Dramen »Ezechias«, »Zorobabel«, »Judith« und »Tragödie wider die Abgötterei« stehen an Bedeutung zurück hinter seinen beiden Dramatisierungen der Geschichte der Susanna, die wiederholt von spätern dramatischen Bearbeitern desselben Stoffes (z. B. P. Rebhun) benutzt wurden. Seine deutsche »Susanna« erschien 1532 (Neudruck von Geßler, Zürich 1891); die lateinische (1537), besser als die deutsche, voll trefflicher Charakterbilder (hrsg. von Bolte, Berl. 1893), wurde ins Rätoromanische und ins Dänische übersetzt.
 
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Birkdale (spr. börkdēl), s. Meyers Southport.
 
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Birke (Betula Tourn., hierzu Tafel Meyers »Birke I u. II«), Gattung der Betulazeen, Bäume und Sträucher von sehr veränderlichem Habitus, mit einer meist in haut artigen Blättern sich lösenden, im Alter rissigen Rinde, ganzen, rauten- oder herzförmigen Blättern und männlichen Blütenkätzchen, die sich im Sommer entwickeln und den Winter hindurch geschlossen an den entlaubten Zweigen hängen, während die weiblichen Kätzchen erst im Frühling erscheinen. Die Früchte sind flach, ringsum zarthäutig geflügelt. Etwa 35 Arten. 1. Gruppe: weißbuchenblätterige Birken (Costatae), Bäume mit bräunlichgelber bis dunkelbrauner, selten hellgrauer Rinde und mehr als sieben oberseits vertieften Fiedernervenpaaren in den Blättern. Die Schwarz- oder Rotbirke (B. nigra L.), mit schon zeitig sehr rissigem, schwarzem Stamm, 20 m hoch, in Nordamerika von Kanada bis Florida, Teras, Minnesota. Die Zuckerbirke (B. lenta L.), rasch wachsender Baum, 24 m hoch, mit braunschwarzer, in dickern, breiten Stücken sich lösen der Rinde, die gewürzhaft und süß schmeckt, von Kanada bis Georgia und Alabama, westlich bis Minnesota, wird auf Zucker benutzt und liefert schönes rosafarbenes Nutzholz. Die Rinde diente den Indianern als Kaumittel und zur Bereitung erfrischender Getränke. Sie liefert bei Destillation ein ätherisches Öl (vgl. Birkenrindenöl). B. utilis Don. (Bhojpatra- oder Churjbirke), mit brauner Stammrinde, wird im Himalaja

[Bd. 2, Sp. 893]


zur Anfertigung von Papier benutzt. 2. Gruppe: Weißbirken (Albae), Bäume, weniger Sträucher, mit kurzen Blättern und höchstens 67 Nervenpaaren. Die Papierbirke (ll. papyracea Ait.), 25 m hoher Baum mit weißer, in Häuten sich ablösender Rinde, in Kanada und in den nördlichen Staaten der Union, in Sibirien und Japan. Aus der Rinde fertigt man dauerhafte, sehr leichte Kanus. Die Weißbirke (Ruch-, Rauh-, Stein-, Winter-, Moor-, Maser-, Harzbirke, Maienbaum, nordische V., B. pubescens Ehrh., Tafel I, Fig. 3 u. 4, u. Tafel Meyers »Laubbäume im Winter I« bei Artikel »Baum«.) 20 m hoher Baum mit breitästiger, dichtverzweigter Krone und behaarten jungen Trieben und Blattstielen, in Mittel- und Nordeuropa, in West- und Nordasien bis Kamtschatka. Hierher gehören mehrere Formen (wie B. alba L., B. odorata Beehst. etc.). Einige sind strauchartig mit braungrauer oder braun und weiß gefleckter, nicht abblätternder Rinde, bei andern löst sich die Rinde in hautartigen weißen Blättern ab, auch gibt es Formen mit hängenden Zweigen. Der Name Ruchbirke bezieht sich auf die wachs- oder harzartige, wohlriechende Ausscheidung auf den jungen Blättern. Die Hängebirke (Trauerbirke, B. pendula Roth, B. verrucosa Ehrh., Tafel I, Fig. 1 u. 2, Tafel II, Fig. 115) ist der vorigen sehr ähnlich, doch sind die jungen Triebe und Blattstiele von Anfang an unbehaart und oft mit durch Verhärtung von Drüschen entstandenen Erhabenheiten besetzt. Der Baum hat eine mehr eiförmige Krone mit schwachen, oft tief herabhängenden Ästen. Er findet sich vorherrschend im mittlern Europa und im Orient, auch in Sibirien.
   Die B. wächst in der Jugend schnell und erreicht ein Alter von 140 Jahren. Der selten gerade Stamm erreicht kaum mehr als 40 cm Durchmesser und treibt wenige starke Äste. Die B. hat sehr kleine Wurzelverbreitung; sie gedeiht am besten in frischem, nicht zu bindigem Lehm- und feuchtem, humusreichem Sandboden und verkrüppelt auf zu trocknem oder zu nassem Boden zum niedrigen Busch. Sie findet sich in Deutschland im Flachland und in Gebirgen, ihre Polargrenze stimmt mit der der Nadelhölzer nahe überein. Sie belaubt sich schon, wenn die Tageswärme über 7,5° steigt, und verliert ihre Blätter im Herbst, wenn dieser Wärmegrad nicht mehr erreicht wird. So dringt sie, wenigstens als Strauch, bis zu den baumlosen Polarländern vor. Ihre Vegetationszeit beträgt in Westeuropa über 6, in Lappland aber, wo sie die Baumgrenze erreicht, nur 3 Monate. An der Nordseite der Grimsel geht sie bis 1910 m, bei Hammerfest unter 701/2° nördl. Br. noch bis 250 m Höhe. Ostlich der Weichsel bildet sie ausgedehnte reine Bestände. Ihr Anbau in Deutschland datiert aus dem Anfang des 19. Jahrh., wo man die durch lange Mißwirtschaft ermüdeten und verödeten Waldböden wiederanzubauen suchte. Jetzt leistet sie als Mischholz im Hochwald, als Oberholz im Mittelwald, als Schutzbaum beim Schirmschlagbetrieb gute Dienste. Ihr Same, der schon von 20jährigen Bäumen reichlich erzeugt wird, keimt sehr leicht. Stockausschläge bilden sich nur an jungen Bäumen. Man erzieht die Birken durch Pflanzung zwei- bis fünfjähriger Pflänzlinge aus Schlägen, wo sie aus Anflug von selbst wachsen. Die B. ist Krankheiten wenig ausgesetzt und wird nur von der Raupe der Nonne und dem Birkensplintkäfer bisweilen geschädigt. Ihr dichtes, seines, sehr zähes Holz dient zu Leiterbäumen, Felgen, Deichseln, Radzähnen etc., wird aber in feuchter Luft sehr schnell morsch. Wimmerig gewachsenes Holz dient zu Möbeln, Maserholz (das auch als japanisches Muskatnußholz in den Handel kommt) zu Gewehrschäften, Pfeifenköpfen, Dosen etc. Als Brennholz gehört das Birkenholz zu den harten Hölzern. Birkenreiser werden zu Besen, Deckreisig und als Wieden zum Binden gebraucht. Die harzreiche weiße Rinde ist fast unverweslich, man legt sie den Schwellen und Balken unter, die feucht oder auf Steinen liegen, und benutzt sie zur Unterlage der Rasendächer. In nördlichen Ländern dient sie zu Gefäßen, Kleidungsstücken, Schuhen etc. Gerber benutzen sie als Zusatz zur Treibfarbe. Die Blätter dienen als diuretisches Mittel zur Schaffütterung und zur Bereitung von Schüttgelb. Ältere Stämme liefern im Frühjahr beim Anbohren das zuckerreiche Meyers Birkenwasser (s. d.). Aus Rinde und Wurzel erhält man durch trockne Destillation Meyers Birkenteer (s. d.) und Birkenöl. Ein aus dem Stamm gewonnenes Harz dient in Rußland gegen Gicht und scheint schon in vorgeschichtlicher Zeit als Amulett zu gleichem Zweck benutzt worden zu sein. Die Strauchbirke (B. fruticosa Pall.) ist strauchartig, hat stets mit weißen Erhabenheiten besetzte Zweige und nur in der Jugend schwach behaarte Blätter. Sie findet sich im Norden auf Maoren, im südlichen Sibirien, in Daurien und in der Mandschurei, aber auch auf den kalten Hochmooren Bayerns. 3. Gruppe: Zwergbirken (Humiles), bis 1,5, selten 3 m hohe, oft zwergige Sträucher, mit 24, selten 56 Blattnervenpaaren und aufrechten Kätzchen. Die Zwergbirke (B. nana L., Tafel II, Fig. 16), ein fast kriechender Strauch von höchstens 1 m Höhe, mit selten über fingerdick werdenden Stämmchen, kleinen, runden, sehr kurzgestielten, gekerbten Blättern, findet sich auf den höchsten Mooren des Riesengebirges, des Erzgebirges und des Harzes und auf den Alpen, in Norddeutschland auf einem Hochmoor des Kulmer Kreises, häufiger in Nordeuropa, Nordasien, Kanada und Grönland, wo sie 6 m Höhe erreicht, während sie auf Spitzbergen sehr klein bleibt. Aus den seinen Wurzeln verfertigen die Lappländer schöne Decken.
 
Artikelverweis 
Birkelstein, Höhle, s. Meyers Schnaitheim.

 

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