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Bindegrün bis Binderei (Bd. 2, Sp. 882 bis 883)
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Artikelverweis Bindegrün, Materialien, welche die Unterlage und Grundfarbe für die Arbeiten der Meyers Binderei (s. d.) bilden. Der heutige lockere Aufbau aller Blumen arbeiten, der nach Möglichkeit jede Blüte zur Einzelwirkung kommen läßt, verlangt eine feinere Auswahl und Abwechselung im füllenden Grün. Langstengelige Blumen bringen oft ihr Laub mit; im übrigen sorgen eigne Gewächshauskulturen (Asparagus-Arten, Farne, Warmhauspflanzen mit farbigen Blättern etc.) für B. Im Winter wird an dunkeln Stellen der Warmhäuser manche Pflanzenart in Masse zum Aus treiben gebracht, deren gelb kommende Blätter sehr gesucht sind. Für die Kranzbinderei liefert neben heimischen Farnen, Preißelbeer-, Tannen- und Fichten grün sowie Eichenzweigen, blühender Erika u. a. der Süden das lederartig feste Laub vieler immergrüner Pflanzen (Lorbeer, Aucuba, Magnolia, Mahonia, Kirschlorbeer u. a.). Zu Trauerdekorationen werden die Blätter großer Fächer- und Fiederpalmen der Gewächshäuser und die Cycaswedel mit Blumensträußen verbunden. Eine sehr wirkungsvolle Verwendung findet im Herbst das verschieden gefärbte Laub vieler exotischer Parkgehölze, besonders das der amerikanischen Eichen, zu Kränzen und großen Vasensträußen. Moose (Bindereimoos) dienen besonders zur Anfertigung künstlicher Blumenarbeiten.
 
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Bindehaut, s. Meyers Auge (Tafel II).
 
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Bindehautkatarrh (Augenkatarrh, Conjunctivitis catarrhalis), Entzündung der Bindehaut, die in schwereren Fällen mit Rötung, Schwellung und Absonderung einhergeht, in leichtern Fällen nur Tränenträufeln und Absetzung von weißlichen Partikeln in den Lidwinkeln verursacht. Die Kranken fühlen meist ein Kitzeln oder Drücken und Stechen, oft auch ausgesprochenes Fremdkörpergefühl. Bei der Behandlung sucht man alle Schädlichkeiten von außen (Staub, Rauch u. dgl.) fernzuhalten und macht Eintröpfelungen von adstringierenden Mitteln (auf ärztliche Verordnung) und kühle Waschungen.
 
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Bindemäher, Mähmaschine mit Garbenbinder.
 
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Bindematerial zum An- und Aufbinden von Pflanzen an Pfahl, Stab, Spalier, Schirm u. a., besteht aus Jahrestrieben der sogen. Bindeweiden (Salix purpurea, S. Lambertiana, S. nigra, S. vitellina u. a.), die im Winter zu schneiden und trocken aufzubewahren, vor dem Gebrauch aber in Wasser auszuweichen sind, aus Linden-, Raphiabast, getrockneten Binsen, Blättern der Schwertlilie, Erdbeerranken etc. Bei Veredelungen benutzt man Kautschukpapier und Wollfäden.
 
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Bindemittel (Zement), das Material, das die Bestandteile klastischer Gesteine verkittet, s. Konglomerat. In der Technik Substanzen, die große Kohäsion und in Bezug auf gewisse Körper so große Adhäsion besitzen, daß sie zur Verbindung zweier Stücke

[Bd. 2, Sp. 883]


benutzt werden können, wie Leim, die verschiedenen Kitte, Mörtel, Zement etc. Ferner Flüssigkeiten, die pulverförmige Körper zu einem Ganzen vereinigen, wie Leimlösungen, Gummischleim, Firnis, Teer etc. Vgl. Valenta, Die Klebe- und Verdickungsmittel (Kassel 1884). In der Malerei die Stoffe, die den Farben zugesetzt werden, um sie flüssig und auf dem Malgrund haftend zu machen. Es sind vorzugsweise Eiweiß, Gummi und andre Harze, Leim, Feigenmilch, Öl. S. Meyers Ölmalerei und Tempera.
 
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Binden, ein Erntebrauch, s. Meyers Schnüren.
 
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Binden der Klinge, s. Meyers Fechtkunst.
 
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Binder (Bundstein), ein mit der kurzen Seite in der Mauerflucht liegender, mit der langen Seite in die Mauer hineinragender Stein.
 
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Binderbarte (Breithacke), beilartiges Böttcherwerkzeug mit bogenförmiger Schneide.
 
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Binderei (Blumenbindekunst), Zusammenstellung frischer oder getrockneter Blumen, Zweige, Blätter, Cycaswedel etc., früher von jedem Gärtner nebenbei geübt, ist jetzt ein eigner Zweig des Gartenbaues geworden, der sich nur mit der Verarbeitung der gärtnerischen Erzeugnisse befaßt. Die Bindekunst erfordert große Begabung, seines Verständnis für Farben und Formenwirkung und Selbständigkeit im Erfinden. Im allgemeinen ist seit dem letzten Jahrzehnt des 19. Jahrh. ein Aufschwung zum Künstlerischen zu verzeichnen. Geschmacklosigkeiten, wie ausartende Verwendung von farbigen Schleifen, Tüll, Papier etc., viele »plastische« Blumenarbeiten und Phantasie-Arrangements (Schiff, Kreuz, Anker, mit Verwendung von ausgestopften Vögeln etc.) sind oft dem Publikum zur Last zu legen. S. auch Meyers Bindegrün. Vgl. Riß, Die Blumenbindekunst (Berl. 1893); Olbertz, Musterblätter der Bindekunst (Erfurt 1898) und dessen Fachzeitschrift »Die Bindekunst« (das., seit 1897).

 

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