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Billbergĭa bis Billigkeit (Bd. 2, Sp. 878 bis 879)
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Artikelverweis Billbergĭa Thunb., Gattung der Bromeliazeen, etwa 3040 Arten ananasähnliche, meist in Brasilien auf großen Baumen als Parasiten wachsende ausdauernde Pflanzen mit linearen oder schwertförmigen Blättern, in Ähren oder Rispen stehenden Blüten und dreifächerigen Beeren. Mehrere Arten und Hybriden werden wegen der prächtig gefärbten Blütenstände als Zierpflanzen in Warmhäusern kultiviert.
 
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Bille, Fluß m Schleswig-Holstein, scheidet Lauenburg von Holstein, durchfließt dann die Vierlande und mündet nach 63 km langem Lauf oberhalb Hamburg in die Elbe, mit der er hier die Insel Billwärder bildet, welche die Stadt von den Meyers Vierlanden (s. d.) trennt. Auf der Insel liegen die hamburgischen Orte Billwärder an der B., mit evang. Kirche, großer chemischer Fabrik, Eisengießerei, Walzwerk, Schiffbau, Färberei, Öl- und Firnisfabrikation und (1900) 2864 Einw., und Billwärder-Ausschlag, früher Vorort von Hamburg, 1894 demselben einverleibt. S. Karte »Umgebung von Hamburg«.
 
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Bille, Karl Steen Andersen, dän. Politiker, geb. 1. Juli 1828 in Nykjöbing (Seeland) als Sprößling eines alten Adelsgeschlechts, gest. 11. Nov. 1898 in Kopenhagen, gründete 1851 daselbst die Zeitung »Dagbladet«, die unter seiner geschickten Leitung (bis 1872) als Hauptorgan der Meyers Eiderdänen (s. d.) lange eine wichtige Rolle spielte. 186180 Mitglied des Folkethings, galt B. wegen seiner ungewöhnlichen Rednergabe als einer der gefürchtetsten Gegner der Linken. 188084 Ministerresident in Washington, war er seit 1886 als Amtshauptmann von Holbäk (Seeland) tätig. Sein Hauptwerk »Tyve Aars Journalistik« (Kopenh. 187377, 3 Bde.) enthält eine Auswahl seiner Zeitungsartikel. Ferner veröffentlichte er mehrere formvollendete Reiseschilderungen, darunter die »Erindringer fra Rejser i Italien« (Kopenh. 1878, 2 Bde.), sowie die wertvollen Abhandlungen

[Bd. 2, Sp. 879]


»Folkeligt Selvstyre i de Forenede Stater« (1885) und »Parlamentarismen i England« (1895). Vgl. Mollerup und Meidell, Bille-Ättens Historie (Kopenh. 188893, 2 Bde.).
 
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Billen, s. Meyers Schiffbau.
 
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Biller, E., Schriftstellerin, s. Meyers Wuttke.
 
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Billerbeck, Stadt im preuß. Regbez. Münster, Kreis Koesfeld, an der Berkel, hat 2 kath. Kirchen, ein Benediktinerkloster, Weberei, Kalk- und Ziegelbrennerei, Kalksteinbrüche und (1900) 1497 fast nur kath. Einwohner. Das Kirchspiel B. zählt 2633 Einw.
 
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Billet (franz., spr. bijä, biljett), Briefchen, Zettel, Schein, Einlaßkarte, z. B. Theaterbillet, Eisenbahnbillet (Fahrkarte) etc. B. d'amour (B. doux), Liebesbrief; B. de faveur, Empfehlungsbrief. B. im Handel s. Meyers Handelsbillet; B. à ordre heißt in Frankreich der indossierbare eigne Wechsel, B. à domicile der domizilierte eigne Wechsel; B. á ordre, an Meyers Order (s. d.) lautendes Zahlungsversprechen, unterliegt der Wechselstempelsteuer. B. an porteur, dem Vorzeiger zahlbarer Schein; B. de banque, Bankbillet, Banknote; B. de rachat, de rançon, s. Meyers Ranzion. Billeteur (spr. -tör), einer, der Billets austeilt oder abnimmt; billetieren, mit B. (z. B. Waren mit Preiszetteln) versehen.
 
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Billetmaschinen, Vorrichtungen zur Herstellung der Eisenbahnfahr- und andrer Karten, und zwar Schneidemaschinen, auf denen das Kartenpapier mit Kreisscheren in Längsstreifen und auf einer Schneidlade quer zerschnitten wird, ferner ziemlich komplizierte Druckmaschinen, welche die Karten nach Buchdruckmanier bedrucken, und Zählmaschinen.
 
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Billets Halblinsen, s. Interferenz des Lichtes.
 
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Billiarde, eine Summe von einer Million Milliarden oder von 1000 Billionen.
 
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Billigkeit (lat. Aequitas), die natürliche Gerechtigkeit, die alle Verhältnisse mit gerechtem Maß bemißt und für jeden das ihm Gebührende festsetzt. Jedes positive Recht soll sich bestreben, diese Aequitas zu verwirklichen. Freilich kann die Gesetzgebung auf der andern Seite nicht alle besondern Verhältnisse berücksichtigen; die Sicherung des rechtlichen Verkehrs macht es vielmehr notwendig, daß Durchschnittsregeln aufgestellt werden. Diese bilden dann ein strenges, durchgreifendes Recht (jus strictum), und im Gegensatz hierzu werden die Rechtsnormen, die mehr der Individualität und besondern Verhältnissen Rechnung tragen, als Rechte der B. (jus aequum) bezeichnet. Für den Richter ist die B. Leiterin in richtiger Auslegung und Anwendung der Gesetze. Alle menschlichen Gesetze bleiben unvollkommen, da es geradezu unmöglich ist, die unendliche Mannigfaltigkeit stets neu sich erzeugender Rechtsverhältnisse und die vielfache Gestaltung der Fälle von vornherein sich vorzustellen und zu regeln. Hier muß der Richter die Lücken des bestehenden Rechts im Geiste desselben und mit Berücksichtigung der Zeitumstände und des Bedürfnisses ergänzen und danach Recht sprechen, weshalb auch die römischen Juristen die Aequitas ausdrücklich als Rechtsquelle mit ausgeführt und ihr bei der Rechtspflege einen großen Spielraum gelassen haben. Die Prätoren (s. d.) insbes. veröffentlichten bei ihrem Amtsantritt ein förmliches Programm, nach welchen Grundsätzen sie Recht sprechen würden, und so entstand neben dem strengern Recht ein besonderes prätorisches Recht, das den Verkehrsverhältnissen billige Rechnung trug, und wodurch jenes sogar insoweit modifiziert ward, als dies ohne Schaden für den ganzen Rechtsorganismus geschehen durfte. Außer in Rom hat sich der Gegensatz zwischen Recht und B. nirgends so stark ausgebildet wie in England, wo neben den Gerichten des gemeinen Rechts noch sogen. Billigkeitsgerichte (courts of equity) bestehen (s. Meyers England [Rechtspflege]). Auch in Nordamerika bestehen in einigen Staaten der Union dergleichen Gerichte. Selbst Katharina II. von Rußland errichtete ähnliche unter dem Namen Gewissensgerichte. In Deutschland, wo die B. sich schon früh geltend machen konnte, gibt es außer den Schiedsgerichten und den Schiedsmännern keine besondern Institute dieser Art. Dagegen verweist das Bürgerliche Gesetzbuch in einer Reihe von Paragraphen direkt auf das »billige Ermessen«, sei es eines der Vertragschließenden (§ 315), sei es eines Dritten (§ 316), sei es endlich der Richter (§ 319) bei der Bestimmung einer Vertragsleistung. Es soll danach in solchen Fällen der Inhalt der Verpflichtung nicht nach bestimmten Vorschriften, sondern nach dem objektiven Maßstabe des billigen Ermessens bestimmt werden. Vgl. Ortmann (in der Zeitschrift »Das Recht«, Bd. 5, Nr. 1 u. 2,1900).

 

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