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Bildzauber bis Bilhana (Bd. 2, Sp. 873 bis 874)
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Artikelverweis Bildzauber, schon von indischen, chaldäischen, griechischen und römischen Magiern geübte Zauberei vermittelst eines gemalten oder aus Ton, Wachs, Metall geformten Bildes, um in der Ferne auf diejenige Person zu wirken, die dieses Bild vorstellen sollte, oder mit dem es durch allerlei Praktiken magisch verbunden

[Bd. 2, Sp. 874]


worden war. Je nachdem man eine solche Rachepuppe peinigte, köpfte, ersäufte, in den Rauch hing oder im Feuer schmolz, glaubte man die betreffende Person zu peinigen, ihr (durch einen Stich in die Leber) Liebe einzuflößen, sie durch einen Schuß zu verletzen (s. Meyers Hexenschuß), rasch zu töten oder langsamem Siechtum zu überliefern. Zum Liebeszauber fertigte man auch wohl die Bilder zweier durch Zauberei zu verbindender Personen und operierte mit ihnen. In der nordischen Nornagest- und griechischen Meleagersage ist ein ähnliches Motiv dichterisch verwertet worden; die erotischen Dichter der Griechen und Römer erwähnen den B. häufig. Im Mittelalter und in den Hexenprozessen spielte das Zauberbild (Atzmann. franz. vols, voûts) eine große Rolle, und die Päpste erließen zahlreiche Bullen gegen seinen Gebrauch. Später wurde die Anklage, mittels Wachsbilder dem König nach dem Leben zu stehen, am französischen Hofe Gegenstand zahlreicher Prozesse. Die Quelle dieses Aberglaubens beruht in der Vorstellung, daß das Bild einen wirklichen Teil der Person darstelle, weshalb Naturvölker einen großen Abscheu, sich malen oder photographieren zu lassen, an den Tag legen. Nach Ansicht des Mittelalters gehörten noch Teile der Mumie (s. d.) des lebenden Menschen, nämlich Haar, Haut oder Nägelabschnitzel, die dem Bild eingefügt wurden, oder eine kirchliche Taufe auf den Namen desselben dazu, um sein Schicksal mit dem des Bildes unauflöslich zu vereinigen. Man hütete sich deshalb sehr, Abfallstoffe des Körpers in die Macht fremder Menschen geraten zu lassen.
 
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Bilĕam (hebr., »Volksverderber«), Wahrsager und Magier zu Pethor am Euphrat, Beors Sohn (4. Mos. 2224). Vom Moabiterkönig Balak aufgefordert, die herandringenden Israeliten zu verfluchen, gab er erst wiederholten glänzenden Versprechungen nach und mußte dann, überwältigt von prophetischer Begeisterung, segnen statt fluchen, gab aber den hinterlistigen Rat, die Israeliten durch heidnische Weiber zum unzüchtigen Baalsdienst zu verleiten und so ihre Kraft zu brechen (4. Mos. 31,8,16); er fiel im Kampf gegen Midian. Die Erzählung von der redenden Eselin und dem Engel, der dem B. in den Weg trat, schildert Bileams Sinn, der zwischen seiner bessern prophetischen Erkenntnis und dem Verlangen nach dem dargebotenen Gewinn geteilt war. Im Neuen Testament ist B. (gräzisiert Balaam) der Typus falscher Propheten.
 
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Biledschik, Hauptort des Liwa Erthogrul im kleinasiat. Wilajet Chodawendikjâr, am Karasu, Zufluß des Sakaria, mit 800 Häusern und 10,500 halb türkischen, halb armen. Einwohnern, betreibt ansehnliche Seidenraupenzucht, Weinbau und Seidenspinnereien. Station der Eisenbahn Skutari-Eskischehr. Das alte Schloß B. (bei den Byzantinern Belekoma), von Emir Osman 1299 erobert, war die erste türkische Eroberung im griechischen Kaiserreich.
 
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Biled ul Dscherid (Belâd el Dscherid, d. h. Dattelland), Landschaft im südlichen Tunis, zwischen den Schotts Gharsa und El Dscherid, mit 1 Million Dattelpalmen in seinen 2000 Hektar umfassenden Oasen (Tusar, Nafta, El Udian, El Hamma u. a.). Zur Römerzeit war B., zu dem man auch die Umgebung der westlichern Schotls rechnete, eine Stätte hoher Kultur, wie noch zahlreiche Ruinen beweisen; auch zur Blütezeit des arabischen Kalifats trug es zahlreiche Burgen und Städte. In neuester Zeit hat die französische Regierung durch Anlage artesischer Brunnen Keime neuer Entwickelung geschaffen
 
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Bilek, Städtchen in der Herzegowina, an der Grenze von Montenegro und an der Trebinjčiča gelegen, hat (1895) 1497 Einw. und wurde nach der Okkupation vom General Galgóczy auf dem Hochplateau B. (480 m) neu erbaut und mit einem Kranz von Forts umgeben.
 
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Bilen (Bilin), die Sprache der Meyers Bogos (s. d.).
 
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Bilfinger (eigentlich Bülffinger, »Zwölffinger«, weil ein sechster Finger in der Familie erblich war), Georg Bernhard, Philosoph aus der Leibniz-Wolffschen Schule, geb. 23. Jan. 1693 zu Kannstatt in Württemberg, gest. daselbst 18. Febr. 1750, studierte zu Halle unter Wolffs Leitung, wurde 1721 außerordentlicher Professor der Philosophie, 1724 auch der Mathematik, 1725 auf Empfehlung Wolffs Professor der Philosophie und Akademiker zu Petersburg; 1731 wurde er in seine Heimat zurückberufen. Unter seinen zahlreichen philosophischen und mathematischen Schriften sind hervorzuheben: »Commentatio de harmonia animi et corporis humani maxime praestabilita ex mente Leibnitii« (Frankf. u. Leipz. 1723; 2. Aufl., Tübing. 1741); »De origine et permissione mali, praecipue moralis« (das. 1724), eine neue Erörterung der Leibnizschen Theodicee; »Dilucidationes philosophicae de Deo, anima humana, mundo et generalioribus rerum affectionibus« (das. 1725, 1740 u. 1768), sein wichtigstes Werk, worin er die Leibniz-Wolffsche Metaphysik umständlich darstellte. Vgl. Wahl, Bilfingers Monadologie und prästabilierte Harmonie in ihrem Verhältnis zu Leibniz und Wolff (in der »Zeitschrift für Philosophie und philosophische Kritik«, Bd. 85, Leipz. 1884).
 
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Bilge (Bilsch, Pumpensod), bei Schiffen ohne Doppelboden der Raum über den Kielplatten, bei solchen mit Doppelboden der Raum über dem innern Boden. Hier sammelt sich unreines Wasser (Bilgewasser, Bilschwasser) an, das für die Schiffshygiene (s. d.) von Bedeutung ist.
 
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Bilgorai, Stadt, s. Meyers Bjélgorai.
 
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Bilguer, Paul Rudolf von, Schachspieler, geb. 21. Sept. 1815 in Ludwigslust, gest. 16. Sept. 1840 in Berlin, Sohn eines mecklenburgischen Obersten, erhielt seine Bildung im Pageninstitut zu Schwerin, trat später in den preußischen Militärdienst und widmete sich, nachdem er seines schwächlichen Körpers wegen seinen Abschied hatte nehmen müssen, seit 1839 zu Berlin ausschließlich dem Schachspiel und der schonen Literatur. Seiner ersten Schacharbeit: »Das Zweispringerspiel im Nachzug« (Berl. 1839), folgte sein »Handbuch des Schachspiels«, das von Heydebrand und der Lasa vollendet wurde und bisher das Hauptwerk über Schachspiel geblieben ist (7. Aufl. von Schallopp, Leipz. 1891).
 
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Bilhana, ind. Dichter aus der zweiten Hälfte des 11. Jahrh., Verfasser des »Vikramânkadeva Tscharita«, einer romanhaften Geschichte des Königs Vikramâditja Tribhuvanamalla, herausgegeben von Bühler (Bomb. 1875), mit wichtiger Einleitung, und der »Tschaurapantschâçikâ«, einer Reihe von 50 Strophen mit glühend sinnlichen Schilderungen genossenen Liebesglückes; herausgegeben im Bhartrihari von Bohlen (Berl. 1833) und von W. Solf (Kiel 1886); metrische Übersetzung von Höfer: »Indische Gedichte«, Bd. 1, S. 117 ff.

 

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