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Bildungsdotter bis Bildwölbung (Bd. 2, Sp. 872 bis 873)
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Artikelverweis Bildungsdotter, s. Meyers Entwickelungsgeschichte.
 
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Bildungsfehler, Abweichungen von der normalen Bildung eines Naturkörpers (Anomalie, s. d.). S. auch Meyers Mißbildung.
 
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Bildungsgesetze, die den regelrechten Formen und dem Aufbau der Naturkörper zu Grunde liegenden allgemeinen Gesetze. Von den Bildungsgesetzen der anorganischen Körper handelt die Kristallographie, von denen der organischen Natur die Morphologie und Entwickelungsgeschichte. Man darf aber die B. nicht etwa als ideelle, außerhalb der Naturkörper stehende und auf sie einwirkende Mächte oder als Äußerungen einer Keimseele etc. auffassen. Sie bezeichnen nur die Gesamtheit der in der belebten und unbelebten Substanz liegenden erblichen, formbestimmenden Ursachen. Bei den organischen Wesen sucht die neuere Morphologie einen großen Teil derselben aus der Stammesgeschichte der betreffenden Art zu erklären (Biogenetisches Grundgesetz, s. Meyers Entwickelungsgeschichte).
 
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Bildungsgewebe (Teilungsgewebe, Meristem), diejenigen im jugendlichen Zustand befindlichen Gewebepartien am Pflanzenkörper, aus denen durch Zellteilung und Wachstum fortgesetzt neue Gewebeelemente zu dem vorhandenen Dauergewebe hinzugefügt werden. Bei den Sprossen und Wurzeln der Blütenpflanzen geht der Längenzuwachs von einer an der Spitze des Organs gelegenen Zellgruppe, dem Vegetationspunkt, aus. An dem Vegetationspunkte des Sprosses werden auch die seitlichen Organe angelegt, die Blätter und Seitensprosse, die als Höckerchen an den Flanken des Stammscheitels hervortreten. Der Vegetationspunkt der Seitensprosse ist direkt von demjenigen des Hauptsprosses abzuleiten. Bei Farnen und Moosen, auch bei vielen Algen wird der Vegetationspunkt von einer einzigen Zelle, der Scheitelzelle, gebildet, von der durch gesetzmäßig einander folgende Zellteilungen fortgesetzt neue Zellen dem Dauergewebe hinzugefügt werden. Bei den Koniferen und den Dikotyledonen findet sich außer dem als Urmeristem bezeichneten B. der Vegetationspunkte noch als ein weiteres primäres Meristem das Kambium in den Meyers Leitbündeln (s. d.) zwischen dem Siebteil und dem Gefäßteil; es stellt eine Zellplatte aus jugendlichen Zellen dar, welche die Teilungsfähigkeit dauernd behalten, wenn auch die übrigen Teile der Leitbündel bereits in den Dauerzustand übergegangen sind. Indem sich auch in dem Grundgewebe, das die Leitbündelstränge voneinander trennt, nachträglich Kambium (Interfaszikularkambium) ausbildet, werden alle Kambiumstränge der einzelnen Bündel in Stamm und Wurzel zu einem ununterbrochenen Kambiummantel verbunden, der sowohl nach außen als nach innen fortgesetzt neue Zellen abteilt und dadurch das sekundäre Dickenwachstum der Achsen bewirkt. Im Gegensatze zu dem primär am Vegetationspunkt bereits angelegten Kambium der Leitbündel (Faszikularkambium) wird das aus Parenchymzellen nachträglich erzeugte Interfaszikularkambium als sekundäres Meristem oder Folgemeristem bezeichnet. Zu den sekundären Meristemen ist auch das aus den Oberhautzellen oder aus einer Parenchymschicht der Rinde an ältern Sproß- und Wurzelteilen entstehende

[Bd. 2, Sp. 873]


Korkkambium zu bezeichnen, durch dessen Tätigkeit ein peripherischer Korkmantel gebildet wird. Sekundäres B. bedingt ferner auf der Oberfläche von Blättern sowie an Stengeln und Wurzeln das Auftreten von Adventivbildungen (s. Meyers Pflanzenwachstum). Pathologischer Natur sind alle durch Verwundungen oder sonstige Schädigungen hervorgerufenen B., die zu Überwallung, Maserbildung, zu Kallusbildung bei Stecklingen u. dgl. Veranlassung geben. Auf einer Verschmelzung der B. zwischen ungleichen Pflanzenindividuen beruht das Pfropfen, Ablaktieren und Okulieren in der Gärtnerei.
 
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Bildungstrieb (Nisus formativus), ein von Blumenbach dem allgemeinen Leben und Schaffen der Natur zu Grunde gelegtes, heute nicht mehr in seiner Besonderheit anerkanntes Prinzip der Stoff- und Formbildung, als dessen drei Formen man die Erzeugung, Ernährung und Reproduktion bezeichnete. Es war nur ein neuer Name, denn Platons schaffende Idee, die Anima vel Idea plastica, Aura seminalis andrer Philosophen und Physiologen enthielten ganz entsprechende Begriffe, deren Grundfehler darin bestand, daß man an eine für sich bestehende, nicht in der Organisation und Abstammung gegebene und nicht durch die Lebensverhältnisse beeinflußbare morphogenetische Kraft dachte. Vgl. Blumenbach, Über den B. (Götting. 1791); Suringar, De nisu formativo (Leiden 1824); gegen den B.: Lotze, Artikel »Lebenskraft« in Rud. Wagners »Handwörterbuch der Physiologie« sowie dessen »Medizinische Psychologie« (Leipz. 1852) und »Physiologie des körperlichen Lebens« (das. 1851).
 
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Bildungsvereine, Vereine, welche die Bildung ihrer Mitglieder oder weiterer Kreise des Volkes zu heben suchen, und zwar die geistig-sittliche (Handwerker-, Arbeitervereine, Arbeiterbildungsvereine, Volksbildungsvereine), die gewerbliche oder handelswissenschaftliche (Gewerbe-, Fabrikantenvereine, kaufmännische Vereine), die politische und volkswirtschaftliche (gewisse politische oder volkswirtschaftliche Vereine) oder endlich die religiöse Bildung (Gesellen-, Jünglingsvereine). Ihren Zweck suchen die B. zu erreichen durch Vorträge, Bibliotheken mit Lesezimmer, Fortbildungsschulen etc. Hand in Hand mit derartigen Vereinen wirkt der 1879 gegründete »Deutsche Verband von Vereinen für öffentliche Vorträge«. In England wurden B. insbes. durch Lord Brougham seit 1825 begründet. Mechanics Institutes mit Lesezimmern und Bibliotheken und Working Men's Colleges, diese mit höhern Zielen, besitzt heute in Großbritannien, in dessen größern Kolonien sowie in den Vereinigten Staaten jede bedeutendere Stadt. Zu ihnen traten in neuerer Zeit die Toynbeehalls (s. Meyers Settlement) und zahlreiche ähnliche Vereinshäuser. In Belgien bildete sich später die über das Land verzweigte liberale Ligue de l'enseignement. In Deutschland entstanden Vereine zur gemeinsamen Fortbildung schon bald nach den Befreiungskriegen, traten aber erst seit 1830 mehr hervor. In Sachsen, Nassau, Hannover entstanden die sogen. Gewerbevereine (Handwerkervereine), die im folgenden Jahrzehnt sich über die mittlern und größern Städte Norddeutschlands verbreiteten. Indes erst seit 1840, besonders seit 1848, entstanden zahlreichere eigentliche B. (Bürgervereine, Arbeiterbildungsvereine, Turnvereine etc.), zuerst in Berlin, Bremen, Hamburg u. a. O., begegneten aber bald mancherlei ihnen vom Staat bereiteten Hindernissen, wie denn der große, 1814 gegründete Handwerkerverein zu Berlin von 185059 aufgelöst war, während die Regierung dagegen die kirchlichen Vereine begünstigte. Während diese Vereine meist eine liberal-politische Färbung hatten, verfolgten die auf Anregung Roßmäßlers sogenannten Humboldt-Vereine (seit 1860) ausschließlich den Zweck, die Bekanntschaft mit den Ergebnissen der neuern Naturforschung durch Vorträge, Bibliotheken u. a. zu fördern. Ebenfalls seit 1860 versprachen die Arbeiterbildungsvereine (Cercles d'ouvriers in Frankreich seit 1872) einen neuen Aufschwung zu nehmen, verfielen aber nach Lassalles Auftreten zum großen Teil der Sozialdemokratie. Anfang 1871 erfolgte in Berlin unter Mitwirkung von Schulze-Delitzsch, Franz Duncker u. a. durch Leibing und Kalle die Gründung der jetzt über ganz Deutschland verbreiteten Gesellschaft für Verbreitung von Volksbildung, die schnell einen bedeutenden Aufschwung nahm und Ende 1901: 23 Zweigvereine und Verbände mit zusammen 6237 Mitgliedern (davon 2660, jetzt 2853 körperschaftliche) zählte. Neben Lesezimmern, Bibliotheken, Vorträgen (durch Wanderlehrer) und Fortbildungsschulen sucht sie ihren Zweck durch Herausgabe einer Monatsschrift, »Der Bildungs-Verein« (seit 1871) mit Beiblatt »Die Volksbibliothek«, und Flugschriften zu erreichen. Für Bayern, Württemberg und Baden bildete sich ein Verband süddeutscher Arbeiterbildungsvereine, der neben dem Bildungszweck auch die praktischen Interessen der Arbeiter durch Arbeitsnachweis, Wanderunterstützungen u. a. berücksichtigt. 1889 wurde in Weimar ein Verein für Massenverbreitung guter Schriften (Schriftenvertriebsanstalt) gegründet. In der neuesten Zeit berühren sich die B. vielfach mit den Bestrebungen der sogen. von England ausgegangenen Universitätsausdehnung (University Extension) und der Meyers Volkshochschulen (s. d.). Auch der 1900 begründete deutsche Goethebund verfolgt vielfach ähnliche Zwecke. Über diese sowie über Gewerbevereine, Handwerkervereine, Jünglingsvereine, Vortragsvereines. die besondern Artikel. Vgl. außer der genannten Zeitschrift Reyer, Handbuch des Volksbildungswesens (Stuttg. 1896).
 
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Bildungswärme, s. Meyers Thermochemie.
 
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Bildweberei (Bildwirkerei), die Kunst, figürliche und ornamentale Darstellungen mittels des Webstuhls zu verfertigen; s. Meyers Gobelins, Meyers Teppiche u. Weben.
 
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Bildweite, der Abstand der optischen Bilder vom optischen Mittelpunkte der Hohlspiegel oder Linsen.
 
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Bildwirkerei, soviel wie Bildweberei.
 
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Bildwölbung durch Linsen. Das Bild, das eine Linse von einem ebenen Objekt erzeugt, ist im allgemeinen nicht eben, sondern gewölbt, d. h. es müßte, um an allen Punkten scharf zu erscheinen, auf einem gewölbten Schirm (wie z. B. durch die gewölbte Netzhaut im Auge) aufgefangen werden. Entsteht es auf einer ebenen Platte, wie z. B. bei photographischen Apparaten, so erscheinen nur die Mitte oder nur die Ränder scharf. Bei größern Gruppenaufnahmen werden deshalb die einzelnen Personen auf einer gewölbten Fläche angeordnet, damit das Bild eben wird. Durch Kombinationen von Linsen aus verschiedenen Glassorten kann man mehr oder minder eine Ebnung des Bildes bewirken.

 

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